31€ - Pflegehilfsmittelpauschale - Intimpflegeschaum?

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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Mama Ursula
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31€ - Pflegehilfsmittelpauschale - Intimpflegeschaum?

Beitragvon Mama Ursula » 01.10.2014, 22:04

Hallo Ihr Fachleute,

ich sitze mal wieder hier und raufe mir die Haare. Hier wurde das alles schon zig mal diskutiert und eigentlich auch erschöpfend beantwortet, aber irgendwie habe ich den Eindruck bei uns läuft das immer noch verkehrt :oops: :(

Jessy hat PS3, wird täglich 8-10x gewickelt, läuft dennoch 4-10x pro Woche aus und wird von vielen verschiedenen Personen gepflegt.

So problemlos es bei uns mit den Windeln läuft, so schwierig und zäh ist es bei der 31€-Pflegehilfsmittelpauschale.

Wir bekommen das Geld für die Einmal-Inkontinenzunterlagen, von denen wir trotz allem meist keine 50 im Monat brauchen und die wir daher nicht konsequent monatlich bestellen. Und wir bekommen Geld für Einmalhandschuhe, allerdings nur ein Päckchen im Monat. Müssen wir zweierlei Größen im gleich Monat bestellen (wir bestellen eh höchstens 2 Päckchen pro Größe im Jahr, da nur die Betreuer mit Handschuhen pflegen), haben wir Pech gehabt.
Desinfektionsmittel hatte ich bisher nicht bedacht und noch nie eingereicht :oops:

Den inzwischen nicht mehr weg zu denkenden Intimpflegeschaum, den wir unbedingt brauchen, wenn Jessy eingekotet hat, bekommen wir nicht erstattet.
Die Feuchttücher bekommen wir nicht erstattet.
Die im Verhältnis zu einem gesunden Kind sehr viel mehr ver-/gebrauchten Wattestäbchen bekommen wir nicht erstattet.
Die spezielle Waschlotion zur Reinung des Gastrostomas bekommen wir nicht erstattet.
Die im Schnitt 10 Babyflaschen-Sauger, die wir im Monat brauchen, weil Jessy diese ständig zerbeißt, aber nur Flasche trinken kann (wenn überhaupt) bekommen wir nicht erstattet.
Stoff-Mullwindeln, von denen wir als Sabbertücher täglich mindestens 5 brauchen (natürlich werden die gewaschen und häufig wiederverwendet, bevor sie nach etwa 1 Jahr ausrangiert werden müssen, weil vom häufigen Waschen und Trocknern zerschlissen), bekommen wir nicht erstattet.

Sind das alles keine zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmittel entsprechend:
SGB 11 § 40
gültig für jede GKV

Pflegehilfsmittel und technische Hilfen

(1) Pflegebedürftige haben Anspruch auf Versorgung mit Pflegehilfsmitteln, die zur Erleichterung der Pflege oder zur Linderung der Beschwerden des Pflegebedürftigen beitragen...


Besonders die Feuchttücher und der Intimpflegeschaum sind eindeutig nur für Jessy und die Erleichterung der Pflege sowie der Linderung ihrer Beschwerden. Warum werden diese nicht übernommen?

Wir zahlen sovieles selber - Aufzahlungen bei den Medis, zusätzliche Spritzen..., weil die "gewährten" Stückzahlen zu gering sind ..., ich mag das nur ungern aus Unwissenheit weiterhin so laufen lassen.

Gibt es rechtliche Grundlagen, dass die KK Feuchttücher und Pflegeschaum oder auch andere unserer zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmittel (Sauger) erstatten müssen?

Momentan reizen wir unsere 31€ eigentlich nie aus - oder zahlen drauf :evil: , so dass eine Umwandlung in eine Geldleistung von der PK abgelehnt wird - logisch!

Unglückliche Grüßle
Ursula
Kinderkrankenschwester mit Fachweiterbildung Palliativ Care und Außerklinische Beatmung.
Pflegemutter von Jessy (16 J., schwerster Hirnschädigung wegen Sauerstoffmangel), kl.Bub (1 Jahr mit schwerster Hirnschädigung, Reflux, Spastisch-steife Knie), 2 gr. Jungs - ausgezogen.

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Sinale
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Beitragvon Sinale » 01.10.2014, 22:37

Hallo Ursula,

möglich ist bei jeder GKV neben der Sachleistung für die Pflegehilfsmittel auch die Geldleistung:

Gemäß folgendem aktuellen rechtlich verbindlichen Rundschreiben zur Pflegeversicherung vom 17.04.2013, S. 183:

http://www.sindbad-mds.de/infomed/sindb ... enDocument

gibt es eine Regelung, aus der hervorgeht. dass unter bestimmten Voraussetzungen auf Nachweise für Pflegehilfsmittel verzichtet werden kann:

Wählt der Versicherte die Kostenerstattung, sollte aus Gründen der Verwaltungspraktikabilität in Fällen, in denen ein monatlicher Bedarf an zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmitteln in Höhe von mindestens 31,00 EUR nachgewiesen ist (wenn beispielsweise im letzten halben Jahr der Leistungsanspruch stets voll ausgeschöpft wurde und dies auch zukünftig mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist), auf die monatliche Vorlage von entsprechenden Belegen verzichtet werden. In diesen Fällen kann ohne weitere Prüfung der monatliche Höchstbetrag ausgezahlt werden.


Rechtlich gilt Folgendes, wenn wie bei Dir für das Kind die Sachleistung für Pflegehilfsmittel bezogen wird:

Wenn eine Pflegestufe beantragt, bzw. vorhanden ist, kann bei der Pflegekasse der GKV folgendes beantragt werden:

SGB 11 § 40
gültig für jede GKV

Pflegehilfsmittel und technische Hilfen

(1) Pflegebedürftige haben Anspruch auf Versorgung mit Pflegehilfsmitteln, die zur Erleichterung der Pflege oder zur Linderung der Beschwerden des Pflegebedürftigen beitragen oder ihm eine selbständigere Lebensführung ermöglichen, soweit die Hilfsmittel nicht wegen Krankheit oder Behinderung von der Krankenversicherung oder anderen zuständigen Leistungsträgern zu leisten sind. Die Pflegekasse überprüft die Notwendigkeit der Versorgung mit den beantragten Pflegehilfsmitteln unter Beteiligung einer Pflegefachkraft oder des Medizinischen Dienstes.

(2) Die Aufwendungen der Pflegekassen für zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel dürfen monatlich den Betrag von 31 Euro nicht übersteigen.

Nach dem Katalog zählen zu den zum Verbrauch bestimmten Hilfsmitteln in der Pflegeversicherung:

1. saugende Bettschutzeinlagen, verschiedene Größen, Einmalgebrauch
0,4 x 0,6 m = 150 ml
0,6 x 0,6 m = 225 ml
0,6 x 0,9 m = 337 ml
Indikation: Der Einsatz von saugenden Bettschutzeinlagen zum Einmalgebrauch verhindert bei der Körperhygiene, beim Einsatz von Bettpfannen (Stechbecken) und Urinflaschen/-schiffchen, daß die Bettwäsche häufig gesäubert werden muß und erleichtert somit die Pflege.

2. Schutzbekleidung
2.1. Fingerlinge; Fingerlinge dienen ausschließlich dem Schutz des Pflegenden bei der digitalen Ausräumung des Rektums des Pflegebedürftigen.
2.2 Einmalhandschuhe; Einmalhandschuhe dienen der allgemeinen Hygiene, z.B. dem Schutz beim Umgang mit Körperausscheidungen, Blut und Sekreten sowie bei sonstigen Risikosituationen, wie z.B. chronischen Infektionen des Pflegebedürftigen.
2,3 Mundschutz; Der Mundschutz dient ausschließlich dem Schutz des Pflegenden, wenn vom Pflegebedürftigen gesundheitliche Gefährdungen gegenüber dem Pflegenden ausgehen können.
2.4 Schutzschürzen; Schutzschürzen dienen dem Schutz des Pflegenden.

3. Sonstige zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel
Hand- und Flächendesinfektionsmittel ; Desinfektionsmittel dienen der allgemeinen Hygiene, z.B. bei chronischen Infektionen, beim Umgang mit Körperausscheidungen, Blut und Sekreten sowie bei sonstigen Risikosituationen.


Beachte jedoch auch folgende Beiträge:

herbert hat geschrieben:Hallo,

natürlich sind im Hilfsmittelverzeichnis ( http://www.rehadat.de/gkv2/Gkv.KHS?Usage=GKV&State=-1 ) in den Produktgruppen 50-54 viele Pflegehilfsmittel exakt aufgeführt. Aber das ist nicht erschöpfend, sondern nach mehreren Urteilen des BSG nur eine Arbeitshilfe. Was da drin steht, muss die Kasse bei entsprechender Indikation übernehmen. Für andere Produkte bedarf es der Einzelfallbegründung (zuletzt BSG-Urteil B 3 P 9/06 R zu Einmal-Schutzservietten bei übermässigem Speichelfluss).

Für Euch heisst das, dass die KK falsch informiert (ist), wenn sie behauptet, dass sie die Kosten nicht übernehmen darf - im Gegenteil, wenn sie bisher der Auffassung war, dass der Bedarf berechtigt ist, bedarf es auch keiner neuen Begründung.

(Ausdrucken und der Kasse zukommen lassen)

Herbert :)


http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 533#775533
Viele Grüße
Sinale

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Beitragvon AnneJaJoLu » 02.10.2014, 07:07

Hallo!

Ja, ich kann Sinale nur zustimmen. Durch ihren Hinweis hab ich das bei der Krankenkasse (Barmer) jetzt auch als Geldleistung durchgeboxt und bekomme ab September die 31,- Euro ausgezahlt und kann dann davon kaufen, was unser Kleiner wirklich braucht.

Liebe Grüße
Anne

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Beitragvon karin.kellermann » 02.10.2014, 07:17

Guten Morgen,

Ich hatte vor etlicher Zeit mal bei der KK angefragt, ob genau dieses Geld nicht aus überwiesen werden kann.

Klar brauchen wir auch Sterillium, Handschuhe und wenige 1xUnterlagen.
Aber: Berge an Feuchttüchern, Kosmetiktüchern, Vlieseinlagen.

An die Berge von Stoffwindeln, Tücher usw. die auch bei uns niemals länger als ein Jahr halen gar nicht zu denken.

Daher kann ich Ursulas Frust nachempfinden.


Also meint ihr, damit man dieses Pauschale (die soll ja ab nächsten Jahr auf 40€ steigen) auch überwiesen werden muss?

Wenn ja, wie habt ihr das gemacht? Formlos geschrieben, damit das Kind seit xx Jahren diese Pauschale nutzt und es ganz klar ist damit es Pflegehilfsmittel braucht.
Oder wie kann ich mir das vorstellen?

lg Karin
Karin, "Sorgenkind" Finn *07
ca. 25min während der Geburt unterversorgt, dann 12min Reanimation
* Sauerstoffmangel
* Großhirnschaden
* hoher Absaugbedarf
* viele Bronchen und Lungenprobleme
* teilweise o2 pflichtig
* Skoliose, luxierte Hüften
* massive Kontrakturen an den Beinen
* Faktor VIII Leiden

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Beitragvon Sinale » 02.10.2014, 09:24

Hallo Karin,

unter Hinweis auf das von mir oben zitierte Rundschreiben, kann die monatliche Überweisung (Auszahlung der 31,-- €) schriftlich beantragt werden.
Viele Grüße

Sinale



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Beitragvon Sinale » 02.10.2014, 09:53

Hallo Anne,

schön, dass du mit deinem Antrag Erfolg hattest!
Viele Grüße

Sinale



Diagnose: Tetraspastik

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Beitragvon kar_lotta » 02.10.2014, 10:03

Hallo,

kann man dieses Pflegeld auch bei der privaten Krankenkasse/Beihilfe beantragen?

Herzliche Grüße
kar_lotta
kar_lotta mit Tochter (*10/2012),
körperlich und geistig behindert. Symptome:
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Sohn (11/2018)

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Beitragvon Tina7006 » 02.10.2014, 10:35

Hallo zusammen,

Ursulas größtes Problem scheint aber zu sein, das sie die 31,- € nicht, oder nur sehr selten ausreizt.
Das macht die Bewilligung der Überweisung schwierig. KK hat ja schon abgelehnt.

Ich hatte sowohl bei der Dame von der Kasse als auch bei unserem Versorger gefragt, ob ich auch Feuchttücher bekommen könnte.
Bzw. Handschuhe in 3 unterschiedlichen Größen (nicht jeden Monat), dafür nicht jeden Monat Desinfektionsmittel, aber NEIN, DAS GEHT NICHT.

Ich könnte ja statt Feuchttüchern auch Einmalwaschlappen nehmen, aber NEIN, die werden auch nicht bezahlt.

Ursula, vielleicht versuchst du es nochmal schriftlich, oder in Zusammenarbeit mit der "Pflegeüberwachung".
Drücke die Daumen das es klappt.

LG Tina
Tina *70,Sven *77 und Felix *11/06 Spina bifida, Shunt versorgt (9. OP) ACM Typ II, Epilepsie (VNS seit 02/2013), Hirnsubstanzminderung, Kleinhirninfarkte, Seh-Verarbeitungsstörung, komplexe Entwicklungsstörung, PEG 04/11; PS III, GdB 100%, sehr fröhlich und lustig

Mama Ursula
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Beitragvon Mama Ursula » 02.10.2014, 12:08

Hallo!

Tina - Du hast mein Problem genau erkannt und schön kurz zusammengefasst - DANKE!

Habe nun gerade auch nochmal die schriftliche Antwort (kein Bescheid, da ohne Rechtsbelehrung) herausgesucht.
Hier steht:
>>Aus der vorliegenden Verordnung ergibt sich keine ausreichend medizinische Begründung nach den gesetzlichen Richtlinien zu Versorgung mit diesem Hilfsmittel. Reinungs- und Pflegeschäum können nicht im Rahmen der zum Verbrauch bestimmten Hilfsmittel erstattet werden.<<

Heißt das, dass mein Doc schreiben muss, dass Jessy um Hautläsionen im Windelbereich vorzubeugen Feuchttücher und Intim-Pflegeschaum benötigt?!

Werd dort gleich mal noch anrufen, aber vielleicht weiß hier jemand noch konkreteren Rat :oops: :wink:

Grüßle
Ursula, die einfach 6-Monate das Maximum einreichen möchte, um in Zukunft tatsächlich die Geldmittelleistung zu erhalten und frei entscheiden zu können. :twisted:
Kinderkrankenschwester mit Fachweiterbildung Palliativ Care und Außerklinische Beatmung.

Pflegemutter von Jessy (16 J., schwerster Hirnschädigung wegen Sauerstoffmangel), kl.Bub (1 Jahr mit schwerster Hirnschädigung, Reflux, Spastisch-steife Knie), 2 gr. Jungs - ausgezogen.

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AnneJaJoLu
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Beitragvon AnneJaJoLu » 02.10.2014, 12:10

Hallo!
Dann muss sie die 31,- Euro für einige Monate ausreizen, damit die Krankenkasse überweist. Ist zwar unsinnig, Dinge zu horten nur um die 31,- Euro zu erreichen und andere Sachen nicht kaufen zu können, die man dringend braucht, aber dieser Unsinn ist ja Krankenkassen-hausgemacht.
Liebe Grüße,
Anne


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