Inklusion? Bei unserer Gemeinde anscheinend nicht..

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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RikemitSohn
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Re: Inklusion? Bei unserer Gemeinde anscheinend nicht..

Beitragvon RikemitSohn » 05.04.2019, 10:11

[quote="Johannes2016"]

Die Krippe in der sich Johannes befindet ist ein eigenständiger Betrieb, jedoch sagte die Leitung vor einiger Zeit, daß die Kinder in der Krippe auch vorrangig einen Kitaplatz Platz bekommen.
Auf aktuelle Nachfrage letzte Woche, wie viele 3jährige Krippenkinder keinen Platz bekommen war ihre Aussage:" kein anderes kind".

Hallo,

genau darauf würde ich mich beziehen, denn es scheint dort eine Regelung zu geben, die dein Kind ausgeschlossen hat auf Grund seiner Behinderung. Daher ist ein Anwalt der richtige Weg. Das empfinde als Diskriminierung, die auch Nachweisbar ist. Vielleicht könnt ihr noch herausbekommen, wie es in den letzten Jahren gelaufen ist. Haben dort auch alle nichtbehinderten Kinder einen Platz bekommen.
Die Presse würde ich von meinem Gefühl aussen vor lassen. Das kann ganz böse nach hinten los gehen, denn die werden wahrscheinlich nicht am Wohl eures Kindes interessiert sein, sondern an einer guten Geschichte.

Noch zu der Diskriminierungsdikussion weiter oben: es ist diskriminierend, wobei ich es in erster Linie unverschämt finde. Dieses schlechte Gewissen verbreiten kenne ich auch bei Regelschülern. Das scheint bei einigen Betreuern ein gängige Methode zu sein. Daher ist das für mich nicht speziell nur auf Inklusion bezogen, sondern eine allgemeine Frechheit, die sich Eltern niemals bieten lassen sollten.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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Monimama
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Re: Inklusion? Bei unserer Gemeinde anscheinend nicht..

Beitragvon Monimama » 06.04.2019, 11:12

Hallo Andrea,
ich habe dir eine PN geschickt.
Viele Grüße Moni
4 leibliche Kinder '88, '91, '92, '00, Pflegesohn '12 mehrfachbehindert, SOD, keine Sprache, PEG, seit 11/2018 Epilepsie und andere Baustellen, Pflegesohn '15 Dysmelien, Schwerhörig und andere Baustellen, BereitschaftsPfK

"Nicht die Dinge selbst, sondern ihre Vorstellung von den Dingen beunruhigt den Menschen" Epiktet vor 2000 Jahren

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Re: Inklusion? Bei unserer Gemeinde anscheinend nicht..

Beitragvon mariannna » 07.04.2019, 21:29

Engrid hat geschrieben:Hallo,

Es können fünf andere Kinder nicht kommen, wenn Johannes einen Platz bekommt

Ich will gerne erklären, warum das eine Diskriminierung ist.

Es ist KEINE Diskriminierung, dass ein betreuungsintensives Kind die Gruppengrösse reduziert.
Die Diskriminierung ist, den Eltern das einzudrücken um sie zu bewegen, den Platz nicht zu verlangen.

Kommunen sind verpflichtet, für jedes Kind einen Kindergartenplatz anzubieten. Für JEDES. Es gibt aber offenbar zu wenige, weil zuwenig Geld in die Hand genommen wird. Anstatt mehr Plätze zu schaffen, versucht man, den Eltern eines behinderten Kindes ein schlechtes Gewissen zu machen dass ihr Kind fünf anderen den Platz „wegnimmt“. Das ist strukturelle Diskriminierung. Das Kind kommt nicht von außen, und nimmt wem was weg.
Grüße


Das hat ja auch niemand behauptet. Es ginge um die sachliche/wertfreie Aussage, die oben steht.
Von Platz "wegnehmen" wurde nix gesagt, daher ist es auch keine Diskriminierung, sondern nur das Aussprechen einer Tatsache.

Ich würde mal nachfragen, nach welchen Kriterien der Kindergarten seine Plätze vergibt.

Ein vorheriger Besuch der benachbarten Krippe ist wahrscheinlich nur einer von mehreren Faktoren. Wahrscheinlich spielen auch soziale Faktoren wie alleinerziehend/beide Eltern berufstätig/schwierige häusliche Situation...usw eine Rolle.

Ansonsten gilt, dass man zwar einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung hat, jedoch nicht das Recht, auf den Lieblingskindergarten.
Gibt es denn noch andere Regelkindergärten in der Nähe? Falls die nämlich auch alle voll sind habt ihr ja wenigstens noch die Möglichkeit, auf die heilpädagogischen KG auszuweichen... das haben die anderen Kids nicht.
Vll war das auch die Überlegung der Gemeinde.

Aber nachfragen würde ich auf jeden Fall auch!
Die Auswahlkriterien sollten transparent sein.

LG,Marianna

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 08.04.2019, 07:13

Hallo,

Das hat ja auch niemand behauptet. Es ginge um die sachliche/wertfreie Aussage, die oben steht.
Von Platz "wegnehmen" wurde nix gesagt, daher ist es auch keine Diskriminierung, sondern nur das Aussprechen einer Tatsache.
Ach soooo, und die Frau hat diese „wertfreie Aussage“ nur REIN zufällig in dem Gespräch getan, in dem es darum ging, Johannes Mama dazu zu bringen, von ihrem Ansinnen zurückzutreten ... und es war üüüüberhaupt nicht die Absicht, der Mama ein schlechtes Gewissen zu machen. :icon_scratch: :roll:

STRUKTURELLE Diskriminierung heißt zb, die Strukturen (zb der Organisation bei der Kiga-Platzverteilung, Kuga-Ausstattung usw) sind so, dass sie diskriminieren, in dem Fall Menschen mit Behinderung. Und es heißt zb, den zusätzlichen Aufwand für ein behindertes Kind als Negativargument zu gewichten.
Und damit kann der Sachbearbeiter dann pseudosachlich sagen es sei nur eine sachliche/wertfreie Aussage...

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Johannes2016
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Re: Inklusion? Bei unserer Gemeinde anscheinend nicht..

Beitragvon Johannes2016 » 17.05.2019, 13:36

Hallo,
Ich wollte mich mal melden was gerade stand der Dinge ist.
Wir haben einen runden Tisch gehabt mit dem Vertreter ( Ordnungsamtsleiter), der zuständigen Sachbearbeiterin der Kindergarten Plätze, der Krippenleitung , eine Erzieherin, der Behindertenbeauftragte, Fachfrau für Integration vom Jugendamt , Frühförderstelle, Unsere Hospizleitung und natürlich wir.
Das Gespräch war sehr emotional und Johannes würde von seitens der Gemeinde abgelehnt. In der Krippe kann er nicht bleiben, da er 3 Jahre alt ist, im Kindergarten ist kein Platz für ein so Betreuungsintensives Kind.

Die Frühförderstelle und die Hospiz Leitung empfehlen die Weiterbetreuung in der Kinderkrippe oder eine kleine Krippe- auf alle fälle ortsnah.
Das Jugendamt hat das alles auch bestätigt. Alle sollen auf Johannes schauen und was er braucht.
Lösungen sollten gesucht werden.
Nach dem runden Tisch haben wir direkt die schriftliche Ablehnung in die Hand gedrückt bekommen.
Ganze 3 Tage später teilte man uns mit , daß Johannes definitiv keinen Platz bekommt und das er nicht in der Krippe bleiben kann, da das Personal für eine andere Gruppe benötigt wird.
Wir sollen unser 3 Jahre altes Kind mit dem Taxi in eine weiter entfernte Einrichtung fahren lassen. Hallo? Geht's noch? Ich bin aus allen Wolken gefallen. Und er hat die Aussage ( Krippenplatz, ortsnah)vom Jugendamt dementiert- " das hätte das Jugendamt nie gesagt" - leider haben wir ja Zeugen!
Wir haben uns nun entscheiden Klage einzureichen und uns einen Anwalt gesucht.
Wir werden für unseren Sohn kämpfen und alles versuchen, daß er ohne Stress seine Kindergarten Zeit verbringen kann.

LG Andrea
Andrea (*76), Peter (*74) mit Paul (*12) und Johannes (*16), PVL dadurch ICP mit Rumpfhypotonie und Tetraspastik, Wahrnehmungsstörung, Sehverarbeitungsstörung und viel zu blasse Sehnerven, Epilepsie

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Re: Inklusion? Bei unserer Gemeinde anscheinend nicht..

Beitragvon LovisAnnaLarsMama » 17.05.2019, 14:01

Hallo Andrea,
das tut mir leid, wie es gelaufen ist. Damit hättet ihr aber eine Alternative?
Wir haben gerade unseren Platz im HP- Kindergarten bekommen. Der ist natürlich auch weiter entfernt und das Kind wird wie fast alle Kinder dort mit dem Taxi hinfahren. Das finde ich gar nicht so verkehrt. Nach eurer Vorgeschichte ist die weiter entfernte Einrichtung warscheinlich gar keine so schlechte Idee, weil sonst viele Leute mit Vorurteilen behaftet sind. Habt ihr die vorgeschlagenen Einrichtung mal angeschaut?
Vielleicht wird dort viel besser auf euren Sohn eingegangen? Unser örtlicher Kindergarten ist räumlich und personell gar nicht in der Lage eingeschränkter Kinder zu betreuen.
Im anderen Kiga gibt's Physio, Ergo, SI, Logopädie, therapeutisches Reiten und geeignete kleine Gruppen... Für uns ist die weitere Anfahrt ein zu verschmerzender Gewinn für das Kind.
Solltet ihr den Klageweg wählen, drücke ich euch die Daumen.
LG LovisAnnaLarsMama
Meine drei kleinen Wunder: Wunderkind (2009), Schneckenkind (2011) und der kleine Bruder (2015): Hemiparese, expressive Sprachenwicklungsstörung, Epilepsie und diverse Baustellen nach Asphyxie/Frühgeburt

Johannes2016
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Re: Inklusion? Bei unserer Gemeinde anscheinend nicht..

Beitragvon Johannes2016 » 17.05.2019, 20:28

Hallo,
Natürlich haben wir uns diese Einrichtung angesehen. Es war aus diversen Gründen kein Ort für unser Kind. Zumindest dieses Jahr nicht.
Es gibt dort zwar die Möglichkeit die Therapien in der Einrichtung zu machen, aber unsere Therapeuten kommen alle aus der entgegen gesetzten Richtung und würden nicht dorthin fahren. Also Therapien wieder zuhause.
Was aber ein Hauptgrund ist: Johannes schreit beim Auto fahren, damit setzt die Spastik ein und er schreit noch mehr.
Und wir haben noch einen Sohn, dieser kommt dieses Jahr in die Schule. Wenn Fahrtwege/ Fahrzeit und die Therapien wieder zuhause stattfinden bleibt er wieder auf der Strecke.
Für uns ist das momentan irgendwie nicht Stemmbar.
Johannes wird eine Schule für blinde benötigen oder zumindest für komplexere Behinderungen. Diese sind alle weiter weg. Warum muss also ein Kind mit 3 Jahren schon entfernter in eine Kita wenn er eigentlich das benötigt was ein Krippenkind benötigt.
LG Andrea
Andrea (*76), Peter (*74) mit Paul (*12) und Johannes (*16), PVL dadurch ICP mit Rumpfhypotonie und Tetraspastik, Wahrnehmungsstörung, Sehverarbeitungsstörung und viel zu blasse Sehnerven, Epilepsie


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