Wunschkonzert: Wohnen bei besonderen Bedarfen

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

Moderator: Moderatorengruppe

MOmitJulian
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 330
Registriert: 14.08.2012, 22:06

Re: Wunschkonzert: Wohnen bei besonderen Bedarfen

Beitrag von MOmitJulian »

Iana hat geschrieben:
24.07.2020, 11:23
Hallo Monika,

vielleicht kann man ja auch einen Snoezelraum mit sowas wie einem schalldichten Raum verbinden wie Natascha vorgeschlagen hat.
Ist das barrierefreie Bad auch so, dass man z.B. mit einer Duschliege reinfahren kann?

Toll finde ich, dass die Zimmer eine Terasse haben. Gerade im Sommer wunderschön. Müsst ihr eine geschützte Einrichtung sein?

Ich stimme euch natürlich völlig zu mit den personellen Grundvoraussetzungen! Allerdings bedingt sich das ja auch gegenseitig mit dem anderen. Wenn man baulich schlechte Arbeitsbedingungen hat wird es auch wieder schwierig die Hilfe für die Bewohner zu bieten selbst bei gutem Personalschlüssel etc.

Ich weiß nicht ob das für euch auch eine Option wäre aber habt ihr überlegt eine Tierhaltung zu integrieren? Ich habe mal in einer Altenpflegeeinrichtung gearbeitet, die eine große Voliere mit Vögeln hatte. Das war großartig, viele Bewohner haben sich da gerne aufgehalten und die Tiere beobachtet. Das geht auch mit Fischen, eventuell Kleintieren (Meerschweinchen, Wüstenrennmäuse...). Natürlich muss eine artgerechte Haltung gegeben sein.

Viele Grüße
Iana
Hallo Iana,

Der Tip mit den Tieren ist super.

Ich hätte es jetzt vergessen zu erwähnen, da es für mich selbstverständlich ist. Keins meiner 4 Häuser lebt ohne Tiere (Hasen, Katzen, Fische, Hunde).

Unser Hasenstall ist übrigens so groß, dass unsere Bewohner darin laufen können.

Silvia & Iris
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 4058
Registriert: 20.03.2007, 18:32
Wohnort: Österreich

Re: Wunschkonzert: Wohnen bei besonderen Bedarfen

Beitrag von Silvia & Iris »

Tierhaltung im Wohnheim:
- wie machst du das? Wer betreut die Tiere? - und wie geht das mit Bewohnern, die allergisch reagieren auf gewisse Tierhaare?

Ist ja eine tolle Idee! ... bei Klienten, welche alle nonverbal im Rollstuhl unterwegs sind... (unsere Einrichtung)
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, Tetraparese, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

MOmitJulian
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 330
Registriert: 14.08.2012, 22:06

Re: Wunschkonzert: Wohnen bei besonderen Bedarfen

Beitrag von MOmitJulian »

Silvia & Iris hat geschrieben:
24.07.2020, 07:30
Hallo Monika,

sollen die Bewohner dort 24 Stunden des Tages verbringen? - Oder nur die Nacht?
Gibt es dann dort auch einen Therapieraum - oder sogar 2 - wo Ergotherapie, Physiotherarpie und mehr durchgeführt werden kann? - Sprossenwand und mehr vorhanden sind, was eben eigentlich nicht in einen Wohnraum gehört? - Aber doch notwendig ist um im Alltag fit zu bleiben?

Gerade jetzt in der Coronazeit war es nicht einfach die Klienten zu beschäftigen, da im Wohnhaus das gar nicht vorgesehen ist... - aber in der Tageseinrichtung, die aber nicht betreten werden durfte...

Daher - wird hier strikt getrennt, oder soll das eine all inclusive Lösung werden?
Einen Therapieraum werden wir einplanen. Danke.

In Einem unserer anderen Häuser haben wir ein kleines Fitnessstudio, bei dem ich mich schon oft geärgert habe, dass wir keinen Platz haben für ne Liege für manuelle Therapie.
Einen Ergotherapie/Kreativ Bereich haben wir dort auch.
Aber im neuen Haus wird da eher Platz im Gemeinschaftsraum für da sein.

MOmitJulian
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 330
Registriert: 14.08.2012, 22:06

Re: Wunschkonzert: Wohnen bei besonderen Bedarfen

Beitrag von MOmitJulian »

Brigitte 1953 hat geschrieben:
24.07.2020, 08:10
Guten Morgen Monika,

Für mich steht an erster Stelle, unabhängig von der Ausstattung des Gebäudes, dass immer Ansprechpartner/Betreuer/Pfleger/Ehrenamtliche anwesend sind, die auch wirklich Zeit haben für die Bewohner, die Zeit und Nähe brauchen.Keine Einrichtung sollte nur ein Parkhaus sein. Die Einrichtung/Wohngruppe ist das Zu Hause für diese Menschen mit besonderem Betreuungsbedarf und egal wie die Bedürfnisse aussehen, es sollten Menschen mit Herz mit an Bord sein, die auch da sein können und dürfen wenn Ihr Einsatz gebraucht wird.

Ich schreibe das jetzt hier und so, weil ich bundesweit nur noch Trauergeschichten höre und regional erlebe, Pflegenotstand, Zeitmangel, Verheizen von Personal sollte in erster Linie gerade in solchen Einrichtungen nicht statt finden.

Menschen die sich selber nicht helfen können, aus welchen Gründen auch immer, sollten sich zu 100% darauf verlassen können, nie alleine sein zu müssen.

Bauliche Konzepte und Ausstattung von Einrichtungen sind zwar auch wichtig, aber wichtiger ist dass Menschen für Menschen da sein können.

Dies würde an oberster Stelle meines Konzeptes stehen, dann käme der Rest der mit Vorgaben,Gesetzen,Finzanzen kompatibel geklöppelt werden muss.

Ich wünsche Dir von Herzen viel Erfolg für Deine Pläne und dass sie Nachahmer finden.

Liebe Grüssle aus BW

Brigitte
Ich gebe dir vollkommen Recht.
Deswegen haben wir als erstes nachdem ich die Leitung übernommen habe, das Personal neu verhandelt.
Wir haben aktuell einen Schlüssel von 1:2,04 (was für eine stationäre Einrichtung mit unser bisherigem Klientel) echt gut ist. Derzeit warten wir auf einen Neuen Verhandlungstermin, denn jetzt sind wir dank BTHG ja besondere Wohnform und unsere Bewohner haben theoretisch ja ebenso einen Anspruch auf viele Individualleistungen, wie auch im ambulanten Bereich.

Dafür benötige ich dann eben nochmal mehr Leute.

Das Ministerium tut sich grad nur schwer mit Terminvergaben.

Unser Mitarbeiter*innen kriegen schon beim Vorstellungsgespräch klar gemacht, dass wir „Hilfe zur Selbsthilfe“ leisten und keine „Übernahme der Tätigkeit aus Zeitnot“.

Kleines Beispiel:

Stammhaus, alte Struktur, ähnlich eines Pflegeheims. Bleibt aber so, weil wir wirklich viele Senioren haben, bei denen mischt sich jetzt eben die psychiatrische Erkrankung mit alterspflegebedürftigkeit.
Dort leben auf 3 Wohnbereichen 38 Menschen.
Ein normaler Frühdienst besteht aus folgenden Mitarbeiter:
2 Pflegefachkräfte
1 Pädagogische Fachkraft
3 Pflegehilfskräfte
1 Pädagogische Ergänzungskraft
1 Präsenzkraft für die Hilfe bei den Mahlzeiten und den ansonsten anfallenden nebentätigkeiten
3 Reinigungskräfte
1 Arzthelferin (übernimmt Fahrdienste und Begleitung zu allen Arztterminen in Vollzeit)

Zusätzlich sind Hausleitung und Pflegedienstleitung im Haus direkt ansässig.
Essen kommt täglich frisch aus unserer eigenen Großküche, nix mit Cook&Chill 😂

Also knapp 14 Köpfe für 38 Leute.

MOmitJulian
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 330
Registriert: 14.08.2012, 22:06

Re: Wunschkonzert: Wohnen bei besonderen Bedarfen

Beitrag von MOmitJulian »

Iana hat geschrieben:
24.07.2020, 11:23

Ist das barrierefreie Bad auch so, dass man z.B. mit einer Duschliege reinfahren kann?

Müsst ihr eine geschützte Einrichtung sein?
Iana
Danke für das „große Bad“ das hatte ich eigentlich nicht geplant. Aber das überdenken wir nochmal.

Geschützte Bereiche haben wir nicht.

MOmitJulian
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 330
Registriert: 14.08.2012, 22:06

Re: Wunschkonzert: Wohnen bei besonderen Bedarfen

Beitrag von MOmitJulian »

Silvia & Iris hat geschrieben:
24.07.2020, 13:42
Tierhaltung im Wohnheim:
- wie machst du das? Wer betreut die Tiere? - und wie geht das mit Bewohnern, die allergisch reagieren auf gewisse Tierhaare?

Ist ja eine tolle Idee! ... bei Klienten, welche alle nonverbal im Rollstuhl unterwegs sind... (unsere Einrichtung)

In unserem Haupthaus haben wir nur Fische, Vögel sind geplant, sobald das Wohnzimmer renoviert ist.

Dort sind in der Hauptsache mittlerweile alterspflegebedürftige Leute drin.

In dem Haus haben wir zusätzlich 4 „Kollegen Hund“, die mit zum Dienst kommen, wenn Frauchen oder Herrchen Dienst hat.

In unserem zweitgrößtem Haus (klassische EGH für psychisch erkrankte) haben wir einen Riesen Hasenstall (knapp 20 qm, ca 2,20m Hoch) für 5 Hasen.
Auch hier zwei Kollegen Hund.

In unserem Haus für doppeldiagnostische Menschen (Psyche und geistige Einschränkung) wohnt Schorschi, unser Haus- und Hofkater, einzelprinz.

Und in unserer Verselbstständigungs WG gibt es wieder Fische.

Und die beiden Kollegen Hund unseres pädagogischen Leiter, sind immer da, wo er gerade ist.

Die Versorgungsverantwortung liegt natürlich immer in der Hauptsache bei den Mitarbeitern.
Aber es gehört zu den „begleiteten Gruppendiensten“, und Theoretisch wird kein Handschlag ohne die Bewohner gemacht.

In Schorschis Reich konnten wir ausschließen, dass Allergien vorliegen.
Bei den Hasen sind die beiden Allergiker natürlich von den Diensten befreit.

Ich habe für das ganze Spiel ein Tierhaltungskonzept mit allerlei Hygieneformularen, Tierarztplänen etc. auf Grundlage der „Grundsatzstellungnahme zur Heimtierhaltung in Pflegeeinrichtungen“ des Robert Koch Instituts erstellt.

Selbst das Gesundheitsamt ist auf dieser Grundlage ins „Team Haustier“ gerutscht und fragt regelmäßig nach Schorschi.

Silvia & Iris
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 4058
Registriert: 20.03.2007, 18:32
Wohnort: Österreich

Re: Wunschkonzert: Wohnen bei besonderen Bedarfen

Beitrag von Silvia & Iris »

Fische kann ich mir schon vorstellen, wenn diese wirklich nur von einer Person betreut werden... (und nicht jeder wahllos füttert... oder das Licht auf und ab dreht...)
am stressresistentesten (was für ein Wort) wären ja Ziegen... die aber schon auch mit ihren Hörnern auch Unfug treiben können...
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, Tetraparese, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

MOmitJulian
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 330
Registriert: 14.08.2012, 22:06

Re: Wunschkonzert: Wohnen bei besonderen Bedarfen

Beitrag von MOmitJulian »

Hi Silvia,

Bei den Fischen haben wir leider schmerzlich hinzulernen müssen.

Über Jahre ging es gut und auf einmal kam eine Person auf die Idee, eine Flasche Seife ins Aquarium zu schütten, damit wienerische mit den Seifenblasen spielen können.
Leider haben sie es nicht überlebt.
Seitdem ist das Aquarium abgeschlossen (wird gerade zusätzlich eine Schrankumbau für angepasst). Man kann ohne Personal nur noch gucken, nix machen an Technik oder Öffnungen.

Ziegen, Schafe oder Esel fände ich super. Aber dafür fehlt uns leider die freie Grünfläche am Haus.

heidipet
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 481
Registriert: 08.05.2010, 14:03
Wohnort: bei Koblenz

Re: Wunschkonzert: Wohnen bei besonderen Bedarfen

Beitrag von heidipet »

Hallo Monika,
nimm doch mal mit dem "Neuen Kupferhof" bei Hamburg Kontakt auf. Die haben zwar ein anderes Profil, aber bestimmt auch ein paar Tipps für Dich.

Dein Projekt klingt sehr, sehr gut.

Gruß
Heidi
Gruß
Heidi

NataschaSte
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 395
Registriert: 09.03.2018, 21:47
Wohnort: Niederösterreich

Re: Wunschkonzert: Wohnen bei besonderen Bedarfen

Beitrag von NataschaSte »

MOmitJulian hat geschrieben:
25.07.2020, 10:49
Brigitte 1953 hat geschrieben:
24.07.2020, 08:10
Ich gebe dir vollkommen Recht.
Deswegen haben wir als erstes nachdem ich die Leitung übernommen habe, das Personal neu verhandelt.
Wir haben aktuell einen Schlüssel von 1:2,04 (was für eine stationäre Einrichtung mit unser bisherigem Klientel) echt gut ist. Derzeit warten wir auf einen Neuen Verhandlungstermin, denn jetzt sind wir dank BTHG ja besondere Wohnform und unsere Bewohner haben theoretisch ja ebenso einen Anspruch auf viele Individualleistungen, wie auch im ambulanten Bereich.

Dafür benötige ich dann eben nochmal mehr Leute.

Das Ministerium tut sich grad nur schwer mit Terminvergaben.

Unser Mitarbeiter*innen kriegen schon beim Vorstellungsgespräch klar gemacht, dass wir „Hilfe zur Selbsthilfe“ leisten und keine „Übernahme der Tätigkeit aus Zeitnot“.

Kleines Beispiel:

Stammhaus, alte Struktur, ähnlich eines Pflegeheims. Bleibt aber so, weil wir wirklich viele Senioren haben, bei denen mischt sich jetzt eben die psychiatrische Erkrankung mit alterspflegebedürftigkeit.
Dort leben auf 3 Wohnbereichen 38 Menschen.
Ein normaler Frühdienst besteht aus folgenden Mitarbeiter:
2 Pflegefachkräfte
1 Pädagogische Fachkraft
3 Pflegehilfskräfte
1 Pädagogische Ergänzungskraft
1 Präsenzkraft für die Hilfe bei den Mahlzeiten und den ansonsten anfallenden nebentätigkeiten
3 Reinigungskräfte
1 Arzthelferin (übernimmt Fahrdienste und Begleitung zu allen Arztterminen in Vollzeit)

Zusätzlich sind Hausleitung und Pflegedienstleitung im Haus direkt ansässig.
Essen kommt täglich frisch aus unserer eigenen Großküche, nix mit Cook&Chill 😂

Also knapp 14 Köpfe für 38 Leute.
Hallo,
Ok, ich bin echt verwöhnt.
Wohngruppe 14 Bewohner (Achtung Österreich) pflegestufe 3 aufwärts. Von den 14 brauchen in Schnitt zwei nur Hilfe bei ats abziehen oder so.

1 diplomierte Krankenschwester (dgks), macht Medikamente, große Verbandwechsel,...

2 pflegekräfte, für die grundpflege und Mobilisierung und essen unterstützen. Wobei das bei der Besetzung wie ich es erlebt habe, max 4 Bewohner waren die dabei Hilfe brauchen.

Dann eine Abteilungshelferin (essen herrichten, unterstützen beim auf den Tisch stellen und Mund gerecht richten), Wäsche nachfüllen, Betten machen,...

Dann noch eine reinigungskraft für die Arbeiten die die Abteilungshelferin nicht machen muss. Boden, Dusche, WC und Tisch abräumen und den Geschirrspüler einräumen.

Dienst von 7.15 bis 19.45
Nachts alleine in der Wohngruppe für 14 Bewohner...
Wobei eine dgks für mehrere Wohngruppen da war. Die hat auch immer geholfen beim lagern, wenn es alleine zu schmerzhaft für den Bewohner gewesen wäre...

Das ist das wow ich es kenne und ein gutes Gefühl hatte

Lg
Natascha und Thaddäus, geb 12/15, atypischer Autismus

Wissen schützt vor Dummheit nicht (alligatoah)

Antworten

Zurück zu „Erwachsen werden: Leben, Arbeit, Wohnen“