Sertralin - Kind verändert

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Katrinchen*
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Sertralin - Kind verändert

Beitrag von Katrinchen* »

Hallo zusammen,
ich bin gerade an einem Punkt, an dem ich nicht weiter weiß. Bisher haben mich immer mein Bauchgefühl und mein Instinkt geleitet, aber jetzt bin ich einfach nur noch hilflos.

Vor ein paar Wochen habe ich hier erzählt, das mein Sohn auf Sertralin eingestellt wird. Er ist 8 Jahre alt, Asperger Autist und hat vor ca. vier Monaten ein Zwangsverhalten entwickelt.
Wir sind nun in der 6. Woche der medikamentöse Behandlung, bisher gibt es keine Linderung. Verändert hat sich aber mein Kind. Er ist blass, hat Kopf- und Bauchschmerzen, kaum Appetit, schläft schlecht und ist unruhig. Ich kann es nicht erklären, aber wenn ich ihn mir anschaue, gefällt mir nicht was ich sehe.

Ich weiß nicht weiter und fühle mich allein gelassen, werde von einen zum andern geschickt und versuche irgendwo anzukommen. Es ist von einer stationären Aufnahme die Rede, die Warteliste reicht bis November.

Habt ihr einen Rat? Wieviel Zeit darf man einem Körper geben oder zumuten? Ich habe den Eindruck das ihm das Medikament nicht gut tut. Aber irgendwas muss passieren, ich bin emotional so müde und kaputt und weiß nicht welchen Weg wir gehen sollen.

Danke fürs lesen und zuhören.


Liebe Grüße
Katrinchen
Katrin mit P. Asperger Autist geb. 2011

Lisaneu
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Re: Sertralin - Kind verändert

Beitrag von Lisaneu »

Hallo Katrinchen!

Ich kenne das Medikament Sertralin nicht, habe aber bei meinem ADHS-Asperger-Kind ähnliche Erfahrungen mit Ritalin LA gemacht. Nur war das so krass, dass wir nach Rücksprache mit unserem KJP schon nach 2 Tagen abgesetzt haben. Die Symptome waren ähnlich wie bei deinem (damals 9jährigen) Sohn: extreme Appetiglosigkeit (hat 10 Stunden NICHTS gegessen), Lustlosigkeit, er hat berichtet, immer ans sterben denken zu müssen, sehr unruhiger Schlaf,...

Wer betreut euch in Sachen Medikamente? Ein KJP oder Neurologe? Was sagt diese Person zu den Symptomen?

Unser KJP hat sofort zum absetzen geraten als ich die Nebenwirkungen geschlildert habe. Wir hätten dann die Möglichkeit gehabt, noch andere Medis (mit anderen Wirkstoffen) auszuprobieren, haben uns damals aber für Neurofeedback entschieden, was dann doch klar eine Besserung gebracht hat. War aber leider privat zu finanzieren...

Das war halt unser Weg - welchen ihr gehen könnt weiß ich leider nicht. Aber ich finde schlimm, dass du da schon 6 Wochen zuschauen musst, wie es deinem Sohn schlecht geht. Selbst bei Medikamenten, die im Blut einen Spiegel bilden, müsste man nach 6 Wochen schon abschätzen können ob das Medikament mehr hilft oder mehr schadet. Daher würde ich möglichst rasch ein Gespräch bei der Person, die das Rezept ausgestellt hat, suchen, und nach alternativen Möglichkeiten fragen.

Alles Gute!
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
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Katrinchen*
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Re: Sertralin - Kind verändert

Beitrag von Katrinchen* »

Hallo Lisa,
ich bin ständig im Gespräch mit der Ärztin, fühle mich aber nicht sehr gut aufgehoben, kann aber nicht genau sagen weshalb. Die Nebenwirkungen können wohl in den ersten drei Wochen auftreten, wir sind aber schon in Woche sechs. Sertralin ist ein Medikament gegen Depressionen, Angstzuständen und Zwangverhalten. Das besucht seine seine, weiß ich, aber ich weiß nicht, ob ich das noch länger verantworten kann.

Unsere Autismustherapeutin sagt, wir sollen dem Ganzen noch zwei Wochen geben, dann haben wir wiede einen Termin in der Klinik. Ich möchte nicht ungeduldig sein, aber auch nicht meinem Kind schaden.

Zusätzlich he6ht mein Sohn noch zur Reittherapie und Kinderyoga beginnt nächste Woche. Ihm tut das sehr gut, muss aber auch privat bezahlt werden. Dafür geht das Pflegegeld drauf, aber das soll auch für ihn genutzt werden.
Katrin mit P. Asperger Autist geb. 2011

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Regina Regenbogen
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Re: Sertralin - Kind verändert

Beitrag von Regina Regenbogen »

Katrinchen* hat geschrieben:
17.06.2020, 13:32
Vor ein paar Wochen habe ich hier erzählt, das mein Sohn auf Sertralin eingestellt wird. Er ist 8 Jahre alt, Asperger Autist und hat vor ca. vier Monaten ein Zwangsverhalten entwickelt.
Was sagt denn der Beipackzettel zur Verabreichung an Kinder im Alter von nur 8 Jahren?

Alle Informationen, die ich darüber finde, sagen nur aus, dass Sertralin für Kinder eher ungeeignet ist. Ist sich eure Ärztin ganz sicher, dass dein Sohn nicht (auch) eine versteckte Depression hat? Dann wäre Sertralin erst recht falsch.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

Lisaneu
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Re: Sertralin - Kind verändert

Beitrag von Lisaneu »

Und was ist, wenn du der Ärztin bzw. der Autismustherapeutin klipp und klar sagst, dass du das Medikament absetzen willst, weil du nicht verantworten kannst, dass es deinem Sohn so schlecht damit geht? Du willst nur wissen, ob du das von jetzt auf gleich machen kannst oder ob es ausgeschliffen werden muss (langsame Reduktion der Dosis). Denn dass es NICHT für eine dauerhafte Medikation geeignet ist, weil es keine positive Wirkung, sondern nur negative Nebenwirkungen hat, sollte ja eigentlich jetzt schon klar sein. Auch, wenn dein Sohn keinen dauerhaften Schaden davon bekommt, wenn er es jetzt noch die 2 Wochen bis zum Kliniktermin nimmt, würde ich an deiner Stelle schon jetzt absetzen. Denn jedes Medikament, welches nicht die erwünschte Wirkung zeigt, ist eine Belastung für den Körper, und das muss nicht sein!

Ich hätte mir nicht vorstellen können, meinem Sohn damals das Ritalin LA nur einen einzigen Tag länger zu geben, nachdem ich gesehen habe, was es aus ihm macht. Auch die Lehrerinnen und Hortbetreuerinnen haben rückgemeldet, dass er unter dem Medikament "wie ein Zombie" war. Auch, wenn die Nebenwirkungen bei deinem Sohn nicht so krass sind würde ich klarstellen, dass ich dieses Experiment als Mutter nicht mehr mitzutragen bereit bin.
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Anna-Nina
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Re: Sertralin - Kind verändert

Beitrag von Anna-Nina »

Hallo,
zum Absetzen des Sertralin unbedingt den Arzt befragen. Dieses Medikament muss man extrem langsam ausschleichen sonst kommt es zum Absetzsyndrom:

https://de.wikipedia.org/wiki/SSRI-Absetzsyndrom

Ich würde unbedingt einen Arzt konsultieren. Denke schon, dass ihr es absetzen müsst - aber wie ihr ausschleicht sollte doch der Arzt entscheiden. Vorallem in diesem speziellen Fall.

Lisaneu
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Re: Sertralin - Kind verändert

Beitrag von Lisaneu »

Anna-Nina hat geschrieben:
17.06.2020, 16:53
Hallo,
zum Absetzen des Sertralin unbedingt den Arzt befragen. Dieses Medikament muss man extrem langsam ausschleichen sonst kommt es zum Absetzsyndrom:

https://de.wikipedia.org/wiki/SSRI-Absetzsyndrom

Ich würde unbedingt einen Arzt konsultieren. Denke schon, dass ihr es absetzen müsst - aber wie ihr ausschleicht sollte doch der Arzt entscheiden. Vorallem in diesem speziellen Fall.
Ja, dasselbe habe ich auch geschrieben. Es geht aber erst mal darum, der Ärztin bzw. der Autismusterapeutin klar zu machen, dass man das Sertralin schnellstmöglich absetzen will. Die Anleitung, wie das genau zu geschehen hat, muss ohnehin von den Profis kommen. Aber jetzt noch 2 Wochen normal dosiert weiter geben, nur weil man erst dann den Kliniktermin hat, finde ich in dem Fall (wo man ohnehin schon gemerkt hat, dass die Nebenwirkungen stärker sind als die Wirkung!) einfach unfair dem Kind und auch der Mutter gegenüber.
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Sandra F
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Re: Sertralin - Kind verändert

Beitrag von Sandra F »

Hallo,

unser Sohn hat Sertralin mit 12 Jahren genommen. Nebenwirkungen, am heftigsten u.a. seine sehr gesteigerte Aggression.

Es muss zwingend ausgeschlichen werden.
Erwarte von einem Arzt/Ärztin nicht unbedingt, dass sie das Ausschleichen von sich aus nennt, oder gar, dass es nötig ist.

Wir sind Erwachsen und den Ärzten nicht hörig.

Lg
Sandra
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Katrinchen*
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Re: Sertralin - Kind verändert

Beitrag von Katrinchen* »

Regina Regenbogen hat geschrieben:
17.06.2020, 15:36
Katrinchen* hat geschrieben:
17.06.2020, 13:32
Vor ein paar Wochen habe ich hier erzählt, das mein Sohn auf Sertralin eingestellt wird. Er ist 8 Jahre alt, Asperger Autist und hat vor ca. vier Monaten ein Zwangsverhalten entwickelt.
Was sagt denn der Beipackzettel zur Verabreichung an Kinder im Alter von nur 8 Jahren?

Alle Informationen, die ich darüber finde, sagen nur aus, dass Sertralin für Kinder eher ungeeignet ist. Ist sich eure Ärztin ganz sicher, dass dein Sohn nicht (auch) eine versteckte Depression hat? Dann wäre Sertralin erst recht falsch.

Sertralin wird auch bei Depressionen eingesetzt! Das hat man mir auch gesagt, da es stimmungsaufhellend sei.
Katrin mit P. Asperger Autist geb. 2011

Katrinchen*
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Re: Sertralin - Kind verändert

Beitrag von Katrinchen* »

Lisaneu hat geschrieben:
17.06.2020, 15:42
Und was ist, wenn du der Ärztin bzw. der Autismustherapeutin klipp und klar sagst, dass du das Medikament absetzen willst, weil du nicht verantworten kannst, dass es deinem Sohn so schlecht damit geht? Du willst nur wissen, ob du das von jetzt auf gleich machen kannst oder ob es ausgeschliffen werden muss (langsame Reduktion der Dosis). Denn dass es NICHT für eine dauerhafte Medikation geeignet ist, weil es keine positive Wirkung, sondern nur negative Nebenwirkungen hat, sollte ja eigentlich jetzt schon klar sein. Auch, wenn dein Sohn keinen dauerhaften Schaden davon bekommt, wenn er es jetzt noch die 2 Wochen bis zum Kliniktermin nimmt, würde ich an deiner Stelle schon jetzt absetzen. Denn jedes Medikament, welches nicht die erwünschte Wirkung zeigt, ist eine Belastung für den Körper, und das muss nicht sein!

Ich hätte mir nicht vorstellen können, meinem Sohn damals das Ritalin LA nur einen einzigen Tag länger zu geben, nachdem ich gesehen habe, was es aus ihm macht. Auch die Lehrerinnen und Hortbetreuerinnen haben rückgemeldet, dass er unter dem Medikament "wie ein Zombie" war. Auch, wenn die Nebenwirkungen bei deinem Sohn nicht so krass sind würde ich klarstellen, dass ich dieses Experiment als Mutter nicht mehr mitzutragen bereit bin.

Ich bin keine Mutter die Eyperim5ente macht oder sein Kind leiden möchte. Wie schon gesagt, ich habe immer auf mein Bauchgefühl gehört, nur diesmal sagt es nichts. Ich bin zwiegespalten ob ich zu ungeduldig bin. Weisst du wie ich meine?
Katrin mit P. Asperger Autist geb. 2011

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