Alina wird 18 - Fragen über Fragen

Unsere Kinder werden älter, verlassen die Schule und auch oft das Elternhaus. Wie sehen die Perspektiven für behinderte Jugendliche und junge Erwachsene aus? Wo können sie arbeiten? Wo finden sie geeignete Wohnformen? Hier können sich Eltern austauschen und informieren!

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Jennifer
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Alina wird 18 - Fragen über Fragen

Beitragvon Jennifer » 13.11.2018, 14:09

Hallo ihr lieben,

ich habe Fragen über Fragen...
1. Heute frage ich mich wie es nach der Schule weiter gehen soll.
Alina besucht eine Werkstatt für eine Woche zur Probe, mit I-Helferin.
Ich bin dort hin gefahren habe mir alles angesehen, und die Räumlichkeiten sind sehr schön. Allerdings als ich Alinas Geräte erklären wollte, die benögtigt werden wenn es ihr nicht so gut geht oder sie krampft (Monitor, Absauge, Sauerstoff, Ambubeutel) ich sofort gesagt bekam wir haben keine Krankenschwestern hier, und Pflegedienst mit in einer Werkstatt geht nicht, sie würden dann halt den Notarzt rufen....weil sie das alles nicht machen dürfen.
Mhhh dann frag ich mich, wie soll das funktionieren? Wenn sie wirklich Aspirirt beim krampfen und sie nicht absaugen bis der Notarzt da ist, ist sie doch schon längst erstickt............ .
2. Alina wird im Januar 18 und geht bis Juni in die Schule, alle sagten mir ich soll Grundsicherung beantragen, ab 18 bekommt man es. Jetzt sagt mir die gute Dame vom Amt ich muss zum Arbeitsamt weil sie ja arbeiten gehen kann in einer Werkstatt. Dann wäre das Jobcenter zuständig aber was ist von Januar bis Juni wo sie in die Schule geht soll da wirklich das Jobcenter zuständig sein???????

Oh man, so lange sie klein sind ist alles gut, aber ich habe gerade das gefühl das dieses Gerüst um uns herum zerfällt.........

LG Jennifer
Alina Janine 10.01.01 FG 24SSW, 390g, Cerebralparese, Hirnblutungen, Balkenhypoplasie, Blind, Epilepsie, ASD2, Tetraparese, Mikrozephalus, Bronchopulmonale Dysplasie II, Hüftdysplasie, war Langzeitbeatmet, PEG Sonde,
Manuel Mika geb.gest.8.3.07 (Alinas Cousin)
Manuel Mika´s Bruder Lino-Patrice geb. 7.10.08 29.SSW gesund

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monika61
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Re: Alina wird 18 und Fragen über Fragen........

Beitragvon monika61 » 13.11.2018, 14:27

Jennifer hat geschrieben:Oh man, so lange sie klein sind ist alles gut, aber ich habe gerade das gefühl das dieses Gerüst um uns herum zerfällt.........
LG Jennifer


Hallo Jennifer,

das habe ich mir auch schon oft gedacht :wink: .

Muss jetzt los deshalb nur kurz.

Grundsicherung würde ich beantragen. Wird auch rückwirkend gezahlt ab Antragstellung, dann bist Du auf der sicheren Seite.
Alles was die Damen vom Amt meinen würde ich mir schriftlich geben lassen...einfach aus Erfahrung.

Schau Dir mal dieses ausführliche Merkblatt dazu an:

Merkblatt zur Grundsicherung

Behinderte Menschen haben einen Anspruch auf Grundsicherung, wenn sie das 18. Lebensjahr vollendet haben und voll erwerbsgemindert sind. Das Merkblatt erklärt, wie behinderte Menschen durch die Grundsicherung ihren Lebensunterhalt sichern können und zeigt auf, welche Probleme bei der Leistungsbewilligung häufig auftreten.
https://bvkm.de/wp-content/uploads/Merk ... ng_Web.pdf

LG
Monika

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claudia-ddf
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Beitragvon claudia-ddf » 13.11.2018, 16:09

Hallo Jenni,

hast Du schon die Betreuung beantragt?
Wenn nicht - dann aber schnell. Bei uns hat das über 1/2 Jahr gedauert, bis die Urkunde da war. Denn wenn unsere Kinder 18 werden, sind wir ja nicht mehr einfach Mutter - sondern müssen Betreuer sein. Sonst bekommst Du überall Probleme.
Frag alle Deine Versicherungen, ob Sie Alina weiterhin versichern - lass es dir schriftlich geben!
Wieso geht es nicht, einen Pflegedienst mitzunehmen? Die haben keine Krankenschwester ?? Was ist das für eine Behindertenwerkstatt. Habt Ihr Alternativen in der Nähe (Tagesbetreuung etc.)?

Das sind nur ein paar Punkte die mir gerade eingefallen sind.

Liebe Grüße

Claudia
Claudia, Horst und Christian (11/93 - 07/18) CP, Epi, 100 % schwerbeh., unser Sonnenschein und Assistenzhund TOMMY
LIEBE endet nicht mit dem Tod!

Mellie
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Re: Alina wird 18 und Fragen über Fragen........

Beitragvon Mellie » 13.11.2018, 16:15

Jennifer hat geschrieben:2. Alina wird im Januar 18 und geht bis Juni in die Schule, alle sagten mir ich soll Grundsicherung beantragen, ab 18 bekommt man es. Jetzt sagt mir die gute Dame vom Amt ich muss zum Arbeitsamt weil sie ja arbeiten gehen kann in einer Werkstatt. Dann wäre das Jobcenter zuständig aber was ist von Januar bis Juni wo sie in die Schule geht soll da wirklich das Jobcenter zuständig sein???????


Hallo Jennifer,

auf keinen Fall würde ich über die Arbeitsagentur Grundsicherung beantragen. Gehe zur Gemeinde, bzw. gucke online, wo der Antrag dafür ist und fülle ihn jetzt schon aus und gebe ihn ab. Bei meinem Sohn habe ich es genauso gemacht, als er noch mit 18 Jahren in der Schule war. Allerdings hat das Grundsicherungsamt (Gemeinde) eine Prüfung bei der Rentenversicherung veranlasst, wo die Erwerbsmindeurng festgestellt wurde.
Wenn Du erst später die Grundsicherung beantragst, dann kann es sein, dass man sie ablehnt, da dies oft im Eingangsverfahren oder im Berufsbildungsbereich der WfbM passiert.

Trotzdem ist die Arbeitsagentur weiter für euch zuständig, wenn es darum geht in die WfbM zu kommen. Ihr müsst dort einen Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben stellen.

https://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic13 ... asc-0.html
Viele Grüße,
Mellie

Helena*
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Beitragvon Helena* » 13.11.2018, 16:34

Hallo Jennifer,
beantrage unbedingt beim Grundsicherungsamt, sobald sie 18 ist und noch Schülerin!

Wenn du wartest bis sie in den Eingangsbereich der Werkstatt kommt werden sie einfach ablehnen mit der Begründung, es könne erst NACH dem absolvieren des Berufsbildungsteils geschaut bzw. festgestellt werden, ob eine vollständige , dauerhafte Erwerbsminderung vorliegt, OHNE überhaupt ein Gutachten bei der Rentenversicherung dazu anzufordern.

Dieses Problem hat sich ergeben, weil das BMAS eine völlig abweichende Interpretation der Vorschrift hat, auch wenn nun schon mehrere Urteile den Anspruch auch im Berufsbildungsbereich auf Grundsicherung bestätigen.Siehe zum Beispiel hier: https://www.lebenshilfe-viersen.de/de/a ... listLink=1

Das Jobcenter würde nicht allein den Bedarf deiner Tochter betrachten, sondern euch als ganze Familie zusammen als Bedarfsgemeinschaft betrachten, also euer gesamtes Einkommen und Vermögen anschauen und anrechnen. Das würde ich unbedingt vermeiden wollen.

Solch einen Ärger und den Klageweg kannst du umgehen, indem du sofort kurz vor dem Geburtstag ,noch während der Schulzeit den Antrag stellst und die Rentenversicherung in ihrem Gutachten die vollständige, dauerhafte Erwerbsminderung feststellt.
Daran ist die Behörde dann gebunden, auch wenn deine Tochter später den Berufsbildungsbereich durchläuft.
War bei uns auch so und ich bin sehr froh gewesen, dass ich das so gehandhabt hatte mit der Antragstellung.

Wenn deine Tochter akut lebensgefährdet ist ohne Sofortmaßnahmen, dann muss es doch eine Möglichkeit einer Begleitung geben, ggf. durch eine Krankenschwester?

LG, helena

monika61
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Beitragvon monika61 » 13.11.2018, 17:22

Helena* hat geschrieben:Wenn deine Tochter akut lebensgefährdet ist ohne Sofortmaßnahmen, dann muss es doch eine Möglichkeit einer Begleitung geben, ggf. durch eine Krankenschwester?

LG, helena


Hallo Jennifer,

ich denke auch (wie Helena ja schon schreibt) das es da doch Möglichkeiten geben muss.

Auch interessant zu dem Thema:
18 werden mit Behinderung – Was ändert sich bei Volljährigkeit?

Mit 18 wird man in Deutschland volljährig und hat grundsätzlich die Rechte und Pflichten eines Erwachsenen. Der Ratgeber gibt behinderten Menschen und ihren Eltern einen Überblick darüber, was sich für sie mit Erreichen der Volljährigkeit ändert
https://bvkm.de/wp-content/uploads/2017 ... frei-2.pdf

O' ich sehe gerade das ihr in Fröndenberg wohnt, ist das nicht in NRW ?
Das ist das einzige Bundesland was keine Tagesförderstätten mehr hat.
Da kann es schon mal zu Problemen kommen mit diesem sogenannten NRW-Modell.

Gerade aktuell berichtet hier eine Mutter:
Titel: NRW: WfbM - Ende nach Eingangsbereich weil kein Mindestmaß

ZITAT:
…"Wenn ich das richtig verstanden habe, hat NRW ja wohl als einziges Bundesland keine Tagesförderstätten - dafür dürfen alle in die Werkstatt.

Seit September ist unser Sohn im Eingangsverfahren des HPZ. Wir wurden bereits bei der Einstellung gewarnt, dass dieses Jahr zum ersten Mal die Agentur für Arbeit nicht mehr "mitspielen" würde und am Ende des Eingangsverfahrens zu dem Schluß kommen könnte, dass kein Mindestmaß an wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung vorliegen würde. In diesem Fall könnte er aber nicht mehr in der Werkstatt bleiben, da das HPZ nur Menschen mit einer Ausbildung aufnehmen darf. "....

Kompletter Beitrag:
https://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic133230.html

LG
Monika

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Beitragvon sandra8374 » 13.11.2018, 17:58

Hier hieß es: erst Schülerbafög, dann ALG2 und wenn die alle abgesagt haben Grundsicherung.

Ich habe sicherheitshalber und aus Zeitmangel alles gleichzeitig beantragt.

Ansonsten habe ich mich an dieser Liste orientiert: http://www.fasd-deutschland.de/images/Checkliste.pdf
LG Sandra

S+F mit PT(*00 FAS, Microdelitation 16p11.2, ADHS, GB, Z.n.Absencen?, Sehfehler, Lordierung LWS, Skoliose 17,8%, Beckenschiefstand, Hüftkontraktur, Korsettversorgung, mit SBA 90 HBG) u. PS (*01 ADS, GB, Sehfehler, Knick-Senk-Füße, Z.n.Epilepsie, mit SBA 60)

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Beitragvon anner » 13.11.2018, 20:48

Halo,

Alina könnte auch in Begleitung einer Krankenschwester in die WfbM gehen:

https://www.bagwfbm.de/article/552
Benedict 06/99, Osteopathia striata, Z. n. Analatresie,neurogene Blasenentleerungsstörung, tracheotomiert, re. blind., Syndakt. beider Hände, Fibulaapplasie beidseits, Makrocephalie, Gaumenspalt, Skoliose, Kleinwuchs, Epilepsie u. e. mehr
Tochter A. 01/96, in der Grundschulzeit Absencen

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Beitragvon Amy333 » 14.11.2018, 16:35

Hallo Jennifer,

meine ist zwar erst 9 Jahre, aber wir haben hier seit ca. 1 Jahr eine Beratungsstelle - für Klein und Groß. Eine unabhängige Beratungsstelle des Bundes EUTB - Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung.

Schau doch mal unter www.teilhabeberatung.de Dort sind alle Beratungsstellen in Deutschland aufgeführt und vieles mehr.

Liebe Grüße
Peggy
AMY ... Geb. März 2009 ... ICP, Hypotonie, Entwicklungsstörung, schwere Sprachstörung, nach schwerer perinataler Asphyxie

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Mamamarti
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Beitragvon Mamamarti » 14.11.2018, 18:59

Hallo Jennifer,
ich weiß nicht, was für Möglichkeiten ihr habt, aber vielleicht würde es sich lohnen eine andere Werkstatt anzuschauen. Bei uns gibt es 3 Stück und die größte hat halbtags eine Krankenschwester, die die Mitarbeiter mit Diabettes usw. unterstützt.
Vermutlich macht es jede Werkstatt anderes. Ich wünsche euch, das ihr eine Lösung findet.
Uns wollte die Grundsicherungsstelle auch zum Jobcenter schicken. Ich habe den Antrag trotzdem dort abgegeben und die Damen daran erinnert, das sie verpflichtet sind den Antrag weiter zu leiten, falls sie meinen nicht zuständig zu sein. Fall also ihre Meinung nach das Jobcenter zuständig ist, sollen sie es dort weiter leiten. Haben sie nicht :shock: :shock: . Stattdessen haben sie ein Gutachten zu Feststellung der Erwerbsunfähigkeit angefordert und anschließend Grundsicherung gezahlt.
Mache es unbedingt kurz vor dem 18 Geburtstag, solange sie noch Schülerin ist.
LG Marti


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