Skifahren bei ICP

Mit einem besonderen Kind in den Urlaub zu fahren ist gar nicht so einfach - schließlich müssen tausend Dinge berücksichtigt werden. Welcher Urlaubsort ist besonders behindertenfreundlich?
Wo habt ihr gute Erfahrungen gemacht?
Eure Infos sind für so manche Familie mit einem besonderen Kind sicherlich Gold wert!

Moderator: Moderatorengruppe

Jervis
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 19
Registriert: 01.03.2017, 10:15

Skifahren bei ICP

Beitragvon Jervis » 07.11.2017, 12:01

Hallo, guten Tag,

wir möchten es im nächsten Jahr wagen und mit unserer Tochter (5 J) in den Winterurlaub. Wir kommen aus dem hohen Norden :lol:
Gern möchten wir sie auch das Skifahren ausprobieren lassen.
Sie hat eine ICP beinbetont, leichte Innenrotation beider Beine und einen Spitzfuß links,leichte Gleichgewichtsproblematik, kann aber laufen, hüpfen, springen.

Nun meine Frage:
Worauf muß ich bei der Ausrüstung allgemein und in unserem Fall achten (Schuhe, Ski) ?


Sie soll bei einem Skikurs mitmachen.
Wir sind unsicher, was wir dort angeben sollen, damit die Skischule die Teilnahme nicht gleich ablehnt ?

Wie habt Ihr das gehandhabt ?
Welche Tipps und Ideen habt Ihr für uns.

Vielen Dank an Euch

Gruß aus dem Norden
Jervis
Tochter 6 J mit ICP beinbetont links, beide Hände

Werbung
 
Jörg75
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2252
Registriert: 23.10.2014, 21:17
Wohnort: NDS

Beitragvon Jörg75 » 07.11.2017, 12:07

Moin Jervis,

eine Innenrotation der Beine führt ja sofort zum Schneepflug :lol:

Wenn eure Tochter laufen, springen, hüpfen kann, dann würde ich vermutlich erstmal bei der Skischule gar nichts angeben, aber vielleicht nach Beginn des Skikurses nicht gleich selbst losfahren und mich am anderen Ende des Skigebiets tummeln, sondern in der Nähe und kurzfristig erreichbar bleiben.

Bzgl. Schuhe und Ski würde ich mich in einem Sportgeschäft beraten lassen und vor allem testen, ob und wie sie in Skistiefel reinkommt ... ich könnte mir vorstellen, dass das mit einem Spitzfuß nicht ganz einfach ist, ebenso ist die Frage, wie lange sie die Fußhaltung in einem Skistiefel dann aushält. Bei den Skiern sehe ich keine so großen Probleme - die sind bei kleinen Kindern ja sowieso kurz und breit :lol:

Ganz grundsätzlich würde ich Acht geben auf ein familienfreundliches Skigebiet mit einer familienfreundlichen/ kinderfreundlichen Skischule ... die Angebote, gerade was Übungshänge, Aufstiegsmöglichkeiten (Lifte, Förderbänder) u.a. geht, sind ja durchaus unterschiedlich.

Gruß
Jörg
K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4
J., *2016, aktuell keine Besonderheiten

Unsere Vorstellung

TanjaJ1972
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1221
Registriert: 09.07.2007, 21:02
Wohnort: NRW

Beitragvon TanjaJ1972 » 07.11.2017, 12:11

Hallo Jervis,
seid ihr schon festgelegt, was den Urlaubs-Ort angeht?
Wenn nicht, würde ich Euch das Team von Freizeit PSO in Schladming/Österreich ans Herz legen...
Die sind wirklich klasse und bringen sowohl körperlich als auch geistig behinderte Kinder auf die Skier...
Nico hat es mit deren Hilfe wirklich auf die Bretter geschafft und war mega-happy ;-)
Neben dem Skikurs stellen sie auch das für die Behinderung passende Equipment zur Verfügung.

schau mal hier:
http://www.freizeit-pso.com/

Viel Spaß und LG
Tanja
Tanja mit N1. (*2003, Kabuki-Syndrom) und N2. (*2006, gesund)

Benutzeravatar
Alexandra2014
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2784
Registriert: 04.12.2014, 14:04

Beitragvon Alexandra2014 » 07.11.2017, 12:19

Hallo!

Unsere Kleine hat letztes Jahr Ski fahren gelernt. Innerhalb von drei Tagen a 2 Stunden. Wir haben es ihr aber selbst beigebracht, da sie meist nicht gut mitmacht, wenn andere Kinder dabei sind, die vielleicht einiges besser können...

Papa ist ohne Skier mitgelaufen, ich mit Skiern nebendran oder vorweg. Klappte 1A! :D

Wir haben zu Beginn die Skier so kurz wie möglich gewählt, weil sie sich damit einfach besser bewegen kann und sie leichter zu steuern sind.
Ich fahre selbst auch Kurzskier und liebe es...  8)

Möglichst wenig mit Skischuhen laufen lassen, da das extrem anstrengend ist und schnell den Spaß verdirbt!
Viel Spaß!
Wir fahren im Januar in die Alpen und wohnen 20 m neben der Gondelbahn! Freue mich auch schon riesig!

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

HannahKillian
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 474
Registriert: 02.09.2014, 08:45

Beitragvon HannahKillian » 07.11.2017, 12:44

Hallo Jervis,

ich hab einen ähnlichen gesundheitlichen Hintergrund wie deine Tochter, bin auch mit ungefähr fünf Jahren zum ersten Mal auf Skiern gestanden.

Mein Hauptproblem war definitiv Gleichgewicht und Koordination - damit hatte ich schon auf normalem Boden Probleme und auf Schnee war's dann ganz schnell vorbei... Das war so eine Art Kreislauf: ich konnte das Gleichgewicht im Rutschen nicht halten, wurde unsicher und dann hat meine Muskulatur per Spastik "dicht gemacht" - und schon lag ich wieder im Schnee...

Einen Versuch würde ich auf jeden Fall starten - aber ich würde die Skischule unbedingt über das Handicap euer Tochter informieren. Die Betreuer müssen sich darauf einstellen können, dass deine Tochter eventuell einen anderen Lernansatz bzw. ein anderes Lerntempo braucht - sie ohne entsprechende Info für die Skischule so einfach "loslegen" zu lassen fände ich schon etwas abenteuerlich.

Viel Spaß in den Bergen und liebe Grüße,
Hannah
"Aufgeben?'" Komisches Wort, kenn ich gar nicht...

Meine Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... hannah+icp

l_jonsi
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 134
Registriert: 29.07.2014, 16:41

Beitragvon l_jonsi » 07.11.2017, 14:28

Hallo!

Ich wohne 'in den Alpen' und in meiner Studienzeit war ich selbst als Skilehrerin tätig. :)

Beim Equipment wird euch der Verleih beraten, die Ski möglichst kurz und die Schuhe trotz Spitzfußball ja nicht zu groß! (Mir sind schon Kinder aus den geschlossenen Schuhen gefallen! :roll: )

Bei der Anmeldung in der Schischule würde ich schon Bescheid geben, damit der passende Lehrer ausgewählt werden kann und auf die Besonderheit (z.b. Schischuhe anziehen, ev. Gleichgewichtsprobleme im Schnee, individuelles Lerntempo...) Rücksicht genommen werden kann.

Sonst kann es für eure Tochter schnell frustrierend sein, wenn die Skilehrerin das nicht weiß - und davon ausgeht, dass eure Tochter 'sich nur anstellt'... :oops:

Ich wünsche euch ganz ein schönes skierlebnis!!!
Leiterin Wohngemeinschaft für Erwachsene mit geistiger und schwermehrfacher Behinderung

Nachhilfelehrerin für Kinder mit erhöhtem Unterstützungsbedarf

Rita2
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2677
Registriert: 30.09.2004, 09:07
Wohnort: Region Heidelberg-Mannheim

Beitragvon Rita2 » 07.11.2017, 23:01

Hallo Jervis,

ich weiß nicht wie weit die Skihalle Neuß von euch weg ist. Aber dort gibt es extra Skikurse für behinderte Kinder (siehe https://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic106635.html ). Ich hoffe das gibt es noch.

Als Skilänge empfehle ich bis Brustbein.
Bei unseren Sohn führen zu hohe Skistiefel zu einer deutlichen Verstärkung der spastischen Muster. Wie das bei euch ist, kann ich nicht sagen. Wobei die Skistiefel für die kleinen alle nicht hoch geschnitten sind.

eine Innenrotation der Beine führt ja sofort zum Schneepflug

Das stimmt zwar. Aber diese Stellung unterscheidet sich trotzdem von der Pflugstellung eines Kindes ohne CP. Unser Sohn konnte zwar in der Pflugstellung Kurven fahren, er hat es aber nicht geschafft genügend Druck auf die Innenkanten zu bringen um damit effektiv zu bremsen. Somit hat er 3 Jahre benötigt um vom Anfängerhügel wegzukommen :( . Nach vielen Jahren hat er es dann gelernt parallel zu bremsen. Inzwischen fährt er sogar schwarze Pisten (wenn sie schön griffig sind) :lol: .

Die genannte Skischule PSO in Schladming ist zwar toll, aber dort gibt es nur Einzelkurse. Dadurch ist das ganze sehr teuer. Nach deiner Beschreibung glaube ich nicht, daß das notwendig ist. Unser Sohn war auch immer in normalen Skischulen und dort in einer normalen Gruppe.
Allerdings lernen "normale" 5 jährige sehr schnell das Kurvenfahren und Bremsen. Diese Kinder verlassen nach 2 bis 4 Tagen das reine Anfängergelände und fahren auf den normalen Pisten. Bei deiner Tochter wird das wahrscheinlich länger dauern. Macht es deiner Tochter etwas aus, wenn sie die Gruppe wechseln muß (weil sie langsamer lernt) oder wenn sie in eine Gruppe kommt mit kleineren Kindern (die 3 jährigen lernen auch noch ganz langsam)?

Ich würde auf jeden Fall die Skischule informieren. Die Skilehrer müssen wissen, warum deine Tochter sich anders bewegt, wie andere Kinder. Wir haben immer schon vor Buchung der Unterkunft mit der/den Skischulen gesprochen und nur bei Bereitschaft der Skischule unseren Sohn in einem Gruppenkurs zu nehmen haben wir im Ort gebucht.

Es gibt auch extra Skifreizeiten für behinderte Kinder im stehend Skifahren. Siehe https://www.monoskikurs.de/termine-skik ... ralparese/ , dort sind sie zusammengefasst.

Viele Grüße
Rita
Rita mit Sohn *Dezember 1995, ohne Diagnose,
cerebrale Koordinations- und Tonusregulationsstörung mit Zehenspitzengang, kognitive und sprachliche Entwicklungsstörung, süßer Bengel

Ursula M.
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3528
Registriert: 13.11.2006, 20:15
Wohnort: NRW

Beitragvon Ursula M. » 07.11.2017, 23:08

Hallo Rita,
die Skikurse in der Skihalle Neuss gibt es derzeit leider nicht.

VG Ursula

Claus80
Neumitglied
Neumitglied
Beiträge: 1
Registriert: 26.10.2016, 12:58
Wohnort: Neunkirchen

Beitragvon Claus80 » 22.03.2018, 18:00

Hallo,
Die PSO und monoskikurs hab ich mir schon angeschaut.
Letztes Jahr haben wir es mit einem "normalen" Kurs versucht.
Hat aber nicht so richtig funktioniert.
Habt ihr noch Tips in welchen regulären Skischule ihr wart und ob ihr zufrieden wart.
Bin für alle anderen Ideen auch dankbar

Werbung
 
Benutzeravatar
Alexandra2014
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2784
Registriert: 04.12.2014, 14:04

Beitragvon Alexandra2014 » 22.03.2018, 19:41

Hallo!
Wir haben vor Ort eine Privatlehrerin gebucht, die mit dem Kind anndrei Tagen je zwei Stunden gefahren ist.
Sie kannte sich mit den Besonderheiten behinderter Kinder aus und hatte einen richtig guten Draht zu unserem Kind.
Das hat richtig viel gebracht, war aber auch kein Schnäppchen.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral


Zurück zu „Urlaub und Freizeit“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast