Nachteilsausgleich Regelschule

Hier geht es um Epilepsie und die Behandlung verschiedener Epilepsie-Formen mit Medikamenten.

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Chrissi79
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Nachteilsausgleich Regelschule

Beitrag von Chrissi79 »

:alien:
Hallo zusammen!

Ich war schon ewig nicht mehr hier.

Ich wollte einmal in die Rund fragen, was bei euch für Möglichkeiten des Nachteilausgleiches gibt.

Wir sind hier im bayrischen Regel-Schulsystem und trotz engagierter Menschen, ist es schwierig. Meine Erfahrung zeigt, je genauer man weiß was möglich ist um so weiter kommt man.

Bei uns beschränkt es sich derzeit um den LRS-Ausgleich, der jetzt auf der Kippe steht, weil die Leistung im Test zu gut war (welch Ironie). Was davon dann auf Epi umgemünzt wird, muss sich zeigen.
Eine Schulbegleitung hat sie auch, die da ist, wenn bei einem Anfall etwas passiert.

Liebe Grüße
Chrissi

HeikeLeo
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Re: Nachteilsausgleich Regelschule

Beitrag von HeikeLeo »

Liebe Chrissi,

mir waren im Nachteilsausgleich zwei Dinge wichtig, die auch eingetragen wurden. Leider war die Umsetzung trotzdem diskussionsbedürftig.

Erstens: Mein Sohn braucht Vorhersehbarkeit. Deswegen war mir die Ansage von Klassenarbeitsterminen mindestens 10 Tage voraus wichtig.

Zweitens: Ausflüge sollten nicht mehr spontan stattfinden, sondern angesagt werden.

Im Nachteilsausgleich stand dann drin, dass wir als Eltern entscheiden sollten, ob die Teilnahme am Ausflug möglich ist. Es gab bei uns mindestens 40 Ausflüge in der dritten Klasse. In der vierten Klasse war es noch mehr. Mein Sohn hatte in der vierten Klasse dann etwa 140 Fehltage, Klassenarbeiten schrieb er alle mit. Wir wohnen in Baden-Württemberg. Bei uns gibt es eine Grundschulempfehlung, die aber nicht bindend ist. Mein Sohn bekam nach der vierten Klasse die Gymnasialempfehlung.

Liebe Grüße
Heike

Chrissi79
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Re: Nachteilsausgleich Regelschule

Beitrag von Chrissi79 »

Vorhersehbarkeit wäre traumhaft!
Mein Kind ist auf dem Gymnasium und Exen sind fürs Nervenkostüm der Wahnsinn.

HeikeLeo
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Re: Nachteilsausgleich Regelschule

Beitrag von HeikeLeo »

Liebe Chrissi,
Exen sind fürs Nervenkostüm der Wahnsinn.
Wie macht man das Lehrkräften verständlich?

Liebe Grüße
Heike

8Ilona8
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Re: Nachteilsausgleich Regelschule

Beitrag von 8Ilona8 »

HeikeLeo hat geschrieben:
28.10.2020, 18:24
Liebe Chrissi,
Exen sind fürs Nervenkostüm der Wahnsinn.
Wie macht man das Lehrkräften verständlich?

Liebe Grüße
Heike
Hallo.

Nun, das Problem ist, dass Stegreifaufgaben in Bayern normal sind, und gerade der Zweck in der nicht-Ankündigung von Tests besteht. Bezweckt werden soll damit, dass Schüler eben nicht nur den Stoff lernen welcher in der Schulaufgabe abgefragt wird, und auch nicht erst kurz vorher alles auf einmal nachholen versuchen, sondern kontinuierlich am Ball bleiben.

Gruss

HeikeLeo
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Re: Nachteilsausgleich Regelschule

Beitrag von HeikeLeo »

Hallo,
normal
dann wäre da genau ein Ansatz für Nachteilsausgleiche, nämlich die sogenannte Norm aufweiten, um Chancengleichheit zu verbessern.

Der Nachteilsausgleich ist dann, dass ALLE Prüfungssituationen konkret angesagt werden und nur angesagte Prüfungen benotet werden. Das stößt nicht unbedingt auf Gegenliebe, ist aber durchaus machbar. Bei der Überraschungsprüfung wird ja nicht unbedingt der Lernstand geprüft, sondern eher die Überraschungsresistenz. Für die Lernkontinuität muss man sich dann andere Anreize überlegen, statt Überraschungsprüfungen.

Das wird durchaus eine Herausforderung, weil man ja nicht einen Test für die ganze Klasse nur einem Einzelnen ansagen will, weil der es ja weitergeben könnte. Damit entfällt das Überfallsmoment. Da könnte man echte Inklusion erzwingen. Wird gewissen Widerstand herausfordern.

Das betrifft auch die geprüften Inhalte: Eigentlich sind sich alle einig, dass nur Gelehrtes geprüft werden kann. Ist aber leider oft nicht so. Mit konkreten Ansagen wird die Situation z.B. auch bei LRS verbessert. Eben weil konkrete Lernwörter auch hart erarbeitet werden können. Ist damit immer noch Mehraufwand für die Leute mit Nachteilsausgleich, aber immerhin überhaupt machbar.

Liebe Grüße
Heike

kati543
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Re: Nachteilsausgleich Regelschule

Beitrag von kati543 »

Hallo,
wenn ich es richtig verstanden habe, hat dein Kind LRS und Epilepsie, jedoch nicht Autismus (wo diese absoluten Rituale und Regelmäßigkeit notwendig sind).

Zunächst einmal muss ein Nachteilsausgleich Nachteile ausgleichen, die vorhanden sind. In eurem Fall wäre das dann eben LRS und Epilepsie. Denke ich an meine Schulzeit zurück, fallen mir durchaus einige Dinge ein, die für Epilepsie relevant wären:
- keine Benotung in Sport
- Teilnahme am Sportunterricht nur nach eigenem Ermessen (allerdings Anwesenheitspflicht)
- keine Teilnahme am Schwimmunterricht ohne eigene Aufsichtsperson
- Regelung für den Fall, dass während eines Tests/Klassenarbeit/Prüfung ein Anfall passiert (zählt das als geschrieben?)
- wenn dein Kind Nebenwirkungen durch die Medikamente hat, solltest du diese vom Neuropädiater bestätigen lassen und dann können auch dafür entsprechende Nachteilsausgleiche gewährt werden (z.B. mehr Zeit bei Tremor)
- so richtig passt das vielleicht nicht unter Nachteilsausgleich...aber ich hatte auch ein Jahr lang verkürzten Unterricht...auch das ist bei Epilepsie möglich

LRS zielt nun wieder auf ganz andere Dinge. Mein Sohn hat derzeit als Nachteilsausgleiche im Schulalltag:
- arbeiten im separaten Raum bei Bedarf
- mehr Zeit
- Schreiben am Tablet
- falls es zu schnell geht, darf der Schulbegleiter das Tafelbild auch abfotografieren und ihm aufs Handy schicken
- Aufgaben, die in der Schule nicht geschafft werden, darf er zu Hause erledigen (normal ist das verboten)
...und in Arbeiten:
- Notenschutz in Deutsch
- Rechtschreibung wird in keinem Fach (außer Englisch) bewertet, auch keine Fachwörter
- mehr Zeit
- separater Raum
- Aufgaben werden am Anfang und auf Nachfrage vorgelesen

Das ein Kind auch mal mündlich drankommen kann, ist normal in jeder Schulform und in jedem Bundesland. Und unangekündigte Tests sind ab der 5. Klasse ja nun wirklich die Regel ... ebenfalls in jeder Schulform und in jedem Bundesland. Zumindest kenne ich es nicht anders aus 3 Bundesländern...und keins davon war Bayern. Es hilft ungemein, wenn man vom „Komalernen“ abgeht und sich lieber auf jede Stunde ordentlich vorbereitet...oder einfach in der vorherigen Stunde so gut aufpasst, dass man es sich schon merkt.
Ich sehe keinen behinderungsbedingten Nachteil bei einem Kind mit LRS und Epilepsie gegenüber gesunden Kindern, dass dieses Kind sich nicht auf unangekündigte Tests vorbereiten kann. Anders sieht es aus, wenn das Kind am Vortag einen Grand Mal hatte und deswegen nicht lernen konnte. Nur hier müsste man dann echt überlegen, wie man das irgendwann nachweist. Falls das häufig der Fall ist, wird die Schule das wohl nur mit Attest akzeptieren.

LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

Chrissi79
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Re: Nachteilsausgleich Regelschule

Beitrag von Chrissi79 »

Danke für eure Antworten,

Epilepsie ist nicht Epilepsie.
Selbst hier stolpert man über Pauschaleinschätzung

"... sehe keinen behinderungsbedingten Nachteil bei einem Kind mit LRS und Epilepsie gegenüber gesunden Kindern..."

Das rückt die Realität zurecht und ich werde weiter kämpfen.

LG

Anjali
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Re: Nachteilsausgleich Regelschule

Beitrag von Anjali »

Hallo Chrissi79,

Du hast bei Katis Zitat einen wesentlichen Nebensatz weggelassen.

Heikes und Katis Söhne sind Autisten.
Für Autisten spielt Vorhersehbarkeit (in der Regel) eine außerordentliche Rolle.

Wenn für dein Kind die Vorhersehbarkeit (von Testungen) krankheitsbedingt unabdingbar ist, solltest Du das belegen können. Sonst wird es schwierig mit einem diesbezüglichen Nachteilsausgleich.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (19 Jahre / Asperger-Autist)

der kleine kurt
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Re: Nachteilsausgleich Regelschule

Beitrag von der kleine kurt »

Hallo Chrissi,

die Pauschaleinschätzung legst Du da jetzt durch verkürzte Wiedergabe hinein.

Katrin schreibt doch, dass man begründen muss, inwieweit der Faktor Nicht-Ankündigung epilepsiebedingt ausgeglichen werden muss.

Im Gegensatz zu Autismus liegt der Punkt bei Epilepsie ja nicht gleich plausibel auf der Hand, vor allem für Laien (und bei LRS schon mal gar nicht). Was steckt dahinter, was ist denn Deine Begründung? Das muss dann ja etwas Grundsätzliches sein (und nicht nur situativ wie in Katrins Beispiel).

Viele Grüße

Kurtine

Chrissi79 hat geschrieben:
22.11.2020, 21:50
Danke für eure Antworten,

Epilepsie ist nicht Epilepsie.
Selbst hier stolpert man über Pauschaleinschätzung

"... sehe keinen behinderungsbedingten Nachteil bei einem Kind mit LRS und Epilepsie gegenüber gesunden Kindern..."

Das rückt die Realität zurecht und ich werde weiter kämpfen.

LG

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