Rezepte für Medikamente auch nach 12. Geburtstag?

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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Kaja
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Beitragvon Kaja » 07.02.2019, 21:20

Hallo Andrea,

für diese Problematik scheint es keine einheitliche Handhabung zu geben. Der Gesetzgeber hat seine Entscheidung so begründet:

http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/15/015/1501525.pdf

Diesgilt auch für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr, soweit deren geistige oder körperliche Entwicklung verzögert oder gestört ist und ein besonderer medizinischer Versorgungsbedarf auch mit rezeptfreien Arzneimitteln besteht

Dafür würde jede Feststellung einer Behinderung ausreichend sein.

Anders sieht es das SG Marburg (Urteil vom 01.02.2012 - S 12 KA 716/09):

https://openjur.de/u/308211.html

Auszugehen ist hierbei für die Auslegung dieses Gesetzesbegriffs vom ICD-10. Zur Klassifizierung der psychischen und Verhaltensstörungen nennt der ICD-10 unter den Gruppen F80 bis F89 Entwicklungsstörungen. Dazu führt er an, die in diesem Abschnitt zusammengefassten Störungenhätten folgende Gemeinsamkeiten: Beginn ausnahmslos im Kleinkindalter oder in der Kindheit; eine Entwicklungseinschränkung oder –verzögerung von Funktionen, die eng mit der biologischen Reifung des Zentralnervensystems verknüpft sind;stetiger Verlauf ohne Remissionen und Rezidive. In den meistenFällen seien u. a. die Sprache, die visuell räumlichen Fähigkeitenund die Bewegungskoordination betroffen. In der Regel bestehe die Verzögerung oder Schwäche vom frühestmöglichen Erkennungszeitpunkt an. Mit dem Älterwerden der Kinder verminderten sich die Steuerungen zunehmend, wenn auch geringere Defizite oft im Erwachsenenalter zurückblieben. Es werden folgende Hauptgruppen umschrieben, unter F80 umschriebene Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache, unter F82 umschriebene Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen, unter F83 kombinierte umschriebene Entwicklungsstörungen, unter F84 tiefgreifende Entwicklungsstörungen, unter F88 andere Entwicklungsstörungen und unter F89 nicht näher bezeichnete Entwicklungsstörung...

Entgegen der Auffassung des Klägers reicht es nicht aus, dass allgemein die gesundheitliche Entwicklung des Jugendlichen gestört ist und dies sich lediglich körperlich auswirkt. Mit Entwicklungsstörungen sind die genannten psychischen und Verhaltensstörungen gemeint.

Wenn dein Kind eine der F-Diagnosen hat, dürfte der Arzt auf der sicheren Seite sein.

Viele Grüße Kaja

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Andrea1
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Beitragvon Andrea1 » 10.02.2019, 10:33

Hallo Kaja,
Vielen Dank. Dass heißt der (Kinder-)Arzt bestätigt diese Entwicklungsstörung und mit diesem Attest sollte es dann klappen?
LG
Andrea
Julian geb. 18.01.07; 28/0 SSW 1090g. Ventrikelseptumdefekt, Atemnotsyndrom,Pneumothorax rechts, BPD,Lungenhypoplasie, Tracheostoma, derzeit CPAP beatmet, Krampfanfälle, Leistenbruch, Lungenbiopsie,Gedeistörung,deshalb PEG,Nov. 09 Reflux-op, seit April 09 ohne Beatmung mit Sauerstoff, Aug 10 Tracheostomaverschluß

Beate139
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Beitragvon Beate139 » 10.02.2019, 11:03

Hallo,

ich hab bisher auch noch keine Probleme gehabt. Ich gebe bei jedem Arzt direkt am Schalter eine Kopie des SBA von meinem Sohn.

Nur mit dem Kind-krank Attest hatte ich anfangs Probleme. Mein Sohn ist mit seinen 17 Jahren ja schon längst über die Grenze von 12 Jahren hinweg. Und die Kinderärztin war sich nicht sicher, ob die Krankenkasse dann überhaupt eine Kind-krank-Meldung akzeptieren würde.
Die Krankenkasse hats auch tatsächlich erstmal pauschal abgelehnt. Aber nach Widerspruch und Meldung meinerseits an die Zentrale der Krankenkasse hats dann doch geklappt.

Leider ist es so, das man grundsätzlich erstmal auf Hindernisse stößt

Ullaskids
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Beitragvon Ullaskids » 10.02.2019, 11:15

Andrea1 hat geschrieben:Hallo Ullaskids,
und bei den anderen Ärzten, Augen oder Ohrenarzt ua?

Unsere Augenärztin behandelt unglaublich viele behinderte Kinder. Aber sie hat uns noch nie was Relevantes verschrieben.
Bei HNO waren wir nur einmal zur Kontrolle nach einem Trommelfelldurchbruch... aber da haben wir kein Rezept gebraucht.
Orthopäde... aber zum Korsett haben wir auch nie was zugezahlt...
Und Zahnarzt, da sind wir in der Uniklinik in einer Spezialabteilung für behinderte Kinder.
Ansonsten lief bei uns bisher viel übers SPZ. Da ist ja von Natur aus klar, dass eine Behinderung vorliegt.
Viele Grüße,
Ulla mit Tochter (14): Gendefekt, Epilepsie etc.


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