Vielleicht kann uns jemand helfen - möchte uns gerne vorstellen

Hier könnt ihr euch und euer Kind bzw. eure Kinder vorstellen.

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Vreni060388
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Vielleicht kann uns jemand helfen - möchte uns gerne vorstellen

Beitrag von Vreni060388 »

Hallo ich habe lange mitgelesen und jetzt möchte ich uns endlich vorstellen,
mein Name ist Verena und wir haben einen Sohn der ist gerade 5 geworden und eine Tochter die gerade 1 Jahr geworden ist. Sowohl unser Sohn, als auch unsere Tochter haben bzw. hatten leider bisher keine "normale" Kindheit, wenn man das so sagen kann. Was ist schon normal :D
Vorweg zu unserer Tochter die sich aktuell super entwickelt. Sie hatte einige Baustellen (Frühchen aus Ssw 29+4 wegen Hydrops Fetalis, Chylothorax, Verdacht auf Hirnblutung oder Pvl, beides kann man nicht klar sagen laut Aussage der Ärzte, erweiterte Ventrikel ohne Hirndruck, wird bisher kein Shunt benötigt, ASD II, Pulmonalstenose) , die sich mittlerweile aber zum Positiven entwickelt haben. Hier läuft es nach 8 monatigem Intensivstation Aufenthalt so langsam in die richtige Richtung. :)

Nun zu unserem Sohn. Er wurde im Februar 2016 spontan entbunden. Alles war gut, er trank gut, nahm gut zu.... gedreht hatte er sich mit 6 Monaten, aber dann ging es nicht normal voran. Es war sehr schwer ihn an die Beikost ran zu führen. Er hat anfangs alles sofort wieder ausgespuckt oder später den Mund so voll gemacht das er es nicht mehr verarbeiten konnte.
Freies Sitzen konnte er eine Woche vor seinem ersten Geburtstag, gekrabbelt ist er ab dem ersten Geburtstag und die ersten freien Schritte machte er mit 18 Monaten. Gebabbelt hat er relativ wenig bis gar nicht und auch der Blickkontakt war oftmals nicht gegeben. Auch die Gesten (klatschen, winken usw.) hat er relativ spät erlernt. Das freie Laufen sah bei ihm aber lange so aus als wäre er nunja "betrunken".
Dadurch das er alle Meilensteine später erreicht hatte hat uns der Kinderarzt auf meinen Wunsch hin in das nächste SPZ geschickt. Die Ärztin im SPZ vermutete einen vorgeburtlichen Schlaganfall, daraufhin haben wir ein MRT machen lassen. Alle Werte entsprachen der Altersnorm und ein Schlaganfall konnte ausgeschlossen werden. Die Suche ging also weiter. Als nächstes hatten wir einen Termin bei der Humangenetik. Äußere Merkmale hat er keine, außer das er sehr schlank ist. Aktuell 116 cm und 17 kg. Alle Sachen die man vermutete kamen negativ zurück. Zuletzt testete man noch im Foxg1 Gen. Hier hat er tatsächlich eine Veränderung, laut Humangenetikerin allerdings unklarer Signifikanz. In der Datenbank gibt es keinen vergleichbaren Fall. Und das Foxg1 Syndrom trifft so gar nicht auf ihn zu. Er fährt Laufrad, isst selbstständig und ist auch sonst motorisch nicht eingeschränkt. Das einzige was ihm allerdings fehlt ist die Sprache. Verstehen tut er alles, außer er möchte was mal nicht verstehen, aber bis vor einem halben Jahr hat er nur ca. 50 Worte gesprochen. Vielleicht auch weil wir teils zu nachgiebig waren und alles für ihn machten auch ohne Worte. Im Sommer waren wir dann in Baiersbronn im Therapiezentrum Iven und seitdem kann er das komplette Alphabet und mittlerweile spricht er alles nach und es werden täglich mehr Wörter und auch immer mehr zweiwort Sätze. Darüber sind wir schon sehr froh und sind begeistert von den Therapieansätze, deswegen haben wir uns leider auch von unserer Logopädin und unser Therapeutin für frühkindliche Förderung im Kindergarten verabschieden müssen, da diese den Weg nicht mit uns gehen wollten und auch recht wenig von den Therapieansätzen von Iven halten. Unser Sohn besucht seit er 2 ist einen Integrativen Kindergarten hier vor Ort. Dort erhält er noch Physio und Ergotherapie und seit neuestem haben wir eine Montessori Therapeutin, die die Heilpädagogig übernommen hat. Die im SPZ beharren aber darauf das er das Foxg1 Syndrom hat. Seine alten Therapeutinnen haben sich vorab über das Syndrom informiert und ihn vorab schon mal in eine Schublade gesteckt. Die neue Heilpädagogin und seine beiden super Erzieherinnen haben sein Potenzial erkannt. Mittlerweile hat er soviel dazugelernt, weil sie ihn einfach immer fordern und erkennen wie wissbegierdig er ist und das so gut es geht unterstützen. Unsere Therapeutin sagt das er sehr schlau ist, aber ihm sein Zappelphilip im Weg steht. Er hat einen unglaublichen Bewegungsdrang, kann keine Minute ruhig sitzen, kann sich schlecht an Regeln halten, kann sich schlecht konzentrieren und lässt sich schnell ablenken. Im Kindergarten will leider keiner mit ihm spielen, da er sich durch die fehlende Sprache nicht in die Gruppe mit einbringen kann. Das tut meinem Mamaherz richtig weh. :icon_pale:
Oft bringt er mich an Rande meiner Grenzen. Spazieren gehen ist nur alleine möglich, da hört er auf mich. Ist wer dabei habe ich das Gefühl er muss Quatsch machen um sich zu beweisen und Aufmerksamkeit zu bekommen. Oft ist es so wenn man sich nicht mit ihm befasst macht er extra Quatsch um Aufmerksamkeit zu bekommen. Er macht immer genau das Gegenteil von dem was wir sagen und auch sonst ist er manchmal einfach sehr tollpatschig. Er trägt auch immer noch eine Windel. Er meldet zwar wenn er Pippi macht, möchte aber partou nicht auf die Toilette. Alles was er macht macht er total hektisch und schnell. Mittlerweile sind wir täglich am verzweifeln und ich auch öfter am weinen. Den ganzen Tag ist man am Schimpfen und bestrafen. Ich denke für ihn ist das genauso schlimm wie für mich. Wobei jegliche Bestrafung nur kurz fruchtet. Der Reiz ist scheinbar zu groß die verbotenen Dinge zu tun. Jeder Erziehungsversuch prallt gerade an ihm ab. Seit Iven sind wir sehr konsequent, allerdings ist dies an manchen Tagen sehr anstrengend und macht mich traurig.
Allerdings hat er auch seine lieben Seiten, zu seiner Schwester ist er super lieb, obwohl er wegen ihr sehr lange zurückstecken musste, er sagt uns jeden Tag das er uns liebt und gibt uns einen Kuss, er ist nie schlecht drauf, er haut nicht und hat keine Wutanfälle, ist sehr empathisch und tröstet sofort wenn jemand anderes weint und er ist wirklich nie böse zu irgendwem. Er lässt jeden mit seinem Spielzeug spielen und heißt jeden mit offenen Armen herzlich willkommen. Leider können die meisten nicht wirklich viel mit ihm anfangen. Das macht mich sehr traurig und tut mir auch leid für ihn. Er muss auch im Kindergarten oft auf den stillen Stuhl, manchmal kommt er sogar gar nicht zum Spielen. Manchmal denke ich mir ob soviel Regeln nicht dann auch zuviel für ihn sind. Er muss sich eh schon für alles mehr anstrengen und wird dann dazu noch so oft bestraft. Habe so Angst das sein Selbstwertgefühl flöten geht.
Für das SPZ ist der Fall klar, das es von der genetischen Veränderung kommt, aber ich denke das es andere Ursachen haben könnte. Der Kinderarzt hat bei der letzten U8 schon angesprochen ob wir ihm nicht Tabletten geben wollen das er ruhiger wird. Aber brauchen wir dazu nicht erst einmal eine eindeutige Diagnose?
Noch dazu isst er immer wieder phasenweise nicht essbare Dinge (Sand, Erde, Papier, Staub), vom Gefühl her macht er das auch oft um wieder Aufmerksamkeit zu bekommen. Habe heute gelesen das das auch eine Krankheit sein kann. Komisch nur das er es eine lange Zeit nicht macht und dann auf einmal wieder. Das ist mit vielen Dingen so. Er hat Wochen da ist er super lieb und kooperativ und dann wieder das komplette Gegenteil.
Vielleicht kann uns irgendwer helfen und einem kommen meine Beschreibungen bekannt vor.

Ich würde mich sehr freuen wenn sich jemand meldet. Bin aktuell etwas ratlos und weiß nicht wie es weitergehen soll.

Viele Grüße
Verena

kati543
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Re: Vielleicht kann uns jemand helfen - möchte uns gerne vorstellen

Beitrag von kati543 »

Hallo Verena,
willkommen hier im Forum.
Tja, spontan mein erster Gedanke so nach der Hälfte des Textes war: im SPZ seid ihr falsch (zumal das SPZ euch sowieso nicht weiterhelfen kann). Versucht mal eine Diagnostik in der KJP. Praktisch alles aus deiner Beschreibung würde auch sehr gut zu einer seelischen Behinderung passen.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

GabySP
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Re: Vielleicht kann uns jemand helfen - möchte uns gerne vorstellen

Beitrag von GabySP »

Hallo Verena,

auch ich habe recht schnell beim Lesen deiner Vorstellung an eine seelische Behinderung gedacht. Vieles - längst nicht alles - hat mich an meinen autistischen Sohn in diesem Alter erinnert. Auch er hatte die Meilensteine der Entwicklung deutlich später als andere gemacht und war und ist ein „Bewegungslegastheniker“. Die Verhaltensauffälligkeiten standen auch bei uns im Vordergrund. Hilfe bekamen wir dann beim KJP. Insofern schließe ich mich Karins Empfehlung an.

LG Gaby
Asperger-Sohn, 01/2000

Vreni060388
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Re: Vielleicht kann uns jemand helfen - möchte uns gerne vorstellen

Beitrag von Vreni060388 »

Vielen lieb Dank schon mal für eure Antworten. Durch das fehlende Winken habe ich damals als ersters an einen Autist gedacht. Diesen Verdacht hat aber so niemand aufgegriffen. Bei der letzten Kontrolle im SPZ hatte die Ärztin angedeutet das er wohl schon ein paar autistische Züge hat, aber kein typischer Autist ist. Das einzige was dazu im Kindergarten auffällt ist das es mit ihm besser klappt wenn er geregelte Strukturen hat.

Wie haben sich eure Kinder denn dann so entwickelt. Ist ein eigenständig Leben möglich?
Kann man eine seelische Behinderung soweit therapieren das sie weg geht? Fühle mich von den Ärzten und anderen Anlaufstellen irgendwie im Stich gelassen.

Vielen lieben Dank.

s.till
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Re: Vielleicht kann uns jemand helfen - möchte uns gerne vorstellen

Beitrag von s.till »

Hallo Verena,

mein erster Gedanke war, dass hört sich in die Richtung frühkindlicher Autismus an.
Der nächste Gedanke, du beschreibst vieles, was in dem Arztbrief von der Humangenetik von unserem Sohn steht.
Er hat einen Defekt den es im Moment 39 mal gibt und an der Stelle wo er es hat ist er der einzige im Moment.

LG
Susanne
M *2010 Frühchen der 27SSW, Pneumothorax, Meningitis, diverse RSV Infektionen, Pneumonien, dystroph, kleinwüchsig, stimulationsbedürftige Apnoen, Asperger Autismus, Koordinationsstörung, PEG/PEJ seit 07/16 weg :D Pflegegrad 4 und SBA von 80% aG,B,H. FBXO11 Defekt
B*2008 ADS, Autist, Pflegegrad 2

Sandra9902
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Registriert: 19.09.2019, 11:19

Re: Vielleicht kann uns jemand helfen - möchte uns gerne vorstellen

Beitrag von Sandra9902 »

Hallo,

auch ich habe beim Lesen direkt an unseren Sohn gedacht. Er ist frühkindlicher Autist.
Er war, als er klein war, auch sehr unruhig und sehr unternehmungslustig und man musste sehr nah an ihm dran sein, damit er keinen Blödsinn macht. Wobei ich mir sicher bin, dass es für ihn kein Blödsinn war.
In de Kita beispielsweise hat er trotz 1:1 Betreuung beim gemeinsamen Frühstück seinen Joghurtbecher gegen das Fenster geworfen. Obwohl eine Erzieherin neben ihm saß. Das war keine Unaufmerksamkeit seitens der Erzieherin, er war einfach wahnsinnig schnell. Er warf immer mit den Worten: Du darfst den Joghurt nicht ans Fenster werfen. Beim Mittagessenholen vom Buffet in der Kita, wobei er eng begleitet wurde, flog der Teller samt Essen gegen die Wand in der Garderobe. Worauf ich hinauswill ist, dass er es nie gemacht hat, um zu Provozieren o.ä. und genau das haben die Erzieher auch wahrgenommen. Es gab keine Strafe für all diese Dinge, denn irgendeinen Sinn hatte es für unseren Sohn. Er musste z.B. nach dem Frühstück mit einem Lappen so gut er konnte, den Joghurt vom Fenster wischen, das war es. Es geht also auch ohne „Strafe“
Zuviele Regeln waren und sind immer ein Problem für ihn. Die Kita, später die Schule und auch wir haben uns ein oder zwei Baustellen in seinem Verhalten, die zu Problemen führten, rausgesucht und uns darauf beschränkt. Damit sind wir alle mit unserem Sohn gut gefahren
Wir haben mit zehn Jahren angefangen, Medikamente zu geben. Wir haben uns lange geweigert und gesagt, dass wir keine Medikamente geben, solange es Zuhause händelbar ist. Wir haben aber auch mit Kita und Schule unglaublich viel Glück gehabt.
Du schreibst, dein Sohn ist gefühlvoll, sagt, dass er euch liebt, ist toll zu der Schwester. Genauso war und ist es bei uns.
Inzwischen ist unser Sohnemann 21. Er ist ein glücklicher, zufriedener junger Mann, der in eine Tagesförderstätte geht ( Werkstatt hat nicht funktioniert), in einem Wohnheim für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene lebt, am 1.3. umzieht eine Einrichtung für Erwachsene. Er hat einige Freunde, ist sehr kontaktfreudig und oft gut gelaunt und mit sich ziemlich zufrieden. So war die Entwicklung bei uns. Er ist geistig behindert, spricht gut, versteht alles, es sei denn er will nicht und die meisten Menschen, mit denen er zu tun hat, mögen ihn. Er läuft, hüpft und springt durchs Leben, fährt Fahrrad, Dinocar, liebt Fahrzeuge und draußen sein. Er ist mit den Jahren tatsächlich ruhiger und fokussierter geworden.
Es ist nicht alles immer leicht aber sehr machbar.

Alles Gute, Sandra
Sandra mit PS, geb 1999, frühkindlicher Autist,gb, ADHS, Epilepsie, anfallsfrei
PT, geb 2002, PTBS

_Marta
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Re: Vielleicht kann uns jemand helfen - möchte uns gerne vorstellen

Beitrag von _Marta »

Hallo Verena,
Vreni060388 hat geschrieben:
20.02.2021, 23:32
Unsere Therapeutin sagt das er sehr schlau ist, aber ihm sein Zappelphilip im Weg steht. Er hat einen unglaublichen Bewegungsdrang, kann keine Minute ruhig sitzen, kann sich schlecht an Regeln halten, kann sich schlecht konzentrieren und lässt sich schnell ablenken.
...
Leider können die meisten nicht wirklich viel mit ihm anfangen. Das macht mich sehr traurig und tut mir auch leid für ihn. Er muss auch im Kindergarten oft auf den stillen Stuhl, manchmal kommt er sogar gar nicht zum Spielen.
Das, was du beschreibst, erinnert mich sehr an meinen Sohn in dieser Alternspanne.
Vreni060388 hat geschrieben:
20.02.2021, 23:32
Spazieren gehen ist nur alleine möglich, da hört er auf mich. Ist wer dabei habe ich das Gefühl er muss Quatsch machen um sich zu beweisen und Aufmerksamkeit zu bekommen.
Ich kann mir die besondere Herausfordung sehr gut vorstellen. Was ich dich fragen möchte: Bist du sicher, dass die von dir genannten Gründe (Aufmerksamkeit, zu großer Reiz) passen?
Wenn es bspw. ADHS wäre, dann wären die Anforderungen an deinen Sohn zu hoch. Das Beispiel Spazieren nur alleine kenne ich von einer anderen Familie mit ADHS-Kind: Jede Konstellation mehr als zu zweit war lange, lange Zeit bereits eine Reizüberflutung für das Kind.
Es muss nicht ADHS sein, es gibt aber eben auch andere Erklärungsmöglichkeiten als Aufmerksamkeit oder zu großer Reiz.
Vreni060388 hat geschrieben:
20.02.2021, 23:32
Wobei jegliche Bestrafung nur kurz fruchtet. Der Reiz ist scheinbar zu groß die verbotenen Dinge zu tun.
...
Jeder Erziehungsversuch prallt gerade an ihm ab. Seit Iven sind wir sehr konsequent, allerdings ist dies an manchen Tagen sehr anstrengend und macht mich traurig.
...
Manchmal denke ich mir ob soviel Regeln nicht dann auch zuviel für ihn sind. Er muss sich eh schon für alles mehr anstrengen und wird dann dazu noch so oft bestraft. Habe so Angst das sein Selbstwertgefühl flöten geht.
Ich kenne Iven nicht. Ich würde mir überlegen, wie hoch der Konsequenz-Teil am Tag ist. Und dann nach Bauchgefühl entscheiden: Könnte ich selber ein zufriedenes, glückliches Leben führen, wenn ich am Tag auf der Arbeit und zu Hause so oft bestraft werde? Für Dinge, die ich nicht mit Absicht (davon gehe ich bei deinem Kind jetzt mal aus) "falsch" mache oder bei denen ich nicht den Erwartungen entspreche?
Vreni060388 hat geschrieben:
21.02.2021, 10:25
Das einzige was dazu im Kindergarten auffällt ist das es mit ihm besser klappt wenn er geregelte Strukturen hat.
Das z.B. spricht doch eher dafür, dass dein Sohn mit unübersichtlichen oder reizintensiven Situationen überfordert ist. Da helfen keine "Konsequenzen" für das Kind. Sondern Konsequenzen für die Erwachsenen: reizärmere Situationen und geregelte Strukturen schaffen.

Ich selber finde: Man kann nicht an allen Fronten gleichzeitig kämpfen. Ich suche lieber ein bis drei Hauptprobleme und versuche meinem Kind dabei zu helfen. Oft zieht eine Lösung viele kleine hinter sich her.

Gruß von Marta
Sohn *09/10, Frühgeburt
Verschiedene Ärzte, verschiedene Diagnosen:
2018 - F90.0G, F84.1V, F82.1 (KJP)
2019 - F92.8, F82.1 (SPZ) - (hält die KJP für falsch)

Vreni060388
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Re: Vielleicht kann uns jemand helfen - möchte uns gerne vorstellen

Beitrag von Vreni060388 »

Sandra9902 hat geschrieben:
21.02.2021, 12:45
Hallo,

auch ich habe beim Lesen direkt an unseren Sohn gedacht. Er ist frühkindlicher Autist.
Er war, als er klein war, auch sehr unruhig und sehr unternehmungslustig und man musste sehr nah an ihm dran sein, damit er keinen Blödsinn macht. Wobei ich mir sicher bin, dass es für ihn kein Blödsinn war.
In de Kita beispielsweise hat er trotz 1:1 Betreuung beim gemeinsamen Frühstück seinen Joghurtbecher gegen das Fenster geworfen. Obwohl eine Erzieherin neben ihm saß. Das war keine Unaufmerksamkeit seitens der Erzieherin, er war einfach wahnsinnig schnell. Er warf immer mit den Worten: Du darfst den Joghurt nicht ans Fenster werfen. Beim Mittagessenholen vom Buffet in der Kita, wobei er eng begleitet wurde, flog der Teller samt Essen gegen die Wand in der Garderobe. Worauf ich hinauswill ist, dass er es nie gemacht hat, um zu Provozieren o.ä. und genau das haben die Erzieher auch wahrgenommen. Es gab keine Strafe für all diese Dinge, denn irgendeinen Sinn hatte es für unseren Sohn. Er musste z.B. nach dem Frühstück mit einem Lappen so gut er konnte, den Joghurt vom Fenster wischen, das war es. Es geht also auch ohne „Strafe“
Zuviele Regeln waren und sind immer ein Problem für ihn. Die Kita, später die Schule und auch wir haben uns ein oder zwei Baustellen in seinem Verhalten, die zu Problemen führten, rausgesucht und uns darauf beschränkt. Damit sind wir alle mit unserem Sohn gut gefahren
Wir haben mit zehn Jahren angefangen, Medikamente zu geben. Wir haben uns lange geweigert und gesagt, dass wir keine Medikamente geben, solange es Zuhause händelbar ist. Wir haben aber auch mit Kita und Schule unglaublich viel Glück gehabt.
Du schreibst, dein Sohn ist gefühlvoll, sagt, dass er euch liebt, ist toll zu der Schwester. Genauso war und ist es bei uns.
Inzwischen ist unser Sohnemann 21. Er ist ein glücklicher, zufriedener junger Mann, der in eine Tagesförderstätte geht ( Werkstatt hat nicht funktioniert), in einem Wohnheim für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene lebt, am 1.3. umzieht eine Einrichtung für Erwachsene. Er hat einige Freunde, ist sehr kontaktfreudig und oft gut gelaunt und mit sich ziemlich zufrieden. So war die Entwicklung bei uns. Er ist geistig behindert, spricht gut, versteht alles, es sei denn er will nicht und die meisten Menschen, mit denen er zu tun hat, mögen ihn. Er läuft, hüpft und springt durchs Leben, fährt Fahrrad, Dinocar, liebt Fahrzeuge und draußen sein. Er ist mit den Jahren tatsächlich ruhiger und fokussierter geworden.
Es ist nicht alles immer leicht aber sehr machbar.

Alles Gute, Sandra

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Alexandra2014
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Re: Vielleicht kann uns jemand helfen - möchte uns gerne vorstellen

Beitrag von Alexandra2014 »

Vreni060388 hat geschrieben:
21.02.2021, 10:25
Bei der letzten Kontrolle im SPZ hatte die Ärztin angedeutet das er wohl schon ein paar autistische Züge hat, aber kein typischer Autist ist.
Es gibt keine „typischen Autisten“. Das ist genau das Problem in den meisten SPZ.
Ich schließe mich den anderen an. Sucht euch eine kompetente Autismusambulanz oder kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanz.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

Elena2012
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Re: Vielleicht kann uns jemand helfen - möchte uns gerne vorstellen

Beitrag von Elena2012 »

Liebe Verena,

auch ich habe beim Lesen an unseren Sohn gedacht. Er ist 8, hat das Down-Syndrom und aktuell vermuten wir auch zusätzlich noch Autismus bei ihm. Bei uns wirken die üblichen Erziehungsmethoden überhaupt nicht. Mit der Konsequenz kamen wir nie weiter bei ihm, es hat absolut nicht funktioniert. Was uns in dem Alter sehr geholfen hat, war TEACCH (Handlungskonzept für Menschen mit Autismus). Das waren kleine Kärtchen, mit Handlungsabläufen, die er abarbeiten musste. Seine Ergotherapeutin hat es mit ihm gemacht und dann funktionierte es auf Anhieb auch zu Hause (sogar mit der Toilette). Inzwischen wirkt es wieder weniger, weil er inzwischen weiß, dass er die Kärtchen selbst zusammenstellen kann, aber in einigen Situationen ist es nach wie vor hilfreich.
Außerdem half uns ein Buch von Bo Hejlskov Elvén sehr geholfen. Es heißt "Herausforderndes Verhalten vermeiden. Menschen mit Autismus und psychischen oder geistigen Einschränkungen positives Verhalten ermöglichen". Es ist ein wunderbares Buch mit vielen Beispielen und Tiipps. Da haben wir auch ein paar Tipps übernommen, die uns helfen, unseren Sohn besser zu handeln. Das Wichtigste war für uns die Erkenntnis, dass die herkömmliche Erziehungsmethoden bei menschen mit Autismus oder geistiger Behinderung nicht funktionieren und daher wenig helfen. Das nahm bei uns ganz viel Druck raus und allein dadurch entspannte sich die Situation wesentlich.

Alles Gute,
Elena

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