Absencen im EEG

Hier geht es um Epilepsie und die Behandlung verschiedener Epilepsie-Formen mit Medikamenten.

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PaulaW
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Absencen im EEG

Beitrag von PaulaW »

Ihr Lieben,
das heutige EEG hat kurze Absencen gezeigt, der Arzt sprach von Petite Mal. Natürlich haben
wir auch kurz ins Netz geschaut aber ich bin da nicht so scharf drauf da ich den Ball flach
halten möchte und mich sonst da reinsteigere.

Mein Mann meint es könnte auch erst der Anfang sein und es würde zu Verschlechterungen
der Hirnleistungen führen und er bräuchte dann ggfs immer einen Helm. (Kann ich mir ehrlich
gesagt nicht vorstellen)
In einigen Wochen wird ein Schlaf EEG angefertigt.

Wie sind Eure Erfahrungen ? Was erwartet uns voraussichtlich ?

Herzlichen Dank und
traurige Grüsse

Paula
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Makbuled
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Re: Absencen im EEG

Beitrag von Makbuled »

Guten Abend Paula ich habe auch Epilepsie bin Medikamentös gut eingestellt , habe ein Epilepsiehelm LG Makbule
Geboren am 22.06.1995 Tetraspastik,Epilepsie,Muskelhypotonie Rumpfbetont,Shuntversorgter Hydrocephalus Asthma Balkenfehlbildung, Neurologische Schluckstörung Speiseröhre Funktionstörung , Rollstuhlfahrerin seit 2008 Shunt-Op 05/2018 V.a Unklare Gendefekt

LovisAnnaLarsMama
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Re: Absencen im EEG

Beitrag von LovisAnnaLarsMama »

Ich empfehle dir die Seite "Anfallskind" dort erhält man einen ganz guten Überblick über verschiedenste Anfallsformen. Die gängige Vorstellung ist meistens Quatsch- lies dich ruhig ein.
Absencen kommen bei Kindern gar nicht so selten vor. Ich finde es gut, wenn ein Arzt das früh erkannt hat und evtl. auch zeitnah anfängt zu behandeln.
Wir haben 9 Monate gebraucht, bis die Erkenntnis kam dass das Kind doch medikamentös behandelt werden sollte und durch die Medikamente wurden einige Sachen abgestellt, sie man auf Anhieb erstmal nicht mit Anfällen in Verbindung bringen würde.

LG LovisAnnaLarsMama
Meine drei kleinen Wunder: Wunderkind (2009), Schneckenkind (2011) und der kleine Bruder (2015): Hemiparese, expressive Sprachenwicklungsstörung, Epilepsie und diverse Baustellen nach Asphyxie/Frühgeburt

mama123
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Re: Absencen im EEG

Beitrag von mama123 »

Hallo,
meine Tochter (20 Jahre alt) hat im Alter von 7 Jahren plötzlich eine Absencen-Epilepsie bekommen. Wir haben die Absencen im Alltag bemerkt und das EEG in der Kinderklinik war dann lehrbuchmäßig. Sie wurde auf Medikamente eingestellt und sehr schnell anfallsfrei. Ein Absetzversuch nach drei Jahren Anfallsfreiheit ist leider gescheitert. Meine Tochter hat Führerschein und Abitur gemacht. Nach dem Abitur wurde noch einmal der Versuch gestartet, die Medikamente auszuschleichen. Es kam zu keiner Absence, aber meine Tochter hatte ab einer gewissen Dosis merkwürdige "Empfindungen" (anders kann ich es nicht beschreiben). Daraufhin wurde in Absprache mit dem Neurologen besprochen, dass sie eine Tablette am Tag nimmt. Das ist wirklich eine mini-Dosis, aber offensichtlich wird diese Mini-Dosis benötigt.
Sie bekommt Petnidan, das sie sehr gut verträgt.
Sie hat, wie gesagt Abitur gemacht, fährt Auto, macht eine Ausbildung und lebt in einer festen Partnerschaft; also lebt ein ganz normales Leben.
Ich will dir ein bisschen Mut machen, dass eine Absencen-Epilepsie, wenn sie gut medikamentös eingestellt ist, keine großen Auswirkungen haben muss. Allerdings ist es wichtig, dass sie behandelt wird, denn wenn auch Absencen im Gegensatz zu Grand mals so harmlos klingen, sind sie das nicht. Deshalb ist es wichtig, dass sie frühzeitig behandelt werden.

Viele Grüße
Dagmar
Dagmar mit Ehemann M., S. (5/94), B. (09/97, Syringomyelie), M.(01/2000, Absencen-Epilepsie)

kati543
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Re: Absencen im EEG

Beitrag von kati543 »

Hallo,
ich habe eine Absence-Epilepsie mit Grand Mal-Anfällen. Gestürzt bin ich bei Absencen NIE, nicht einmal! Eine Absence wird ohnehin als Anfall OHNE motorische Störung definiert. Man bleibt einfach so stehen/sitzen/liegen/... wie man gerade war. Helm ist schon aus dieser Überlegung her nutzlos. Ich hatte zu Bestzeiten 20-30 Absencen, aber nie einen Helm ;). Der Anfall selbst dauert nur wenige Sekunden - oft wird er einfach auch gar nicht als Anfall erkannt von dem Umfeld.

Nun bin ich kein Arzt, aber ich würde mich mal soweit aus dem Fenster wagen, dass einfache Absencen das Gehirn kaum schädigen können. Dafür reicht die Anfallsdauer einfach nicht aus. Es ist eben „nur“ ein kleiner Anfall (Petit mal). Ein Sauerstoffmangel kann durch eine einfache Absence nicht erreicht werden - also gibt es auch keine Schädigung. Aber es gibt ja die Möglichkeit von mehreren Absencen hintereinander...da ist das dann schon anders. Ein Status ist etwas anderes.
Ja, Anfälle (auch Absencen) führen natürlich zur Verschlechterung der Hirnleistung. Jede Absence bewirkt eine radikale Löschung des Kurzzeitgedächtnisses. Ich kann dir ein Beispiel einer meiner Absencen nennen... Ich erinnere mich genau, dass ich nach der Schule in ein Einkaufszentrum gegangen bin. Das nächste, was ich weiß, ist dass ich Tüten in der Hand hatte und mitten im Einkaufszentrum stehe (nicht liege!) und eine Freundin und deren Eltern sich mit mir unterhalten. In dem Moment, weiß ich aber nicht, wer die 3 Personen sind - ich weiß nur, dass ich sie kenne. Ich weiß auch nicht über was sie gerade reden, ich hoffe nur, dass sie noch eine ganze Weile reden und keine Frage stellen, damit ich irgendwie den Anschluss bekomme. Mit viel Glück nennen Sie vielleicht auch Namen und sagen wo sie herkommen und wo sie hinwollen.
Ergo...jede Absence oder jeder andere Anfall mit Gedächtnisverlust, bedeutet einfach eine Lücke mehr in der Erinnerung, die nicht mehr gefüllt werden kann. Man vergißt auch die Zeit vor dem Anfall, also die Zeit, die man noch bewusst erlebt hat.
Aber es gibt Medikamente. Ich bin dank der Medikamente beinahe anfallsfrei - von 20-30 Absencen täglich und 2-3 Grand mal monatlich auf einen Grand mal Status alle 6-8 Jahre. Die Medikamente haben Nebenwirkungen, aber sie erlauben mir zu leben und zu überleben. Man muss sich halt informieren, wie man den Nebenwirkungen entgegensteuern kann (sind ja Dauermedikamente). Ansonsten kann ein gut eingestellter Epileptiker alles schaffen. Ich habe auch Abitur, BWL studiert, auf dem 1. Arbeitsmarkt gearbeitet, den Autoführerschein (darf natürlich immer nur wenige Jahre fahren wegen dem dann drohenden Status und danach ist wieder 2 Jahre Pause).

Mein Sohn hat zwar eine Grand mal Epilepsie, aber ich wollte dir noch etwas aus der Sicht einer Mutter schreiben. Als er damals eingestellt wurde, war ich so froh. Danach war er viel munterer und aktiver. Er lernte besser und sein IQ, der ehemals weit unter 50 lag, sprang „spontan“ auf 68. Auch das kann eine Einstellung einer Epilepsie bewirken. Epilepsiemedikamente haben Nebenwirkungen, gar keine Frage, aber ständige Anfälle (gerade Absencen fallen nicht auf oder Anfälle nachts) sind so anstrengend für das Kind. Es ist einfach nicht zu 100% leistungsfähig.

LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

Bastelia
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Re: Absencen im EEG

Beitrag von Bastelia »

Hallo,

Hat dein Sohn eine Epilepsie- Vorgeschichte oder ist das das erste auffällige EEG generell?
Habt ihr die Absencen beim Kind auch bemerkt oder sind sie "nur" im EEG zu sehen!
Ich kann dir nur kurz von unserer Geschichte berichten: Mein Sohn hat eine Epilepsie- Vorgeschichte (Myoklonien) - vor 2 Jahren haben wir die Medis wegen jahrelanger Anfallsfreiheit abgesetzt. Seitdem hat er zwar
keine Anfälle mehr, allerdings sind seit einigen Monaten Absencen im EEG zu sehen! Wie gesagt, jedoch ausschließlich im EEG und definitiv nicht am Kind selber!
Diskussionsfrage, ob man das EEG behandelt oder das Kind.... Wir haben für uns beschlossen, erst wieder Medikamente zu geben, wenn es zu einem sichtbaren Anfall (auch Absence zählt als Anfall) kommt, auch dezidiert gegen das Drängen unserer Neurologin darauf!

Ein Langzeit EEG wird euch aber definitiv mal mehr Infos liefern (Häufigkeit der Absencen,...), aber wie genau sich die Dinge bei deinem Sohn entwickeln werden kann man nie vorher sagen! Viele Anfallsformen verändern sich wohl oft bzw. gehen in anderen Epilepsieformen über oder auch wieder gar nicht! Es macht auch einen Unterschied ob man bis zu 60 Absencen am Tag hat (natürlich wird man diese Form versuchen medikamentös einzustellen) oder ob sie ausschließlich am EEG zu sehen sind!
Frage ist halt immer, wie es dem Kind selber geht!

Liebe Grüße
Bastelia mit Sohn (geb. Mai 2011) , kombinierte Entwicklungsstörung, myoklonische Epilepsie (erkannt Jänner 2015) und seit 2017: Störung des Knochenstoffwechsels - idiopathische Osteoporose
Tochter (geb. August 2015)

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Alexandra2014
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Re: Absencen im EEG

Beitrag von Alexandra2014 »

Hallo Bastelia,

lt. Leitlinie behandelt man auch ein „nur“ auffälliges EEG, wenn das Kind weitere Auffälligkeiten mitbringt, z.B. eine Entwicklungsverzögerung, Auffälligkeiten in Sprache, Motorik, Konzentration, Kognition.
Ohne Behandlungsversuch kann man nicht sicher ausschließen, dass die epileptische Aktivität nicht auch (mit)verantwortlich ist für die anderen Problematiken.

Wenn man dann merkt, dass sich durch die Antiepileptika rein gar nichts ändert/bessert, kann man sie immer noch wieder absetzen.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, okzipitale Epilepsie mit Ausbreitung nach frontozentral

PaulaW
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Re: Absencen im EEG

Beitrag von PaulaW »

Alexandra2014 hat geschrieben:
02.02.2020, 10:53
Hallo Bastelia,

lt. Leitlinie behandelt man auch ein „nur“ auffälliges EEG, wenn das Kind weitere Auffälligkeiten mitbringt, z.B. eine Entwicklungsverzögerung, Auffälligkeiten in Sprache, Motorik, Konzentration, Kognition.
Ohne Behandlungsversuch kann man nicht sicher ausschließen, dass die epileptische Aktivität nicht auch (mit)verantwortlich ist für die anderen Problematiken.

Wenn man dann merkt, dass sich durch die Antiepileptika rein gar nichts ändert/bessert, kann man sie immer noch wieder absetzen.

Gruß
Alex
Herzlichen Dank Ihr Lieben !
Ihr seid klasse.
Unser Sohn hat jetzt das 1. EEG mit 10 erhalten.
Es wird zeitnah ein Schlaf EEG gemacht.
Ja. Er hat diverse Auffälligkeiten : Entwicklungsverzögerung, Motorik, (u.a. Unruhe), Grobmotorische und feinmotorische Probleme, Koordination, Konzentration, (extremer) Ablenkbarkeit, Sprache ( spricht sehr verwaschen und wird sehr oft nicht verstanden).
Das EEG war gemacht worden wegen motorischer Bewegungen die zeitweise wie Entladungen aussehen.
Ich habe öfter Situationen beobachtet die wie Abwesenheiten wirken, habe es aber auf seine starke Wahrnehmungsproblematik/ Autismus geschoben.
Der Neuropädiater meinte diese teilweise zuckenden Bewegungen stünden nicht im Zusammenhang zu den Absencen.
Es ist schwierig da er aktuell auch gestresst ist.
U.a. wg Schule.
Herzlichen Dank !
Liebe Grüsse
Paula
ps. Auch danke fürs Mutmachen.😀
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Angela77
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Re: Absencen im EEG

Beitrag von Angela77 »

Hallo Pauka,
auch hier war die zusätzliche Epileosiediagnose (leider erst mit sieben) vielmehr Segen als Fluch.
Nicht nur, dass durch die Medikation das Verhalten besser wurde, er konnte sich auch "schlagartig" kognitiv viel besser entwickeln und hat plötzlich binnen weniger Wochen rasch und sinnentnehmend lesen gelernt. Sein Anfallsfokus lag auch im Bereich der auditiven Wahrnehmung. Da war Lesenlernen, zumal ohne Verbalsprache, naehzu unmöglich ...
EEG war auch mit 5 schon auffällig. Leider wurde es nicht behandelt ... Sehr ärgerlich ...
Liebe Grüße und Kopf hoch
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

PaulaW
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Re: Absencen im EEG

Beitrag von PaulaW »

Danke Dir Angie !
Das macht Mut.
Die Lehrer haben uns mal zurückgemeldet dass seine Leistungs- bzw Konzentrationsfähigkeit sehr unterschiedlich sei.
Das ist mir jetzt wieder eingefallen.
Auffällig ist auch seine schnelle Überreizung.
Zuhause klappt es gut mit dem Lernen da null Ablenkung. Aber ich muss dabei sein und ihn immer wieder "zurückholen".
Lesen klappt super dank jahrelanger täglicher Übung aber in Mathe zB sehen wir gar keine Fortschritte.
Das könnte aber eher mit der Raum Lage Bzw Körperschema Problematik oderder Dysraxie zusammenhängen.
Viele Baustellen aber vielleicht doch ein grosses Thema.
Danke und
herzliche Grüsse
Paula
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