Gibt es Gesetze für Therapieanerkennung

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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Sandylein
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Gibt es Gesetze für Therapieanerkennung

Beitragvon Sandylein » 15.04.2019, 17:21

Hallo,
Ich hätte euch ja berichtet das ich einen unabhängigen Gutachter hier bei uns hatte. Gutachten liegt mir nun vor. Er hat keinerlei Therapie anerkannt. Er meinte sie sei12 und kann es alleine.
1 x wöchentlich Logopädie seit letztes Jahr Sommer fahren hin und zurück 30 km. Nach Therapie Rede ich mit der Logopädin. Ich warte solange 45 Min.
2 x wöchentlich desensibilisierung Kinderarzt dauert 3 Jahre lang sind wöchentlich 120 km. Müssen dann je Sitzung eine Std in der Praxis bleiben.
2x monatlich Psychotherapie 140 km monatlich Fahrtzeit jeweils ca 1 Std und eine Std Therapie und Gespräch kurz alleine mit Therapeutin. Sie hat Depressionen mit keinem Selbstbewusstsein.
1 x tgl logopädischen Übungen/ das hat er anerkannt/
4x tgl inhalieren
3x tgl Medikamente / gibt im Gutachten das so an kreuzt aber 1 x wöchentlich an./

Kann mir jemand helfen? FED meldet sich morgen bei mir.
Lg

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kati543
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Re: Gibt es Gesetze für Therapieanerkennung

Beitragvon kati543 » 15.04.2019, 19:28

Hallo,
also so pauschal mit „sie ist 12 und kann es alleine“ geht es nicht, aber es ist auch nicht mehr so leicht, die Therapien anerkannt zu bekommen.
Es gibt 6 Module, aus denen der PG zusammengerechnet wird. Die 6 Module und deren Fragen kennst du sicher genau. Tatsächlich gibt es aber 8 Module, davon ist ein Modul nicht relevant für Kinder. Das 7. Modul hat es leider diesbezüglich in sich. Insbesondere das 7. Modul kann sämtliche Angaben aller anderen Module ändern und auf „selbstständig“ setzen. Daher kann das „sie ist 12 und kann es alleine“ durchaus stimmen.
Das 7. Modul sind die „Ausserhäuslichen Aktivitäten“. Bei meinem Ältesten (12 Jahre) kommen dann immer Fragen wie:
- Besucht er denn mal alleine einen Freund?
- Kann er auch mal zum benachbarten Bäcker alleine gehen?
- Geht er allein in die Schule?
- ...
Wohlwissend beantworte ich solche Fragen immer sehr umfangreich.
Kommt der Gutachter hier zu dem Ergebnis, dass das Kind sich altersgemäß draußen bewegen kann, dann kann es offenbar auch in die nächstgrößere, 40 km entfernte Stadt mit den öffis fahren bei 5 mal umsteigen.
Eine Inhalation zu Hause kann ein geistig fittes Kind eigentlich im Alter von 12 definitiv allein. Da muss man nicht mehr daneben sitzen. Damit ist das auch keine Pflege mehr.
Die Medikamente sind ein Fehler. Das würde ich definitiv bemängeln, sonst ist das im nächsten Gutachten auch gleich falsch.
Wenn er die Logo zu Hause anerkennt, muss die Logo in der Praxis auch anerkannt werden. Das ist ja sogar höherwertig.
Wieso habt ihr keinen Kinderarzt in der Nähe oder lasst die Desensibilisierung von einem anderen Arzt durchführen? Das ist doch jetzt kein Heuschnupfen, sondern eine echte Behinderung, oder? Man muss den Gutachtern schon immer erzählen, dass das zwar der Kinderarzt ist, aber in dem Fall behandelt er die Behinderung XY. Bei uns ist das auch so. Der Kinderarzt ist zeitgleich der Neurologe. Kinderarzt zählt eigentlich gar nicht (da müssen auch gesunde Kinder hin), Neurologe schon.
Das wöchentliche Programm deiner Tochter ist der Wahnsinn. Ich frage mich gerade, wann sie Zeit für die Schule hat.

LG
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Re: Gibt es Gesetze für Therapieanerkennung

Beitragvon Gutachter Martin » 15.04.2019, 19:54

kati543 hat geschrieben:Insbesondere das 7. Modul kann sämtliche Angaben aller anderen Module ändern und auf „selbstständig“ setzen.


Quelle bitte.

Sandylein
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Re: Gibt es Gesetze für Therapieanerkennung

Beitragvon Sandylein » 15.04.2019, 20:36

Modul 7 sehe ich im Gutachten nicht nur 1 bis 6

kati543
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Re: Gibt es Gesetze für Therapieanerkennung

Beitragvon kati543 » 15.04.2019, 23:16

Sandylein hat geschrieben:Modul 7 sehe ich im Gutachten nicht nur 1 bis 6


https://www.bundesgesundheitsministeriu ... lanung.pdf

https://www.mds-ev.de/fileadmin/dokumen ... Pflege.pdf
(Seite 82ff.)

Oh doch, es gibt die 7 und die 8. Allerdings ist die 8 nicht für Kinder relevant.

Einfach mal bei den Pflegerechnern, die es online so gibt, ausschließlich mit diesen Fragen „herumspielen“ und man sieht sehr deutlich den Effekt in den anderen Modulen.
Ist mir auch nur „zufällig“ aufgefallen, weil ich in den einzelnen Modulen für meinen Ältesten damals in den Onlinerechnern andere Werte eingegeben hatte. Am Ende stand überall selbstständig drin. Hatte ich NIEMALS so eingegeben. Da hätte ich ja zutiefst gelogen.

LG
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Re: Gibt es Gesetze für Therapieanerkennung

Beitragvon Gutachter Martin » 16.04.2019, 05:50

Das muss eine versehentliche Fehlbedienung gewesen sein. Die Module müssen grundsätzlich plausibel zueinander sein, keine Frage. Eine Eingabe - egal in welchem Modul - führt jedoch niemals "automatisch" zu einer Veränderung anderer Module.

kati543
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Re: Gibt es Gesetze für Therapieanerkennung

Beitragvon kati543 » 16.04.2019, 07:31

Gutachter Martin hat geschrieben:Das muss eine versehentliche Fehlbedienung gewesen sein. Die Module müssen grundsätzlich plausibel zueinander sein, keine Frage. Eine Eingabe - egal in welchem Modul - führt jedoch niemals "automatisch" zu einer Veränderung anderer Module.


Wenn ein Mensch sich außerhalb der Wohnung vollkommen selbstständig bewegen kann (mal angenommen), dann gibt es keinen Grund, warum er plötzlich ausgerechnet für den (mehrmals wöchentlich stattfindenden) Gang zum Therapeuten begleitet werden muss. Das wäre nicht unbedingt plausibel. Falls es einen triftigen Grund gibt, muss ich das dem Gutachter explizit sagen. Daher schon der Hinweis auf dieses Modul. In meinen Augen ist das nicht berechtigt, ist aber eine (versuchte) Erklärung, wo der „Fehler“ zu finden ist.

Mal abgesehen davon, dass kein Arzt mein Kind (in dem Alter) auch nur anschauen, geschweige denn behandeln DARF (wenn nicht gerade ein Notfall vorliegt), solange nicht wenigstens ein Sorgeberechtigter anwesend ist und so sein Einverständnis gibt. Ja, bei der Aussage, „mit 12 kann sie das alleine“ scheitert das an Vielen.

LG
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Gutachter Martin
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Re: Gibt es Gesetze für Therapieanerkennung

Beitragvon Gutachter Martin » 16.04.2019, 07:56

Es ging mir um den durch Dich benannten Automatismus, dass Eingaben im Modul 7 automatisch zu Veränderungen in anderen Modulen führen - das ist schlicht falsch.

Bewegung außerhalb des Wohnhauses ist definiert mit etwa 500 Meter; wenn der Therapeut nun 5 Kilometer entfernt ist, kann der Mensch da ggf. nicht alleine hingelangen. Ein Rollstuhlfahrer kann durchaus 500 Meter um sein Haus mobil sein, jedoch Hilfe beim Aufsuchen von Ärzten und Therapeuten haben. Das musst auch nicht Du dem Gutachter erklären, sondern dies hat er in seiner gutachterlichen Einschätzung darzulegen.

Einen Arztbesuch eines 12-jährigen Kindes sehe ich auch als unmöglich an - egal wofür. Das Aufsuchen der auf der gleichen Straße befindlichen Physiotherapie zum Beispiel kann durchaus denkbar sein. Hier muss man als Gutachter auf den Einzelfall schauen.


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