Verweigerung des Lernens... Hilfe!

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melly210
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Re: Verweigerung des Lernens... Hilfe!

Beitrag von melly210 »

Ob er denn davor schon mal wirklich gelernt hat zuhause wäre auch meine Frage. Weil, ich selbst bin bis zur 2. Klasse Gymnasium (6.Klasse in D) auch nur mit zuhören, mündlich gut sein etc durchgekommen. Aber dann wurde der Stoff mehr und ich musste lernen lernen. Das ist mir, auch ohne Asperger, extrem schwer gefallen. Ich wäre in dem Jahr fast durchgefallen, hatte 5 Gefährdungen im Halbjahreszeugnis. Will sagen: wenn das bei ihm auch so ist, und da dann noch Asperger dazukommt und er sich somit noch schwerer strukturieren kann, ist kein Wunder daß er kapituliert. Dann wäre lernen lernen angesagt.

Manu135
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Re: Verweigerung des Lernens... Hilfe!

Beitrag von Manu135 »

Hallo,

richtig, es sind Zwillis. Die beiden waren in der Grundschule in einer Klasse. Das war ehrlich gesagt einfacher für mich, weil sie immer die gleichen Aufgaben und Termine hatten. Wenn einer geschludert hat, hatte es der andere und ich konnte mit beiden gleichzeitig das Gleiche lernen.

Da sie nun in Parallelklassen sind, ist es natürlich nicht mehr so. Sein Bruder, der "nur" ADHS hat, ist allgemein organisierter und lernt eher, wenn auch nicht unbedingt mit Begeisterung.

Mein Aspie weigert sich insbesondere dann, wenn sein Bruder "frei" hat, also bei ihm nichts ansteht. Dabei muss sein Bruder natürlich auch zu anderen Terminen lernen!

Selbstständig lernen - also ohne dass ich erinnern und abfragen muss - macht jedoch nur meine Tochter. Leider ist auch sie ein Sonderfall: Sie hat ADS in Kombi mit einer Hochbegabung. Wenn sie ihre Medis nimmt, braucht sie eigentlich bis auf Vokabeln in den Fremdsprachen überhaupt nicht zu lernen und schreibt trotzdem Top-Zensuren... Das finden meine Jungs allgemein ziemlich unfair, warum sie nie so richtig lernen muss.
No. 1 * 2005 ADS, Hochbegabung
No. 2 * 2008 ADS, Asperger, Wachstumshormonmangel
No. 3 * 2008 ADHS, Skoliose, Hausstaubmilbenallergie

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Regina Regenbogen
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Re: Verweigerung des Lernens... Hilfe!

Beitrag von Regina Regenbogen »

Manu135 hat geschrieben:
16.01.2020, 18:17
Mein Aspie weigert sich insbesondere dann, wenn sein Bruder "frei" hat, also bei ihm nichts ansteht.
Das spricht eher gegen eine Blockade und für pubertäre Unlust.

Wenn die beiden in der Grundschule in einer Klasse waren, könnte es jetzt auch an der Trennung liegen.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo,

„pubertäre Unlust“ bzw. der pubertäre Großbaustellenstatus des Gehirns ist - jedenfalls in Kombi mit AD(H)S und/oder ASS ja auch etwas Ernstzunehmendes. Das können die Besitzer der Gehirne auch nicht einfach abstellen.

Es ist schon wichtig, die Eigenverantwortung anzukurbeln. Aber dazu gehört NICHT „Auflaufen lassen“, sondern es braucht Coaching durch die Eltern oder auch jemanden vom Fach (Verhaltenstherapie, Ergotherapie, Lerntherapie, TEACCH-Coaching, ...), der beim kleinschrittigen Einüben hilft, durch Strukturierungshilfen, durch souveräne regelmäßige Kontrolle, usw.

Das Kind selber versteht ja noch gar nicht, woher die eigene Blockade/Demotivation/Unlusthaltung kommt, und wie man die kleinkriegt. Insofern sind die „Begründungen“ der Kinder („Bruder muss auch nicht“, „keine Lust“) da nichts, wovon man sich leiten lassen sollte...

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
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NicoleWW
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Re: Verweigerung des Lernens... Hilfe!

Beitrag von NicoleWW »

Hallo,

mir geht es wie Rike, Tochter 15 J. mit ADS (9. Klasse Gymnasium), alle Versuche dem Kind zu helfen scheitern, da sie nicht bereit ist in irgendeiner Weise mitzuwirken. Wir sind jetzt auch an dem Punkt es laufen zu lassen es geht nicht mehr anders (bei 2 weiteren besonderen Kinder). Was wir tun können tun wir alles andere liegt in ihrer Hand. Eigentlich will sie nicht sitzen bleiben und doch ist es ihr dann angeblich wieder egal.

Hier auch das Problem dass sie bis zur 7 Klasse nur durch den Unterricht genug mitbekam (hoher IQ) in der 8. Klasse es aber nicht mehr ausgerreicht hat und dann ist sie abgestürzt mit fast sitzen geblieben.

Die Therapeutin unserer 12-Jährigen (7. Klasse Gymnasium) sagt, dass gerade bei der 12-jährigen man versuchen muss ihr die Konsequenz auf zu zeigen. Also zB wenn du in den 3 jetzigen Sprachen keine 3 erreichst (sie würde das schaffen wenn sie lernt, vermutlich sogar besser), dann kannst du in Klasse 8 kein Spanisch wählen. Bei ihr scheint das jetzt Wirkung gezeigt zu haben. Ich versuche es gerade ähnlich bei der 15-Jährigen, weil es gibt auch Dinge die ihr dann doch nicht egal sind, zB dass sie wenn sie so weiter macht, jetzt die 9 wiederholt, dann 10 wieder gerade so schafft und zB J1 auch wiederholen muss (wenn sie so weiter macht ist das nicht unwahrscheinlich) dann ist sie bei ihrer kleinen Schwester in der Klasse. Wie gesagt alles anderen Versuche ihr zu helfen verweigert sie so gut sie kann (sie geht in Nachhilfe und zum Mentorenprogramm aber mit viel Unlust). Im Moment verweigert sie auch das Medikenet.

Ich tue wirklich alles für meine Kinder renne zu jedem nötigen Facharzt, suche weiter wenn die Untersuchungsergebnisse nicht zufriedenstellend sind beantrage Schulbegleitung wenn die Schule das möchte (jetzt im Falle der 15-Jährigen) versuche alle Tipps der Fachkräfte umzusetzen aber wenn das Kind das alles verweigert wird es halt schwierig.

Unsere kleinen Zwillinge sind schon im letzten Kindergartenjahr getrennt worden und auf Wunsch unseres Asperger-Zwillings sind auch fast alle Freizeitbeschäftigungen getrennt darum ist sie es gewöhnt dass man zu unterschiedliche Zeiten Zeit hat, klar kommt auch mal eine Beschwerde wenn bei einem Geschwisterkind die Mittagschule ausfällt oder die ersten 2 Stunden, aber dann meckert sie halt rum verweigert aber zum Glück nicht den Unterricht oder so.

Unser 15-Jährige Asperger macht auch nur das nötigste und nur der Gedanke dass wenn er gar nichts macht und sitzen bleibt er bei seiner Zwillingsschwester in der Klasse landet bewegt ihn überhaupt dazu etwas zu tun.

Liebe Grüße
Nicole
Zuletzt geändert von NicoleWW am 17.01.2020, 10:23, insgesamt 1-mal geändert.
Nicole (70, Morbus Bechterew, Asthma) mit

J.M. (92)
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J.E. (95, ADHS, E80.4)
A.M. (04, F93.3, F98.8, F81,1)
S.F. (04,F84.5, F98.8, J30.3, E80.4, J45.0)
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Regina Regenbogen
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Re:

Beitrag von Regina Regenbogen »

Engrid hat geschrieben:
17.01.2020, 07:59
„pubertäre Unlust“ bzw. der pubertäre Großbaustellenstatus des Gehirns ist - jedenfalls in Kombi mit AD(H)S und/oder ASS ja auch etwas Ernstzunehmendes. Das können die Besitzer der Gehirne auch nicht einfach abstellen.
Richtig. Da müssen Konsequenzen vermittelt werden.
Es ist schon wichtig, die Eigenverantwortung anzukurbeln. Aber dazu gehört NICHT „Auflaufen lassen“
Das war -und das weißt du genau- auch nur für das kommende Halbjahreszeugnis gemeint, als Booster für die Einsichtsfähigkeit des Teenagers.

Dennoch sehe ich da immer noch keine Blockade, jedenfalls nicht zwingend im ADHS und/oder ASS begründet. Ich vermute die Ursache eher in der relativ neuen schulischen Trennung der Zwillinge. Die TE müsste eigentlich erkennen können ob der Zeitpunkt der Trennung auch der Beginn der Probleme war.

Mein Stiefbruder (gleich alt) und ich waren die gesamte Grundschulzeit in einer Klasse, mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule wurden wir getrennt. Er ist kolossal abgestürzt (u. a. durch Lernverweigerung), während bei mir alles normal weiter lief. Er hat sich erst im 8. Schuljahr wieder gefangen.
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Beitrag von Engrid »

Hallo Regina,

sehen können wir hier eh nix, schon gar nicht zwingend :wink:
Bloß weil das Geschwister es hinkriegt, heißt es ja nicht, dass das Kind „könnte wenn es nur wollte“.
Wie das alles einzuordnen ist, können eh nur vor Ort die Eltern herausfinden. Wir können hier ja höchstens eigene Erfahrungswerte zum Vergleich anbieten.
Da sind wir uns so gesehen durchaus einig.

Ich glaube fest dran, und seh das bei meiner Familie auch voll bestätigt, dass hinter scheinbarem „Nicht-Wollen“ immer konkrete Schwierigkeiten stehen, die man erstmal genau erkennen und dann eben sinnvoll angehen muss. Der schwierige und undankbare Job der Eltern ist ja immer der, auseinanderzuhalten wo man sich besser mehr zurückhält und wo man besser coacht und stützt.
Wobei meine Mutter da mit mir auch keinen leichten Job hatte, gleicht sich also wieder aus, jedenfalls bei mir :lol:
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Re:

Beitrag von Regina Regenbogen »

Engrid hat geschrieben:
17.01.2020, 10:32
Ich glaube fest dran, und seh das bei meiner Familie auch voll bestätigt, dass hinter scheinbarem „Nicht-Wollen“ immer konkrete Schwierigkeiten stehen, die man erstmal genau erkennen und dann eben sinnvoll angehen muss.
Da sind wir uns einig, schon seit Jahren. :wink:

Ich sehe nur ein wenig dagegen an, SOFORT alles auf ADHS/ASS zu schieben bei offenbar neuen Problemen und ich gebe gerne Denkanstöße um eine andere Sicht auf die Dinge zu erhalten.
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Manu135
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Re: Verweigerung des Lernens... Hilfe!

Beitrag von Manu135 »

Getrennt sind meine Jungs seit Beginn der 5. Klasse, nun also knapp 1,5 Jahre. Das mit der Lernverweigerung hat erst mit der 6. Klasse begonnen, vorher ging es einigermaßen gut.

Wir wissen jetzt alle Zensuren für das kommende Zeugnis, sowohl in den Haupt- als auch in den Nebenfächern hat er Durchschnitt 3,0 (die 4en sind komplett durch 2en ausgeglichen). Also grundsätzlich in Ordnung für's Gymnasium... Wie sich das Ganze zum Sommer weiterentwickelt, ist natürlich die große Frage, die mir Sorgen macht. Seine "Hass-"Fächer sind übrigens Geschichte, Biologie und Religion, dafür will er nichts tun (selbst Hausaufgaben nicht!), während er Erdkunde und Physik sowie Musik liebt.

Eine Ursache oder einen Auslöser kann ich übrigens nicht feststellen, darüber habe ich mir natürlich schon den Kopf zerbrochen.

Die Sache ist, dass ich einfach nicht weiß, wie ich ihn motivieren soll. Weder Schimpfen noch garnicht darauf eingehen noch Belohnungen bringen eine Reaktion. Er will weder alleine noch mit mir noch mit seinem Bruder oder Vater lernen. Höchstens mal mit seiner Schwester, die selbst mit 14 in der 9. Klasse Gymnasium ist - aber da hat sie meist nicht so wirklich Lust zu.
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Re: Verweigerung des Lernens... Hilfe!

Beitrag von Regina Regenbogen »

Manu135 hat geschrieben:
17.01.2020, 12:15
Seine "Hass-"Fächer sind übrigens Geschichte, Biologie und Religion, dafür will er nichts tun (selbst Hausaufgaben nicht!), während er Erdkunde und Physik sowie Musik liebt.
Unser Jüngster hat sich jetzt 10 Jahre durch die Schule bewegt, ohne seinen "Hassfächern" Geschichte, Erdkunde, Musik und Religion viel Beachtung zu schenken, was zwischen dem 6. und 8. Schuljahr schon mal bedeutete, knapp an einer 5 vorbei zu schrappen. :lol: Dafür hat er gute Leistungen in Mathe, Englisch, Technik und Physik gezeigt, was auch genau seinen Neigungen entspricht. Solange er sich in den ungeliebten Fächern im ausreichenden Bereich bewegt, würde ich nicht so viel Druck ausüben. Er muss jetzt für sich lernen, Prioritäten zu setzen - man kann nunmal nicht in JEDEM Fach glänzen.

Zu Hause zusätzlich Lernen war bei unseren Kindern generell nicht möglich, sie haben immer strikt das Private von dem Schulischen getrennt. Bei unseren Söhnen war das aber auch nicht nötig, da die Schule auf dem Standpunkt steht, dass Lernen in die Schule gehört, dafür gibt es ja den Ganztagsunterricht. Hausaufgaben gab es seit dem 7. Schuljahr gar nicht mehr, Üben vor Arbeiten fand immer innerhalb der Unterrichtszeit statt.
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