Grenzen setzen und akzeptieren

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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LunaBluna
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Grenzen setzen und akzeptieren

Beitrag von LunaBluna »

Hallo,
wie ist das bei euch? Wie gut akzeptieren eure autistischen Kinder Grenzen und Regeln?
Wie kann man das Akzeptieren derer verbessern?
Wie kann man daran arbeiten?
Danke euch für Tipps.

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo,

das kann man bei uns nicht pauschal sagen. Und wahrscheinlich nicht nur bei uns.
Allgemein könnte ich höchstens sagen, dass es wichtig ist, die Regeln auch vorzuleben, und das Juniors Regelwidrigkeiten häufig damit zu tun haben, dass es irgendwo ein schlechtes Vorbild gab (also unglücklich „gemodelt“).
Und dass Regeln klar und durchdacht formuliert und auch oft genug wiederholt werden müssen. Manche seeeehr oft.
Beim Erklären helfen oft Visualisierungen und einschlägige Vermittlungstechniken: Kleine Erklärvideos, Alternativenpläne, Social Stories, Nachspielen mit Playmobil, usw ... Alles natürlich maßgeschneidert.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

MelSch
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Re: Grenzen setzen und akzeptieren

Beitrag von MelSch »

Hallo!

Mein Sohn akzeptiert Regeln noch am besten, wenn sie für ihn logisch sind.

Aber auch hier redet man sich oft den Mund fusslig. Bestimmte Regeln funktionieren mittlerweile (Hände waschen nach dem ausziehen, nicht mit Schuhen ins Haus, essen nur in der Küche), andere dafür überhaupt nicht. Mit zunehmendem Alter wird es grad etwas besser.

Liebe Grüße,
MelSch

Karina H BS
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Re: Grenzen setzen und akzeptieren

Beitrag von Karina H BS »

Regeln müssen strikt von allen eingehalten werden. Und da fängt es jeden Tag doch schon an mit den Ausnahmen mit dem der Junior dann nicht mehr klar kommt.

Händewaschen und Hygiene überhaupt sind immer noch ein großes Problem. Und irgendwann hat man als Mama auch einfach keine Lust und Zeit mehr ständig neben dem Kind zu stehen und zu predigen...

Hab hier so eine Erinnerung an der Wand
Niemals auf der Sozio emotionalen Ebene
Klar, sachbezogen und kurz

Nicht auf Diskussionen einlassen, das ist die schwerste Regel- denn der Junior setzt immer noch einen drauf, schweift ab, sucht Beispiele

Früher war meine Antwort bei dem Kurzen: Weil ich der General bin und Du bist der Soldat. Hat tatsächlich so einige Diskussionen im Keim erstickt.
Schwer finde ich gerade den Grad zwischen pubertär und AT. Ich bin gerade etwas genervt, weil es in seinem Zimmer täglich wieder aussieht wie nach einem Angriff. Ordnung kennt er gar nicht, es wird alles einfach fallen gelassen inklusive der schmutzigen Unterhosen...Und jetzt bin ich im Zwiespalt- Was haben unsere Eltern geschimpft als wir in dem Alter waren und wir haben nicht aufgeräumt... Soll ich jetzt selber aufräumen, täglich, oder soll ich schimpfen und sanktionieren wenn er es nicht selbst oder unter meiner Anleitung erledigt?

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Regina Regenbogen
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Re: Grenzen setzen und akzeptieren

Beitrag von Regina Regenbogen »

Karina H BS hat geschrieben:
27.03.2020, 11:01
Was haben unsere Eltern geschimpft als wir in dem Alter waren und wir haben nicht aufgeräumt... Soll ich jetzt selber aufräumen, täglich, oder soll ich schimpfen und sanktionieren wenn er es nicht selbst oder unter meiner Anleitung erledigt?
Man kann als Mutter lernen, das Chaos eine gewisse Zeit zu ignorieren (sofern es nur das Kinderzimmer betrifft) und in kurzen Abständen unter kurzer Fristsetzung auffordern, aufzuräumen, so ungefähr 3x. UNd die Konsequenz nicht vergessen zu erwähnen (z. B. das danach die schmutzige Wäsche für die nächsten x Tage nicht mehr gewaschen wird, weil dann die Wäsche gemacht ist. Und die Gelassenheit, die Aufregung des Kindes zu ertragen, wenn keine saubere Unterhose mehr im Schrank ist, kann man auch lernen (Vorschlag: "Wasch dir eben eine mit der Hand aus"). Das passiert in der Regel maximal 2 Mal, danach ist die Konsequenz verinnerlicht - egal ob Autist oder "nur" Pubertier.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

Anjali
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Re: Grenzen setzen und akzeptieren

Beitrag von Anjali »

Hallo

@ Karina H BS
...bezüglich liegen/fallengelassener Schmutzwäsche hat sich bei uns das Modell bewährt, dass nur noch gewaschen wird, was im Wäschekorb vorgefunden wird. Das funktioniert natürlich nur bei hygienebewussten Teeangern.

Was Unordnung im Zimmer angeht, so bin ich selbst da nicht so empfindlich. Jeder darf bei uns in seinem Zimmer das Chaos veranstalten, in dem er sich wohlfühlt. (Solange er keine Dinge hortet oder anstellt, die Ungeziefer anziehen könnten. Und natürlich wird ab und zu mal gestaubsaugt.)
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

Anjali
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Re: Grenzen setzen und akzeptieren

Beitrag von Anjali »

...zur Ausgangsfrage:

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass natürliche Konsequenten (wo immer sie sinnvoll und durchsetzbar sind), die Akzeptanz und Einhaltung mancher Regeln deutlich unterstützen, weil sie u.a. deren Sinn/Zweck begreiflicher machen können.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

JJenny
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Re: Grenzen setzen und akzeptieren

Beitrag von JJenny »

Hallo

Regeln werden ausführlich besprochen. Warum und weswegen...
Nicht immer ganz einfach! Aber solange sich alle daran halten, umso besser kann sich auch mein Sohn daran halten.

Ausnahmen sind ein Problem! Die machen Regeln schnell zunichte und man fängt von vorne an.
Jede Regel braucht ihre Zeit, bis sie voll akzeptiert wird und damit immer eingehalten.
Es bleibt eine Mühselige Arbeit, aber es lohnt sich.

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