Autismus und Intelligenzminderung/geistige Behinderung

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

Moderator: Moderatorengruppe

Angela77
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 8987
Registriert: 02.09.2010, 21:25

Beitragvon Angela77 » 04.03.2014, 16:20

Hallo Engrid,

auf neue Wege besteht Bene neuerdings auch :idea: Aber daran, dass er implizit erkennt, dass es ihn weiterbringt (ohne großes Tamtam bzw. zunächst grundsätzliches Nein) zu kooperieren, arbeiten wir noch ... Falls man daran überhaupt arbeiten kann :twisted: Fairerweise muss ich aber sagen, der generelle Widerstand wird kleiner :wink: Die Ergo findet sogsr, er macht große Fortschritte in Sachen Kooperation (und zugleich sei das seine größte Baustelle) ... Sehr gravierende Wahrnehmungsstörungen seien nicht mehr vorhanden ... Hier gab es im letzten Jahr wirklich große Fortschritte :wink:

Wieso fällt es selbst intelligenten Autisten eigentlich oft so schwer, erstmal (auch) die Wege anderer auszuprobieren? Liegt es daran, dass sie eine andere Wahrnehmung haben? Rein rational müssten sie doch irgendwann erkennen können , dass Nachahmung im allgemeinen der effizienteste Lernweg ist, zumindest für Alltagsdinge :idea:

LG
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

Werbung
 
Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13579
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitragvon Engrid » 04.03.2014, 16:44

Hallo Angie,

Angela77 hat geschrieben:Wieso fällt es selbst intelligenten Autisten eigentlich oft so schwer, erstmal (auch) die Wege anderer auszuprobieren?
Das Warum hat Anna-Alice oben beschrieben: Pertubation ist schmerzhaft (letzter Absatz)

Wenn er nicht selber schon den fertigen Spazierplan im Kopf hat, ist Junior zumindest auf dem Land schon flexibel, was Wege anbelangt (In der Stadt geht's eher um Reizüberflutung). Hab ich gestern erst wieder schön gesehen, er ließ sich prima lenken und wollte nur sicher sein, dass wir zum Zwölfeläuten wieder bei der Kirche sind.  8)
Das hab ich aber auch von klein auf ganz viel mit ihm praktiziert, dass ich die jeweiligen Wege ankündige (im Ggs zB zum Papa, der es gemütlicher findet, dem vorauseilenden Junior nachzulatschen - auch mal o.k.).

Grüße,
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Angela77
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 8987
Registriert: 02.09.2010, 21:25

Beitragvon Angela77 » 04.03.2014, 20:12

Hallo Ingrid,

ich meinte mit Wegen jetzt eher "Art und Weisen" :wink:

Früher war es so, dass Bene sich GAR NICHTS zeigen lassen wollte - jedes derartiger Versuch endete SOFORT mit Blickabkehr, Aggression, Abwehr. Das passt gut zum Perturbationsschmerz :idea:

Heute lässt er sich sehr wohl was Neues zeigen *jubel* , aber nimmt IMMER erst einen anderen "Weg". Man hat den Eindruck: Gut, dann mache ich was du willst, aber WIE ich es mache, entscheide ich ... Leider ist dieses WIE in der Regel alles andere als besonders zielführend ....

LG
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin

Vorstellung plus Diäteffekte:

http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html



Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13579
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitragvon Engrid » 04.03.2014, 20:24

Hallo,

Meiner verweigert ja nach wie vor in vielen Bereichen, aber da, wo er jetzt kooperiert, braucht er auch oft ein Extra oder einen Umweg. Oder so einen Proforma-Protest. Beim Mathe-Hausimachen zb geht es so, dass er zwar "brav" zählt, aber dabei fast unerträglich brüllt. :shock: Wenn ich dann ruhig sage, so mag ich nicht, will er aber unbedingt weitermachen. Ich glaub, es ist für ihn schwer erträglich, auf Anleitung etwas neues zu machen, sich anzuvertrauen. Am liebsten lernt er bis heute heimlich. Aber es hat auch manchmal mit "Gesicht wahren" zu tun. Und ich erinnere mich grade an Kirstens Timo, der zu ihr gesagt hat "Mama, bitte zwing mich nochmal." (Ich glaube, es ging darum, unbekanntes Essen zu probieren)

Neues lernen scheint echt weh zu tun. :?

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Angela77
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 8987
Registriert: 02.09.2010, 21:25

Beitragvon Angela77 » 04.03.2014, 20:27

Hi Ingrid,
jepp, dass war Kirstens Timo und es ging um Spinat mit Lachs :wink:
ABER WARUM vertrauen diese Kinder anderen Menschen, dass sie Dinge "richtig" machen? Grundsätzlich ist Bene ja ein sehr offener Mensch, was positive Emotionen angeht ...

LG
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin

Vorstellung plus Diäteffekte:

http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html



Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13579
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitragvon Engrid » 04.03.2014, 20:31

... Und warum sind sie (meiner jedenfalls) in der Therapiesituation bzw in der Einrichtung da viel offener/schmerzfreier? Bessere Anleitung? Gruppendynamik? "Da gehört das hin"?

(Wie immer: jede Antwort führt zu neuen Fragen :wink:)
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Angela77
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 8987
Registriert: 02.09.2010, 21:25

Beitragvon Angela77 » 04.03.2014, 20:55

Hallo Ingrid,
Gruppendynamik kann ich bei meinem Sohn nahezu ausschließen :wink: Es läuft in der KITA z.B. m.E. nicht halb so gut wie zuhause bzw. in der Einzelatherapie.

Was bei Bene am allerbesten geht, ist die Kombi aus a) Einzelansprache, b) altersgemäße und wertschätzende Ansprache auf Augenhöhe, WEIL der Therapeut selbst überzeugt ist, dass Bene ihn trotz fehlender aktiver Sprache versteht und c) absoluter Konsequenz (Wer angekündigte Konsequenzen einmal nicht einhält, hat lange "Spaß" am Autstesten seiner Glaubwürdigkeit).

a) und c) wird für mich durch Anwesenheit eines gleichzeitig anwesenden und mittlerweile ebenfalls sehr fordernden (weil aufgewecktem) Geschwistermädel zunehmend schwierig :?

Also: Aktuell hat unsere Spitzenergo DEFINTIV den besten Stand ...

LG
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin

Vorstellung plus Diäteffekte:

http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html



Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

Anna-Alice
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 175
Registriert: 05.03.2013, 18:05

Beitragvon Anna-Alice » 05.03.2014, 06:00

Hallo Ingrid,


kennst Du "The Siege" von Clara C. Park (in der deutschen Übersetzung "Eine Seele lernt leben", was ich SEHR unpassend finde… das Buch an sich ist aber sehr anrührend und interessant)? Die Autorin beschreibt ein ganz ähnliches Verhalten bei ihrer Tochter Elly (FKA)… Das war mein erster Gedanke, als ich las, was Deinen Junior beschäftigt… der zweite war "Drei-Berge-Versuch" von Piaget (ein Versuch zur Perspektivübernahme :wink: ). Vielleicht nähert sich Dein Junior der Sache von der Seite der Abstraktion her?

Ich denke mal über den Vertrauensaspekt nach…

Viele Grüße,

Anna-Alice

Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13579
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitragvon Engrid » 06.03.2014, 01:13

Hallo Anna-Alice,

Du bringst mich auf ganz neue Spuren, danke.

Das Buch von Park werde ich mir bestellen, gibt's nur noch gebraucht.


Den Drei-Berge-Versuch hab ich mir angeguckt, und denke noch drüber nach, wo mein Junior da kognitiv steht - er spricht ja nicht drüber, ist ihm ja auch gar nicht bewusst, dass er da Vorannahmen hat - wie der Maibaum samt Gebäuden davor von den verschiedensten Stellen im Dorf steht (als Bsp), das weiß er schon lange. Inwieweit ihm die Perspektive Anderer klar ist, hab ich Zweifel. Ich würde vermuten, er arbeitet grade dran, für sich Perspektivregeln abzuleiten ... Es interessiert ihn aber momentan tatsächlich auch, wer wo ist, wenn er/sie nicht bei Junior ist ...
Ich verlinke mal einen Text zu Piagets Entwicklungstheorie, vielleicht lesen ja Leute mit, die es auch interessiert: https://www.uni-due.de/edit/lp/kognitiv/piaget.htm

Liebe Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Werbung
 
Benutzeravatar
TanjaM1977
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 7921
Registriert: 13.11.2006, 07:54
Wohnort: Henstedt-Ulzburg

Beitragvon TanjaM1977 » 06.03.2014, 07:59

Hallo Ihr!

Ich überlege, ob ich mich in eure Diskussion einklinken soll - aber wenn ich die letzten beiden Seiten so quer lese, habe ich eher das Gefühl, dass bei Kilian eigentlich so gar nichts funktioniert :oops:

Mit Konsequenzen arbeiten wir im Moment seit letzter Woche verstärkt. Er ärgert in der Schule immer ein bestimmtes Mädchen :? Übertreibt er es, darf er am Sport- / Schwimmunterricht nicht teilnehmen (was er eigentlich liebt) oder er darf in der großen Pause nicht schaukeln, sondern muss drinnen im Klassenraum bleiben. Zu Hause ebenfalls, wenn er seine Geschwister zu sehr ärgert, darf er nicht in den Garten oder baden.

Wir hoffen, dass er nachlässt mit der Ärgerei.

LG Tanja
Kilian (01/03), Mina (09/11) und Bosse (01/2015) jeweils mit einem S-Adenosly-Homocystein-Hydrolase-Defekt auf dem AHCY-Gen (20cen-q13.1), Kilian dazu noch frühkind. Autist, Kim (†19. SSW / 10/2013) und Bjarne (04/08) gesund
"Wer keinen Mut zum träumen hat, hat keine Kraft zum kämpfen"


Zurück zu „Krankheitsbilder - Autismus“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste