Was bringt Frühförderung?!

Hier könnt ihr euch über die unterschiedlichsten Therapiemöglichkeiten (Logopädie, Petö, Cranio Sacrale) für eure Kinder austauschen und Fragen rund ums Thema Krankengymnastik und Frühförderung stellen.

Moderator: Moderatorengruppe

JohannaG
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2373
Registriert: 03.07.2013, 21:33
Wohnort: Bayern

Beitrag von JohannaG »

Hi,

sicher kann man unterschiedlicher Meinung sein, ob Frühförderung was bringt oder nicht. Mir schmeckt es aber nicht gerade, daß Frühförderung hier so ein bisschen in die Richtung "so was brauchen ja nur inkompetente Eltern" geschoben wird....

Ich kenne viele wirklich kompetente und liebevolle Eltern, die dennoch sehr viel von der Frühförderung halten. Meine beiden Mädchen haben sehr davon profitiert - auch deshalb, weil ich durch die FF auf Ideen gekommen bin, die ich sonst auch nicht gehabt hätte. Und weil ch in den Terapeuten Gesprächstpartner habe und hatte, die sehr differenziert urteilen könne, die nicht sagen "das verwächst sich alles", aber ebenso auch nicht dramatisieren.
Ich was/bin aber auch sehr zufrieden mit den Menschen, die uns bisher begleitet haben - auch überwiegend sehr kompetente Personen (die nicht kompetenten haben wir ausgewechselt...).

Wie gesagt: Muß nicht für jeden gut sein. Aber auf den anderen Seite ist es egal, aus welchem Elternhaus die Kinder kommen, wenn man an die richtigen Personen gerät.

LG Johanna
Johanna, *73, Morbus Bechterew;
C., (w), 11/2004, adoptiert, FASD, Bindungsstörung, lernbehindert, juvenile Polyarthritis;
J. (m) 01/2008, adoptiert, ADHS; Depressionen und ???,
M. (w) 01/2012 FG bei 23+6 SSW, Kleinwuchs, GÖR, Nahrungsmittelallergien, leichte ICP, Schielen, Weitsichtigkeit, allg Entwicklungsverzögerung

Sheila0505
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 921
Registriert: 02.03.2017, 11:22

Beitrag von Sheila0505 »

Hi, also ich weiß nicht wie Frühförderung in Österreich oder "woanders" angeboten wird.
Bei uns war es so, dass es mir mehrfach ans Herz gelegt wurde in die Frühförderung zu gehen. Uns wurden eine Menge Vorteile genannt: Sie kommen nach Hause und wir müssen nicht mehr von A nach B. Die Frühförderung ist ein multi- und interdisziplinäres Team, welches auf unser Kind durchgängig/regelmäßig schaut, begleitet und individuell fördert und unterstützt, usw..


Wir haben dennoch abgelehnt, aus 2 Gründen:
1. Wir hätten auf unsere freie Therapeutenwahl verzichten müssen. Heißt für uns: wir hätten uns von unseren bisherigen Therapeuten trennen müssen => DAS wollten wir auf gar keinen Fall
2. Fahren wir zwar sehr viel rum, was manchmal an die Substanz geht und nebenbei Stress, Zeit und Geld kostet (Umweltverschmutzung reut mich auch), aber mein Mann und ich wollten nicht, dass bei uns "Leute" regelmäßig ein- und ausgehen. Das ist unser Zuhause, das Zuhause unserer Kinder und irgendwie wollen wir diesen Platz für "uns" haben. Wir sind mit beiden Kinder ständig bei Ärzten, Therapeuten und Co. Wir wollen zumindest daheim einen Ort haben, ohne Diagnostik, Therapie und Co (auch für unsere Kinder wollten wir das nicht).

Ich kenne ein paar Familien welche Frühförderung beantragt hatten und unheimlich froh darüber sind und nur Positives berichten (inkl. jemanden zu haben mit dem man über die Situation sprechen kann, Unterstützung/Tips bei dies und jenem, knowhow wie/wo/was man hier und da beantagt bzw. beantragen kann, Connections der Frühförderung und Erleichterung durch ihr Zutun, usw.usf..).

Ich denke einfach, das muss ein jede Familie selbst/für sich entscheiden, abwägen, wollen oder nicht wollen.
Ich sehe die Vorteile der Frühförderung durchaus und würde sie aufgrund des postiven Feedbacks auch wärmstens weiterempfehlen.
Aus den oben genannten Gründen hatten wir persönlich jedoch abgelehnt. Vllt hätten wir uns anders/bzw. dafür entschieden, wenn wir noch keine festen (m.E. klasse!) Therapeuten gehabt hätten (Ergo betreut uns z.B. schon recht lange und ich halte unheimlich viel von dem Ergotherapeuten). Aber da dieser ausschlaggebende Punkt noch dazu kam, kam Frühförderung für uns nicht in Frage.

Liebe Grüße, Sheila

sandra8374
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1451
Registriert: 09.09.2010, 12:49
Wohnort: Ruhrgebiet

Beitrag von sandra8374 »

Als meine Kinder klein waren, gab es hier noch keine Frühförderung. Wir haben uns unsere Therapeuten so gesucht. Geht auch.

Ich denke, neben der Qualifikation der Therapeuten muss auch die Chemie stimmen.
Mir war immer wichtig, das das jeweilige Kind gerne zur Therapie ging. Und wir mussten uns wohl fühlen. Kein schlechtes Bauchgefühl.

Erfolge wurden manchmal erst Jahre später sichtbar.

Wenn du ein schlechtes Bauchgefühl hast, Kind nicht gerne geht, die Chemie nicht stimmt - macht Pause/beendet es. Sucht dann das für euch passende.

Therapie kann, denke ich, immer nur erfolgreich sein, wenn alles passt.
LG Sandra

S+F mit PT(*00 FAS, Microdelitation 16p11.2, ADHS, GB, Z.n.Absencen?, Sehfehler, Lordierung LWS, Skoliose 17,8%, Beckenschiefstand, Hüftkontraktur, Korsettversorgung, mit SBA 90 HBG) u. PS (*01 ADS, GB, Sehfehler, Knick-Senk-Füße, Z.n.Epilepsie, mit SBA 60)

Petra*3
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 455
Registriert: 26.11.2013, 22:35

Beitrag von Petra*3 »

Wir hatten Frühförderung einzeln (murks, da Junior klein damals ohne Ansprechpartner/dolmetscher nicht zuhaben war, dh kl. Schwester musste auch mit...). genrell bin ich dmals 6 Therapien/Woche gefahren sehr ländlich wohnend mit LW bei....es war Mörderisch, Kinder sah ich nur noch im Auto und die 45 Minuten waren prallgefüllt mit Großeinkauf/Amt usw.
ich fand Sammelfrühförder"sport"stunde am sinnigsten, weil dort meine unsopzialen hypotonen Exemplare am meisten was mitnehmen konnte, was ich ihnen nicht bieten konnte.
ich hab die FF als Schutz vorm Jugendamt benutzt/benötigt und dafür war sie gut. Ansonsten ging die kinderentwicklung wesentlich besser voran, nachdem ich alles abgebrochen hab und die gewonnene Arbeitszeit heim in die Kids investiert hab, Hypotonie lässt sich nicht sinnig fördern mit 40 Minuten/Woche und unsozial kann man im großen kindertrupp mit 8 stück auch selber was regeln.
mfg Petra

Silvia & Iris
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 3908
Registriert: 20.03.2007, 18:32
Wohnort: Österreich

Beitrag von Silvia & Iris »

Liebe Petra,

tja, wir haben mit 6 Monaten gestartet, parallel hatten wir Physiotherapie... - und das ging - wurde bewilligt, da die Kosten der Physio jemand anders trägt, als die FF... -
im Rahmen der Frühförderung habe auch ich an einem Spielkreis mit beiden Kindern teilgenommen, war ich beim Babyschwimmen und wir als Eltern konnten uns auch ein wenig vernetzen...

Daneben gab es ausschließlich während dieser Zeit Physio... - ich fand, das hat so gepasst für uns - und ein paar Mal gab es auch mal ein Hinterfragen - wie z. B. richtiger Zeitpunkt zum im Sitzen füttern und ähnliches... - da war ich schon auch froh 2 Meinungen zu haben und mir selbst dann die Entscheidung abzuwägen, was bei uns nun relevanter ist...

.. irgendwie wird man wirklich in diese Therapiemaschinerie aber auch hineingedrängt... :roll: Jetzt wehre auch ich mich dagegen, irgendwann reicht es auch und die Kinder müssen sich auch ohne Anleitung entwickeln und ihre Erfahrungen sammeln - oder die Aufgaben, die manchmal dahinter stecken, müssen auch wirklich die Schulen übernehmen... - doch die sind auch zum Teil überfordert...

Einfach ist diese ganze Entwicklung nicht - aber bei der Frühförderung würde ich da (noch) nicht ansetzen, die war ziemlich übergreifend - vielleicht auch, weil die Person für uns gepasst hat? - sie nach Hause kam?
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

*Simone*
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 30
Registriert: 23.03.2017, 14:00

Beitrag von *Simone* »

Hallo zusammen,
vielen Dank für die zahlreichen Antworten mit ganz verschiedenen Meinungen!
Unser Jüngster ist 2 1/4 Jahre alt und hat den Verdacht auf ein sehr seltenes Syndrom (M-CAP oder MCM abgekürzt). Er hat ein zu großes Gehirn, ist hypoton und vor allem in der Grobmotorik und Sprachentwicklung zurück. Der Wahrnehmung scheint auch eine Baustelle zu sein.
Dass Frühförderung nur für inkompetente Eltern ist, möchte ich so gar nicht behaupten! Aber wir für uns sind "froh", dass nicht unser erstes, sondern unser drittes Kind entwicklungsverzögert ist 8wir sind entspannter). Das kann in anderen Familien natürlich anders sein. Ich wollte vielmehr darauf hinauf, was eine Stunde Heilpädagogik in der Woche bewirken KANN, da es in der restlichen Zeit so viele andere Anreize gibt. Unser Sohn ist in einem Regelkindergarten mit 1:1-Betreuung und soll im Sommer in einen integrativen Kiga wechseln. Zurzeit fahre ich zur Frühförderstelle, nach Hause wollten die nicht kommen. Es geht auch leider nur vormittags, weil wir noch zwei weitere Kinder haben und ich die nicht alleine zu Hause lassen kann. Wir Eltern arbeiten beide und es ist einfach ein Akt für uns.

Ich bin so halb in der Sinnkrise und habe nicht den Mut, die Frühförderung einfach abzubrechen. Ach ja, im integrativen Kiga kommt eine andere Heilpädagogin, also alle Therapien laufen dann über den Kiga. Es steht also noch ein Therapeutenwechsel bevor,was ich gut finde, aber auch sinnbefreit. Vielleicht läuft es mit der anderen besser und ich bin viel weniger involviert.

Viele Grüße
Simone

doro777
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 24
Registriert: 03.01.2018, 19:57

Beitrag von doro777 »

Hallo:)

Wir haben seit 1 Jahr heilpädagogische und Hör Frühförderung und ich muss sagen das ich sehr froh bin das es so was gibt.
Mir wurde schon viel geholfen mit Ratschlägen oder Ideen.
Man hat selbst als Eltern nur einen gewissen Blickwinkel und ich finde es für mich sehr gut wenn dieser Blickwinkel zwischendurch mal etwas geweitet wird.
Ich nehme nicht jeden Ratschlag an, weil das Kind kennen wir ja am besten und können Situationen einschätzen.
Aber es gibt auch gute Tipps die ich schon umsetzen konnte:)
Ich möchte die Frühförderung nicht missen möchten..
Lg Doro

Petra*3
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 455
Registriert: 26.11.2013, 22:35

Beitrag von Petra*3 »

Ich hatte dreimal mit größeren Startschwieirgkeiten: Asperger, EDSIII und Nummer 3 mit AVWS hgr. da bereits Asperger im Dorf-Kiga Schwierigkeiten machte, Nr. 2 erst mit 6 kurz vor Schulanfang laufen ohne Geschirr beherrschte und Nummer 3 mit 3, 6 Jahren zwar sonnescheinig, aber mit null Sprachverständnis nicht sprechend im Kiga erschien sind wir ins Visier des JA gerutscht, da paßte die FF ganz gut, so konnt ich nachweisen, das ich ja bemüht um die Kids bin. Mit Wechsel von Nummer 3 in die Sonderkiga/schule/Internat und verlassen des überforderten Dorfkigas von 1 und 2 begann für uns als Familie das Paradies und das JA war draußen. die FF brauchte ich dann nicht mehr.
Nummer 3 ist heut mit 11 immer noch sonderbeschult, die anderen regelbeschult obB. Die FF hat dmals auch nicht erkannt, wo die Sorgen von Nummer 3 lagen, erst mit 10!!! bekam der endlich eine Diagnose, die dem Ausmaß der Behinderung einigermassen entspricht. Mit 2 Jahren hatte der FF, Logo und KG je 1*/Woche. Von Logo, die der ab Geburt nahezu durchgängig genießt hab ich bisher noch nie was bemerkt. mfg petra

Chrissi 68
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 21
Registriert: 01.01.2016, 21:09
Wohnort: NRW

Beitrag von Chrissi 68 »

Liebe Simone,
ich glaub dann würde ich die FFmal pausieren lassen. Entspannte und ausgeglichene Eltern bringen gigantisch viel:) .So wie man bei Dir zwischen den Zeilen raushört, seid ihr differenziert genung auf Euer Bauchgefühl zu hören. Ihr gebt Anreize, Ihr habt im Kiga eine 1: Betreuung, im Sommer wechselt Ihr.
Ich geh mit meiner Tochter noch immer zur Heilpädagogik, zur Logopädie und zur Ergotherapie. eigentlich bräuchte Sie dringend noch Physiotherapie. Aber 1. was vermittel ich dem Kind, wenn es fast täglich irgendwelche Therapien erhält und 2.:irgendwann kommt man auch an die Grenzen, bei allen Therapien, in denen man ja lernt, das Kind optimal zu fördern. Also geht sie mit anderen Kindern(!!) zum Reiten, schwimmt in einer Schwimm AG, hat die Hobbies, die die anderen Kinder ihres Alters auch haben. Frühförderung und die therapeutische Versorgung ist meiner Meinung nach gelungen, wenn es den behandelnden Therapeuten gelingt den Eltern auch zu vermitteln sich auf das Bauchgefühl zu verlassen. Wir Eltern sind die Fachleute für unser Kind. Leider wird uns diese Kompetenz immer wieder mal aberkannt.
Viele Grüße
Chrissie

Jörg75
Moderator
Moderator
Beiträge: 2500
Registriert: 23.10.2014, 21:17
Wohnort: NDS

Beitrag von Jörg75 »

Hallo Simone,

ich würde an eurer Stelle - vor allem mit einer 1:1-Betreuung im KiGa - auch die Frühförderung sein lassen.

Bei uns ist die Heimfrühförderung ja sowieso durch die I-Gruppe im KiGa abgelöst worden. Eine Bekannte hat nur deswegen Frühförderung neben KiGa, weil sie eben keinen I-Platz hat.
Und bei uns war die FF eben auch Heimfrühförderung, die Heilpädagogin kannte daher auch die Situation bei uns zu Hause und konnte sehr gezielt Tipps geben, was wir zu Hause machen können (durch zusätzliche "Bau"maßnahmen, zusätzliche Haken/ Ösen an der Wand für fördernde Spielsachen und solche Sachen, Änderungen im Spielsetting für motorische Anregungen).
Von einer FF in einer außerhäusigen Frühförderstelle hatte K. und hätten wir nicht so profitieren können.

Gruß
Jörg
K., *2013, Extremfrühchen (27. +3 SSW), ICP, GdB 100 G aG H B, PS II+/ PG 4
J., *2016, aktuell keine Besonderheiten

Unsere Vorstellung

Antworten

Zurück zu „Krankengymnastik, Frühförderung und andere Therapien“