Mone mit Emil (schwere Hirnblutungen, Hemiparese, VP-Shunt )

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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emil0206
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Mone mit Emil (schwere Hirnblutungen, Hemiparese, VP-Shunt )

Beitragvon emil0206 » 14.09.2008, 22:48

Hallo zusammen,

ich bin Mone, 34 Jahre alt, mein kleiner Emil ist am 02.06.08 geboren. Ich bin verheiratet und habe noch einen Sohn namens Paul, er wird im Oktober 3 Jahre alt.
Emil ist gesund und munter zur Welt gekommen und bis zum 17.07.08 war alles in bester Ordnungg, bis auf ein paar Koliken. Er war ein fröhliches aufgewecktes Kerlchen, hatte bei Geburt 3950g und 55cm.
Am 17.07. waren wir bei der Osteopathin wegen der Koliken und plötzlich fing Emil ganz furchtbar an zu schreien, ein schrilles schreien, was ich noch nie gehört hatte. Ich nahm ihn auf den Arm und trug ihn umher, er ließ sich nicht beruhigen, nicht mal an der Brust hörte er auf zu weinen. Er wurde sehr blass und kaltschweißig. Nach einer halben Stunde ist er eingeschlafen und ich bin mit ihm nach Hause gefahren. ich rief unseren Kinderarzt an, der nicht mehr in der Praxis war, aber eine habe Stunde später zurückrief. Wir sollten noch mal vorbeikommen. Wir sind dann zum Kinderarzt gefahren und er hatte den Verdacht auf eine Invagination. Er schickte uns in die Kinderklinik, die glücklicherweise direkt nebenan ist.
Wir haben Emil noch ambulant angemeldet und sind dann recht schnell dran gekommen. Im Untersuchungszimmer sollte ich den Kleinen ausziehen, wo er wieder sehr schrill begann zu weinen. Plötzlich hat er gekrampft und die Augen verdreht. Innerhalb Sekunden war der Raum voll von Ärzten und Schwestern, wir wurden raus geschickt. Nach einer Ewigkeit sagte uns jemand, dass Emil kein Problem mit dem Bauch hätte sondern mit dem Kopf und er wurde zum CT gefahren. Nach einer ganzen Weile wurde uns dann gesagt, dass Emil Gehirnblutungen hätte und sofort in den OP müsse. Der Operateur teilte uns mit, dass Emil eine intracerebrale Blutung mit Subduralhämatom und Subarachnoidalblutung und Hirnkontusion im Mediastromgebiet rechts hatte, man vermute ein Aneurysma oder Angiom. Es hieße nun abwarten und hoffen, dass es keine Nachblutungen gäbe.
Er wurde dann in der Nacht noch ein zweites Mal operiert, da es zu Nachblutungen mit Raumforderung kam und der Hirndruck enorm angestiegen war. Emil lag dann 4 Tage im künstlichen Koma, konnte dann aber ohne Probleme aufwachen. Kreislaufmäßig war er immer stabil gewesen. Es zeigte sich, dass er den rechten Arm und das rechte Bein nicht bewegen konnte, was sich aber in den nächsten Tagen recht schnell besserte. Nach einer Woche auf Intensiv wurde er auf Normalstation verlegt. Am nächsten Tag hatte Emil an der Narbe eine riesengroße Beule und es sickerte immer wieder Flüssigkeit daraus. Es wurde vermutet dass es sich um Liquor handelt. Es wurde am Abend noch ein CT gemacht und Emil wurde erneut notfallmäßig in den OP gebracht, wegen Verdacht einer Liquorfistel, Hirndruck und Gewebeprolaps. Hier wurde auch eine externe Liquordrainage gelegt die dann 14 Tage später durch einen VP-Shunt ersetzt wurde. Die Shuntspitze liegt leider nicht richtig, aber da Emil keine Probleme zeigt und die Ultraschalluntersuchungen momentan unauffällig sind, muss nicht erneut operiert werden. Wir waren dann insgesamt 5 Wochen im Krankenhaus und sind nun seit fast 4 Wochen zu Hause mit Emil. Es geht ihm sowie ganz gut, er lächelt, brabbelt vor sich hin und ist ein ganz zufriedenes Baby. Leider kennen wir die Ursache der Blutung immer noch nicht, vermutet wurde ein Aneurysma oder eine AV-Malformation, welche aber in der Bildgebung nicht nachgewiesen werden konnten, bzw. gegensätzliche Befunde ergab.
Wir sind noch immer total schockiert und es macht uns einfach fertig, dass niemand weiß woher die Blutung gekommen ist und was aus unserem Schatz werden wird. Kann man denn ins einem Alter noch nicht feststellen, ob er schwer behindert sein wird oder nicht? Die Ärzte sagten uns nur, dass es sei n kann, dass er vieles kompensieren kann, aber auch dass er schwerbehindert sein kann. Es ist ein großer Teil der rechten Gehirnhälfte zerstört. Wann habt ihr gewusst wie es wirklich um eure Zwerge steht?
Emil hat noch Netzhautblutungen an beiden Augen und das linke Auge ist stark beeinträchtigt, das rechte kann noch nicht genau beurteilt werden, er hat jedenfalls eine Einschränkung des Gesichtsfeldes. Hier müssen wir am Donnerstag wieder in die Augenklinik.
Diese Woche steht noch ein Termin beim Neuropädiater an, was machen die eigentlich genau?
Das EEG war auch auffällig, Emil bekommt morgens und abends Luminal.

Ich hoffe, dass ich hier vielleicht ein wenig meine Sorgen niederschreiben kann und andere Betroffene kennen lerne.

Ich würde mich freuen, wenn ihr Tips habt, wo es gute Neurochirurgen für Säuglinge gibt, denn wir wollen Emil gerne noch einmal in einem anderen Haus vorstellen.

Viele Grüße
Mone

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Mama Ursula
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Beitragvon Mama Ursula » 14.09.2008, 23:17

Hallo Mone!

Erst einmal herzlich willkommen bei den REHAkids - hier bist Du goldrichtig :wink:
Gerne "hören" wir uns Deine Sorgen und Nöte an und der ein oder andere, kann Dir vielleicht auch weiter helfen :wink:
Aber eine Prognose für Euren Emil kann Dir wohl keiner geben - auch (noch nicht) die Ärzte. :roll:

Noch ist alles recht frisch, aber es wird sich einspielen und als erfahrene Mama, wirst Du erkennen, wo es Schwierigkeiten geben kann - es gibt vielerlei Therapien (Krankengymnastik, Sehfrühförderung, später auch Ergo und anderes), die Emil in seiner Entwicklung unterstützen können. Aber am Hilfreichsten seid Ihr, in dem Ihr ihn viel tragt, schaukelt, mit nehmt, ihn fördert durch Stimme, Körperkontakt und Alltag :wink:
Klappt denn das Stillen noch - nach all dem Streß? Das ist quasi die erste Logopädie :wink: , aber das geht auch mit Flasche :wink:
Gibt es bei Euch eine Babymassage-Gruppe... - mach erst mal (wieder) die "normalen" Sachen, das bringt Euch sicher schon mal weiter :wink:

Unsere Pflegetochter Jessy erlitt vor und während der Geburt einen schweren Sauerstoffmangel - viel Hirnmasse starb ab, dennoch konnten die Docs der Mutter erst nach 8 Monaten sagen, daß die Defizite erheblich bleiben würden. Mit 14 Monaten war deutlich, daß kaum Entwicklung möglich ist. Dennoch ist Jessy ein überaus geliebtes und lebensfrohes Kind. Die den Trubel in der Familie, den Kindergarten, die Abwechslung beim Babysitter... liebt - einfach immer gerne mitten dabei im Leben, dann ist sie glücklich :D Und das bedeutet uns alle :wink:

Ich wünsche Dir einen regen, unterstützenden, informativen Austausch und den ersehnten Verlauf bei Emil :wink:
Grüßle
Ursula
Kinderkrankenschwester mit Fachweiterbildung Palliativ Care und Außerklinische Beatmung.
Pflegemutter von Jessy (16 J., schwerster Hirnschädigung wegen Sauerstoffmangel), kl.Bub (1 Jahr mit schwerster Hirnschädigung, Reflux, Spastisch-steife Knie), 2 gr. Jungs - ausgezogen.

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tina40
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Beitragvon tina40 » 15.09.2008, 06:57

HAllo Mone,
herzlich willkommen hier..Ich hab gerade deine geschichte gelesen und hoffe, dass das schreiben erst einmal ein wenig Erleichterung gebracht hat. es ist mit Sicherheit shwer zu verstehen, warum es so geschehen ist und manchmal findet man eben auch keine befriedigende Antwort..
Meine Hannah wurde mir als gesundes Kind mit nach Hause gegebn..trotz schwieriger geburt.. Mit 3 Monaten fiel eine seitendifferenz auf.. Hannah ahtte eine Hirnblutung im Mutterleib..sie krampft auch..ist leider nie lange anfallsfrei... :cry: wobei sie GsD keine großen anfälle mehr zeigt..
Hannah hat seit dem 3.Lebensmonat KG bekommen zunächst immer nach Bobath später eine Mischung aus Vojta und Bobath..Wir haben Frühförderung beantragt und erhalten bis zum Kindergarten und ab dem 15.Lebensmonat hat sie auch ergo bekommen..
Die Frage nach dem Warum kommt immer mal wieder auf, aber man wird wohl nie eine Antwort finden.. Am meisten hilft es dem Kind, wenn man die Situation lernt anzunehmen..mit allen Höhen und Tiefen..Wie sich euer Sonnenschein Emil entwickeln wird, das weiß keiner.. Unsere Kinder sind immer für eine Überraschung gut.. Hannah sollte laut Ärzten erst mit 2 oder später laufen lernen.. sie lief einen Monat nach dieser Aussage : mit 15 Monaten!!!!Sie hat schwimmen gelernt und bereits das Abzeichen Silber...


Ich hoffe, der Austausch hier ist auch für dich sehr hilfreich...wenn du Fragen haben solltest, kannst du mir gerne ne pn schicken :wink:

LG Tina
H(02 96)spastische ,armbetonte Hemiparese rechts;Strabismus konvergenz rechts;Epilepsie,mentale Retardierung und Legasthenie und Colitis Ulcerosa und S(01 99)gesund

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Beitragvon judith71 » 15.09.2008, 07:59

Hallo Mone,

herzlich willkommen ---hier gibt es immer ein offenes Ohr! Wir hatten auch ein kerngesundes Kind mit nach Hause genommen----dachten wir. Bei uns zeigten sich erste Auffälligkeiten erst etwas später.
Dieser Schock, unter dem ihr steht, ich denke, den kennen hier viele Eltern. Für mich war es immer schwierig, nach einer neuen Diagnose wieder "aufzustehen". (Das ist es heute noch). Dann muss ich mir immer wieder sagen, wie wunderbar mein Kind ist, und, dass keine Diagnose irgend etwas an daran ändern kann.

Und eines möchte ich Dir sehr gerne mitgeben. Bekannte haben ein Kind, das auch so einige Strickfehler hat. Bereits als Baby wurde ein MRT gemacht---die linke und rechte Gehirhnhälfte sind nicht richtig miteinander verbunden, Teile funktionieren gar nicht. Das Kind wird geistig schwer behindert sein---das war die Diagnose der Ärzte. Genau DIESES Kind hat spielend mit 5 Jahren lesen und schreiben gelernt.
Das Gehirn kann sooooo viel kompensieren und Ärzte sind keine Hellseher oder Wahrsager. Ja, es ist richtig, dass sie uns sagen, was sein KÖNNTE. Aber was sein WIRD---das können auch sie nicht vorhersehen.

Ich wünsche Euch von Herzen, dass sich Euer Sonnenschein toll entwickelt und ihr viel Freude mit ihm habt.

Liebe Grüße

Judith
LG

Judith
Judith(´71, Asperger),,Keke(05)Autist ,GdB100,PS III,Muskelhypotonie,fröhliches Rollikind
Unsere Vorstellung www.kekestraum.de

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Beitragvon Yvonne 76 » 15.09.2008, 08:30

Hallo Mone,

herzlich Willkommen bei REHAkids. :hand:

Deine Geschichte kam mir beim Lesen soo bekannt vor.

Bei meinem Sohn Jan (fast 7) ist mit 9 Monaten ein Aneurysma an der Ateria Media links geplatzt (seine Schwester war zu diesem Zeitpunkt gerade 3) Und ich kann mich noch sehr gut an dieses hohe, schrille Schreien erinnern. Bei uns ist es an einem Freitagabend passiert und Jan musste noch knapp 60 km in die nächstmögliche Neurochirurgie mit Kinderklinik gebracht werden. Er wurde dann noch in der Nacht zum Samstag notoperiert. Dienstags folgte der Mediainfrakt und Jans Schädelknochen musste entfernt werden. Es bildete sich ein Liquorkissen das 2 Wochen später während der 3. OP (der Deckel wurde wieder eingesetzt und die Hirnhäute geschlossen) ohne Shunt-Anlage komplett entfernt werden konnte. Durch den Hirndruck wurde Jans linker Sehnerv sehr stark geschädigt, zudem hat er eine Narbe auf der Netzhaut, so dass er auf diesem Auge nichts sehen kann.

Wir waren damals direkt nach den 5 Wochen Akutkrankenhaus noch für 3 Monate in der Rehaklinik in Meerbusch ( www.stmtk.de ). Ca. ein halbes Jahr später fing Jan an zu krampfen. Über den Jahreswechsel 2004/05 waren wir dann nochmal für 9 1/2 Wochen in Meerbusch. Jan ging bis zu den Sommerferien in einen integrativen Kindergarten. Dort und in den beiden Reha´s hat er durch die vielen Therapien super Fortschritte gemacht. Heute ist Jan fast 7 und besucht eigentlich seit August die Schule für Körperbehinderte. Eigentlich, weil er bis jetzt nur 4 Tage Schulluft schnuppern durfte. Leider haben wir nämlich die Epilepsie nicht mehr in den Griff bekommen und es wurde nun (am 27.08.08) ein epilepsiechirurgischer Eingriff durchgeführt. Seitdem dürfen wir sagen, dass unser Sohn endlich anfallsfrei ist.

Ansonsten ist Jan ein lebensfroher Zwerg mit einer spastischen Hemiparese rechts, die 2x im Jahr mit Botox behandelt wird. Er trägt eine Hand- und eine Fußorthese (schau mal in meine Galerie). Er fährt Therapierad und spielt wie ein wilder Fussball. Er quatscht und wir sind einfach nur froh, dass er sich trotz der Hirnschädigung (bei ihm ist die linke Seite fast komplett zerstört) so gut entwickelt hat. Auch uns haben die Ärzte nicht sagen können, was aus Jan wird. Aber ein wirklich ganz netter Arzt damals auf der Intensivstation sagte uns, dass wir erstmal nur von Tag zu Tag schauen dürfen. Das fällt teilweise sehr schwer, aber es hilft die Situation besser zu verarbeiten. Und man erfreut sich an den kleinen Dingen, die unsere Kinder neu lernen.

Ich wünsche Euch viel Kraft für die nächste Zeit. Falls Du noch Fragen hast, immer her damit. Gerne auch per PN.

Liebe Grüße und einen regen Erfahrungsaustausch :pc5:
Yvonne
[center]Sohnemann (2001)
Hemiparese (rechts) nach Aneurysmablutung und Mediainfarkt
komplette Hemianopsie nach rechts, Optikusatrophie links
Epilepsie, funktionelle Hemisphärektomie[/center]

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Beitragvon Marylu » 15.09.2008, 09:42

Hallo Mone, :hand:

auch von mir ein Herzliches Willkommen hier im Forum. Ich heiße Maria bin 21 Jahre alt und bin selbst betroffen, habe eine Hemiparese rechts, seit meinem 3 Lebensjahr. Ich stehe dir gerne zur Verfügung, wenn du fragen haben solltest, denn nach meiner langjährigen Erfahrungen kann ich schon einiges erzählen.

Gruß
Maria
Hemiparese rechts nach Rasmussen Encephalitis
viele Allergien, Depressionen
Lernbehinderung
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Lachen und Lächeln sind Tor und Pforte, durch die viel Gutes im Menschen hineinhuschen kann!!!

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Beitragvon Sabine » 15.09.2008, 10:36

Hallo Mone,

herzlich Willkommen bei REHAkids. :) Da habt ihr ja so kurz nach der Geburt eures Sohnes schon eine ganze Menge mitmachen müssen. Leider kann man zu so einem frühen Zeitpunkt noch nicht sagen, wohin die Reise mit dem Kind gehen wird.
Bei uns hat sich die schwere Mehrfachbehinderung unseres Sohnes erst herausgestellt als er so drei bis vier Jahre alt war. In den ersten Lebensjahren ist meist noch alles offen und man muss einfach abwarten und das Kind so gut fördern wie es geht.
Der Neuropädiater wird vermutlich schauen, wie Emil motorisch drauf ist, ob er Blickkontakt halten kann, soziales Lächeln zeigt oder ob irgendwelche Auffälligkeiten zu sehen sind. Eventuell wird er euch Krankengymnastik empfehlen und mit euch besprechen, ob und welche Medikamente Emil bekommen soll.

Liebe Grüße und weiterhin viel Mut und Kraft,
Sabine
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Beitragvon Jaqueline » 15.09.2008, 11:47

Hallo Mone,

bei mir hatten die Ärzte noch nicht einmal gesagt, es kann gut werden oder nicht. Ich kam als Frühchen zur Welt und hatte Sauerstoffmangel, der auch manche Teile des Gehirns schädigte. In meinem Fall hatten die Ärzte ziemlich schnell abgewunken! Es zeigte sich relativ schnell eine Spastik in allen 4 Gliedmaßen, was mir zunächst fast nicht erlaubte mich zu bewegen. Kein Strampeln, keine Bewegung der Arme oder sonstiges. Ich war ständig überstreckt. Auf die Frage was mit mir wird, bekamen meine Eltern zu hören: Da wird nicht mehr viel! Wenn Sie viel Glück haben, kann sie VIELLEICHT mal sitzen! Und eine geistige Behinderung sei bei einer Tetraparese so gut wie sicher... Ich musste wegen mangelnder Lungenreife lange beatmet werden und bekam dann auch noch eine Lungenentzündung, weshalb ich insgesamt 5 Monate in der Klinik war.

Ich bekam mit 6 Monaten dann Frühförderung und später auch Ergotherapie, Reiten und KG nach Bobath. Letzteres mache ich bis heute. Durch die Förderung besserten sich meine Arme und Hände am schnellsten. Ich lernte alles nach und nach (natürlich zeitverzögert) und zwischen 1,5 und 2 Jahren konnte ich sogar krabbeln. Heute habe ich in der Handmotorik nur noch feinmotorische Einschränkungen, kann sie aber sonst problemlos einsetzen.

Die Beine sind stärker von der Spastik betroffen, außerdem hat mein Gleichgewichtssinn sehr gelitten, so dass ich das freie Gehen nicht lernen konnte. Ich laufe heute im Haus an 4-Punkt-Stützen und nutze sonst einen Rollstuhl. Meine Pflege kann ich mittlerweile komplett selbst übernehmen, was sehr wertvoll für mich ist. Was das Geistige betrifft, wussten meine Eltern erst mit 2 Jahren, dass ich da ganz gesund bin. Du siehst also, ich habe meine schlechten Prognosen um Längen geschlagen! Sagen kann euch keiner was kommt, aber ihr dürft nie den Mut verlieren, auch wenn es manchmal schwer ist.
LG Jaqueline
Spastische Tetraparese, Kyphose
Mann: Epilepsie (VNS seit 2008)
Tochter: * 01/2015

Für immer im Herzen.

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Beitragvon AnjaD » 15.09.2008, 12:11

Hallo, Mone! :hand:

Auch von mir erst mal ein herzliches Willkommen hier im Forum! Bild

Meine Tochter Louisa wurde im Februar 2001 auch als scheinbar gesundes Kind geboren. Ich hatte schon zwei Jungs, Zwillinge, die waren zu dem Zeitpunkt noch keine 3 Jahre alt. Louisa guckte den ganzen ersten Lebenstag nur nach oben links, kam mir schon recht seltsam vor, aber es hieß nur, es könnte ein Schlüsselbeinbruch sein, den man dann aber ausgeschlossen hat, und abschließend dann "Sie hat vermutlich falsch gelegen bei Ihnen im Bauch!". Ich bekam sie als "kerngesund" mit nach Hause, auch die ersten U´s verliefen super - alles in Ordnung, ich bräuchte mir keine Sorgen machen!
Als sie dann anfing zu greifen, fiel mir auf, dass die rechte Hand immer gefaustet war, aber auch das hieß es "verwächst sich wieder!".
Wenige Tage nach der U4 und der zugehörigen Impfung fing Louisa dann an zu krampfen, sie hatte BNS-Anfälle, kam sofort ins KKH und dort begab man sich auf die Suche nach der Ursache. Die wurde dann auch sehr schnell gefunden - ein großer Teil ihrer linken Gehirnhälfte war einfach nicht da! Es gab dann ein MRT aus dem man auf einen vorgeburtlichen Schlaganfall durch den Verschluss einer Arterie schließen konnte.
Wie sie sich entwickeln würde, konnte man uns damals auch nicht sagen - es hieß "von schwerst-Pflegefall bis zu einem humpelnden Kind, das ein bisschen auffällig spricht" sei alles möglich.
Sie bekam dann sofort KG (Bobath), Frühförderung und allerlei mehr, um sie eben bestmöglich zu fördern und soviel wie möglich "aus ihr herauszukitzeln".
Sie hat ein paar Tage vor ihrem 3. Geburtstag laufen gelernt (mit Orthese), sprechen kann sie auch, allerdings eher auf dem Niveau eines 2-3-jährigen Kindes, aber sie versteht fast alles und weiß sich immer irgendwie zu helfen!
Louisa besucht jetzt im zweiten Jahr eine Körperbehinderten-Schule, dort fühlt sie sich super - wohl und hat am Ende des ersten Schuljahres tatsächlich gelernt, ihren Namen zu schreiben.....

Du siehst - noch ein Kind dass die schlechten Prognosen in den Wind geschlagen hat und allen gezeigt hat, wo es lang geht! :wink:

Ich wünsche Euch für Euren kleinen Emil nur das Beste, möge er sich toll entwickeln und Ihr immer viel viel Spaß und Freude mit ihm haben!

GLG Anja :wink:
Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal, wie es ausgeht.
Vaclav Havel

Anja (*1969)mit F. und D. (*1998), D.: ADHS, L. (*2001) vorgeburtl. Schlaganfall, Hemiparese, Epi, GB und Y. (*2004) V.a. ADHS

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emil0206
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Beitragvon emil0206 » 15.09.2008, 13:39

Hallo zusammen,

erst einmal vielen Dank für das herzliche Willkommen und die lieben und hoffnungsvollen Zeilen von Euch.
Momentan ist es ür mich noch sehr schwer mit Emils Schicksal umzugehen, ich muss ständig daran denken, dass ich ihn fast verloren hätte. Sein Zustand in der Nacht war sehr kritisch und niemand wusste ob es Emil schaffen würde. Aber er hat es allen gezeigt und alle Schwestern und Ärzte konnte gar nicht glauben wie Emil die OP's weggesteckt hat. elnDas lässt mich wieder hoffen, denn er ist auf jeden Fall ein Kämpfer, sonst hätte er es doch bis hierher sicher nciht so toll gemeistert.
Wisst Ihr, wenn ich ihn anschaue und sein herzliches Lächeln sehe und wie er anfängt zu brabbeln, dann schäumen meine Gefühle gerade zu über. Ich liebe diesen kleinen Sonnenschein über Alles und das wird immer so bleiben, egal was passiert, keine Frage.
Aber ich habe auch sehr große Angst vor Allem, was evtl. auf uns noch zukommen wird....
Ich kann einfach nicht glauben, dass sich das Leben innerhalb weniger Minuten so verändern kann. Alle Pläne die man so hatte, werden plötzlich geraubt, alle Träume und Wünsche die man hatte werden unwichtig.

Mit Emil mache ich bereits seit 2,5 Wochen KG, Vojta und Bobath gemischt. Bei der pädagogischen Frühförderstelle habe ich am 30.09. einen Termin. Bei der Frühförderung für Sehgeschädigte muss ich noch anrufen. Ich werde alles erdenklich Mögliche ausschöpfen, das ist ja momenatn das Einzige was ich für unseren kleinen Schatz tun kann.

Achso, ich stille Emil wieder voll, ich war kurz vorm Aufegeben, die 4 Wochen abpumpen der Milch war echt schlimm, es kam ja kaum noch etwas. Aber als ich Emil dann wieder anlegen durfte habe ich noch einen Versuch gestartet und es hat sofort wieder geklappt.

Es tut wirklich gut, hier zu sein, Danke!

Liebe Grüße
Mone


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