Lehrer bestürzt über Medikation

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

Moderator: Moderatorengruppe

Mamanicole
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 55
Registriert: 22.08.2019, 21:08

Re: Lehrer bestürzt über Medikation

Beitrag von Mamanicole »

Hallo,

vielleicht noch ein anderer Gedankenansatz:

Die Lehrerin hat Herz und Arbeit in euer Kind investiert und war stolz am Erfolg (zumindest anteilig) teil zu haben. Wenn es eine gute Lehrerin ist, hat sie sicher versucht auch selbst an den Problemen zu wachsen. Und nun erfährt sie das ein völlig anderer Grund hinter dem Erfolg steckt.

Ist nur ein Gedanke!

Gruss Nicole

Karina H BS
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 335
Registriert: 23.01.2016, 09:11
Wohnort: Braunschweig

Re: Lehrer bestürzt über Medikation

Beitrag von Karina H BS »

Hallo,
bei uns ist gerade das Gegenteil der Fall. Sohnemann nimmt sein Medikament nicht mehr und eigentlich sollte er es gar nicht sagen. Hat er aber und schon einen Tag später kamen die Beschwerden über meinen Sohn und es nimmt keine Ende. So nimmt man sich die Chance unvoreingenommen an die Sache ranzugehen.
Wenn es eurem Kind so viel besser geht, dann ist ein Medikament für ihn richtig.
Ich weiß noch, wie mir die Tränen in die Augen schossen, als mein Sohn nach ein paar Tagen der Einnahme das erste Mal eine deutliche Antwort auf meine Frage gab. So als wäre er aus einem Wachkoma aufgewacht oder von seinem fremden Stern zu mir auf die Erde gekommen.
Er hat mit seiner Medikation eine Menge dazugelernt, was er ohne diese Hilfe so sicher nie geschafft hätte. Jetzt wollen wir möglichst versuchen, das Erlernte zu erhalten und das ohne sein Medikament. Dies ist sein Wunsch und wir Eltern können ihn sowieso nicht zwingen weiter Tabletten zu schlucken, egal welche Argumente wir bringen.
Warum die Lehrerin so reagiert hat kann ja diverse Ursachen haben. Schließlich gibt es auch Lehrer die Medikation kritisch sehen und davon lieber Abstand nehmen wollen, da sie die Nebenwirkungen eben auch kennen.

maikeb
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 196
Registriert: 20.11.2010, 12:47

Re: Lehrer bestürzt über Medikation

Beitrag von maikeb »

Die Lehrerin hat das professionell zu nehmen. Es ist mit den Medikamenten so viel besser? => Prima, richtiger Weg. Förderplan wird angepasst.
Sie hat weder das Recht noch die Kompetenz, darüber zu urteilen. (Und das sage ich als Lehrerin.)

Benutzeravatar
Alexandra2014
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3642
Registriert: 04.12.2014, 14:04

Re: Lehrer bestürzt über Medikation

Beitrag von Alexandra2014 »

maikeb hat geschrieben:
07.07.2020, 11:52
Die Lehrerin hat das professionell zu nehmen. Es ist mit den Medikamenten so viel besser? => Prima, richtiger Weg. Förderplan wird angepasst.
Sie hat weder das Recht noch die Kompetenz, darüber zu urteilen. (Und das sage ich als Lehrerin.)
👍 ganz genau.

Ich freue mich immer über Rückmeldung aus der Schule, wie es mit aktuellen oder neuen Medis läuft und berichte auch von unseren Erfahrungen Zuhause. Mehr aber auch nicht...
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

Bärbel99
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 56
Registriert: 05.03.2016, 09:18

Re: Lehrer bestürzt über Medikation

Beitrag von Bärbel99 »

Ich hab’s ja generell nicht so mit verheimlichen, egal worum es geht und so handhaben wir das auch mit der Medikamenteneinnahme.
Unser Sohn war unglaublich glücklich, als es endlich ruhiger in seinem Bauch wurde und er etwas von seiner Umwelt wahr nehmen konnte und wir waren mit ihm glücklich, das Kind kennen zu lernen ohne die ganzen „Krankheitssymptome“.
Ich habe mich anfangs sehr schwer getan ihm Medikamente zu geben und wir haben, wie so viele andere auch, erst alles menschenmögliche versucht, gerade weil die Medikamente bei Unwissenden so einen schlechten Ruf haben. Die Argumente man will sein Kind ruhig stellen kennt wohl fast jeder.
Nur wie soll sich etwas ändern, wenn viele damit nicht offen umgehen und heimlich zu Hause hinter verschlossenen Türen das Medikament geben.
Ich stehe heute dazu, dass unser Sohn medikamentös eingestellt ist und dadurch ein viel schöneres Leben hat und versuche aufzuklären, man erreicht nicht jeden, aber selbst bei uns auf der heilpädagogischen Waldorfschule stehen der Lehrer und die PM voll dahinter.
Sie sehen es aber auch wie es ist, wenn wir morgens das Elvanse vergessen. Unser Sohn ist dann echt im Ausnahmezustand.
Ich habe das Gefühl je offener wir mit dem Thema umgehen, umso selbstverständlicher ist es auch für unsere Kinder.
VG, Bärbel
(Pflege) Sohn *2011 ASS und ADHS
(Pflege) Tochter*2013 ASS

Lisaneu
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2086
Registriert: 27.01.2017, 08:24

Re: Lehrer bestürzt über Medikation

Beitrag von Lisaneu »

Bärbel99 hat geschrieben:
01.08.2020, 12:34
Ich habe mich anfangs sehr schwer getan ihm Medikamente zu geben und wir haben, wie so viele andere auch, erst alles menschenmögliche versucht, gerade weil die Medikamente bei Unwissenden so einen schlechten Ruf haben. Die Argumente man will sein Kind ruhig stellen kennt wohl fast jeder.
Nur wie soll sich etwas ändern, wenn viele damit nicht offen umgehen und heimlich zu Hause hinter verschlossenen Türen das Medikament geben.
Ich stehe heute dazu, dass unser Sohn medikamentös eingestellt ist und dadurch ein viel schöneres Leben hat und versuche aufzuklären, man erreicht nicht jeden, aber selbst bei uns auf der heilpädagogischen Waldorfschule stehen der Lehrer und die PM voll dahinter.
Sie sehen es aber auch wie es ist, wenn wir morgens das Elvanse vergessen. Unser Sohn ist dann echt im Ausnahmezustand.
Ich habe das Gefühl je offener wir mit dem Thema umgehen, umso selbstverständlicher ist es auch für unsere Kinder.
Hallo Bärbel,

dein Beitrag spricht mir aus der Seele. Ich habe ja zwei Jungs, einen mit ADHS-Asperger-Kombi und einen mit gehörlosen frühkindlichen Autisten. Und es hat wirklich LANGE gedauert, bis mein Mann und ich uns zum Versuch einer Medikation entschieden haben. Das war mehr aus der Verzweiflung heraus, weil wir so sehr an unserer persönlichen Belastungsgrenze waren, dass wirklich im Raum stand, beide Kinder in ein Heim zu geben. Da habe ich dann zu meinem Mann gesagt "Wenn der Alex in ein Heim kommt bekommt er dort GARANTIERT Medikamente, denn die Meltdowns, die schlaflosen Nächte und die Stimmungsschwankungen halten die Betreuer dort garantiert nicht aus. Da können wir es (Medis zu geben) gleich auch zu Hause probieren.

Tja, und Alex hat gleich auf den ersten Versuch (Risperidon) sehr gut angesprochen. Er wurde ausgeglichener, offener, die Anfälle wurden deutlich seltener (von 1-3x am Tag in der schlimmsten Zeit auf 1-3x im Monat!) und wir haben bisher trotz relativ hoher Dosierung (bei niedrigerer spricht er nicht an) keinerlei Nebenwirkungen bemerkt. Natürlich ist mir bewusst dass das Medikament trotzdem organschädigend ist und es ist nicht unser Plan, es ihm eine Lebetag lang zu geben. Aber es hat unseren Alltag doch DEUTLICH erleichtert. Der Schule gegenüber haben wir, was die Medikation betrifft, einen sehr offenen Umgang. Sprich: wir haben die Lehrer über jeden Versuch und jede Veränderung in Kenntnis gesetzt.

Beim älteren Sohn mit anderer Problemstellung (Frusttoleranz, Emotionskontrolle) war es schwieriger, er hat auf die unter Kontrolle des KJP verordneten Medikamente (Ritalin und Ritalin LA) entweder gar nicht oder mit extremen Nebenwirkungen reagiert. Auch bei ihm waren wir bei allen Versuchen offen gegenüber Schule und Hort. Da seine Probleme ja hauptsächlich das Verhalten in diesen Einrichtungen betroffen haben war uns auch das feedback wichtig. Was verändert sich mit den Medis? Was wird besser, was schlechter? Auch, wenn wir uns im Moment gegen eine Dauermedikation bei unserem älteren Sohn entschieden haben werden wir diesen offenen Umgang weiter beibehalten. Dieses Argument von "Kinder ruhigstellen wollen" kann ich schon nicht mehr hören. Noch dazu, wo gerade mein älterer Sohn ohnehin ein ziemlich ruhiger Typ ist, wenn er nicht gerade in einer emotionalen Ausnahmesituation steckt. Und da er diese Ausnahmesituationen zu Hause deutlich seltener hat als z.B. in der Schule, hätten wir zu Hause mit einer Medikation gar keinen erkennbaren Vorteil. Wenn wer eine vorgefasste Meinung zu dem Thema hat, dann werde ich diese Personen mit Erfahrungsberichten und Ehrlichkeit auch nicht überzeugen können. Aber wenn ich nicht generell offen mit dem Thema Medikation umgehe verbaue ich mir und meinem Kind die Chancen dass uns Offenheit und Verständnis entgegen gebracht wird.

DANKE für deine klaren Worte, ich sehe das ganz genau so!
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama und Papa stark kurzsichtig (Kommentar eines Optikers: Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?)

BeatrixB
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 300
Registriert: 30.03.2010, 20:51

Re: Lehrer bestürzt über Medikation

Beitrag von BeatrixB »

Die Lehrer sehen nur die paar Stunden Belastung in der Schule. Die können sich ein 365 mal 24/7 Belastung mit einem freistehenden Kind doch gar nicht vorstellen
3 Kinder; Sohn von 08/09 mit DS

Antworten

Zurück zu „Krankheitsbilder - ADS/ADHS“