Unser Jüngster verweigert das Essen

Hier könnt ihr Fragen rund ums Thema Ernährung stellen. Usern, deren Kinder über eine Sonde ernährt werden, möchten wir hier ebenfalls eine kleine Austauschplattform bieten.

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RikemitSohn
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Beitragvon RikemitSohn » 04.11.2018, 18:34

Hallo,

ich verstehe, dass du im Stress stehst und einfach Zeit geben wird auf Grund der Gewichtsabnahme wahrscheinlich momentan keine gute Option sein.
Ich möchte dir kurz von meinem Sohn erzählen. Er isst bis heute vom Obst nur Äpfel, alles andere schmeckt ihm nicht. Genauso wählerisch ist er aber auch bei Süßigkeiten. Er ist keinerlei Soßen und als Gemüse nur rohe Möhren. Im Kindergarten habe ich ihn früh beim Mittagessen angemeldet, damit er die anderen Essen sieht. Nach drei Jahren hat er Kartoffeln pur, Nudeln pur und das Flüssige von der Hühnersuppe gegessen. Was ihn über Wasser gehalten hat war zum Glück seine Milch, denn die ging immer. Daher hatte ich nie das Problem mit dem Gewicht, auch wenn Sohn sehr dünn war und ist. Du siehst, ein Kind kommt auch mit wenig Auswahl zurecht.
Bei meinem Sohn hat das Essen bestimmt mit der Wahrnehmung zu tun. Er braucht alles gleichmässig, hält wenig von Neuem. Im Kindergarten haben sie versucht ihn zum Probieren zu zwingen, was dort gleich eskaliert ist.
Am Wichtigsten ist, dass du den Druck raus nimmst. Wie du trotzdem Nährstoffe ins Kind bekommst, musst du mit Ärzten klären.
LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 04.11.2018, 18:55

Hallo,

ich möchte den anderen beipflichten. Mein Sohn hat als Kleinkind sehr wählerisch gegessen. Immer hatte er extrem feine Antennen, was die Erwartungen anderer zu seinem Essen betrifft. So hat er über die Jahre bei seiner Grossmutter mehr und mehr Speisen verweigert, und isst dort nun seit Jahren nichts mehr außer Stapelchips. Obwohl sie versucht hat, sich nichts anmerken zu lassen, hat er gespürt, dass sie es gerne sähe, wenn er isst. Das war ihm schon zuviel.
Zuhause war er jahrelang sehr stereotyp beim Essen, jetzt ist er vierzehn, erst in den letzten Jahren hat er in größerer Zahl neue Nahrungsmittel dazugenommen. Immer nur auf eigene Initiative.
Essen hat viel mit Kontrolle zu tun. Beim Essen will mein Sohn komplette Kontrolle - die er sonst in vielen Bereichen behinderungsbedingt nicht hat.
Und es hat viel mit Wahrnehmung zu tun. Es geht nichts breiiges, nichts Heterogenes, es darf maximal lauwarm sein, Gemüse nur, was gleichmäßig geformt ist (Erbsen, Maiskörner, manchmal Spinat), viele Gerüche gehen gar nicht (Geflügel, Pilze, Möhren, ...)

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

MamaPina
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Beitragvon MamaPina » 04.11.2018, 19:30

Engrid
Es geht nichts breiiges, nichts Heterogenes, es darf maximal lauwarm sein, Gemüse nur, was gleichmäßig geformt ist (Erbsen, Maiskörner, manchmal Spinat), viele Gerüche gehen gar nicht (Geflügel, Pilze, Möhren, ...)

Hallöchen,

Engrid, bleibt das ein Leben lang so?

Meine Nichte hatte über einen längeren Zeitraum eine Sonde, auch weil sie festes Essen und trinken verewigert hat. Durch eine langfristige Therapie fing sie irgendwann an zu essen. Zuerst langsam kleine Mengen und ausgesuchte Getränke. Danach nur Essen, das sie selbst mochte. Aber die Therapie war so erfolgreich, dass die Sonde entferrt wurden konnte. Es gibt keine Probleme mehr. Alles ganz normal.

LG

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 04.11.2018, 19:43

Hallo MamaPina,

das kann man nicht vorhersagen, es ändert sich die Körperwahrnehmung, und so vieles. Manches bleibt, Möhren und Geflügel findet er unverändert eklig. :P Aber mit dem Einsetzen des pubertären Wachstums hat ihm offenbar sein Körper signalisiert, dass mehr Kalzium und mehr Eiweiß her muss. Seitdem isst er von sich aus große Mengen Hülsenfrüchte (is ja wieder was Gleichförmiges :wink: ), weißen Jogurt, und wenigstens ein bisschen Fleisch. Jogurt und Hülsenfrüchte vorher gar nicht, null, Fleisch extrem wenig.

Untergewicht und drohende Mangelversorgung sind natürlich eine andere Liga.
Aber das, was ich an Juniors Esserei beobachte, gilt wohl für viele Kinder mit Wahrnehmungsauffälligkeiten. Ich konnte halt bei meinem kerngesunden Kind locker bleiben, bisschen pokern, und auf später hoffen. Die Option haben natürlich nicht alle, das ist mir bewusst.


Ich hab’s selber nicht gelesen, aber soll gut sein (wie eigentlich alles vom Autismus Verlag): https://autismusverlag.ch/de/buecher/sa ... h-mal.html

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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Silvia & Iris
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Beitragvon Silvia & Iris » 04.11.2018, 20:45

Hallo Theodor,

ich habe da eine Frage - wie kann man mit bereits 6 Monaten bereits Kuhmilchallergie feststellen? - Da ich bei meinen Kindern erst mit 18 Monaten damit angefangen habe, frage ich halt... - ich war da eher vorsichtig und habe mich da an Empfehlungen gehalten und eine Produktgruppe nach der anderen eingeführt, mit 18 Monaten waren wir dann bei der gesamten Palette angelangt... (Kuhmilch und Hülsenfrüchte kamen erst da dran) - war damals vor 12 Jahren noch mehr Thema, heute ist wieder andere Philosophie... -

- Schluckprobleme liegen aber nicht vor?

Ich weiß nur, bei meiner Tochter war es so, die konnte nach 17. Monat gar nicht mehr aus der Flasche saugen, da der Saugreflex - der angeborene Saugreflex dann weg ist... - das ist auch keine Ursache?

LG
Silvia
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

grace
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Beitragvon grace » 04.11.2018, 22:34

Hallo,

Auch ich kann allen Müttern Mut machen bei deren Kindern KEINE Gedeihstörung vorliegt, mein Sohn hat bis über zwei Jahren nur die Flasche getrunken und nix anderes gegessen. Brei spuckte er im hohen Bogen aus und bei fast allen anderen Lebensmitteln würgte er schon wenn sie in die Nähe seines Mundes kamen, keine schöne Situation!

Zum Glück bin ich von Natur aus ein sehr entspannter Mensch was das Essen betrifft und der festen Überzeugung das kein körperlich gesundes Kind vorm vollen Tisch verhungert! Wir haben also alle ruhig zusammen gegessen und Sohni hat seine Flasche getrunken, ganz langsam hat er dann angefangen Nudeln und Reis zu probieren (ohne Sauce), dann Kartoffeln und später etwas Obst.

Er hat dann praktisch jahrelang nur diese wenigen Lebensmittel gegessen, aber in großen Mengen, ich konnte dann in den Reis etwas Olivenöl und Parmesan geben und damit war die KiÄ zufrieden. Mit fast 3 Jahren hat er dann beschlossen keine Milch mehr zu trinken und heute verträgt er auch keine Kuhmilch mehr, das hatte also seinen Sinn.

Mit 12 Jahren trat langsam ein Wandel ein, er probierte immer mehr neue Sachen und heute isst er fast alles außer Fleisch, Milch und wenige andere Sachen.

Nie hätte ich geglaubt das mein Sohn mal viel Gemüse und Hülsenfrüchte essen würde, wir sind da allerdings mit gutem Beispiel vorangegangen und haben nie Druck ausgeübt, es gab aber auch keine X Varianten angeboten, also keine Süßigkeiten oder andere ungesunde Alternativen.

Ich bin meinem Sohn auch nie mit dem Teller hinterher gelaufen, wollte er nichts essen dann gab es halt bis zur nächsten Mahlzeit nichts mehr! Ich beobachte oft das problematische Esser ‚dauergefüttert, werden, also einen Happen hier und ein Stückchen da...so bekommen diese Kinder nie Hunger oder Appetit und essen bei den Mahlzeiten dann nichts.

Wir hatten aber leider jahrelang Probleme mit Verstopfung, das hat sich alles erledigt seitdem er vollwertig isst.

Ich hatte auch das Glück das mich meine Umgebung nicht mit dem Essen gestresst hat und meinen Sohn so hat essen lassen wie er wollte, mit Druck wären wir sicherlich in einer Ess-Störung gelandet.

Es ist aber nicht einfach, speziell wenn andere Kinder in der Familie gut essen, ich weis das nur zu gut.

LG

Grace


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