Probleme mit Therapeuten

Hier könnt ihr euch über die unterschiedlichsten Therapiemöglichkeiten (Logopädie, Petö, Cranio Sacrale) für eure Kinder austauschen und Fragen rund ums Thema Krankengymnastik und Frühförderung stellen.

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PaulaW
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Probleme mit Therapeuten

Beitragvon PaulaW » 08.07.2015, 10:06

Ihr Lieben,

wir sind schon ziemlich therapieerfahren und ich muss sagen ich bin echt genervt.
Seit Jahren höre ich von Therapeuten was mein Sohn alles noch nicht kann. Nicht überraschend, da er ja bekanntermassen nicht ganz gesund ist.

Nachdem wir nun die Physios aussortiert haben die ihn immer defizitorientiert angeschaut haben zieht mich gerade eine Ergotherapeutin runter. Grrrr.

Sie schmiert mir dauernd aufs Brötchen, dass unser Sohn noch nicht malt bzw er auch keine Lust hat. Ja. Kann ich bestätigen. Und ?
Wörtlich meinte sie "ich war schon echt verzweifelt wegen Ihrem Sohn". Das hat mich echt umgehauen. Eine erfahrene Ergotherapeutin ist verzweifelt wegen meinem Sohn. Der Hammer.
Naja, das hat mich dann doch verunsichert. Bisher dachte ich das Malen kommt irgendwann wie alles andere auch und sein Interesse liegt eher am Schreiben. Auch dafür reicht es noch nicht, aber er tut so als ob und hat Spass dabei. Und er muss es auch noch nicht können.
Ich denke er ist einfach noch nicht so weit zu malen und vielleicht wird er niemals Interesse daran haben. (Ich male auch wie eine Dreijährige)

Dann meinte die Ergo noch dass er keinen Ehrgeiz hätte weil er wenn andere Kinder in seiner Gruppe malen nicht mitmachen möchte. Und dass er deshalb für sie noch kein Vorschulkind sei.
Zum Glück konnten wir ihn zurückstellen lassen sodass er erst nächstes Jahr in die Schule kommt.

Wie klappt es bei Euch mit Therapeuten und kennt Ihr sowas ? Ich weiss ja ich müsste ein dickeres Fell haben, aber weiss nicht wo man das bekommt. :D
Mit meinem Mann kann ich leider über sowas nicht reden, er macht sich dann wieder schlimme Sorgen.

Leider können wir die Ergo momentan nicht wechseln, da sie als momentan einzige in den Kiga kommt und fachlich auch super sein soll.

Unser Sohn ist so klasse und macht gerade so tolle Fortschritte in allen möglichen Bereichen. Was soll er denn noch alles können und machen ?

Liebe Grüsse und
danke

Paula
Muskelschwäche, Entwicklungsverzögerung, Wahrnehmungsstörung, Feinmotorische Probleme, Konzentration, PG3, 70% GdB, GBH

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Andrea1972
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Beitragvon Andrea1972 » 08.07.2015, 10:14

Hallo,

erst mal lass dich nicht verrückt machen. Es soll tatsächlich auch gesunde Kinder geben die nicht malen. Einfach weil sie es nicht wollen.

Was dein Sohn kann oder nicht kann ist dir selbst bewusst.

Und genau das würde ich den Therapeuten auch sagen. Warum geht ihr zur Ergo? Bestimmt das sie ihm hilft...oder?

Als meine Tochter noch klein war und ich zu hören bekam was mein Kind alles nicht kann grinste ich breit und habe angefangen aufzuzählen was sie kann...

Steh drüber und erfreue dich weiter daran das dein Sohn tolle Fortschritte macht :wink:

LG Andrea
Anna-Maria,93 SpinaBifida und HC VP-Shuntversorgt,Rollifahrerin.Cheyenne,02,inzwischen nachgewiesener Gendefekt,Amelogeneses Imperfecta

Bin freundlich..merkt nur keiner...

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Beitragvon IlonaN » 08.07.2015, 10:19

Ich kann mich Andrea voll und ganz anschließen. Und zu dieser Ergotherapeutin, sofern sie den Titel überhaupt verdient hat, sage ich glatt weg: "Psychologie 6!!!"
Wie kann man nur so unsensibel mit Eltern umgehen-grr-
Übrigens: Ich kann heut noch nicht malen :wink:
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

mamavonsarah
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Beitragvon mamavonsarah » 08.07.2015, 10:22

Hallo Paula,

jemand der fachlich super ist, würde sich nicht zu so einer Äußerung herablassen.


Wir machen keine Theraphie, die von der Kasse oder dem Amt bezahlt wird.
Logischer Weise verdienen diese Leute ihr Geld mit Defiziten. Nur damit bekommt man Stunden.

Welche Motivation hat ein Therapeut nach den Stärken zu suchen und diese zu fördern?
Wie viel einfacher ist, die "Schwächen" auf einem Fragebogen anzukreuzen?

Nein, in diesen Teufelkreis stecke ich mein Kind nicht.
Ich habe es im HPK nicht erlebt, dass ein Therapeut auch nur im geringsten irgendetwas positives aus meinem Kind herauskitzeln wollte.

Was sie nicht kann, das weiß sie selbst. Sie ist nicht dumm.
Eine privat finanzierte Osteophatin hat sie hingegen unglaublich weit nach vorn gebracht.

Mir ist klar, dass jeder Therapeut der per Rezept an ihr verdient NIE die guten Seiten sehen wird sondern immer nur die noch nicht abgehakten Benchmarks.

Mein Kind ist aber keine Wirtschaftsgut sondern ein Mensch!
Dann kann sie eben dies oder jenes nicht... ich erlaube nicht, dass irgendjemand dazu herablässt, mein Kind zu einem schlechtern Menschen zu degradieren nur weil sie ein paar Punkte aus deren Menschenbildkatalog nicht erfüllt.

Wir haben leider ebensolche Erfahrungen gemacht. Deshalb immer wieder NEIN zu Theraphien.

Was für einen Eindruck von sich selbst muss das beim Kind hinterlassen?
Wieviel Vertrauen in sich selbst soll ein Kind da entwickeln können?

Paula, stärke deinen Sohn darin, dass er ein toller wertvoller Mensch ist.
Sag ihm, wie stolz du bist und was er alle schon schaft.
Sag ihm, dass du ihn nicht daran misst, was er nicht kann, sonder was er kann.
Sag ihm, dass in der Kunst alles recht ist und das es wichtig ist, dass man Spaß daran hat - schade, dass die Dame das nicht verstanden hat uns sich wohl viel zu ernst und wichtig nimmt.
Nur das zählt!

Und dieser Dame würde ich gehörig die Meinung sagen.

LG Sandy

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Beitragvon IlonaN » 08.07.2015, 10:34

Hi Sandy, ich finde deine Antwort teilweise echt prima und richtig, was mir jedoch nicht ganz gefällt ist dieser Satz:
Mir ist klar, dass jeder Therapeut der per Rezept an ihr verdient NIE die guten Seiten sehen wird sondern immer nur die noch nicht abgehakten Benchmarks

Das kann ich so nicht stehen lassen. Wir haben schon sehr gute Therapeuten gehabt die unsere Kinder ein super gutes Stück voran gebracht haben, und niemals hatte ich das Gefühl das irgendetwas absichtlich in die Länge gezogen wurde um länger an dem Kind zu verdienen.. Und wer sagt dir übrigens das privat bezahlte Therapeuten besser sind ,denn der Osteophat bekommt doch wohl auch Geld für seine Arbeit, oder? Und meistens ja wohl wirklich nicht von der Krankenkasse.
Ich 1961 Ösophagusatresie
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Engrid
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Beitragvon Engrid » 08.07.2015, 10:42

Hallo,

also ich würde sagen, ein guter Therapeut sieht das Entwicklungspotential: DA steht das Kind jetzt, DA wollen wir mit ihm hin, WIE erreichen wir das. Und diese Förderziele (wohin wollen wir), die sollten konkret mit den Eltern besprochen und abgestimmt werden. Dann können sie später auch überprüft werden, ob sie erreicht wurden.

Das heißt aus meiner Sicht zb beim Thema Malen:
Gehört "malen lernen" oder "malen wollen" (?) zu den ausgewählten (also vordringlichen) Förderzielen? Oder etwas, das man nur mit Malen üben kann? Oder liegt eher etwas anderes an, oder könnte man mit anderen Mitteln üben?

Mein Sohn hasst malen, er kann's auch nicht. Die Ergo würde ihn niemals malen lassen. Das hieße beim Junior, ihm seine Defizite vor Augen zu führen. Sie bringt ihn schon dazu, seine Grenzen auszudehnen. Aber in kleinen Schritten, immer so, dass für ihm ein erstauntes "Uuups - das kann ich ja!!" dabei rauskommt. Und mit Sachen, die ihm Spass machen, das "Unangenehme" ist dann ganz beiläufig eben auch dabei.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

mamavonsarah
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Beitragvon mamavonsarah » 08.07.2015, 10:58

Hallo Ilona,

es ist leider unser Erleben. Mir ist klar, dass es auch andere geben muss. Nur haben wir sie nicht erleben dürfen.
Man hat uns teilweise sogar gesagt, dass sie Dinge ganz toll macht und kann und gar nicht schlechter dasteht als die anderen Kinder in diesem Alter sich aber beim Aufschreiben für die Verlängerung auf die Defizite konzentriert, damit man noch weiter am Kind feilen kann.

Ich finde das grund falsch.

Befunde und Berichte sollen ausgewogen sein. Und es muss auch mal gut sein mit der permanenten Optimiererei.
Nicht jeder kann Olympiasieger oder Raketenforscher werden - auch mit der besten Förderung der Welt nicht.

Ja es stimmt. Unser Osteophat bekommt Geld von uns. Sie rechnet nicht mit der Kasse ab.
Es stehen genug Leute vor ihrer Tür, die privat bezahlen.
Wenn sie sich ein paar mal derartig herablassend äußern würde, käme keiner mehr und sie könnte ihren Laden zusperren. Sie ist auch so ehrlich zu sagen, dass Sarah eben jetzt keinen Bedarf mehr an ihrer Unterstützung hat. Sie hat auch von vorherein sehr ehrlich gesagt, was sie leisten kann und was nicht. Wenn ich von ihr detailiert wissen wollt, was sie getan hat oder tut hat sie daraus nie ein Geheimnis gemacht. Allerdings immer hinterher am Telefon und nie vor dem Kind.
Sie hat unsere Tochter nie als krankes oder behindertes Kind behandelt, sondern als Mensch.


Und nichts anderes wünsche ich mir von jedem anderen Therapheuten / Arzt.
Leider haben viele (nicht alle! - nur eben leider die, die wir treffen mussten) vergessen, dass auch wir sie bezahlen.
Zwar indirekt durch unsere Beiträge zur Krankenkasse aber wir bezahlen sie.
Und so möchte ich auch behandelt werden.
Und wer Geheimnisse aus seiner Arbeit macht (so wie bei uns geschehen, dass nicht einmal das Amt trotz mehrfacher Anforderung Berichte bekommen hat) hat aus meiner Sicht kein Vertrauen verdient.

Ich möchte mir heute gar nicht mehr ausmalen, was dort alles mit unserem Kind gemacht oder nicht gemacht wird.

Puh, das ist bei mir echt ein wunder Punkt... der mich noch heute hochgehen läßt :evil:

Deshalb zahle ich heute lieber privat und "erkaufe" mir damit die Kontrollen, dass auch tatsächlich etwas geleistet wird.

Ich hätte auch viel lieber Vertauen, dass ich mich verlassen kann - kann ich aber nach all unseren Erfahrungen nicht mehr.

LG Sandy

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Beitragvon IlonaN » 08.07.2015, 11:33

Hallo Sandy,

da habt ihr ja schlechte Erfahrungen gemacht und ich freue mich für euch das ihr nun einen guten Weg gefunden habt um euer Kind optimal zu fördern. Denn wenn das Vertrauen erst mal weg ist, geht nichts mehr.
Auch unsere eine Therapeutin(es gab auch bei uns welche zu denen wir nie wieder gehen würden) hat extrem lange Wartelisten.
Ich 1961 Ösophagusatresie
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Jannis2013
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Beitragvon Jannis2013 » 08.07.2015, 13:20

Unsere Therapeuten von der Frühförderung (Logo, Physio, Sehförderung) sind alle super.

Noch nie hat eine hervorgehoben was er nicht kann (und das ist sehr, sehr viel), sondern sehen in im Moment und was er kann! Sie sehen die Fortschritte, die er macht und, wie schon jemanden geschriebenen hat, das Potenzial.

Es ist, imGegenteil, sogar so, dass sie mir immer mal wieder sagen müssen, wie toll er das macht, wie er sich bemüht, wenn ich traurig bin, weil er so vieles nicht kann.

Therapeuten sollten schon psychologisch "geschult" sein im Umgang mit Eltern behinderter Kinder.

Auch meine Tochter bekommt Ergo, auch die Therapeutin lobt sie immer wieder und zeigt mir eher die Fortschritte als das, was noch im argen ist.
Den genau, wie du sagst, das was sie nicht können, wissen wir sehr gut selbst. Das sollte ein guter Therapeut nicht ständig betonen, sondern den Eltern zeigen, dass das Kind auch viele stärken hat und selbst die kleinsten Fortschritte hervorheben.
Denise mit Jannis (08/2013) - partielle Tetrasomie 15 / IDIC 15, Sehbehinderung, autistische Züge, keine Sprachentwicklung, Hypotonie
Mila (06/2010) - gesunde, große und liebevolle Schwester

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Dore Steinert
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Beitragvon Dore Steinert » 08.07.2015, 14:03

mamavonsarah hat geschrieben:Man hat uns teilweise sogar gesagt, dass sie Dinge ganz toll macht und kann und gar nicht schlechter dasteht als die anderen Kinder in diesem Alter sich aber beim Aufschreiben für die Verlängerung auf die Defizite konzentriert, damit man noch weiter am Kind feilen kann.


Hallo Sandy,

was das Aufschreiben angeht - das geht teilweise nicht anders, weil die Kassen sonst nicht zahlen. (Das kommuniziere ich allerdings auch ganz klar). Das hat meiner Meinung aber nichts mit Geld zu tun, und ist sicher nicht als persönliche Herabsetzung gemeint.

Und sonst? Natürlich muss ein Therapeut Defizite erkennen, um zu wissen, wo angesetzt werden soll. Das Potential liegt aber in der Stärken - egal, ob es um Entwicklungsmöglichkeiten oder Motivation des Kindes geht. Ohne diese Grundeinstellung hilft fachliche Kompetenz oft auch nicht weiter.
Ich würde erst Mal mit der Therapeutin reden - vielleicht ist ihr gar nicht bewusst, wie ihre Aussagen auf dich wirken (und eventuell ihre Arbeit beeinflussen). Sonst drücke ich dir die Daumen, dass du jemanden findest, der "passt".

LG, Dore
Feldenkrais-Therapeutin / Jeremy - Krauss - Approach / Kinästhetik-Trainerin / Heilpraktikerin (Schwerpunkt neurmotorische Entwicklung). https://lernchancen.wordpress.com/

2 Söhne (93 / 96) mit kleinsten Baustellen.


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