Thür. Familienoffensive: I-Kinder müssen nun voll zahlen u.a

Integrative Kindertagesstätte oder Sonderkindergarten? Kann mein Kind die Regelschule schaffen oder muss es doch eine Sonderschule besuchen? Hier dreht sich alles um Kindergarten- und Schulbesuch.

Moderator: Moderatorengruppe

Antworten
Benutzeravatar
Nellie
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13848
Registriert: 18.09.2004, 14:37
Wohnort: Jena
Kontaktdaten:

Thür. Familienoffensive: I-Kinder müssen nun voll zahlen u.a

Beitrag von Nellie »

Hallo!

Die Thüringer Familienoffensive hat sich wieder neues ausgedacht. Ab dem 1.7.06, also sofort müssen alle behinderten Kinder in Integrativeinrichtungen auch je nach Einkommen die KiTa-Gebühren zahlen. Es gibt keine Nachricht, keinen Brief. Am 3.7.06 schreibt es die Zeitung, seit 1.7. ist es so. Wie uns der KiGa erzählte, sind einige Eltern in Urlaub, kommen wieder und müssen bereits zahlen, ohne etwas davon gewusst zu haben! Das Gesetz gibt es seit letzter Woche, ohne dass wir Eltern irgendwas wussten.
Viele Familien mit behinderten Kindern haben einen höheren Aufwand, auch mit Kosten durch abgelehnte Hilfsmittel, Fahrtkosten, usw. Das wird nun nicht mehr anerkannt. Ich sehe behinderte Kinder aus finanziell schlecht gestellten Familien bald vermehrt zuhause, die Pflegepersonen auf Dauer noch mehr überfordert und die Kinder schlechter therapiert.
Momentan gilt die neue Gebührenerhebung für behinderte Kinder nur in I-Kindergärten, in heilpädagogischen bleibt es vorerst, diskutiert wird es aber auch für diese bereits.

Schon länger läuft die folgende Regelung der Offensive:
Hier in Thüringen gibt es das Landeserziehungsgeld nach dem 2. Geburtstag, das sind 150 Euro monatlich für 1 Jahr. Wenn man das Kind zuhause behält, darf man sie auch behalten. Wenn das Kind in den KiGA geht, müssen diese 150 Euro zusätzlich zu den normalen KiTa-Gebühren abgegeben werden. Das führt natürlich dazu, dass Kinder aus finanziell schwachen Familien nicht mehr in den KiGa gehen und genau dort dann Kinder nicht gefördert werden, die es bräuchten.

Außerdem wurde die Eingliederungshilfe vom Land gekürzt, sodass knapp 20 Euro pro Kind und Tag weniger gezahlt werden.

(Quelle: Thüringer Landeszeitung vom 03.07.2006)

Hoffentlich wird das kein bundesweiter Trend.

LG
Nellie
Linn *2004, schwerste Mehrfachbehinderung durch pontocerebelläre Hypoplasie Typ 2a (PCH 2a), Button, Epilepsie, Tracheostoma, nachts beatmet
A. *2009
Nicht behindert zu sein ist wahrlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann. (Richard von Weizsäcker)
https://cruise4life.de

marianne
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 4881
Registriert: 12.01.2005, 11:19
Wohnort: Landkreis München

Beitrag von marianne »

Hallo Nellie, als Janosch noch einen Integrationsplatz in einer I-Gruppe hatte, mussten wir hier bei München auch die normalen Regelsätze bezahlen. Die Zusatzkosten, die ein I-Platz evtl. kosten mag, allerdings nicht und die einmal wöchentlich stattfindende Frühförderung lief über Eingliederungshife. Familien mit zwei Kindern zahlten weniger, ab 3 Kindern gar nichts.

Erst jetzt, seit Janosch in einer HPT ist, ist das für uns außer dem Essensgeld kostenfrei.

Gibt es bei den Kita-Gebühren keine Ermäßigungsregelungen für Familien mit mehreren Kindern oder Zuschüsse vom Sozialamt bei einkommensschwachen Familien?

Am schlimmsten finde ich es, wenn unter dem Deckmäntelchen Integration die HPTs wie in Hessen abgeschafft werden.

Lieber Gruß!

Marianne
Janosch (06/00) Frühkindlicher Autismus, leichte geistige Behinderung, Aufmerksamkeitsstörung, Adoptivkind

There´s a crack in everything but that´s how the light gets in (Leonard Cohen)

Benutzeravatar
Sabine
Moderator
Moderator
Beiträge: 20435
Registriert: 20.03.2004, 17:14
Wohnort: Menden-Lendringsen
Kontaktdaten:

Beitrag von Sabine »

Hallo Nellie,

das sind ja keine guten Neuigkeiten aus Thüringen. :roll:
Jan-Paul bezahlt nach wie vor für den Kiga (Heilpäd. Kiga) nichts, für das Mittagessen bezahlen wir pro Tag 2,50 EUR, Kinder aus einkommensschwachen Familien brauchen nichts zu bezahlen.
Müssen denn Kinder aus einkommensschwachen Familien überhaupt bundesweit Kiga-Gebühren zahlen? Meines Wissens ist der Kiga (egal ob Regelkiga, I-Kiga oder Heilpäd. Kiga) für diese Kinder kostenfrei. Oder bin ich da auf dem falschen Dampfer?

Lieben Gruß
Sabine

P.S.: das Nichtbenachrichtigen der Eltern ist natürlich eine Frechheit und zeigt jede Menge Ignoranz und Behördenwillkür!
Unsere Vorstellung? -> hier klicken
Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
REHAkids - Das Forum für besondere Kinder
Bücher für Kinder und Jugendliche http://buch.blogon.de/

Benutzeravatar
Nellie
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13848
Registriert: 18.09.2004, 14:37
Wohnort: Jena
Kontaktdaten:

Beitrag von Nellie »

Hallo,

@Marianne: doch, es gibt eine Staffelung, aber ca. 80 Euro sind es auch für die niedrigsten Einkommen.
Bisher waren I-Plätze kostenlos, nur Essen musste bezahlt werden ("Haushaltsersparnis"), die Förderung war auch kostenlos.

@Sabine: Kosten entstehen gestaffelt, aber soweit ich weiß, ist kein Platz gratis. dein P.S. ist auch der Aufhänger des Kommentars in der Zeitung: "Wir werten dies als politische Arroganz".

Ich finde ja eigentlich, dass es durchaus gerecht ist, dass finanziell gut stehende Familien auch von behinderten Kindern sich beteiligen sollten, aber es muss halt schon noch eine Staffelung geben, da die Belastungen mit behinderten Kindern sehr oft höher sind. Aber eigentlich bin ich ja für kostenlose Kindergärten für alle... *träum*

LG
Nellie

P.S. Wo findet man denn die Kosten eigentlich im Internet?
Linn *2004, schwerste Mehrfachbehinderung durch pontocerebelläre Hypoplasie Typ 2a (PCH 2a), Button, Epilepsie, Tracheostoma, nachts beatmet
A. *2009
Nicht behindert zu sein ist wahrlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann. (Richard von Weizsäcker)
https://cruise4life.de

Benutzeravatar
Syrabo
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 392
Registriert: 19.01.2005, 19:20
Wohnort: Jena
Kontaktdaten:

Beitrag von Syrabo »

Hallo,

Ein Hauptproblem, was ich mit dieser Maßnahme sehe ist die Verhinderung der Teilhabe des behinderten Kindes am öffentlichen Leben und die Frühförderung.
Eltern mit einem behinderten Kind, wo nur ein Elternteil wegen der Situation arbeiten gehen kann, werden sich genötigt sehen, das Kind vom Kindergarten abzumelden. Auch war und ist der Kindergarten für Eltern mit behinderten Kind auch mal die Möglichkeit eine Entlastung neben der Mehrbelastung zu bekommen.
Doch am schlimmsten trifft es das Kind, da Therapien nicht stattfinden können einmal durch die heilpädog. Ausbildung der Betreuer und auch durch die Anbindung an Therapeuten, die ins Haus kommen.

Gruß Dirk
Linn*2004 "Mein Leben hat schon seinen Sinn, ich bin, was ich bin." (Lotte Karotte) -> IntensivKind
PCH2, Tracheotomie, beatmet, -> Vorstellung
Blog - Dein Pro fürs Kinderhospiz

Benutzeravatar
Nellie
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13848
Registriert: 18.09.2004, 14:37
Wohnort: Jena
Kontaktdaten:

Beitrag von Nellie »

Hallo Dirk :wink:

so knapp kann man es nicht sagen, denke ich. Es ist durchaus möglich, alle Therapien zuhause oder ambulant zu haben. Ich denke, es geht um eine Entlastung der Eltern, die eben nicht mehr 5x die Woche sich nur mit Therapien und Förderung und Pflege beschäftigen müssen, sondern das Kind auch in geschulte, motivierte und bezahlte Hände zu geben. Die Frage ist, wie weit die Eltern behinderter Kinder finanziell weniger belastbar sind und damit eine Sonderregelung gerechtfertigt ist. Und da sehe ich schon Unterschiede. Wie Du schon schreibst, ist es oft nicht möglich, doppelt zu verdienen, weil das Kind zu oft krank ist, Fahrtkosten zu den Therapien, Spezialspielzeug, Zuzahlungen zu Hilfsmitteln (für mich immer noch ein krasses Bsp. 100 Euro für einen Buggy mit 1 Jahr, den andere Eltern nicht anschaffen, weil sie den Kinderwagen einfach zum Sportwagen umbauen. Diesen Kinderwagen haben wir ja auch fast alle gekauft und können ihn nicht gebrauchen), größere Wohnungen, behindertengerechtes Wohnen usw.
Die Förderung aller Kinder in einem Kindergarten darf nicht vom Geldbeutel abhängig sein, und gerade bei Kindern mit sehr hohem Förderbedarf wie unsere behinderten Kinder, darf es einfach keinen finanziellen Aspekt geben, ob es machbar ist oder nicht.

LG
Nellie
Linn *2004, schwerste Mehrfachbehinderung durch pontocerebelläre Hypoplasie Typ 2a (PCH 2a), Button, Epilepsie, Tracheostoma, nachts beatmet
A. *2009
Nicht behindert zu sein ist wahrlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann. (Richard von Weizsäcker)
https://cruise4life.de

Gesu2010
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 875
Registriert: 12.12.2005, 16:05

Beitrag von Gesu2010 »

Hallo Nellie, da lob ich mir Nordrhein-Westfalen. Bei uns hat der Landschaftsverband die ganzen vier Jahre I-Kindergarten gezahlt.
LG Nicole

benni
Moderator
Moderator
Beiträge: 5650
Registriert: 25.04.2004, 11:32
Wohnort: Sachsen

Beitrag von benni »

Hallo ,


in Bayern haben wir schon vor Jahren im I - Kiga voll gezahlt , nur die Therapien und der Fahrdienst wurden vom LRA übernommen , die mtl. Grundgebühr nicht. Deshalb waren wir überrascht, dass wir im anschließenden heilp. Kiga nur Essen , Getränke ... , aber keine Grundgebühr zahlen mußten. Es hört sich fast so an, dass es nach und nach alle Bundesländer einführen.

L.G.

Anja
Anja mit Benjamin 03/97- schwere Mehrfachbehinderung wahrscheinlich durch 6- fach-Impfung, Muskelhypotonie,Wahrnehmungsstörungen/aut. Züge, Grand-mal-Epilepsie, Skoliose, Gastrotube, Tracheostoma, Sondennahrung
Benjamin hat 1 grossen und 3 kleine Brüder

Benutzeravatar
Syrabo
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 392
Registriert: 19.01.2005, 19:20
Wohnort: Jena
Kontaktdaten:

Beitrag von Syrabo »

Hallo,

ich hatte heute ein Telefonat mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband in Thüringen. Dort erfuhr ich neben der Bestätigung über Kita-Gebühren über die Situation von heilpäd. Kindergärten. Es sind in Thüringen sieben Stück, also somit für die meisten nur mit längerem Fahrweg erreichbar. Auch wurden diese Einrichtung vom Land als Sondereinrichtung gesehen oder werden so gesehen und da das Land die Integration fördern will, sollen diese Einrichtungen abgebaut werden oder den I-Kitas weichen. Also gibt es für Eltern somit keine Alternative mehr, wenn die heilpäd. kostenlos wären oder blieben.

Mit Gruß,

Dirk

dirk
Linn*2004 "Mein Leben hat schon seinen Sinn, ich bin, was ich bin." (Lotte Karotte) -> IntensivKind
PCH2, Tracheotomie, beatmet, -> Vorstellung
Blog - Dein Pro fürs Kinderhospiz

Antworten

Zurück zu „Kindergarten und Schule“