Seit heute die offizielle Diagnose - offene Fragen

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Nise89
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Re: Seit heute die offizielle Diagnose - offene Fragen

Beitrag von Nise89 »

Puuhhh so viele Kommentare. Ich werd jetzt mal kurz zusammen fassen wies bei uns aussieht Moment. Hab bei den vielen Kommentaren ein bisschen den Kontext verloren und den Fokus 😖

Also zu unserer aktuellen Situation. Wir wohnen in Österreich Vorarlberg, einfach glaub der ungünstigste Ort für ein Kind mit Autismus im Bezug auf Förderung. Kein Autismuszentrum, nur eine einzige Anlaufstelle für Frühförderung und Ergo (bzw. für Ergo 2) soweit mal meine Recherchen. Logopädie gibt's ein paar mehr.

Für die Logopädie stehen wir derzeit auf der Warteliste. Ca. 5 Monate sollte das dauern. Rede aber da mit dem Kinderarzt ob wir eine Überweisung bekommen und ich schneller Privat wo unter komme und dann eben einen Teil selber bezahle.
Logopädie brauchen wir für die Grammatik bzw. die Satzstellung. Da er kaum eigene Sätze formuliert sonder unsere Fragen als Satzbausteine verwendet. Außenstehenden würde das nicht so auffallen. Wenn man's weiß ist es aber extrem. Wortschatz und Aussprache sind gut. Kontextprobleme hat er nicht so extrem. Wenn dann nur auf Fragen die die aktuelle Situation nicht Betreffen. Allerdings antwortet er oft im richtigen Kontext und manchmal kommen dann noch Sachen hinterher die nix mehr mit der Frage zu tun haben 😅
Kommunikation ist hauptsächlich mit anderen Kindern ein Problem. Mit denen redet bzw. Antwortet er gar nicht. Da ist er total überfordert wenn ein Kind ihn anredet und geht weg. Miteinander spielen ohne Kommunikation funktioniert aber manchmal. Bei Kindern die er kennt immer öfter. Habe das Gefühle wenn ein Kind ihn was fragt blockiert es in seinem Kopf total und er kann in dem Moment gar nicht antworten oder versteht dann auch die Anfrage nicht bzw. Kann sich nicht drauf konzentrieren. Bei Erwachsene hat er das nicht so. Aber die Kommunikation ist definitiv typisch einseitig. wir Fragen, er antwortet. Oder kommentiert. Er erzählt sehr viel von euch aus. Dass er von sich aus Fragen stellt oder sich an einem Gespräch beteiligt haben wir noch nicht bzw. kaum.

Heute hab ich auf Bitten und Argumentieren einen Platz auf der Warteliste für die Frühförderung bekommen. Wartezeit natürlich unendlich lange da es die einzige Anlaufstelle ist. Aber immerhin mal drauf. Diese würden wohl auch bei der Eingliederung in die Spielgruppe helfen wenn dann Bedarf besteht.

So jetzt fühl ich mich wenigstens schon mal ein kleines Stück weiter. Mir hilft es einfach wenn ich das Gefühl hab es tut sich was bzw. Ich hab was getan. Ob sinnvoll oder nicht wird sich sehen.

Danke für eure vielen Schilderungen und Erklärungen 😍
Großer Schatz, Dez. 16, quirliger Sonnenschein, Diagnose ASS (vermutlich Asperger, aber noch nicht konkret festgelegt)
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melly210
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Re: Seit heute die offizielle Diagnose - offene Fragen

Beitrag von melly210 »

Super, da habt ihr ja schon mal was geschafft :-) Daß ihr therapiemäßig in einer sehr schwierigen Region lebt glaube ich gleich. Ist in Österreich am Land leider oft so. Und es wird da meiner Erfahrung nach auch recht lax therapiert, also eher selten Therapien empfohlen.

Meine Nichte hat eine recht eindeutige Sprachentwicklungsverzögerung. Mit drei hat sie nur eine Handvoll Worte gesprochen. Jetzt ist sie 6, und spricht immer noch sehr undeutlich, öfters auch nicht in ganzen Sätzen. Ich verstehe sie öfters nicht. Ich habe meine Schwägerin gedrängt eine logopädische Abklärung machen zu lassen. Hat sie auch gemacht, und da wurde kein Therapiebedarf gesehen, mit dem Kommentar "wird sie schon von selber aufholen, grundsätzlich spricht sie ja" :shock: Die wohnen in Südtirol (ok, nicht Ö, aber fast :P ). Sowas wäre in Wien undenkbar, da würde ein dreijähriges Kind daß nicht wenigstens Vierwortsätze spricht auf jeden Fall therapiert.

Was ich damit sagen will: wenn du den Eindruck hast er braucht auf einem Gebiet Hilfe, dann besorg ihm die. Sei lästig, besteh drauf, auch wenn ev abgewiegelt wird. Logo hast du ja ohnehin schon gesagt daß er bekommt, und Frühförderung auch. Ergo bräuchte er falls er mit der Motorik Probleme hätte, mit der Handlungsplanung, im Spielverhalten oder wenn er Wahrnehmungsstörungen hätte. Dh, falls er sehr über-oder unterempfindlich wäre, sein Gleichgewicht schlecht wäre oder so. Wenn das alles bei ihm nicht zutrifft, dann braucht er auch keine Ergo :)

Sonst gibt es wenigstens bei uns in Wien schon therapeutisch betreute Kindergruppen wo Kinder zwischen 1 und 4 mit ASS und anderen Baustellen unter Anleitung lernen können mit anderen. Manchmal wird das im Rahmen von therapeutischem reiten gemacht, so daß die Kinder in der Gruppe am und mit dem Pferd arbeiten und dabei eben miteinander umgehen lernen. Wenn er hauptsächlich mit anderen Kindern Probleme hat wäre vielleicht sowas was für ihn ?

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Engrid
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Re: Seit heute die offizielle Diagnose - offene Fragen

Beitrag von Engrid »

Liebe Melly,
dann braucht er auch keine Ergo :)
gerade in Anbetracht dessen, dass Du selber noch nicht mal ein autistisches Kind hast, finde ich solche „Ansagen“ ziemlich ungünstig.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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melly210
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Re: Seit heute die offizielle Diagnose - offene Fragen

Beitrag von melly210 »

Engrid hat geschrieben:
17.02.2020, 16:20
Liebe Melly,
dann braucht er auch keine Ergo :)
gerade in Anbetracht dessen, dass Du selber noch nicht mal ein autistisches Kind hast, finde ich solche „Ansagen“ ziemlich ungünstig.

Grüße
Ich hab ein Kind mit ausgeprägten Wahrnehmungsstörungen, wie du weißt, und die Symptome überlappen sich innerhalb der Gruppe der Wahrnehmungsstörungen, zu denen auch Autismus gehört.
Ja, viele Autisten haben Probleme in den Ergo-Aufgabengebieten, aber nicht alle. Wenn ihr Kind in den Ergo-Gebieten von ihrer Warte und offenbar auch von der der Diagnostikerin aus aktuell keine gröberen Probleme hat, und dafür eher die Kommunikationsprobleme mit anderen Kindern im Vordergrund stehen, dann ist es doch nicht verkehrt erstmal da anzusetzen...

Michaela44
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Re: Seit heute die offizielle Diagnose - offene Fragen

Beitrag von Michaela44 »

Hallo Nise89,

ich frage mich, ob es sich bei den Kommunikationsproblemen tatsächlich um logopädische Probleme handelt oder ob sie aus der autistischen Denkweise hervorgehen. Bei letzterem wüsste ich nicht, wie ein Logopäde helfen könnte (außer er/sie wäre so talentiert wie die Ergo von Engrids Sohn (das meine ich ernst)).

Du schreibst, dass dein Sohn Erwachsenen antwortet, aber nicht Kindern. Es ist oft so, dass Autisten besser mit Erwachsenen reden können. Kinder sind in ihrer Sprache nicht so strukturiert. Was sagen denn die Kinder zu ihm? Und in welcher Situation? Im wühligen Kindergarten?

Weiterhin schreibst du, dass du den Eindruck hat, dass er blockiert und schlichtweg nicht antworten kann. Ja, das gibt es bei Autisten! Ich kenne es auch von mir. Ich bin gebildet, berufstätig, usw. und trotzdem bin auch ich in einzelnen Situationen blockiert und kann nicht/kaum reden. Zum Beispiel wenn
- ich irritiert bin und mir das Gesagte unlogisch erscheint (ich nehme Sprache wortwörtlich, NTs nicht, sie reden "zwischen den Zeilen" - das ist schwierig für mich)
- das Gesagte ein Gefühl in mir auslöst, dass ich oft weder einordnen noch händeln kann
- die Gesamtsituation für mich zu laut, chaotisch, unübersichtlich etc ist

Außerdem nutzen Autisten Sprache überwiegend zum Informationsaustausch und nicht zur "Beziehungsgestaltung" oder ähnliches. Letzteres kann auch verwirren.

Vielleicht passt das auch auf deinen Sohn.

Viele Grüße
Michaela
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie

Anjali
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Re: Seit heute die offizielle Diagnose - offene Fragen

Beitrag von Anjali »

Guten Morgen,

ich möchte mich Michaelas Gedanken dazu anschließen.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (18 Jahre / Asperger-Autist)

Silvia & Iris
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Re: Seit heute die offizielle Diagnose - offene Fragen

Beitrag von Silvia & Iris »

Hallo Nise,

ja, es ist schwerer einiges zu erhalten und gerade dafür ist das Forum ganz gut geeignet um den Hinweis zu erhalten WOHIN man sich wenden könnte...
Wegen logopädischem Aspekt: hier kann man auch bei einer Pädaudiologien Hilfe holen um zu klären, ob es sich tatsächlich um einen Fehler der eine logopädische Relevanz hat handelt, oder doch ein anderer Hintergrund vorhanden ist.
UK und anderes können hier auch helfen! https://www.zentrum-mils.tsn.at/content ... diagnostik auch hier kannst du sicherlich Infos diesbezüglich erhalten und Kontaktstellen!
Dyspraxie ist auch ein Thema, welches AVWS-Kinder ebenfalls betrifft, genauso wie Autisten - auch aus diesem Grund denke ich, dass eine Kontaktaufnahme dorthin kein Fehler ist!

Viel Erfolg
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

Silvia & Iris
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Re: Seit heute die offizielle Diagnose - offene Fragen

Beitrag von Silvia & Iris »

https://selbsthilfe-vorarlberg.at/verein-autistenhilfe/
schau, es gibt doch auch noch eine Stelle in Vorarlberg... hoffe, dort kann man dir in Bezug auf passende Therapeuten besser weiter helfen!
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

Nise89
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Re: Seit heute die offizielle Diagnose - offene Fragen

Beitrag von Nise89 »

Ich habe mich wohl falsch ausgedrückt. Zur Logopädie gehen wir wegen der Grammatik und der Satzstellungsprobleme und vielleicht können die mir auch helfen bei dem Problem mit der Pronomilalumkehr. Sein Sprachverhalten ist so:
Wenn er Hunger hat kommt er und sagt: magst du was essen, er sagt auch was genau er gerne hätte, wenn er raus will sagt er: magst du spazieren. Auch da ergänzt er dann selber wohin er mag. Also er verwendet alles im richigen Kontext aber eben mit kopierten Sätze von uns. Hat sich aber dadurch einen großen Wortschatz angeeignet. Langsam kommen leichte Abwandlungen vor und eigene Sätze... Aber sehr langsam. Manche schreiben das gibt sich von selber andere meinen wieder da sollte schon eine Logo ran.

Das Kommunikationsproblem mit den Kindern ist bestimmt Autismus bedingt. Er blockiert da innerlich so ziemlich bei jeder Frage. Das ist unabhängig von der Situation. Auch wenn nur 1 Kind da ist zum spielen und es sonst stressfrei und leise ist. Auch wenn Kinder die er kennt herkommen und nur fragen ob er mitspielt oder spielen mag geht er einfach weg oder starrt wie angewurzelt durch die Gegend. Aber wenn ein Kind am spielen ist kommts schon ab und an vor dass er danaben sitzt und mitspielt oder sich einer Gruppe an anschließt die bereits spielt. Da brauchts ja dann auch keine Kommunikation 😅
Interessanterweise versteht er sich im Moment am besten mit einem Kind mit Adhs verdacht. Der redet zwar extrem viel aber hat das selbe Spielverhalten und die quirlige Art und ist auch immer etwas verpeilt 😊

Zu der Ergo. Meiner Meinung nach wäre Ergo definitiv wichtig. Er hat eine ganz schlechte Grobmotorik und Gleichgewicht. Aber nicht so dass es ihn im Alltag einschränkt. Aber er ist da eben extrem den gleichaltrigen hinterher. Kein Laufrad fahren, Fußball etc. Weils ihm einfach zu schwer fällt noch.

Laut Frühförderung wird dort vor allem auch am Spielverhalten und Wahrnehmung gearbeitet, auch Sprache ist da wohl Thema und die Selbstständigkeit.

Ergo wurde mir gesagt sind die Wartelisten ohnehin unendlich und in absehbarer Zeit keine Plätze frei. Und hier bei uns gibt's nur 2 Stellen die Ergo anbieten. Werde mich diesbezüglich aber weiter umhören und auch schauen dass ich dennoch auf eine der Wartelisten komme. Die Diagnostikerin meinte ich müsse erstmal zur Kinderpsychologin (die ist auf Asperger spezialisiert) bei der ich jetzt nach Bedarf Termine bekomme und die solle dann Beurteilen ob sie ihn auf die Liste für die aergo setzten oder nicht.
Von daher bin ich schon froh dass wir jetzt wenigstens was Logo und Frühförderung angeht auf der Warteliste bin.
Ich ärgere mich da echt extrem dass das hier alles so mühsam wird.
Hab mich schon gefragt ob es vielleicht so Autismustherapien bzw. Autismustrainings gibt die man vielleicht in einem anderen Bundesland machen kann in einem Zentrum. Aber eben wie so Trainingsblöcke die 2 oder 3 Wochen gehen. Dann könnte man das ja irgendwie jährlich 1-2 mal im Urlaub machen. Weil wöchentlich 2-3 Stunden fahren ist momentan nicht denkbar.

Vielleicht weiß da ja jemand was, ob es sowas gibt.

Danke euch und liebe Grüße
Denise
Großer Schatz, Dez. 16, quirliger Sonnenschein, Diagnose ASS (vermutlich Asperger, aber noch nicht konkret festgelegt)
kleiner Schatz, Feb. 19, gesunder Frechdachs

Nise89
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Re: Seit heute die offizielle Diagnose - offene Fragen

Beitrag von Nise89 »

Silvia & Iris hat geschrieben:
18.02.2020, 11:32
https://selbsthilfe-vorarlberg.at/verein-autistenhilfe/
schau, es gibt doch auch noch eine Stelle in Vorarlberg... hoffe, dort kann man dir in Bezug auf passende Therapeuten besser weiter helfen!
Vielen Dank, das hab ich gefunden und werde ich bestimmt auch nutzen bzw. Mich genau beraten lassen.
Großer Schatz, Dez. 16, quirliger Sonnenschein, Diagnose ASS (vermutlich Asperger, aber noch nicht konkret festgelegt)
kleiner Schatz, Feb. 19, gesunder Frechdachs

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