Persönliches Budget trotz Heimunterbringung ?

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Re: Persönliches Budget trotz Heimunterbringung ?

Beitragvon Senem » 12.10.2019, 14:47

Ja, das denke ich auch.

Man will halt sparen :roll:


Stefan M. hat geschrieben:

Ich denke, im Behindertenbereich ist vieles im Argen, was die Finanzierung betrifft.

Gruß

Selbstbetroffen mit einigen Baustellen

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Re: Persönliches Budget trotz Heimunterbringung ?

Beitragvon Silvia & Iris » 12.10.2019, 16:08

und das nicht nur in D...
Liebe Grüße
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Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

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Re: Persönliches Budget trotz Heimunterbringung ?

Beitragvon Stefanie Berlin » 12.10.2019, 18:47

Ja wir haben ein ähnliches Problem.
Allerdings hat die Förderstätte von vornherein gesagt Sie nehmen F. nur mit 1 zu 1 Begleitung. Also hat er erstmal eine 1 zu 1 Begleitung aber nicht als PB.
Bisher konnten wir aus dem Grund der nicht möglichen Mobilitätshilfe ebenfalls keine Unterbringung oder Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen da F. mindestens 150 Minuten am Tag bewegt werden muss. Ich weiß, dass die stationären Einrichtungen ab 2020 durch das neue BTHG die Hoffnung haben sich Leistungen dazu zu kaufen um z.B. Mobilitätshilfe gewährleisten zu können
Steffi mit F. 9/01 Alström Syndrom, Blind, f. Autismus, Diabetes, Leberfibrose, metabolisches Syndrom, Microzhephalie, nonverbal

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Re: Persönliches Budget trotz Heimunterbringung ?

Beitragvon Stefan M. » 12.10.2019, 19:10

Ich hätte halt zwei Anliegen bzw. Fragen:

1. Warum schließen sich Eltern nicht zusammen und bringen mal Ihre Anliegen vor ? Es gibt doch nicht nur uns, die das Problem mit dem Betreuungsschlüssel haben. Den Mitarbeitern vor Ort geht es doch auch nicht gut, wenn die sich zu zweit um 8 oder mehr schwer behinderte Menschen kümmern müssen. Wie ich beobachten konnte, sind die Behinderungen immer schwerer bei gleichem Personalschlüssel, das kann doch nicht sein, oder ? Wenn es sein muss, könnte man doch sich einem Verband anschließen oder selbst ein Netzwerk gründen , oder ?

2. Vielen Dank für Eure Beiträge. Dann an die Stefanie aus Berlin: Wie habt Ihr den erhöhten Bedarf für Euren Sohn nachgewiesen und vor allem durchgesetzt ? Wenn das nicht an die große Glocke soll, Du kannst mir gerne auch an die pn schreiben, ich wäre Dir sehr dankbar.

Bei uns ist es so, dass wir von den Ärzten darauf hingewiesen wurde, dass unser Sohn die Geh- und Transferfähigkeit verliert, wenn er nicht bewegt wird, auch nur in seinen Gehwagen gestellt wird und ein bisschen am Tag laufen kann bzw. seinen Stehständer mal benutzen kann.

Dass er die Gehfähigkeit verliert, möchte ich nicht, es ist Lebensqualität für unseren Sohn.

Viele Grüße

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Re: Persönliches Budget trotz Heimunterbringung ?

Beitragvon Inga » 12.10.2019, 22:01

Hallo Stefan, zu 1. - weil es nicht wirklich was bringt! :(
Es gibt kaum eine Einrichtung, die alle Stellen besetzt hat, warum sollte da um mehr Personalstellen gekämpft werden, wenn noch nicht mal für die Grundversorgung genug Personal da ist???

Unsere Lösung war daher das PB (alleine Wohnen mit Assistenz), da können wir so gute Arbeitsbedingungen bieten, dass wir bisher noch gut Personal gefunden haben.
Selbst bei Steven (24-Stunden-Fachkraft-Assistenz) haben wir nach 3 Monaten suchen bis auf einen Minijob alle Stellen besetzt, und selbst dafür haben wir demnächst noch 2 Vorstellungsgespräche.

Für unsere Jungs ist das alleine Wohnen super. Danielo braucht viel gesellschaft, aber durch Aktivitäten wie Kegeln, Disco,... und seine Arbeit in der Werkstatt hat er genügend Kontakte.
Steven braucht eher Ruhe, ihm reichen die Kontakte zu seiner Familie und der etwas reduzierten TaFö-Zeit.

Gruß, Inga
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Betreuer von Danielo '96 und Steven '98

Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic2393.html
Unsere Galerie: http://www.REHAkids.de/phpBB2/album_per ... er_id=1278

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Re: Persönliches Budget trotz Heimunterbringung ?

Beitragvon MOmitJulian » 12.10.2019, 22:35

Hallo Stefan,

als Angehöriger hat man bedingt Möglichkeiten auf das Personal Einfluss zu nehmen.

Die Menge an Personal (Personalschlüssel) wird mit dem Landesamt für Soziales verhandelt. Dies findet in der Tagessatzverhandlung statt.

Vor einer solchen Verhandlung hat der Träger der Einrichtung dem Heimbeirat seine Kalkulationen zu öffnen (Mitwirkungsrecht nach Paragraph 24 (3) LETG, RLP). In dieser Kalkulation erkennt man auch den angedachten Personalschlüssel.
Man kann dann eine entsprechende Stellungnahme aus der Sicht des Heimbeirats verfassen.

Wie gut die Chance ist, dass das Landesamt etwas berücksichtig, weiß ich aber nicht.

So eine Personal-Kalkulation habe ich erst einmal plausibilisieren müssen für die Verhandlung und unser Wunschschlüssel wurde annähernd genehmigt.
Unsere Einrichtung hat einen Schlüssel von 1:2,04

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Re: Persönliches Budget trotz Heimunterbringung ?

Beitragvon Inga » 12.10.2019, 23:12

MOmitJulian hat geschrieben:Unsere Einrichtung hat einen Schlüssel von 1:2,04


Hallo, was bedeutet der Schlüssel genau? Pro Bewohner gibt es eine halbe Kraft?
Hört sich ja in der Theorie gut an, aber im Alltag ist das echt wenig!
Die Kraft arbeitet ja von 168 Wochenstunden nur 20 Stunden, hat Urlaub, ist krank,... selbst wenn man 40 h für den Werkstattbesuch abzieht und 7x8 für die Nächte bleiben noch ca. 70 h übrig wo Betreung nötig ist. Heißt, es ist (wenn es gut läuft) für ca 4-5 Bewohner immer eine Kraft im Dienst.
Gruß, Inga
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Re: Persönliches Budget trotz Heimunterbringung ?

Beitragvon Stefan M. » 13.10.2019, 08:58

Hallo Inga, dann stellt sich die Frage, warum nicht alle Stellen besetzt werden können. Es liegt dann entweder an der Bezahlung oder an den unattraktiven Arbeitsbedingungen.

Dann muss sich da halt was ändern. ( Es kann ja nicht sein, dass zum Beispiel eine Nachtbereitschaft nur 3 Stunden bezahlt bekommt, nur ein Beispiel wie gesagt).

Ich würde schon eine Heimunterbringung einer persönlichen Assistenz vorziehen, für uns bzw. unseren Sohn ist ein Heimplatz schon ideal.

Zur Zeit ist er schon in einem der Schule angegliederten Wohnheim und er hat die letzten Jahre schon sehr davon profitiert.

Ob das mit einer persönlichen Assistenz erreicht wäre, wage ich zu bezweifeln.

Nichts gegen eine persönliche Assistenz, nicht, dass das eine Grundsatzdiskussion wird, aber nicht jeder hat das Potenzial, diese zu organisieren.

Vg

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Re: Persönliches Budget trotz Heimunterbringung ?

Beitragvon Stefanie Berlin » 13.10.2019, 09:07

Hallo Stefan,
Ich hatte das Glück das die Förderstätte von vornherein gesagt hat das Sie F. nur mit 1 zu 1 Betreuung nehmen. Außerdem hatten Sie schon mal einen ähnlichen Fall und konnten eine Bewilligung aus Brandenburg nachweisen. Da die Schulzeit beendet war und noch das JA für 3 Monate zuständig war, wurde es problemlos bewilligt. Wir haben auch Arztberichte, die Bestätigen wenn F. Nicht ausreichend Bewegung erhält verschlechtert sich seine Krankheit.
Leider ist jetzt das Soz zuständig und zögert die Bearbeitung meiner Anträge seit Juli hinaus. War schon beim Anwalt. Bestimmte Leistungen muss Ich mir wahrscheinlich einklagen wie die zusätzliche Autismustherapie bzw. das Coaching der Einzelbetreuer bzgl. Autismustherapie.
Bin auf jeden Fall bereit dazu. Ich hatte ein Urteil gefunden das in bestimmten Fällen ein zusätzlicher Bedarf für Eingliederungshilfe bestehen kann neben Leistungen durch eine Tagesförderstätte. Hier der Link VG Braunschweig, Beschluss vom 20.02.2002 - 3 B 435/01
Vielleicht kann man das übertragen auf andere Fälle?
LG Stefanie
Steffi mit F. 9/01 Alström Syndrom, Blind, f. Autismus, Diabetes, Leberfibrose, metabolisches Syndrom, Microzhephalie, nonverbal

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Re: Persönliches Budget trotz Heimunterbringung ?

Beitragvon MOmitJulian » 13.10.2019, 11:44

Hallo Inga,

Personalschlüssel von 1:2,04 bedeutet, dass das Landesamt uns für insgesamt 85 Bewohner 41,7 Vollzeitstellen bewilligt hat.
Natürlich brutto.
Und die Nächte gehören natürlich dazu, die kannst du nicht anziehen.

Das Landesamt für Soziales bewilligte also 41,7 VZ brutto zur Versorgung von 85 Bewohnern „rund um die Uhr“.

Die Dienstplanung gestaltet sich entsprechend des Bedarfs der jeweiligen Wohngruppe.

Es ist beiweiten noch Luft nach oben. Aber kein Betrieb kann mehr Geld ausgeben, als er einnimmt. Und wenn man nur 41,7 vom Landesamt finanziert bekommt, dann kann man auch nicht mehr einstellen. Mit den 41,7 VZ sind aber nur Fach- und Ergänzungskräfte im wohngruppendienst gemeint.
Küche, Reinigung, Verwaltung, Hausmeister, Leitung kommt noch zusätzlich.


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