Autismus und gestörte Mutter-Kind-Beziehung

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Regina Regenbogen
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Beitragvon Regina Regenbogen » 12.11.2016, 16:12

MarcelundMama hat geschrieben:Und auch im Kindergarten bin ich ab sofort nur noch auf ein "Guten Tag" und "Auf Wiedersehen" beschränkt. Das regelmäßige Entwicklungsstandgespräch werde ich sehr passiv mitmachen...


Keine gute Idee. Du wirst ganz schnell als eine Mutter hingestellt, die kein Interesse daran hat, dass es ihrem Kind gut geht.

Laßt euch doch nicht von Negativberichten so verrückt machen, findet einen adäquaten Mittelweg, zeigt euch kooperativ, aber hört auf zu plaudern und alles persönlich zu nehmen.

Meine besten Verbündeten gegen das Sozialamt waren jahrelang die Erzieherinnen des Kiga und unsere Therapeuten.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

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Engrid
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Beitragvon Engrid » 12.11.2016, 17:02

Hallo,

Laßt euch doch nicht von Negativberichten so verrückt machen, findet einen adäquaten Mittelweg, zeigt euch kooperativ, aber hört auf zu plaudern und alles persönlich zu nehmen.


ich seh das wie Regina. Grundsätzlich gegenüber Fachleuten "dicht" zu machen, ist keine gute Idee, denn so kann kein Pädagoge und kein Therapeut gut arbeiten, ohne konstruktives Miteinander. Außerdem macht das auch einen seltsamen Eindruck auf andere, wenn man so misstrauisch ist.
Mit solcher "Allein gegen alle"-Einstellung ist dem Kind nicht gedient, macht einen schlechten Eindruck, behindert die Therapie u.a, ist fürs Kind als grundlegende Weltsicht auch keine gute Grundlage.

Ich fahre hier gut damit, souverän aufzutreten, quasi als Expertin, ich lade keine Sorgen ab bei Juniors umgebenden Fachleuten, ich erzähle Privates nur noch, wenn es erforderlich ist für die Arbeit mit Junior. Und ich bemühe mich, meine Wertschätzung für gute Arbeit von Fachleuten denen auch rüberzulassen.

Ich möchte aber noch dazusagen, dass ich damit Eure üblen Erfahrungen mit den Ämtern mitnichten kleinreden will. Im Gegenteil, es braucht Solidarität unter den Eltern, und Vernetzung, um solche Missstände aufzudecken und sich zu wehren.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Lija
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Beitragvon Lija » 12.11.2016, 21:36

Finde ich einen sehr guten Rat!
Mutter eines ganz besonderen Kindes

lilli227
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Beitragvon lilli227 » 12.11.2016, 23:13

Hallo,
ich kann Engrid nur zustimmen. Uns hilft denke ich immer, dass wir als Eltern sehr souverän auftreten und auch sehr gut überalles informiert sind. Aber wir sind immer kooperativ und aufmerksam bei Ratschlägen. Viele der Ratschläge sind für uns völlig irrelevant. Manche bringen sogar etwas. Wenn sich jemand mit der Thematik nicht auskennt bin ich sehr nachsichtig und versuche dann gut zu informieren (erklären, verleihe Büher wenn Interesse besteht etc.). Bei Fachleuten habe ich bisher keine inkompetenten Personen angetroffen und hoffe es bleibt so.
Die beschriebenen Situationen sind unglaublich und machen mich sehr traurig.
Ich vermute, dass es für die Leute am Jugendamt usw. auch sehr schwer ist zu Unterscheiden was die Ursache für das Verhalten der Kinder ist. Denn viele der Symtome die mein Sohn zeigt ähneln denen bei Kindern mit häuslicher Gewalt oder anderen familiären Problemen. Ich verstehe mittlerweile, dass andere Leute dachten, bei uns stimmt etwas nicht. Als wir nicht wußten was mit unserem Sohn los ist, haben wir ja auch erst mal bei uns angefangen. Die Selbstzeweifel waren damals sehr groß. Und mein Mann und ich haben uns auch gegenseitig beobachtet und auch Fehler vorgeworfen. Das war schon alles sehr anstrengend, bis wir uns irgendwann gefangen hatten. In der Zeit haben mein Mann und ich uns aber dennoch immer wieder zusammen gefunden und zusammen gehalten. Allerdings kann ich auch verstehen, wenn es dermaßen an die Substanz geht, dass auch die Beziehung der Eltern in Gefahr ist (allerdings meine ich nicht, dass sich nur wegen dem Kind getrennt wird, da liegt dann wohl auch andere Sachen zugrunde). Wenn man dann bei der falschen Person zum falschen Zeitpunkt ist, kann man als Mutter bestimmt sehr labil sein/wirken. Ich meine nur, dass der Eindruck nach draußen wirklich völlig täuschen kann.

Ich denke wichtig ist da wirklich ein klares und sicheres Auftreten. Ich bin das durch meinen Beruf schon gewohnt, auch mein Mann wirkt sehr gut auf andere. Ich denke, dass wir sehr schnell respektiert werden durch unser Auftreten. Wenn jemand das nicht kann oder eben auch alleine ist und keine Unterstützung hat, wird es schwer.
Allerdings gehe ich schon davon aus, dass Psychologen, KJP, Pädagogen, JA und Lehrer etc. am wohl des Kindes interessiert sind. Wenn sie die Situation falsch einschätzen kann das aber wohl fatale Folgen haben.
Ich denke oft an Familien, die nicht die gleichen Möglichkeiten haben.
________________________
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Engrid
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Beitragvon Engrid » 12.11.2016, 23:39

Hallo Lilli,

Allerdings gehe ich schon davon aus, dass Psychologen, KJP, Pädagogen, JA und Lehrer etc. am wohl des Kindes interessiert sind.
Du kannst zwar davon ausgehen, dass diejenigen das oft selber glauben, das muss aber mit der Realität nichts zu tun haben. Und dann gibt es einfsch auch boshafte Leute. Da habe ich auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. Es gibt unter Fachleuten auch schlicht Pfuscher. Und es gibt unter Sachbearbeitern einen erheblichen Anteil, denen das Geldsparen wichtiger ist als das Kindswohl.

Grüße
Engrid
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Beitragvon lilli227 » 12.11.2016, 23:49

Engrid hat geschrieben:Hallo Lilli,

Allerdings gehe ich schon davon aus, dass Psychologen, KJP, Pädagogen, JA und Lehrer etc. am wohl des Kindes interessiert sind.
Du kannst zwar davon ausgehen, dass diejenigen das oft selber glauben, das muss aber mit der Realität nichts zu tun haben. Und dann gibt es einfsch auch boshafte Leute. Da habe ich auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. Es gibt unter Fachleuten auch schlicht Pfuscher. Und es gibt unter Sachbearbeitern einen erheblichen Anteil, denen das Geldsparen wichtiger ist als das Kindswohl.

Grüße


Ja, das glaube ich dir schon! Ich habe boshafte Menschen getroffen, z.B. eine Mutter eines früheren KiGa Kindes und weitläufige Nachbarin. Sie war tatsächlich früher auch mal am JA beschäftigt als Sachbearbeiterin. Ich kann mir vorstellen, dass sie auch mit anderen Eltern furchtbar war. Mit uns war sie es. Ich habe auch schon schlechte Erfahrungen gemacht, nur zum Glück noch nicht mit Fachleuten.
Ich denke es gibt in jeder Berufsschicht, alles zu finden. Da sammeln sich auch in diesem Berufsfeldern nicht nur die "Besten". Also ich weiß schon was du meinst. Vorsicht ist immer angebracht.
LG
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mijo
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Beitragvon mijo » 13.11.2016, 11:13

Hallo noch mal kurz

Ich möchte nur noch erwähnen,das wir im Jugendamt Inzwischen eine wirklich große Hilfe haben!
Das damals hatten wir einem Familienhelfer zu verdanken,der von Anfang an kein Interesse daran hatte uns zu helfen.
Sondern schon im 1,Kennenlern Gespräch sagte manchmal ist es besser wenn die Kinder wo rauskommen.

Ich kann auch unserer damaligen Sachbearbeiterin keinen Vorwurf machen!
Da der Familienhelfer wartete bis nur noch die Notbesetzung im JA wahr.
Unsere Sachbearbeiterin wahr da schon weg und ab dem nächsten Tag im Urlaub.
Sonst währe es anderst gelaufen!
Sie hatte seinen Vorherigen versuch schon Unterbunden.

Denn Fachleuten zur Testung meines mittleren mache ich auch keinen Vorwurf.
Bin jediglich Entäuscht weil ich davon Ausging,das die sich besser auskennen.
Zu mal wir von Anfang an sagten 1zu 1kann er gut.

Er wird seinen Weg zum Glück auch ohne Diagnose gehen können!
Er wahr nur härter als nötig.
Weil viel von seinen Sachen falsch (als Provokation)eingeschätzt wird.

Hinzu kommt das ich als Autistin sicher auf viele anderst wirke.
Als NT Eltern.

VG
Fuer Wunder brauchen wir Augen,die sehen und EIN Herz,DAs versteht ,fuer EIN Wunder zu Danken.

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Beitragvon Chaosmarie » 13.11.2016, 11:33

Nein, bloß nicht in Passivität verfallen und alles abblocken. Wenn die lieben Helferlein bemerken, dass Ihr Euch einigelt, werten sie das schnell als mangelnde Mitwirkungsbereitschaft und Ihr habt schon verloren. Ihr werdet nicht darum herum kommen, einen aktiven Part zu übernehmen, und eine klare Linie zu vertreten. Meine Vorredner haben es schon angesprochen. Ohne Rückendeckung Euch wohlgesonnener Fachleute kommt Ihr nicht weit. Und mischt Euch ein und überall mit: in Elternausschüssen, Selbsthilfegruppen, etc.

lg

Marie
"Scheffin" *2006 gesund und topfit, hochbegabt
"Prinzesschen" *2007 fröhliche und charmante Kannerautistin
"kleiner Bruder" *2011 gesund, quietschfidel, Verdacht auf Hochbegabung.

Was glaubt Ihr, was hier los wäre, wenn noch mehr Leute wüssten, was hier los ist!

Bettina C.
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Beitragvon Bettina C. » 13.11.2016, 20:33

Hallo miteinander,

aus aktuellem Anlass interessiert mich jetzt mal eure Haltung/Verhaltensweise(n) zu dem Thema " wenn die Fachleute genau wissen, was das eigene Kind braucht "
Es sei an der Stelle erwähnt, dass sie das Kind ein Mal für 45 Minuten gesehen hat. Diese Therapeutin meint, mein Sohn sei hochgradig verhaltensauffällig, und er bräuchte dringend Hilfe. NIEMAND sonst ist dieser Meinung. Und die Autismustherapeutin meines Sohnes ist entschieden dagegen, weil mein Sohn ihrer Meinung nach schon am Limit ist. Die besagte Dame ruft täglich an, weil sie mich dazu bringen will, eine zweite Verordnung beim Kinderarzt zu besorgen.Mein Sohn hat gerade erst mit der Physiotherapie begonnen ( noch eine fremde Person). Ich wüsste gern, wie Ihr damit kooperieren würdet.

LG, Bettina
Betty, Asperger - Autistin & B., *2005, HFA F.84.0,Teilleistungsstörung/Koordination, Einschränkung der Visuomotorik, Dysdiadochokinese, stark eingeschränktes Kurzzeitgedächtnis. Und das tollste Kind :-)

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MarcelundMama
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Beitragvon MarcelundMama » 13.11.2016, 21:58

Hallo!

Zum Thema Kooperation mit Kindergarten & Co.: bisher war ich immer sehr daran interessiert Ratschläge von dort anzunehmen du was die Ergo und Logo in unserem Kindergarten betrifft, so bekomme ich sehr viel Input und wichtige Tipps. Der Austausch funktioniert zwischen Eltern und Therapeuten hier sehr gut. Anders sieht es mit der direkten Betreuungsperson von Marcel aus. Sie meint, alles über Autismus ZU "wissen" und unser Kind besser zu kennen. als wir Eltern. Diese "nette" Person hat Marcel z.B. das Selektieren von Essen auf dem Teller beigebracht. Ich wunderte mich eine Zeit lang, dass Marcel sein Essen zu Hause immer mehr selektiert und gewisse Speisen oder Kombinationen plötzlich komplett ablehnt. Durch Zufall kam ich mit der Betreuerin AUF DAS Thema Essen zu sprechen und was kam dabei heraus? SIE (!!!!) selektiert das Essen für Mercel auf seinem Teller, weil Autisten das so tun!!! :roll: :roll: :roll: Äuch Spüche wie: "wir erleben Marcel hier als ein ruhiges und ausgeglichenes Kind. Wenn er sich bei Ihnen zu Hause anders benimmt, dann sollten sie darüber nachdenken, was sie als Elternfalsch machen." usw... :evil: Dass ich hier als Mutter noch nicht "ausgetickt" bin und diese Person etwas "deutlicher" angesprochen habe liegt daran, dass diese Person sehr pissig wird, wenn man mal nett um etwas bittet usw. Da wird einem gleich entgegen geschleudert, dass man sich von Eltern nicht ins Handwerk pfuschen lassen wird... (bei diesem Spruch war ich seinerzeit jedoch doch etwas deutlicher geworden, auch wenn immer noch im freundlichen Ton)
Oder was sagt man einer Ärztin vom städtischen Amt, wenn es um die Beförderung des Kindes in einen Kindergarten geht und die einem erwiedert: "Da machen sie sich keine Gedanken, dass ihr Kind nicht mitfahren will, dann wird der eben fixiert" darauf hin ist miein Mann kurz sehr deutlich geworden, und zwar beim Vorgesetzten dieser Dame. Sie ist für uns nicht mehr zuständig.
Wenn man es also mit solchen Menschen zu tun hat, dann bin ich schon der Meinung, dass man bei diesen Personen Vorsicht walten lassen sollte.

Ich bin sehr am Austausch mit Fachleuten interessiert, aber nur bis zu einem gewissen Grad. Wenn es in Richtung Familie und Privates geht, ist bei mir demnächst Schluss. Man kann ja die Gesprächsrichtung "unauffällig" umlenken...

Gruss!

Jo

Gruss!

Jo
Joanna (49) & Marcel (11.2011) ASS Diagnose Juni 2014 und ADHS im Januar 2018 als "Sahnehäubchen" oben drauf... ;o)


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