Verweigerung des Lernens... Hilfe!

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Manu135
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Verweigerung des Lernens... Hilfe!

Beitrag von Manu135 »

Hallo!

Mein Sohn (12/6. Klasse Gym) verweigert seit einiger Zeit für Klassenarbeiten und Tests zu lernen. In einigen Fächern, die er nicht mag, weigert er sich zusätzlich auch noch, überhaupt Hausaufgaben zu machen, er liest lieber...

Die Asperger-Diagnose hat er erst im Laufe der 5. Klasse bekommen.

Dazu muss ich sagen, dass er die Schule mag, er sich also auch in seiner Klasse wohlfühlt und er sogar Freunde hat!

Nun wirkt sich seine Verweigerung auf die Zensuren aus und ich weiss einfach nicht, was ich machen soll.

Hat jemand Tipps oder kennt so ein Verhalten?

Dankeschön!
No. 1 * 2005 ADS, Hochbegabung
No. 2 * 2008 ADS, Asperger, Wachstumshormonmangel
No. 3 * 2008 ADHS, Skoliose, Hausstaubmilbenallergie

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Regina Regenbogen
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Re: Verweigerung des Lernens... Hilfe!

Beitrag von Regina Regenbogen »

Manu135 hat geschrieben:
15.01.2020, 09:42
Nun wirkt sich seine Verweigerung auf die Zensuren aus
In welchem Ausmaß?
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

Manu135
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Re: Verweigerung des Lernens... Hilfe!

Beitrag von Manu135 »

Nun, er hat jetzt die ersten 5en geschrieben. Da das mündliche nicht stark ist, werden es dadurch, gerade in den Nebenfächern, in denen nur eine Arbeit im Halbjahr geschrieben wird, wohl auch 5en auf dem Zeugnis werden. Nachteilsausgleich bekommt er nicht.
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RikemitSohn
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Re: Verweigerung des Lernens... Hilfe!

Beitrag von RikemitSohn »

Hallo,

ich habe hier auch so einen Kandidaten, der einfach nichts tut. Der hat nur das Glück, dass sich seine Noten kaum verändern. Bis zu einem gewissen Grad ist das leider Pubertät, die dann mit Adhs oder Ass zu einem echten Problem werden kann.
Eine Lösung habe ich bisher nicht wirklich gefunden. Momentan ignoriere ich das Ganze und appelliere an seine Vernunft, denn mein Sohn möchte unbedingt studieren. Ob die Vernunft den Schweinehund überwinden kann in der Oberstufe, kann ich noch nicht sagen. Nur ist bei euch durch die Fünfer abwarten nicht möglich.
Gibt eurer Sohn zu, dass er eigentlich Hausaufgaben hat und sie einfach nicht macht?
Ich kenne es von mir selber, dass ich sehr nach Sympathie und Interesse gelernt habe. Für alle Fächer zu lernen war eine enorme Herausforderung und hat oft auch nicht funktioniert durch den inneren Widerstand. Als Mutter wirst du dagegen auch schwer ankommen können, besonders in diesem Alter. Gibt es bei euch die Möglichkeit der Hausaufgabenbetreuung? Damit ist dein Sohn in einer anderen Struktur. Zuhause ist auch viel mehr Ausweichverhalten möglich. So habe ich es mit Sohn in der Grundschule gelöst. Damit haben wir enorm Stress aus dem Familienleben genommen. Einen Nachteilsausgleich finde ich schwierig, denn Faulheit ist keine Behinderung. Eher behinderungsbedingt schwerer zu bekämpfen. Ausserdem muss dein Sohn den Stoff ja auch lernen, da in den nächsten Schuljahren darauf aufgebaut wird.
Noch ein Tipp: nimm ihm nicht alle Verantwortung ab. Wenn er dort weiterlernen möchte, muss er auch selber etwas dafür tun. Strukturiere mit ihm seinen Schreibtisch und seine Schulsachen. Unsere Kinder brauchen viel mehr Energie um das Ganze zu schaffen, darum ist es gut mit ihnen Wege zu finden das Chaos zu ordnen, aber mit immer mehr Eigenverantwortung.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

HeikeLeo
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Re: Verweigerung des Lernens... Hilfe!

Beitrag von HeikeLeo »

Liebe Manu,

wie begründet er es denn? Er hat doch sicher seine Gründe. Welche sind die?

Liebe Grüße
Heike

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Regina Regenbogen
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Re: Verweigerung des Lernens... Hilfe!

Beitrag von Regina Regenbogen »

Manu135 hat geschrieben:
15.01.2020, 13:56
Nun, er hat jetzt die ersten 5en geschrieben. Da das mündliche nicht stark ist, werden es dadurch, gerade in den Nebenfächern, in denen nur eine Arbeit im Halbjahr geschrieben wird, wohl auch 5en auf dem Zeugnis werden.
Mit dem Halbjahrszeugnis würde ich ihn da rein laufen lassen. Vielleicht lernt er dann mit den 5ern auf dem Zeugnis und dem nachfolgenden Brief der Schule über die Versetzungsgefährdung, dass seine Verweigerungshaltung FÜR IHN Folgen haben wird. Er muss sich der Konsequenz bewusst sein, dass er -sofern er an seinem Verhalten nichts ändert- das Schuljahr wiederholen und dann seine Wohlfühlzone verlassen muss.
Dazu muss ich sagen, dass er die Schule mag, er sich also auch in seiner Klasse wohlfühlt und er sogar Freunde hat!
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
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Manu135
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Re: Verweigerung des Lernens... Hilfe!

Beitrag von Manu135 »

Seine Begründung ist "Ich habe keine Lust". Er hat dann aber auch ein Durchhaltevermögen! Problemlos sitzt er dann irgendwo und starrt 2 Stunden vor sich hin, anstatt mit dem Lernen anzufangen.

Übrigens hat er richtig Glück gehabt, in den besagten Fächern bekommt er trotzdem noch 4.

Ich verzweifel an seiner Dickköpfigkeit!
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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo,
Seine Begründung ist "Ich habe keine Lust". Er hat dann aber auch ein Durchhaltevermögen! Problemlos sitzt er dann irgendwo und starrt 2 Stunden vor sich hin, anstatt mit dem Lernen anzufangen.
Dass er nicht besser erklären kann, warum es nicht geht, ist Teil seines Problems. Tatsächlich beschreibst Du da eine Blockade. Die resultiert daraus, dass das vor einem Liegende überfordernd ist (auch wenn uns als Beobachter das nicht nachvollziehbar erscheint). Es fehlt zb an Strukturierung (zeitlich, räumlich, inhaltlich, Aufteilen in „Päckchen“, ... und an intrinsischer Motivation. Unsere sehr gute Ergotherapeutin hat geholfen, das sehr sehr kleinschrittig aufzulösen.

Ein ziemlich häufiges Problem von Autisten und AD(H)Slern. Ich würde ihn nicht alleine vor diesem Berg stehen lassen, das ist sehr demotivierend etwas nicht zu können was andere scheinbar mühelos können.
Etwas zu tun, nur weil es gemacht werden muss, ohne inneren Antrieb, ist für manche Autisten und AD(H)Sler schwieriger, für manche extrem schwer.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Regina Regenbogen
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Re:

Beitrag von Regina Regenbogen »

Engrid hat geschrieben:
16.01.2020, 09:05
Tatsächlich beschreibst Du da eine Blockade.
So eine Blockade baut sich aber schon etwas länger auf, mir scheint, hier kommen noch pubertäre Unlustanwandlungen hinzu.

@ Manu135: Mal eine Frage: Anhand deiner Signatur vermute ich, dass dein Sohn ein Zwillingskind ist - wie läuft das denn derzeit mit dem anderen Zwilling in der Schule?
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

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AnnalenaO
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Re: Verweigerung des Lernens... Hilfe!

Beitrag von AnnalenaO »

Hallo Manu!

Du schreibst „seit einiger Zeit“, heisst das dass er es schon konnte?
Mein Sohn ist noch jünger (10 J) und er konnte noch nie alleine für eine Klassenarbeit lernen. Wenn ich will dass er überhaupt irgendwas macht muss ich 1. hoffen dass er die Unterlagen mitbringt (bzw davor noch dass ich überhaupt erfahre dass eine Arbeit ansteht), und 2. mich mit ihm hinsetzen und zb in Mathe 3 Übungsaufgaben stellen oder Vokabeln abfragen oder in Deutsch Beispielsätze schreiben wo er mir die Wortarten unterstreichen muss (auch höchstens 3). Als letztes sehe ich was er kann und wo es noch hakt und kann dann vorsichtig versuchen ihm das was nicht verstanden wurde nochmal zu erklären, das ist allerdings manchmal schwierig. Fazit: es muss von der Menge überschaubar sein und er braucht eine klare Aufgabenstellung wenn er für eine Arbeit üben soll. Für Fächer wie Sachkunde da mache ich es so dass ich mir ansehe was sie da so machen, mir ein paar Beispielfragen rausschreibe (zb wieviel Blut hat ein Mensch, welche Gelenkarten gibt es oder so was) und ich ihn das nebenher mal frage. Sich die Infos selber aus den Unterlagen raussuchen geht (noch?) nicht.
Vielleicht hilft das deinem Sohn auch dass du zumindest Zeitweise (wenn er es schonmal anders konnte) mit ihm zusammen übst und vorgibst was er genau tun muss.

Viele Grüsse
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
Tochter 10/2012 Topfit

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