Mit 10,20 Euro einen Inklusionshelfer anstellen?

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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Thea-OS
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Mit 10,20 Euro einen Inklusionshelfer anstellen?

Beitragvon Thea-OS » 30.07.2015, 14:31

Der Landkreis (Niedersachsen) hat uns grade telefonisch mitgeteilt, dass sie 10,20Euro die Stunde an die Eltern zahlen um einen Inklusionshelfer anzustellen.....

Aber ganz ehrlich wie ist denn das möglich? Wenn ich für den Helfer KK, Rente, Steuerberater ect. zahlen muss bleibt denn dann überhaupt der Mindestlohn von 8,50 zum zahlen an den Inklusionshelfer übrig?
Thea *84 mit Birte *04/10 Frühchen 28.SSW nach Blasensprung in 21.SSW, PVL, ICP-beinbetont, 3/16 erste freie Schritte!! :) Inklusionskind in der Regelschule
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anke505
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Beitragvon anke505 » 30.07.2015, 17:59

Hallo,
der Mindestlohn beträgt 8,50 Brutto.
Davon geht der Krankenkassenbeitrag, der Beitrag für die Rentenversicherung sowie die Arbeitslosenversicherung noch ab.
LG Anke

else
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Beitragvon else » 30.07.2015, 18:46

Hallo Thea,

als Arbeitgeber zahlst Du die Lohnnebenkosten (Sozialversicherung und Unfallversicherung) insgesamt ca.20 %. Das kommt genau hin bei einem Mindestlohn von 8,50 brutto plus ca. 1,70 Lohnnebenkosten = 10,20.

Die Steuer geht beim Integrationshelfer von den 8,50 weg und seine Anteile zur Sozialversicherung auch, so dass ihm netto weniger bleibt.

Grüße
Else

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anitaworks
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Beitragvon anitaworks » 30.07.2015, 18:49

Hallo Thea,

was für einen I-Helfer benötigt Ihr denn von der fachlichen Seite aus?

Hattest Du das persönliche Budget beantragt?

LG Anita
*1996 Sohn F84.5G (2010) HB
*1998 Tochter F84.5G (2013), Knick-Senk-Füße
*2002 Tochter F84.1G(2014), F90G (2011), HB, Hornhautverkrümmung
*2007 Sohn F84.5G, F90G, F83, HB (2012)
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Thea-OS
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Beitragvon Thea-OS » 30.07.2015, 19:54

Natürlich ist mir klar das der Arbeitnehmer seinen Anteil zu den Versicherungen von den 8,50 zahlen muss aber ich habe als "Arbeitgeber" ja auch einen Anteil zu zahlen.

Wir benötigen vorwiegend eine Begleitung für technische Hilfsmittel, Toilettengang und Transfer.

Mit dem Thema persönliches Budget haben wir uns bisher nicht beschäftigt. In wie weit hat das denn mit der Einstellung eines Inklusionshelfers zu tun?
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ehemalige Userin

Re: Mit 10,20 Euro einen Inklusionshelfer anstellen?

Beitragvon ehemalige Userin » 31.07.2015, 02:34

Der Landkreis (Niedersachsen) hat uns grade telefonisch mitgeteilt, dass sie 10,20Euro die Stunde an die Eltern zahlen um einen Inklusionshelfer anzustellen.....

Aber ganz ehrlich wie ist denn das möglich? Wenn ich für den Helfer KK, Rente, Steuerberater ect. zahlen muss bleibt denn dann überhaupt der Mindestlohn von 8,50 zum zahlen an den Inklusionshelfer übrig?

Hallo Thea,

nein du vermutest völlig zu treffenderweise - mit 10,20 € je Budgetstunde ist es Dir nicht möglich eine sozialversicherungspflichtige Stelle mit Mindestlohn für eine Schulbegleitung während der gesamten Unterrichtszeit (23 Wochenstunden) einer Erstklässlerin zu refinanzieren! Ihr würdet kräftig draufzahlen müssen!

Ich habe das mal durch meine Exceltabelle (auf Grundlage der Musterkalkulatuon von forsea http://www.forsea.de/tipps/arbeitgeber. ... alkulation erstellt) laufen lassen.

Ihr habt eine 1. Klässlerin mit ca 23 Wochenstunden in 38 Schulwochen, das heißt die Schulbegleitung wird mit den Pausen,- und jeweils der Viertelstunde vorher/nachher zum Ankommen rund ca 23 Zeitstunden in der Woche benötigen.
Aber da kommt noch einiges an Zeitaufwand dazu, den ihr Eurer Angestellten bezahlen MÜSST, damit ihr nicht gegen das Gesetz bzgl Mindestlohn verstosst! :!:

Ihr braucht Zeit für die sogenannten Tür und Angelgespräche eurer Angestellten mit Lehrern und Eltern (habe lediglich 30 Min/Wochee gerechnet), ihr müsst den gesetzlichen Urlaub finanzieren, ihr müsst eure Angestellte für die Vorgespräche/die Einarbeitung/ Kennenlernstunden mit dem Kind bezahlen/ Die Schulbegleiterin sollte sich ein wenigstens ein bisschen fortbilden, ab und zu mal etwas durchlese, sich evtl in Hilfsmittel einarbeiten, vorbereiten , vielleicht einen Erstehilfekurs für Kinder absolvieren o.ä. (ich habe für alles das nur eine Handvoll Stunden im Jahr gerechnet) ...all diese Stunden kommen zur Unterrichtszeit, bezahlt ihr den Zeitaufwand nicht, sinkt der Stundenlohn unter das Mindestmaß...s.o.

Zusätzlich zu den Arbeitgeberanteilen der Sozialversicherung, müsst ihr die Kosten für Betriebshaftpflicht und Berufsgenossenschaft zahlen, ein Steuerberater will für Arbeitsvertrag, Lohnabrechnungen und Meldungen gezahlt werden (keine Angst für Euch bleibt trotzdem genug Arbeit :? ) Ihr müsst Porto- und Telefonkosten tragen, euch mal ein Fachbuch kaufen, die Anzeigen in der Zeitung für die personalsuche finanzieren. Ihr müsst die Dienstzeit eurer Angestellte alleine finanzieren, wenn euer Kind unvorhergesehen krank wird, habt einen Teil der Kosten der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall der Mitarbeiterin zu zahlen (nur ein Teil wird über die Umlage refinanziert)...ihr müsst die Kosten die das Vorhalten einer Krankheitsvertretung Eurer Schulbegleitung verursacht tragen.

...so, wenn ich das alles in meine Kalkulation eingebe und als Bezahlung den Mindestlohn von 8,50 € eintrage , dann komme ich auf eine Gesamtbelastung von 14,43 € je Budgetstunde und eine Finanzierungslücke von rund 3.500,00€ im Jahr :shock: :shock: :shock:

Klar könnt Ihr Glück haben und weder Kind noch Schulbegleitung sind einen einzigen Tag krank - dann sinken die Kosten auf 13,96 € je Budgetstunde.


Selbstverständlich könnt Ihr die Ausgaben noch weiter zusammenstreichen....
Wenn ihr auf Betriebshaftpflicht und Unfallversicherung verzichtet und für diese Risiken unbeschränkt mit eurem Privatvermögen haftet... wenn ihr keine Vertretungslösung schafft und bei einer Erkrankung eurer Angestellten das Kind entweder unterversorgt zur Schule schickt oder gegen die Schulpflicht verstosst, weil ihr es zuhause behaltet.... wenn Ihr eurer Angestellten trotz Mindestlohn zusätzlich unbezahlte Besprechungs-, Vorbereitungs und Fortbildungszeiten abnötigt und euch damit strafbar macht.....

...wenn Ihr also eure Schulbegleitung ausbeutet, gegen das Mindestlohngesetz verstoßt, eure Familien dem Risiko der Haftung bei Arbeitsunfällen und durch in Eurer Weisung geschehenen Schäden an Dritten ungeschützt aussetzt, eurem Kind bei Erkrankung der Mitarbeiterin keinen durchgehenden Schulbesuch sichert, wenn ihr euch nachts mit der Erstellung von Lohnabrechnungen herumquält ....

...wenn ihr alles das also in Kauf nehmt und so macht , dann ergibt meine Rechnung trotzdem noch Kosten von 11,17 € je Budgetstunde

Das bedeutet, mit den angebotenen 10,20 € macht ihr euch strafbar, riskiert im Schadensfall (z.B. Wegeunfall, Schädigung Dritter) die Vernichtung eurer wirtschaftlichen Existenz, nehmt die Unterversorgung eures Kindes in Kauf ... und zahlt trotz alledem je Schuljahr noch immer rund 850,00€ aus der eigenen Tasche drauf

Jedes Mal wenn ich das Eltern vorrechne , dann steigt mein Blutdruck gefährlich an :twisted: :twisted: :twisted:


achso ja , schick ne PN mit deiner email-addi, dann kann ich dir die Berechnung im einzelnen zeigen


Ja was eure zukünftige Mitarbeiterin angeht, die würde übrigens bei Steuerklasse1 gerade mal 530,00 Euro je Monat ausbezahlt bekommen und damit auf einen Nettostundenlohn vom 7,26 € kommen :( Überlegt euch lieber erst gar nicht, wer sich da wohl noch bewerben wird :shock:

Ich habe verstanden, eure Mitarbeiterin soll selbstverständlich angemessen und freundlich mit dem Kind umgehen, aber sie braucht kein besonderes persönliches pädagogisches Geschick oder gar eine einschlägige Ausbildung. Ihr benötigt eine freundliche aber ungelernte Pflegehilfskraft....so jemand verdient im Pflegeheim 13,47 €/Stunde nach TvÖD-K EG 4a Stufe 2

Um deine Schulbegleitung wie eine ungelernte Pflegehilfskraft nach TVÖD zahlen zu können, müsstest du 17,70€ vom Sozialamt bekommen , (dabei trägst du aber wie beim obigen Beispiel immer noch alle Risiken und Kosten alleine)
Für die wirkliche Abdeckung aller Unkosten und Risiken bei der Beschäftigung einer sozialversicherungspflichtig angestellten Schulbegleitung auf dem Lohnniveau einer ungelernten Pflegehilfskraft errechnet meine Tabelle 21,75€ je Budgetstunde .....

..eine Summe bei der Euer Amtsleiter vielleicht was von Mondpreis brabbelt, aber ein Preis, den andere Sozialämter ..auch ohne meine hübsche Tabelle.... von alleine ausgerechnet haben und als Budgetstunde zahlen!

Meines auch nicht deswegen habe ich nochmal eine andere (Not-)Lösung gefunden, zwei 450,00 Euro Kräfte im Wechsel

BTW: wie soll denn die Refinanzierung des Arbeitgebermodells funktionieren, wenn du kein persönliches Budget beantragst????

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Beitragvon anitaworks » 31.07.2015, 08:25

Hallo Thea,
Mit dem Thema persönliches Budget haben wir uns bisher nicht beschäftigt. In wie weit hat das denn mit der Einstellung eines Inklusionshelfers zu tun?
was hast Du denn in den Antrag geschrieben, dass Euer Amt davon ausgeht, dass Ihr praktisch selber Arbeitgeber werden sollt?


Denn ansonsten zahlt das Amt an die Institution und Du hast da gar nichts mit zu tun.

Ich versteh irgendwie nicht, warum Ihr hier selber aktiv werden sollt!

LG Anita
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Beitragvon monika61 » 31.07.2015, 09:17


Mit dem Thema persönliches Budget haben wir uns bisher nicht beschäftigt. In wie weit hat das denn mit der Einstellung eines Inklusionshelfers zu tun?


Hallo,

der Frage von Engrid und Anita schliesse ich mich an... :wink:

Entweder ihr bekommt ein Persönliches Budget und werdet dann Arbeitgeber oder es gibt eine Sachleistung und das Amt zahlt den Leistungserbringer.

Aber bei dem Thema "Persönliches Budget" ist nichts unmöglich,
wie man zB. auch hier nachlesen kann....
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MARKUS SCHÄFERS

Wie man aus einem Persönlichen Budget
eine verdeckte Sachleistung macht

Eine provokative Anleitung

https://www.lebenshilfe.de/wData/downlo ... aefers.pdf



zB: auf Seite 4:

Strategie 3: Man arbeite mit
Abtretungserklärungen

Im Falle von sog. „Abtretungserklärungen“
erklärt sich der/die Leistungsberechtigte
noch in der Phase der
Zielvereinbarungsgespräche damit einverstanden,
das Gesamtbudget an
einen bestimmten Leistungsanbieter
abzutreten, der im Gegenzug die entsprechenden
Hilfen erbringt. Optional
kann auch ein(e) Mitarbeiter(in) des
Leistungsträgers zwischengeschaltet
werden: Dann wird das Budget an
den/die Amtsmitarbeiter(in) abgetreten,
und die nötigen Leistungen werden
von dort aus organisiert, Verhandlungen
mit Anbietern geführt usw. In
beiden Fällen haben Abtretungserklärungen
zur Folge, dass der Leistungsträger
das Geld direkt an denjenigen
Dienst überweist, der als Leistungserbringer
ins Spiel kommt.

Bei dieser Praxis wird zwar formell
ein Persönliches Budget bewilligt, das
aber genauso umgesetzt wird wie eine
Sachleistung. Überdies ergeben sich für
die so praktizierenden Sozialhilfeträger
weitere, ökonomische Vorteile: Durch
die Abtretung eines formal bewilligten
Budgets sind Sozialamtsmitarbeiter(innen)
nicht mehr an die im Sachleistungsbereich
geltenden Entgeltvereinbarungen

gebunden; sie können
versuchen, für die erforderlichen Leistungen
einen günstigeren Preis auszuhandeln.


In Rheinland-Pfalz, das als Bundesland
mit der höchsten Budgetnehmerzahl
gilt (aktuell über 2000 Sozialhilfebudgets;
vgl. MASGFF RLP 2007, 37),
handelt es sich vorsichtigen Schätzungen
zu Folge in mehr als die Hälfte der
Fälle um Abtretungserklärungen. Aber
auch in anderen Regionen hat sich
diese Praxis etabliert.....

-------------------------------------------------------------------------------------

Die provokative Anleitung von Dr. Markus Schäfers sollte man unbedingt lesen... :wink:

Liebe Grüße :D
Monika

ehemalige Userin

Beitragvon ehemalige Userin » 31.07.2015, 09:53

....danke für diese wichtige Ergänzung -

@ Thea und alle anderen :

Niemals nie nicht sich auf solche Abtretungskonstruktionen einlassen!

Ihr verzichtet damit als Eltern quasi auf die Vorteile der Sachleistung und die des persönlichen Budgets aber nehmt gleichzeitig die Nachteile beider Leistungswege in Kauf :twisted:

Auch bei der Sachleistung habt ihr mehr Mitbestimmungsrechte als euch normalerweise erklärt wird :roll:

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Beitragvon Thea-OS » 31.07.2015, 14:08

Die einzige Alternative heißt laut Amt FSJ-ler über den paritätischen Dienst. Jedes Jahr wechselnd. Ist der Einzige Anbieter der Schulbegleitungen hier anbietet.
Thea *84 mit Birte *04/10 Frühchen 28.SSW nach Blasensprung in 21.SSW, PVL, ICP-beinbetont, 3/16 erste freie Schritte!! :) Inklusionskind in der Regelschule
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