Wahrnehmungsstörungen bei Adhs trotz /wegen Medikamenten

Hier könnt ihr euch über ADS und ADHS austauschen.

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Sabrin80
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Wahrnehmungsstörungen bei Adhs trotz /wegen Medikamenten

Beitragvon Sabrin80 » 30.12.2018, 16:56

Hallo ihr Lieben.
Wollte mich mal umhören, welcher Adhsler trotz/wegen der Medikamente noch arge Wahrnehmungsstörungen hat? Mein Sohn leidet echt arg, weil er jeden Tag Kämpfe mit seinen Kleidungsstücken ausfechten muss, da alles irgendwie zwickt und unangenehm ist. Zu Hause rennt er oft in Unterhose herum oder seiner Skiunterwäsche.
Er war schon seit Kleinkindalter ein mäkeliger Esser. Trotzdem nimmt gefühlt monatlich die Auswahl an Speisen ab. Mittagessen nimmt er gar nicht mehr zu sich, da alles komisch schmeckt. Nur bestimmtes Brot mit bestimmten Aufstrichen. Kein Fett, kein Fisch, kein Fleisch, kein Obst, kein Gemüse. Er lässt dann lieber das Essen ausfallen, geht hungrig und aggressiv durch den Tag und plündert nachts alles irgendwie Zuckerhaltige im Haus.
Essen ging immer nur kalt, sonst war es ihm zu heiß. Gruppendynamik funktioniert nicht.
Er nimmt es so wahr, als ob alle in seiner Umgebung ihn immer auslachen und über ihn reden.
Kuscheln nur extrem selten und kurz.
Das ist so das Grobe neben den typischen Symptomen.
Dazu kommt panische Angst vor Halloween. Beim kleinsten Bild an der Wand bei Spielfreunden wird ihm schwindelig/übel /Panik/blass.
Er bekommt seit er 2 Jahre alt ist Ergo, also jetzt seit 6 Jahren.

Kennt das jemand so arg und hat Ideen, was wir noch machen können?

Ach so, Autismus wurde bei 3 Tests ausgeschlossen.

Wir testen seit 1 3/4 diverse Adhs Medikamente. MPH, alles durch. Dann Elvanse. Ok aber nicht wirklich super. Jetzt Elvanse 40mg und 2mg Intuniv. Bis vor einigen Tagen noch mit 3mg Intuniv, ging gar nicht. Er war nur aggressiv.

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Bika
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Beitragvon Bika » 30.12.2018, 18:08

Hallo,

“Ach so, Autismus wurde bei 3 Tests ausgeschlossen.“

Von wem, in einer Autismus-Ambulanz, in einer KJP-Praxis oder im SPZ?

Was du schreibst klingt nach einer 100%igen Mischung aus meinen beiden Kindern (ADS und Asperger).

Beim Asperger wurde Autismus mit 7 Jahren von einer Psychologin/Psychotherapeutin eindeutig ausgeschlossen.

3 Jahre später erhielt er die Diagnose in einer darauf spezialisierten KJP.

Heute bin ich sehr froh darüber, Gewissheit zu haben, denn die Symptome können sich auch erst in der Pubertät so richtig zeigen.

Jetzt mit 12 wird er immer “autistischer“.
In jüngeren Jahren war er unauffälliger.

LG

Bika
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Beitragvon Bika » 30.12.2018, 18:17

Bei meinem ADs-Kind (eindeutig ohne Asperger und eindeutig hypersensibel) bewirkt das Methylphenidat durchaus eine Abschwächung von, als unangenehm wahrgenommenen, Reizen.

Allerdings auch nur solange es wirkt.

Danach wird sie unberechenbar. :lol:

Lisaneu
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Beitragvon Lisaneu » 30.12.2018, 18:27

Bei meinem älteren Sohn wurde beides von einem SPZ ausgeschlossen, sowohl ADHS als auch Autismus. Da war er 4 Jahre alt. ADHS wurde mit 7 Jahren noch mal von einer KJP ausgeschlossen, dafür aber Autismus in den Raum gestellt, an einer weitere, speziallisierte KJP überwiesen, und dort Autismus klar diagnostiziert. Mittlerweile wurde auch ADHS von einem KJP eindeutig diagnostiziert. Wobei mMn bei meinem Sohn von Anfang an die Schwierigkeiten durch ADHS massiver waren. Medikation werden wir demnächst beginnen, ich hoffe durch die Medis vor allem auf Besserung der ADHS-spezifischen Schwierigkeiten (Frustratitonsschwelle, Sozialverhalten, Konzentrationsspanne).

Die Aussage "Wir testen seit 1 3/4 Jahren diverse ADHS-Medikamente" klingt jetzt für mich nicht so, als ob sich dadurch so viel positive Veränderung eingestellt hätte.

Wie ist es bei deinem Sohn wenn du die ADHS Medikamente absetzt? Bekommt er sie nur in der Schulzeit bzw. spezifisch bei hohen Anforderungen oder täglich? Grundsätzlich kann man die ADHS-Medikamente ja (nach Absprache mit dem verschreibenden KJP) mal absetzen und dann feststellen, ob ein Zusammenhang besteht, also ob das Verhalten durch die Medis ausgelöst bzw. verstärkt wird.

Wir werden übrigens zu Beginn der Medikation die Tabletten vom KJP "verblinden" lassen, also herrichten für 4 Wochen, wobei teilweise das Medikament, teilweise ein Placebo gegeben wird. Nicht mal wir wissen, wann es wirklich das Medikament ist. In der Zeit schreiben wir dann die Veränderungen mit und daraus können wir dann auf die Wirksamkeit (bzw. Unwirksamkeit oder Nebenwirkungen) schließen. Vielleicht wäre da ja auch für euch eine Option?
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
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Beitragvon toto35 » 30.12.2018, 18:56

Hallo,

denke mal andersrum- vielleicht ist es eine endlich richtige Wahrnehmung, die dein Sohn durch die Medikamente jetzt wahrnehmen kann?
LG

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Sabrin80
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Beitragvon Sabrin80 » 30.12.2018, 19:11

Er wurde am SPZ getestet. Laut KJP dort liegt er im Grenzbereich, also autistische Züge aber nicht drin. Im Januar habe ich bei einem anderen KJP einen Termin.

Die Wahrnehmungsstörungen waren schon immer da. Damit sind wir damals mit 2Jahren in die Frühförderstelle gekommen. Einige Sachen wurden mit SI besser. Die Genannten Sachen blieben und sind verstärkt. Unter MPH ganz übel,deswegen mussten wir das neben einem krassen Rebound auch aufgeben. Unter Elvanse besser, jetzt mit Intuniv gefühlt wieder verstärkt. Deswegen meine Vermutung, dass Medikamente das Problem verstärken.

Wir geben allgemein die Medikamente durch, da wir erstens die Einstellungsphase ja noch nicht verlassen haben und zweitens die Probleme in allen Lebensbereichen stark ausgeprägt sind und er ohne weder schulfähig ist, noch irgendwelchen Regeln folgen kann. Er will sie auch nehmen. Laut seiner Aussage hat er weniger Durcheinander im Kopf.

In der Schule macht er null mit. Interessiert ihn nicht, da keine Themen behandelt werden, die ihn interessieren. Nur Schreibschrift lernen kann ihn begeistern. Dabei ist er eigentlich ziemlich schlau.

Freunde hat er keine in der Klasse mehr, die sind leider weggezogen. Allgemein hat er sehr wenige aber gute Freunde.

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Beitragvon Lisaneu » 30.12.2018, 20:10

Sabrin80 hat geschrieben:Die Wahrnehmungsstörungen waren schon immer da. Damit sind wir damals mit 2Jahren in die Frühförderstelle gekommen. Einige Sachen wurden mit SI besser. Die Genannten Sachen blieben und sind verstärkt. Unter MPH ganz übel,deswegen mussten wir das neben einem krassen Rebound auch aufgeben. Unter Elvanse besser, jetzt mit Intuniv gefühlt wieder verstärkt. Deswegen meine Vermutung, dass Medikamente das Problem verstärken.

Wir geben allgemein die Medikamente durch, da wir erstens die Einstellungsphase ja noch nicht verlassen haben und zweitens die Probleme in allen Lebensbereichen stark ausgeprägt sind und er ohne weder schulfähig ist, noch irgendwelchen Regeln folgen kann. Er will sie auch nehmen. Lait seiner Aussage hat er weniger Durcheinander im Kopf.


Wenn du vermutest, dass Intuniv die Probleme verstärkt, bei Elvanse aber eine Besserung da ist, was spricht dagegen, Intuniv wegzulassen?

Wurde dir erklärt, warum Autismus ausgeschlossen wurde, dein Sohn aber trotzdem "im Grenzbereich" liegt? In wie weit decken sich die Aussagen der Fachleute, wo ihr bisher wart, mit deinen Beobachtungen?

Die Fragen sollen kein Angriff auf dich sein. Ich habe über MEIN Kind schon so viel Quatsch von KJPs gehört, dass ich mich manchmal Frage, wie schwer es wirklich ist, wen fähigen zu finden!

Da hieß es z.B. die sozial- emotionalen Probleme lägen an seinen "starken motorischen Defiziten" (die er nie hatte, er ist motorisch durchschnittlich!). Daher solle er viel Ball spielen, am besten in einem Fußballverein! Tja, nur ist gerade Teamsport sozial-emotional schlichtweg unmöglich für meinen Sohn. Er versteht das Zusammenspiel nicht und es ärgert ihn gewaltig, kein Überflieger zu sein, was zu ständigen Wutanfällen und Weinkrämpfen führt! Wenn Sport, dann solo und ohne Leistungsdruck, also Rad fahren, schwimmen, Ski laufen, klettern,....und das kann er alles auch altersentsprechend!

Das meine ich auch bei dir - du weißt am besten wo dein Sohn Schwierigkeiten hat und kannst beurteilen, ob die Einschätzung der KJP plausibel sind, oder nicht. Wenn die Einschätzung schon voll daneben liegt ist auch unwahrscheinlich dass die Diagnose stimmt. Was dann wiederum die Medikation zu einem reinen Ratespiel macht....

Gibt es eigentlich Therapieziele? Also einen Punkt, wo man die als bestmöglich erkannte Medikation belässt, oder warum wird immer noch was "dazu" probiert?
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Beitragvon RikemitSohn » 30.12.2018, 23:00

Hallo,

mein Sohn hat Adhs und er hat viele von diesen Wahrnehmungsschwierigkeiten. Er trägt bis heute nur weite Kleidung, weil alles ,,drückt". Schuhe sind bis heute eine Kathastrophe, weil wir ewig brauchen bis einer sitzt und nicht ,,drückt". Das gleiche Problem beim Essen. Er isst sehr ausgewählt und bis heute die verschiedenen Lebensmittel einzeln und hintereinander. Früher hat er auch nur kalt gegessen und ich finde es spannend von noch einem Kind mit dieser Vorliebe hier zu lesen. Mittlerweile ist er auch warm.
Besonders die Sache mit dem Essen würde ich entspannt zur Seite legen, sofern er irgendetwas isst, das den Bedarf ganz gut abdeckt. Ich habe es so gehandhabt, denn eine wirkliche Lösung konnte mir nie jemand anbieten und Druck hilft gar nicht. Genauso mit der Kleidung. Wenn er etwas zum Wohlfühlen hat, lass ihn darin herum laufen. Mein Sohn hat zu Hause auch nur Unterhose und T-shirt an-Sommer und Winter. Alles mit der Vorraussetzung, dass es für dein Kind in Ordnung ist. Bei meinem Sohn war und ist das so.
Man kann nicht alles auf einmal lösen und ich empfinde die fehlende Kompetenz in Gruppen und seine Aggresionen deutlich wichtiger. Da würde ich als erstes ansetzen.
Eine Lösung habe ich nicht, nur den Tip nicht alles auf einmal zu ändern. wahrscheinlich würde ein Kinderarzt besonders die Sache mit dem Essen anders sehen, aber der muss sich ja auch nicht 24 Stunden um ein Kind mit so speziellen Problemen kümmern.

LG Rike
Mama mit Sohn 2004 ADHS und HB

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Beitragvon Engrid » 31.12.2018, 10:59

Hallo,

ich unterschreibe bei Rike und Lisa. Und dann hätte ich noch einen Aspekt:
Er bekommt seit er 2 Jahre alt ist Ergo, also jetzt seit 6 Jahren.
Junior hatte auch jahrelang Ergo, ohne dass ich da sichtbare Erfolge bemerkt habe. Dann habe ich die Praxis gewechselt, und es ging plötzlich sehr viel vorwärts, die Ergo hat ganz viel angestoßen ... also mal genau hinschauen, welche Förderziele werden da angepeilt und dann auch erreicht. Eine richtig gute Ergo kann ja von Sensorik, Selbstbewusstsein, Emotionsmanagement, Sozialverhalten, ... bis Handlungsplanung alles auf den Schirm nehmen. Und zwar grundsätzlich unabhängig von der Diagnose.

Im Prinzip würde ich sagen, unsere Ergo (die sehr motivationsorientiert arbeitet) hat dem Junior erst die Augen geöffnet, dass er selber die Dinge ändern kann, dass Üben sich lohnt, dass man auch Dinge lernen/ändern kann, die man für unveränderlich gehalten hatte.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Sabrin80
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Beitragvon Sabrin80 » 31.12.2018, 14:27

Bisher habe ich das immer recht locker mit dem Essen gesehen, da wenigstens etwas Brauchbares dabei war. Nun ist es aber so, dass er oft nur morgens sein Schokomüsli isst und abends dann gar nichts mehr, wenn alles irgendwie komisch ist. Dafür irrt er hier nachts um 2/3/4 Uhr herum und isst Zuckersachen. Dabei brennt im ganzen Haus sämtliches Licht. Oder er steht um 4 Uhr auf und schläft nicht mehr. Das ist für die anderen Kinder und und Erwachsene auf Dauer halt auch belastend, wenn alle nicht mehr schlafen.

Bei den Klamotten bin ich auch entspannt, nur zur Schule muss er halt zeitig los, bzw wir alle und in Unterhose geht's nicht. Genug Zeit hat er ja, ist ja seit 4 Uhr wach. Das bedeutet schon ordentlich schlechte Stimmung und fördert seine Aggressionen.

Er hatte verschiedene Ergotherapeuten. Haben aktuell seit einem Jahr eine Dame, die SI macht und Marburger Konzentrationstraining, nach den Ferien startet Neurofeedback. Sie hat auch einen kleinen Adhs Bruder. Besser geht's eigentlich nicht.

Der KJP sagte, dass es Punktesysteme gibt zur Bewertung von Autismus. Irgendwer hat da halt mal an einer Stelle einen Cut gemacht und gesagt, ab hier gilt die Diagnose, vorher nicht. Wie bei Adhs gibt es ja keine direkten Schubladen, sondern eher einen Strahl von "ganz extrem" über etwas komisch über Norm etc. Da er nur in einigen Bereichen die Punkte erreicht, in anderen Bereichen unauffällig ist, läuft es halt nur unter autistische Züge. Wir haben das auch immer so empfunden. Nicht ganz typisch, etwas sonderbar halt. Bei einem anderen KJP kann er vielleicht die Grenze überschreiten, sagte er. Aber was würde die Diagnose am ändern?

Aktuell liegt unser Hauptaugenmerk auf der Familientherapie und der Medikamentenoptimierung. Und das mit der sehr langen Suche nach dem Medikament frustriert so. Gerade, weil die Wahrnehmungsstörungen ja immer extremer statt besser werden, trotz Therapien. Wir haben auch früh nach Ayres gearbeitet und die Kanäle angesprochen. Ich hatte so die Hoffnung, dass ich ihm irgendwie noch helfen kann.


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