Nachteilsausgleich bei LRS - Sachsen

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

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SandyErgo
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Nachteilsausgleich bei LRS - Sachsen

Beitragvon SandyErgo » 15.03.2019, 00:51

Hallo!

Nachdem ich schon oft hier geschrieben habe - brauche ich nun selbst einfach mal eure Hilfe.

Hier in Sachsen wird in der 2. Klasse regulär ein Screening bezüglich LRS durchgeführt. Wie von Lehrerin, Logopädin und mir vermutet - wurde dabei der Verdacht auf LRS bei meinem Sohn bestätigt. Infolgedessen war er in dieser Woche zu Diagnostiktagen an einer Schule mit LRS-Klassen > ja, das gibt es bei uns hier.
Kommende Woche findet nun die Auswertung statt - und da würde ich gerne vorbereitet in das Gespräch gehen.

Vermutlich werden wir die Empfehlung für den Besuch der LRS-Klasse bekommen. Die Klassenlehrerin ist nicht so begeistert davon und uns gefällt es auch nicht besonders, und zwar aus folgenden Gründen:
1. Wir bekommen jetzt schon das 4. Gutachten > haben also schon jeden Schwerpunkt einmal gehabt. Begonnen mit der Sprachheilschule, wo die Diagnostik vor Schulbeginn stattfand - und die uns aufgrund "fehlender" Kognition und seines Verhaltens abgelehnt hat. Einschulung fand an einer Förderschule mit Schwerunkt L statt (Gutachten wurde schulbegleitend erstellt). Nach dem verstärkten Auftreten von Verhaltensproblemen kam es zur Diagnose ADHS (durch KJP) und vermutlicher Unterforderung. Deshalb Wechsel zur Schule mit FS SE (Gutachten schulbegleitend). Und jetzt also Diagnostik im Bereich LRS.
2. Durch den Schulwechsel musste die erste Klasse wiederholt werden - mein Sohn ist also schon 1 Jahr älter. In den LRS-Klassen wird das 3. Schuljahr auf 2 Jahre gestreckt. Das hieße, dass er dann 2 Jahre älter ist als andere Kinder in der 4. Klasse. Bei einer Größe von 1,45m und Schuhgröße 40 mit jetzt 9,5 Jahren sehe ich das auch als Problem an. Und da wir noch nicht wissen, wie es nach der 4. Klasse weitergeht - würde ich ein Wiederholungsjahr gerne dafür aufheben.
3. Wenn er zur LRS-Klasse wechseln würde - würde er seine jetzige Klasse verlassen > nach den 2 Jahren für 1 Jahr an die SE-Schule zurückkehren - aber auch nicht in seine alte Klasse, um dann nach einem Jahr wieder woanders hinzuwechseln. Was mein Sohn braucht, ist Kontinuität und eine Lehrerin, die ihn gut ihm Griff hat - und das haben wir nun endlich gefunden > es fällt ihm nicht unbedingt leicht, macht ihm aber Spass. Und bei einem erneuten Wechsel würde wohl auch die KJP ein Veto einlegen.


Die jetzige Klassenlehrerin würde ihn auch gerne in ihrer Klasse behalten - aber eben mit einem Nachteilsausgleich. Aufgrund der Tatsache, dass es nur 10 Schüler sind und es zeitweise auch eine Zusatzkraft gibt, dürfte es bei der Realisierung wohl wenig Probleme geben - zumal die Lehrerin es ja auch selbst möchte - es einfach nur auf eine rechtliche Grundlage gestellt werden muss.

Ich habe mal im Netz geschaut, was es zum Thema Nachteilsausgleich in der Grundschule (Sachsen) so gibt:
- Strukturierung von mündlichen/schriftlichen Aufgabenstellungen > kleinschrittig
- ggf visuelle Orientierungshilfe zum Aufgabeninhalt
- klare Strukturierung von Tafeltexten
- Aufgabenstellungen evtl. noch mal vorlesen
- bei Verstößen gegen die Sprachrichtigkeit > keine Rotstiftkorrektur (entweder mit anderer Farbe, oder richtige Wörter markieren, nur das richtige Wort dazuschreiben)
- Schüler nicht zum Lesen zwingen > freiwillig
- nicht an der Tafel schreiben müssen
- mündliche Leistungen vom Platz erbringen
- Platz in der Nähe des Lehrertisches

Es muss Förderunterricht angeboten werden und ein Entwicklungsplan erstellt werden.
Und es besteht die Option - Notenschutz zu gewähren => Nichtberücksichtigung von Leistungen in Teilbereichen von Deutsch.

Hat da jemand noch Ideen :?: :?:

LG
SANDRA
Mama 12/77
mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung
und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache, Verdacht auf LRS

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Silvana
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Beitragvon Silvana » 15.03.2019, 08:01

Hallo Sandra,

wenn ich das richtig verstehe, empfehlen alle Bezugspersonen den Verbleib an der jetzigen Schule. Die Lehrerin kennt Deinen Sohn und will auch weiter mit ihm arbeiten. Die Rahmenbedingungen scheinen demnach für seine Bedürfnisse (FS Lernen, ADHS und LRS) gut zu sein.
Weshalb dann einer evtl. Empfehlung zum Schulwechsel an eine LRS- Schule folgen?
Du kannst doch Dein Kind an seiner jetzigen Schule lassen. Ggf. nutzt Ihr zusätzlich die integrative Lerntherapie. Dort wird gezielt an den Schwerpunkten, die Du bei Deinem Sohn benennst, gearbeitet.

LG
Silvana mit Tom (11/01 - extremes Frühchen) beinbetonte Tetraspastik, Autismus-Spektrum-Störung, ...

SandyErgo
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Beitragvon SandyErgo » 15.03.2019, 08:25

Danke Silvana für deine Antwort.

Wir wollen ja - d.h. Lehrerin, Eltern KJP, ... - , dass er an der Schule bleibt, wo er jetzt ist - eine Schule mit dem Förderschwerpunkt Sozio-Emotional.

Nur aufgrund seiner doch stark vorhandenen Probleme in Deutsch und der eben deshalb vermuteten und vermutlich auch vorhandenen LRS sehe ich die große Wahrscheinlichkeit - dass das Diagnoseteam/Amt uns an die LRS-Schule haben will > da es hier leider üblich ist, die schweren Fälle in so eine Klasse zu schicken.
Und da will ich gerne gerüstet sein, wenn es um das Thema Verbleib an der bisherigen Grundschule geht > dann das scheint ohne einen Nachteilsausgleich nicht wirklich möglich zu sein, denn so ist die Lehrerin auch auf der (rechtlich) sicheren Seite - bzw. würde der uns und meinem Sohn auch den Stress nehmen. Ob wir dann zusätzlich evtl. noch eine spezielle LRS-/Lerntherapie machen werden, muss sich noch ergeben.

LG SANDRA

Janek W
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Beitragvon Janek W » 15.03.2019, 09:40

Hallo Sandra,

zum Schulwechsel kann euch niemand zwingen. Ihr habt Schulwahl.
Haben ähnliches im Kindergarten durch. Mein Sohn war im integrativen Kindergarten, aber dort hatte er auch Schwierigkeiten. Die Erzieherin, die Leiterin und auch die betreuenden Ärzte und Therapeuten hatten alle die Einschätzung, dass ein Wechsel nicht gewinnbringend wäre. Das Amt war anderer Meinung. Letztendlich haben wir es aber durchgedrückt, dass er mit einer Einzelfallhelferin bleiben konnte und die begleitet Ihn nun schon seit 10 Jahren. Habt ihr schon mal über eine Einzelfallhelferin nachgedacht? Nachteilsausgleich ist ohne Probleme machbar, wenn die Schulleitung zustimmt. Und das wird sie sicher auch. Die Frage wäre nur, ob sie ausreichend Personal haben. Das ist in Sachsen glaube ich, das größte Problem.

So ein Prozedere der Diagnostik und Beantragung kostet in Sachsen viel Nerven, da manche Ämter von Behindertenrechtskonvention und Inklusion noch nicht gehört zu haben scheinen, aber es lohnt sich.
Eine Rechtsanwältin ist manchmal hilfreich :wink:

Viele Grüße
Regine
Regine (12/71), Hanna (09/02), Janek-Wirbelwind (08/04) - atypischer Autismus, KISS-Syndrom, geistig behindert

SandyErgo
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Beitragvon SandyErgo » 15.03.2019, 13:45

Bezüglich der personellen Ausstellung haben wir an dieser Glück. Es gibt zwar nicht für alle, aber glsub ich die Hälfte der Zeit eine Zweitkraft. :wink: (Das gab es an de FS L leider nicht :( .
Mama 12/77

mit Tochter 11/06 FG 30+6 (nach HELLP-Syndrom) Kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit noch leichter Sprachentwicklungsstörung

und Sohn 08/09 FG 34+1 ADHS und kombinierte umschriebene Entwicklungsstörung mit starker Betonung der aktiven Sprache, Verdacht auf LRS

lauli
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Beitragvon lauli » 15.03.2019, 15:29

Hallo,

auch von mir die Empfehlung des Verbleibs in der Förderschule esE.

Die bekannten und festen Strukturen dieser Schule sind in der Gesamtheit wichtiger als die LRS- Förderung in dieser Klasse. Die Bedingungen an der aktuellen Schule erlauben grundsätzlich eine viel individuellere und umfassendere Förderung in der Schriftsprache, insbesondere in Kombination mit einem konkretem NTA, bei gleichzeitiger Beihaltung des bekannten und verlässichen Bezugssystems, welches für Kinder mit diesem Förderschwerpunkt erforderlich ist. Dies empfiehlt ja offenbar auch die Klassenleiterin.

Bei einem Kind mit externalisierenden Verhaltensweisen besteht eine hohe Wahrscheinkeit, dass eine Führbarkeit in dieser größeren Lerngruppe (LRS-Klasse) nicht gegeben ist, die geplante Förderung nicht umsetzbar ist und es zu einem Abbruch sowie erneutem Schulwechsel kommt.

Grundsätzlich befürworte ich eine gezielte Förderung im Bereich Schriftsprache, wobei mir dieses gezielte Fischen nach Schülern in Lpz. gerade auch im Freundeskreis aufstößt. Eine prozessbegleitende Diagnostik und fortwährende zielgerichtete Förderung ab Klasse 1 durch die Grundschulpädagogen würde diese Verfahrensweise unnötig machen bzw. auf wenige notwendige Fälle begrenzen.
Momentan versucht man offenbar in jedem Stadteil eine solche Klasse zu füllen und die Elternversammungen arten in Massenveranstaltungen aus. Zeit zur Entscheidung räumt man den Eltern nach meinen Informationen auch nur sehr widerwillig ein.

Grüße
Claudia
Lehrkraft im mobilen sonderpäd. diagn. Dienst in S. A.

SandyErgo
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Beitragvon SandyErgo » 15.03.2019, 15:35

Danke Claudia für deine Erklärung - die Formulierungen werde ich mir gleich mal kopieren :lol: . .
Sie erklären die Situation genau auf den Punkt -> und wenn die DiagnostikerInnen mir komisch kommen - kriegen sie die zu hören.  8)
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lauli
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Beitragvon lauli » 15.03.2019, 15:41

Unsere Freunde werden auch mit Argumenten versorgt :D

VG
Claudia
Lehrkraft im mobilen sonderpäd. diagn. Dienst in S. A.


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