Asperger Pubertät Drama

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yael1004
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Asperger Pubertät Drama

Beitrag von yael1004 »

Hallo Ihr Lieben,
Seit ein paar Monaten haben wir jeden Morgen Drama vom Feinsten.
Mein 12 jähriger Sohn sagt, die Schule ist schrecklich, die anderen Kinder sind furchtbar, der Lärm, der Stress, überhaupt das ganze Leben. Er schreit, er weint, er beschimpft uns, er flippt aus. Ihn stört die Fliege an der Wand, das Müsli, die Wohnung, seine Klamotten. Wir, unser Verhalten. ALLES, bringt ihn zur Weißglut oder zum Heulen. Alles, was wir sagen ist falsch oder blöd. Wir bemühen uns wirklich ihn in jeder Hinsicht zu unterstützen und gute Lösungen zu finden. Aber momentan bin ich nur noch ratlos.
Er wird nicht gemobbt, geht in eine kleine Schule, in eine kleine Klasse, die Lehrer sind bemüht. Der Schulpsychologe kümmert sich, er schreibt gute Noten.
Trotzdem, jeden Morgen Tränen und Geschrei.
Wenn er von der Schule heimkommt ist er allerdings meist blendend gelaunt und es lief alles gut.
Wenn es jetzt wirklich der Stress in der Schule wäre, müsste das Drama doch nach der Schule kommen. Aber nein, keine Spur.
Doch am nächsten Morgen geht es von vorne los.
Ich bin so fertig mit den Nerven. Gestern hab ich im Büro angefangen zu weinen..Das war mir super unangenehm.
Ich hab ihn so oft gefragt, was genau ihn den so stresst, das kann er dann nicht sagen. Grundsätzlich alles, würde wohl die Antwort lauten. Er würde am Liebsten alles ändern, aber inwiefern, weiss er auch nicht.
Hat hier irgendjemand einen Rat für mich?
Ratlos und traurige Grüße
Yael
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Alexandra2014
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Re: Asperger Pubertät Drama

Beitrag von Alexandra2014 »

Hallo Yael,

ich kenne dieses Schuldrama leider auch. Bei uns war allerdings weniger Wut im Spiel (deute ich bei euch als Hilflosigkeit deines Sohnes, weil er weiß, dass er zur Schule muss, ohne jeden Ausweg), als wirklich verzweifelte Traurigkeit. Mein Kind hat morgens so bitterlich geweint, dass es mich zerrissen hat.
Das Drama fing nach einem Schulwechsel an. 7 Stunden Schule und fast 3 Stunden Fahrt jeden Tag, waren ihr einfach zu viel. Sie hatte morgens diesen ganzen langen Tag vor Augen und was in der Schule alles auf sie zukommt, so dass sie erst gar nicht mehr los wollte.

Zudem hatte die Schule nicht wirklich viel Ahnung von Autisten (wir waren noch in der Diagnostik zu der Zeit) und hat sehr viel vom Kind verlangt. Bemüht zu sein, reicht da bei sensiblen Kindern nicht.
Nach der Schule war sie dann gut drauf, weil sie froh war, wieder Zuhause zu sein.

Bei uns hat eine Schulzeitverkürzung den Durchbruch gebracht. Statt bis 15:30 Uhr wurde sie nur noch bis 13:00 Uhr beschult. Ich habe sie dann jeden Mittag abgeholt. Von Stunde an ging es ihr besser, kein Weinen mehr, wie ausgewechselt.

Wir haben dann nochmal einen Schulwechsel angestrebt, weil drei Stunden Busfahrt für 4,5 Stunden Schule einfach Quatsch ist und Verschwendung von Lebenszeit.
Die neue Schule ist 10 Minuten von Zuhause entfernt und wir sind direkt mit verkürzten Tagen gestartet. Sie fühlt sich dort inzwischen sehr wohl und ich hole sie nur noch an zwei Tagen 1,5 Stunden früher ab. Teilweise wollte sie sogar selbst an einem der beiden Tagen explizit nicht abgeholt werden. Das ist dann nach der Klassenfahrt im Mai leider wieder eingebrochen.

Hätte der Schulwechsel plus Schulzeitverkürzung keinen Erfolg gehabt, hätten wir in Absprache mit KJP und Neuropädiater ein atypisches Neuroleptikum ausprobiert, in unserem Fall Aripiprazol.
Das entspannt die Kinder, so dass die ganzen Anforderungen in der Schule sich nicht so unschaffbar anfühlen.
Ich hätte es damals längst verordnen lassen, wenn bei uns die Epilepsie nicht wäre. Denn leider senken Neuroleptika bei Epileptikern die Krampfschwelle.

Vielleicht hättet ihr ja auch die Möglichkeit, die Schultage etwas einzukürzen, damit sich die Tage nicht so unendlich lang und unüberwindbar für deinen Sohn anfühlen?

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, Epilepsie (temporo-okzipitale sharp slow wave Komplexe, primär links mit teilweiser Ausbreitung nach rechts)
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JasminsMama
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Re: Asperger Pubertät Drama

Beitrag von JasminsMama »

Hallo,

wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass der lange Schultag das Problem war. Mein Kind wollte keinen Morgen aufstehen. Weinen, Bauchweh, brechen alles dabei.
Sie hat viel gefehlt in der Zeit.

Erst als wir vom Ganztag auf bis 13 Uhr die Schulzeit verkürzt haben, wurde es besser.

Wie lange hat Dein Kind denn Unterricht? Veilleicht wäre eine Verkürzung auch für Euch eine Möglichkeit Druck raus zu nehmen.

LG
Sandra
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Jasmin Marie 05/02 globale Entwicklungsverzögerung, vis. Wahrnehmungsstörung, Lernbehinderung, starke Hyperopie rechts, hochpathologisches EEG (Besserung seit Jan. 12),
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Re: Asperger Pubertät Drama

Beitrag von yael1004 »

Liebe Alexandra,
Liebe Sandra,

Vielen lieben Dank für Eure Antworten.
Da drauf bin ich noch gar nicht gekommen.
Er hat jeden Tag ( ausser Freitag) bis halb fünf Schule und muss danach noch lernen.
Das ist natürlich heftig. Ist aber die einzige Schule weit und breit mit kleinen Klassen.
Es ist ein Gymnasium und der Stoff geht recht flott. Wenn er fehlt, muss er alles nacharbeiten.
Schulzeitverkürzung wird wahrscheinlich schwierig, aber hört sich für mich ziemlich plausibel an.
Ich werde mal das Gespräch mit der Schule suchen.

Vielen Dank für den Denkanstoß!
Yael
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Alexandra2014
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Re: Asperger Pubertät Drama

Beitrag von Alexandra2014 »

Hallo Yael,

halb fünf ist heftig.
Holt die KJP mit ins Boot und lasst von ihr bescheinigen, dass eine komplette Schulverweigerung droht, wenn man das so laufen lässt, denn darauf wird es womöglich hinauslaufen. Damit ist keinem geholfen.

Es gibt doch sicher Schultage, an denen nachmittags nicht so viel läuft, wie Sport oder Kunst, Textil…
Bei uns ist es aktuell so, dass sich die kurzen und die langen Tage abwechseln, also keine zwei langen Tage aufeinander folgen.
Es reicht, dass sie weiß, wenn sie den langen Tag geschafft hat, sie am folgenden Tag früh Zuhause ist. So übersteht sie dann auch den langen Tag ganz gut.

Ich denke, dein Sohn braucht einfach mehr Zeit für sich und seine Strategien zum Runterkommen, die nur Zuhause funktionieren.

Nichts zu Danken! ☺️

Gruß
Alex
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Re: Asperger Pubertät Drama

Beitrag von yael1004 »

Hallo Alex,

Das ist ein guter Tipp! Vielen Dank dafür!
Ich hab heute Vormittag schon drüber nachgedacht, wie ich das der Schule erklären kann.

Aber mit einem Attest von der KJP muss man vermutlich weit aus weniger erklären, dann ist das halt so. Ohne Sport wäre sein Leben ohnehin leichter.

Ich werde mal Kontakt zur KJP aufnehmen!

Nochmal danke!! 😊

Liebe Grüße
Yael
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Re: Asperger Pubertät Drama

Beitrag von HeikeLeo »

Liebe Yael,
Ohne Sport wäre sein Leben ohnehin leichter.
Wir haben inzwischen auf Basis der Autismusdiagnose eine komplette Befreiung vom Schulsport. Auch ohne Danebensitzen am Rand. Ist richtig.

Seit neuestem hat meiner einen banalen Schrittzähler und macht damit Kilometer. So kommt er auch auf Bewegung, aber ohne den Stress des Schulsports. Es gab ja am Anfang Bedenken. Die können wir mittlerweise ausräumen.

Liebe Grüße
Heike
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Re: Asperger Pubertät Drama

Beitrag von yael1004 »

Liebe Heike,

Ich hab da auch schon drüber nachgedacht, habe aber auch ein bisschen Angst vor der Reaktion der Schule.I
Wie lief das bei euch?
Bei uns haben Sie schon beim Versuch einen Nachteilsausgleich für Sport zu bekommen abgeblockt.

Danke und Grüße,
Yael
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Alexandra2014
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Re: Asperger Pubertät Drama

Beitrag von Alexandra2014 »

yael1004 hat geschrieben: 23.06.2022, 21:40 Liebe Heike,

Ich hab da auch schon drüber nachgedacht, habe aber auch ein bisschen Angst vor der Reaktion der Schule.I
Wie lief das bei euch?
Bei uns haben Sie schon beim Versuch einen Nachteilsausgleich für Sport zu bekommen abgeblockt.

Danke und Grüße,
Yael
Ich bin zwar nicht Heike, aber dein Sohn hat das Recht auf Nachteilsausgleiche. Du bist im Grunde nicht auf den guten Willen der Schule angewiesen, wenngleich man natürlich erstmal versuchen sollte, das Ganze „freundlich“ zu lösen.

Dein Sohn leidet und du bist die Einzige, die die Situation für ihn verbessern kann.

Wird die Schule denn diesbezüglich durch irgendeinen Dienst beraten? Sonst würde ich zusehen, dass ich einen Behindertenbeauftragten mit ins Boot hole.

Gruß
Alex
R. *12/2007, Autismus-Spektrum-Störung, Epilepsie (temporo-okzipitale sharp slow wave Komplexe, primär links mit teilweiser Ausbreitung nach rechts)
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HeikeLeo
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Re: Asperger Pubertät Drama

Beitrag von HeikeLeo »

Liebe Yael,
Wie lief das bei euch?
Bei uns haben Sie schon beim Versuch einen Nachteilsausgleich für Sport zu bekommen abgeblockt.
Die Sportbefreiung lief und läuft bei uns auf der Basis von ärztlichen Attesten.

Der Nachteilsausgleich hat bei uns als Basis auch eine umfangreiche fachärztliche Bescheinigung. Per PN kann ich Dir die auch gerne zur Ansicht schicken.

Liebe Grüße
Heike
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