Tochter fühlt sich in der Therapie "ausgeliefert"

Hier könnt ihr euch über die unterschiedlichsten Therapiemöglichkeiten (Logopädie, Petö, Cranio Sacrale) für eure Kinder austauschen und Fragen rund ums Thema Krankengymnastik und Frühförderung stellen.

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Jervis
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Tochter fühlt sich in der Therapie "ausgeliefert"

Beitragvon Jervis » 10.10.2017, 09:59

Hallo, guten Morgen,

unsere Tochter (5 J.) (Cerebralparese beinbetont, kognitiv fit) hat seit Geburt Physio und seit ca 6 Monaten Ergotherapie wg Auffälligkeiten in der Handmotorik und zur Vorbereitung auf die Schule im nächsten Jahr (Stifthaltung etc).

Es ist ein Drama. Sie weint schon am Sonntagabend, daß am Dienstag Ergo ist.
Sie möchte am liebsten dienstags nicht in die Kita (Ergo kommt in die Kita), um kein Ergo zu haben.
Es scheint nicht an der Person zu liegen, sondern an der Tatsache, daß sie dort Sachen machen muß, die sie evtl nicht kann. Sie fühlt sich "vorgeführt" und es ist ihr selbst deutlich, was (noch) nicht so gut klappt.
Das scheint der Knackpunkt zu sein.

Die Ergo gibt sich sehr große Mühe mit ihr Spiele/Tätigkeiten etc zu machen, die sie kann und wo ein Erfolgserlebnis da ist. Trotzdem gibt es natürlich Dinge und Situationen, die mal nicht klappen.
Die Ergo, die Erzieher und auch wir geben ihr immer wieder zu verstehen, daß sie das alles gut macht.

(Bei der Physio haben wir das Problem nicht, vielleicht weil sie die Physiotherapeutin hat seit dem sie 12 Monate ist ???)

Es gab bereits einen Personenwechsel, da wir zunächst dachten es liegt am Therapeuten. Derzeit geht mein Mann mit und sitzt mit dabei (Tochter weint und will nichts machen, ist sehr anhänglich...)

Habt Ihr einen Rat, was wir tun können ? Wir wissen nicht weiter.

Sie braucht die Ergo. Wir wollen aber auch nicht, daß sie sich irgendwann weigert in die Kita zu gehen und:
es bricht einem schon das Herz , daß Kind so leiden zu sehen ...

Habt Ihr einen Rat, was wir tun können ? Wir wissen nicht weiter....

Danke fürs Lesen.

Gruß
Jervis
Tochter 6 J mit ICP beinbetont links, beide Hände

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Jervis
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Beitragvon Jervis » 10.10.2017, 10:01

Hallo,

da ich noch neu bin,
ist es im völlig falschen Unterforum gelandet. :roll:

Kann das jemand verschieben, ich weiß nicht wie es geht


Danke und Gruß
Jervis
Tochter 6 J mit ICP beinbetont links, beide Hände

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Alexandra2014
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Beitragvon Alexandra2014 » 10.10.2017, 10:19

Hallo Jervis,

wäre ich an deiner Stelle, würde ich wohl zuerst einmal die Ergo von der KiTa entkoppeln, sprich die Ergo extern nachmittags durchführen, sofern euch das organisatorisch möglich ist.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

Chantal-Marie
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Beitragvon Chantal-Marie » 10.10.2017, 10:27

Wenn das Kind die Ergo im Kiga evtl in Anwesenheit anderer Kinder nicht mag dann hilft nur eins. Ihr müsst das Kind in die Praxis der Ergotherapeutin bringen wo sie dann ganz allein mit der Therapeutin ist. Oder liegt es an der Therapeutin? Es gibt Kinder die nach einer Weile einen Therapeutenwechsel brauchen. Bei uns kam dann eine andere Therapeutin aus der gleichen Praxis. Gleicher Ort nur andere Person.

Vielleicht wäre das noch eine Alternative.
Liebe Grüße von Chantal-Marie und Mama

IlonaN
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Beitragvon IlonaN » 10.10.2017, 12:57

Hallo Jervis,
Die Seele eines Kindes wäre mir erstmal wichtiger als die Stifthaltung. Sie ist 5 und kognitiv fit, sie verweigert ja nicht prinzipiell alles. ICh würde mit ihr noch einmal in Ruhe reden und wenn es nicht geht, dann lass ihr eine Pause und versucht zu Hause das mit einzubauen.
Wenn Sie in der Schule merkt das sie nicht weiterkommt, biete ihr das nochmals an. Auch wenn sie es jetzt braucht, wenn sie dort nur weint und sich quält, bringt es zur Zeit rein garnicht.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

Jervis
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Beitragvon Jervis » 10.10.2017, 14:12

Hallo liebe Schreiber,

vielen Dank für Eure Antworten.
WIr werden uns die einzelnen Punkte nochmal zu Herzen nehmen und darüber nachdenken, was wir noch ändern können.

Es ist das erste Mal, daß J deutlich macht, daß es ihr unangenehm ist, daß sie etwas nicht kann.
Das haben wir an dieser Stelle nicht erwartet.
J kann trotz der ICP laufen, hüpfen , springen, klettern ( manchmal ungelenker,aber es geht), sie hat sich aber NIE irgendwelchen Aktivitäten verweigert, die sie nicht kann. Im Gegenteil :sie hat die Dinge unverdrossen gemacht, mit einer riesigen Frusttoleranz (Hut ab vorm eigenen Kind !!)

Bei den Aktivitäten mit den Händen seit ca einem Jahr: ein ganz anderes Bild.
Bilder werden zerrissen,w enn "übergemalt" wurde, Tuschkasten landet in der Ecke, wenn der Deckel nicht aufgeht, auf der Schere wird herungetrampelt, wenn eine Ecke zuviel abgeschnitten wurde.
Hier ist die Frusttoleranz eine komplett andere.

Weshalb der Unterschie, wissen wir nicht....?

Wir würden ihr so gern helfen und ihr vor allem vermitteln, daß es total ok ist wie sie das alles macht. Aber das scheint derzeit nicht genug.

Kennt Ihr solche Situationen ? Wie habt Ihr Euren Kindern vermittelt, daß sie genau so richtig sind,wie sie sind ?

Danke fürs Lesen und die Unterstützung

Gruß
Jervis
Tochter 6 J mit ICP beinbetont links, beide Hände

Annileinchen
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Beitragvon Annileinchen » 10.10.2017, 14:36

Auch wir haben immer mal so ein „Ergo-Tief“ gehabt. Da muste man einfach durch, nach einigen Malen wurde es meist besser.

Wichtig ist, dass die Therapie in einer Praxis durchgeführt wird und nicht im Kindergarten.
Die Therapeutin hat da einfach mehr Möglichkeiten, auch z.B. einen Computer etc. Außerdem wird das Kind nicht aus der Kiga-Gruppe rausgenommen.

Bei uns hat die Ergo ein schönes Bällebad. Am Anfang wollte unser Kind immer gerne da rein. Do war die Gewöhnung an die Praxis überhaupt kein Problem.

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 10.10.2017, 14:57

Hallo,

also, dass sie sich vorgeführt fühlt, das darf nicht sein, und so lernt sie ja auch nichts, im Gegenteil.
Eine gute Ergo würde jetzt erstmal in den Beziehungsaufbau gehen, Vertrauen aufbauen, und Sachen mit ihr machen, wo definitiv ein Erfolgserlebnis dranhängt - was aber nicht heißt, dass man um den heißen Brei rumschleicht und bloß noch sicher Gekonntes mit ihr macht.
Ich denke, ich würde auch nach einer externen Ergo suchen, und zwar nach einer besonders guten.

Bei den Aktivitäten mit den Händen seit ca einem Jahr: ein ganz anderes Bild.
Bilder werden zerrissen,w enn "übergemalt" wurde, Tuschkasten landet in der Ecke, wenn der Deckel nicht aufgeht, auf der Schere wird herungetrampelt, wenn eine Ecke zuviel abgeschnitten wurde.
Hier ist die Frusttoleranz eine komplett andere.

Weshalb der Unterschie, wissen wir nicht....?
Es klingt danach, als hätte sie vielleicht ein ganz konkretes massives Frusterlebnis, was die händischen Sachen betrifft. Vielleicht könnt Ihr dem mal auf den Grund gehen. Bzw. sollte auch eine gute Ergo das tun.
Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

rena99
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Beitragvon rena99 » 10.10.2017, 15:18

Jervis hat geschrieben:Bei den Aktivitäten mit den Händen seit ca einem Jahr: ein ganz anderes Bild.
Bilder werden zerrissen,w enn "übergemalt" wurde, Tuschkasten landet in der Ecke, wenn der Deckel nicht aufgeht, auf der Schere wird herungetrampelt, wenn eine Ecke zuviel abgeschnitten wurde.
Hier ist die Frusttoleranz eine komplett andere.

Weshalb der Unterschie, wissen wir nicht....?

Wir würden ihr so gern helfen und ihr vor allem vermitteln, daß es total ok ist wie sie das alles macht. Aber das scheint derzeit nicht genug.

Kennt Ihr solche Situationen ? Wie habt Ihr Euren Kindern vermittelt, daß sie genau so richtig sind,wie sie sind ?


Neben dem "Vorgeführtwerden" (ich würde die Ergo dann auch nicht im KiGa machen) ist da wahrscheinlich noch ein anderer Aspekt. Eure Tochter wird sehr genaue Vorstellungen davon haben, wie ein für sie schönes Bild aussieht und sie muss feststellen, dass sie das nicht so hinbekommt, wie sie es möchte.

Ich kenne das von meiner Tochter (in dem Alter) beim Erlernen von einem Musikinstrument. Sie hat da auch diese "Zerstörungsattacken", einfach, weil es sich nicht so angehört hat, wie sie sich das vorstellte.

Da hilft nur viel Geduld und Verständnis. Es hilft da auch von einem selbst zu erzählen, als man klein war und die Dinge noch nicht konnte. Oder davon, dass jeder, den man bewundert, vorher ganz viel geübt hat, bis es so toll war und dass man einfach Geduld braucht. Tatsächlich sagt man, dass es 10000 h Übung braucht, bis man etwas wirklicht gut kann. Das gilt sogar für Mozart, nur hatte der die 10000h im Alter von 7 Jahren schon durch.

Außerdem funktoiniert das motorische Üben in Schüben. Man hat das Gefühl, es geht und geht nicht weiter und dann platzt auf einmal der Knoten und es funktioniert. Aber man hat da diese super frustrierende Übephase, die erst mal so wirkt, als würde sie gar nichts nützen.

Ihr könnt es nur mit Verständnis und diesen Erklärungen versuchen und eben auch immer mal wieder von euren Fehlern erzählen. Kinder halten ihre Eltern in den Alter ja noch für Helden ...

Wahrscheinlich ist es auch gut, herauszufinden, was genau sie sich denn bei ihren Bildern anders wünscht. Da könnte die Ergo-Therapeutin ja vielleicht für Unterstützung sorgen. Vielleicht braucht sie ja auch größere Flächen/Stifte etc.

Alles Gute
Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

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lauli
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Beitragvon lauli » 10.10.2017, 16:12

Hallo,

aus meiner Sicht würde ich zu einer Ergotherapiepause raten und stattdessen lustbetonte Hobbies fördern.
Meine Gedanken zu euerem Problem:

Im letzten Kindergartenjahr dreht sich meist so viel um die Feinmotorik und die Schule, das sensible Kinder mit feinmotorischen Problemen durchaus kapitulieren, ob der indirekten Erwartungen und Anstrengungen.

„Tausende“ Übungen in der Ergo verbessern ggf. nicht die Feinmotorik, sondern erzeugen Frust, insbesondere wenn der therapeut. Denkansatz nicht stimmt. Manchmal muss auch der Fokus geändert werden: eher Kompensation durch passende Stifte und Scheren statt bloßer Korrektur der Bewegungsmuster.

Meine Erfahrungen zeigen, dass manchmal auch Basisfertigkeiten für das angestrebte Ziel noch nicht vorhanden sind: z. b. eine ungenügende Propriozeption erschwert das Ausführen und Erlernen von Bewegungsmustern.

Vielleicht ist die Lateralität bei euerem Kind auch noch nicht wirklich gesichert, da aufgrund einer ICP ggf. die natürliche Handdominanz auf der stärker betroffenen Körperseite liegt, so dass alltäglich ausgeführte Handlungen entgegen der ursprünglichen Lateralität ausgeführt werden (müssen).

Ich habe auch schon erlebt, dass aufgrund ungenügender Beobachtungen der Therapeutin das Training der Händigkeit entgegen der hirnphysiologischen Prägung erfolgt und es daher keine Fortschritte gab bzw. dass eine Bilateralitat nicht erkannt und das Wechseln der Hände je nach Tätigkeit nicht toleriert wird (oft in Kita durch die Pädagogen).

Vielleicht passt es auch von der Persönlichkeit der Therapeutin nicht; Kinder können es in dem Alter nicht wirklich fassen und fühlen sich missverstanden oder unwohl in bestimmten Situationen.

Vermutlich hilft nach der Pause auch ein kompletter Wechsel der Praxis, mit anderen Sichtweisen und Ansätzen der Therapeuten sowie anderen Personen und am neuen Ort mit anderem Aufforderungscharakter.

Ggf. ist auch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Physiotherapeut, Ergotherapeut und Neurologe/ Neuropädiater zielführend, damit wirklich individuell erreichbare Zeile und Wege erarbeitet werden können (ev. Komplexbehandlung).


Die Gründe für die Ablehnung der Ergo sind vielleicht auch nicht greifbar. Ich wünsche euch auf jeden Fall einen Ausweg aus dem Dilemma und ein unbeschwertes letztes Kindergartenjahr.

Gruß
Claudia
Lehrkraft im mobilen sonderpäd. diagn. Dienst in S. A.


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