Verschobener Tag-/Nachtrhythmus=kein nächtlicher Hilfebed.

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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Eliana_
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Verschobener Tag-/Nachtrhythmus=kein nächtlicher Hilfebed.

Beitragvon Eliana_ » 15.11.2017, 08:26

Hallo :)!

Ich habe an anderer Stelle schon mal erzählt, dass meine Tochter von Pflegestufe 3 auf 2 heruntergestuft wurde, obwohl sich ihr Zustand verschlechtert und der Pflegeaufwand erhöht hat.

Nach dem Widerspruchsverfahren ist nun ein Klageverfahren anhängig, in dem die MDK-Gutachterin sagt, nachdem sie darauf hingewiesen wurde, dass in allen vorherigen MDK-Gutachten die erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz festgestellt wurde und sie diese auch berücksichtigen müsse, dass bei einem verschobenen Tag- und Nachtrhythmus kein nächtlicher Hilfebedarf vorliegen könne, weil der nächtliche Hilfebedarf dann doch eigentlich Hilfebedarf am Tag entspreche.

Die erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz erkennt die Gutachterin nun an, lehnt die Pflegestufe 3 wegen des "fehlenden nächtlichen Hilfebedarfs" aber weiterhin ab.

Ich hoffe, ihr könnt mir noch folgen.

Gibt es irgendwo ein Urteil oder einen Gesetzestext, in dem definiert ist, dass kein nächtlicher Hilfebedarf vorliegt, wenn der Tag- und Nachtrhythmus verschoben ist?

Das Gutachten des MDK wurde noch nach den alten Richtlinien erstellt und es wird daher der Widerspruch/ die Klage nach den alten Richtlinien bemessen.

Vielen Dank im Voraus!
Eliana

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MichaelK
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Re: Verschobener Tag-

Beitragvon MichaelK » 15.11.2017, 10:25

Eliana_ hat geschrieben:Nach dem Widerspruchsverfahren ist nun ein Klageverfahren anhängig, in dem die MDK-Gutachterin sagt.... dass bei einem verschobenen Tag- und Nachtrhythmus kein nächtlicher Hilfebedarf vorliegen könne, weil der nächtliche Hilfebedarf dann doch eigentlich Hilfebedarf am Tag entspreche...


Hallo,

wird ja immer verrückter ! Was sagt denn das Gericht zu diesem Unsinn?
Wenn man dieser Argumentation folgen wollte, wären ja die Hilfeleistungen am Tage dann als nächtlicher Hilfebedarf zu bewerten. :lol:
Die Begutachtungs-Richtlinien (dort D 1.4, S 20) stufen eine in der Zeit von 22. 00 Uhr bis 6. 00 Uhr zu erbringende Hilfeleistung als "nächtliche" ein. Dies hält der Senat für sachgerecht, weil diese Zeitspanne die Schlafphase des größten Teils der Bevölkerung umfaßt und ein fester Zeitrahmen hier im Interesse der Rechtsklarheit unerläßlich ist. Es kommt deshalb nicht auf den gewöhnlichen Schlaf- und Wachrhythmus des Pflegebedürftigen an.

http://lexetius.com/1999,1463

LG Michael
Michael für den Liebling der Familie: Lars, geb 04/03 Lumbale Spina bifida mit HC (v-p-Ableitung), Arnold-Chiari-Malformation Typ 2
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Beitragvon Eliana_ » 16.11.2017, 08:20

Hallo Michael :)!

Danke für deine Antwort!

Bisher hat sich das Gericht noch nicht dazu geäußert, sondern um Stellungnahme meinerseits zu den Äußerungen der MDK-Gutachter in gebeten.
Ich komme mir vor wie im falschen Film.

lg Eliana

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Beitragvon dennis08 » 16.11.2017, 08:29

Hallo,
Aber wenn sie tagsüber schläft und nachts wach ist, dann muss nachts doch auch Pflege erbracht werden (füttern, wickeln, waschen etc.) ? Somit nächtliche Pflege. Oder verstehe ich was falsch?

Liebe Grüße und viel Glück!

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Beitragvon MichaelK » 16.11.2017, 10:26

dennis08 hat geschrieben:Oder verstehe ich was falsch?



Das BSG hat festgestellt, dass "nachts" 22.00 Uhr beginnt und 06.00 Uhr endet. Dabei kommt es nicht auf den "eigenen Rhythmus" an.
Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

LG Michael
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Beitragvon TimsMama2009 » 16.11.2017, 10:36

Hallo,
manchmal kann man wirklich nur mit dem Kopf schütteln :( Auf welche Ideen manche Gutachter kommen...

Ich drücke die Daumen, dass ihr an einen guten Richter geratet, der die Sache korrekt einschätzen kann.

Natürlich "spart" man manchmal tagsüber etwas Pflegezeit, wenn Schlaf nachgeholt wird, aber

1. bei uns wiegt das bei weitem nicht den fehlenden Schlaf der Nacht auf
und
2. ein nächtlicher Hilfebedarf ist doch TROTZDEM gegeben!!??

Also manchmal bewundere ich die Gutachter schon für ihren Einfallsreichtum :roll:

Gruß
Nicole
Grüße von Nicole (*72) und Tim (*09), Lissenzephalie, Balkenagenesie, Erweiterung der Seitenventrikel, seit Febr. 2010 West-Syndrom (nicht anfallsfrei mit auffälligem EEG) und seit Nov. 2013 PEG - kann nicht sprechen, nicht laufen, nicht sitzen, nicht krabbeln - ABER unser Li-La-Launebär
unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 66#1229866
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Beitragvon MichaelK » 16.11.2017, 13:22

Hallo,

letztlich weiß ich auch nicht, was der MDK da genau beanstandet. Jedenfalls ist ein Hilfebedarf nachts dann gegeben, wenn er objektiv in den Zeitraum von 22.00 Uhr bis 06.00 Uhr fällt. Wobei >objektiv< so viel bedeutet wie: der Bedarf kann aus medizinisch-pflegerischen Gründen nicht auf Zeitpunkte davor oder danach verschoben werden .

LG Michael
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Re: Verschobener Tag-/Nachtrhythmus=kein nächtlicher Hilfebed.

Beitragvon Eliana_ » 14.06.2019, 10:26

Hallo :)!

Ich schaue gerade meine alten Beiträge noch einmal durch und möchte hier ein Update posten, das eigentlich keines ist, denn es hat sich in der Zwischenzeit nichts getan. Auf meine Stellungnahme wurde noch nicht eingegangen und die Klage ist immer noch anhängig.

lg Eliana

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Re: Verschobener Tag-/Nachtrhythmus=kein nächtlicher Hilfebed.

Beitragvon Mama Ursula » 09.09.2019, 12:05

Hallo Eliana,

seid Ihr inzwischen erfolgreich gewesen?

Grüßle
Ursula
Kinderkrankenschwester mit Fachweiterbildung Palliativ Care und Außerklinische Beatmung.
Pflegemutter von Jessy (16 J., schwerster Hirnschädigung wegen Sauerstoffmangel), kl.Bub (1 Jahr mit schwerster Hirnschädigung, Reflux, Spastisch-steife Knie), 2 gr. Jungs - ausgezogen.

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Re: Verschobener Tag-/Nachtrhythmus=kein nächtlicher Hilfebed.

Beitragvon Saabina » 11.09.2019, 08:46

Hallo Eliana,

Nur eine Idee:

Es gibt unabhängige Beratungsstellen (EUTB), ich weiß jetzt nicht, ob Ihr Euch dort schon Hilfe (keine rechtliche Beratung) geholt habt. Die könnten sich das Gutachten und Euren Mehrbedarf mal ansehen und Euch mit Sicherheit sagen, was zu werten ist und wie es formuliert werden muss bzw auf Richtigkeit überprüfen (kostenlos).

Vielleicht können sie Euch auf andere Stellen verweisen, die auch rechtlich mal drauf sehen könnten, das weiß ich aber nicht.

Liebe Grüsse, ich wünsche Euch viel Erfolg!
Sabina
Sabina (1977) mit
Ana (2006)
Moritz (2016):
Sprachentwicklungsstörung (rückläufige Sprachentwicklung zur Lautsprache mit ca. 25 Monaten - noch keine Diagnose) und
Absencen (auch mit 25 Monaten und ohne Diagnose), PG 3
Jan (2017)


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