Stationärer Aufenthalt

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Suza
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Re: Stationärer Aufenthalt

Beitragvon Suza » 06.09.2019, 09:37

Liebe Zuza,

auch wenn es hart klingt, aber ich habe auch schon mal eins meiner Kinder mit dem Krankentransport in die Klinik fahren lassen. Es war schlimm und äußerst traurig. Ich hätte nicht gewußt wie ich den damals 12 jährigen dort hinbekommen hätte, den platz verfallen zu lassen war keine Option, sonnst wär er heut nicht mehr bei mir. Sprech mit der Klinik über deine Befürchtungen und auch in ruhigen Momenten mit deiner Tochter.
Viel Kraft
Danke.
Krankentransport hatte ich auch schon überlegt. Ich habe auch mit der Klinik gesprochen, sie wissen um die Problematik. Allerdings handelt es sich um eine Station mit offenem Konzept. Meine Tochter muss freiwillig kommen, Krankentransport passt nicht zum Konzept...
Wenn das die einzige Möglichkeit wäre, würde sie auf die geschützte Station kommen. Dafür bräuchte ich dann allerdings einen Gerichtsbeschluss und dafür erst noch ein Gutachten,... das möchte ich in jedem Fall vermeiden.
Ich glaube auch nicht, dass meine Tochter auf der geschützten Station „richtig“ ist. Ich bin überzeugt dass sie freiwillig bleibt wenn sie die erste Hürde geschafft hat.

Wenn allerdings der Platz verfallen würde, wäre das eine Katastrophe. Für mich und auch für uns als Familie wäre die Situation dann nicht mehr tragbar.

rena99
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Re: Stationärer Aufenthalt

Beitragvon rena99 » 06.09.2019, 11:16

Liebe Zuza,

auch wenn es hart klingt, aber ich habe auch schon mal eins meiner Kinder mit dem Krankentransport in die Klinik fahren lassen. Es war schlimm und äußerst traurig. Ich hätte nicht gewußt wie ich den damals 12 jährigen dort hinbekommen hätte, den platz verfallen zu lassen war keine Option, sonnst wär er heut nicht mehr bei mir. Sprech mit der Klinik über deine Befürchtungen und auch in ruhigen Momenten mit deiner Tochter.
Viel Kraft
Danke.
Krankentransport hatte ich auch schon überlegt. Ich habe auch mit der Klinik gesprochen, sie wissen um die Problematik. Allerdings handelt es sich um eine Station mit offenem Konzept. Meine Tochter muss freiwillig kommen, Krankentransport passt nicht zum Konzept...
Wenn das die einzige Möglichkeit wäre, würde sie auf die geschützte Station kommen. Dafür bräuchte ich dann allerdings einen Gerichtsbeschluss und dafür erst noch ein Gutachten,... das möchte ich in jedem Fall vermeiden.
Ich glaube auch nicht, dass meine Tochter auf der geschützten Station „richtig“ ist. Ich bin überzeugt dass sie freiwillig bleibt wenn sie die erste Hürde geschafft hat.

Wenn allerdings der Platz verfallen würde, wäre das eine Katastrophe. Für mich und auch für uns als Familie wäre die Situation dann nicht mehr tragbar.
Hallo Suza,

dann sag ihr das genau so, wie du es hier geschrieben hast. Sag ihr, dass du den Schritt zum Familiengericht auf jeden Fall gehen wirst. Und dass die einzige Alternative dazu ist, dass sie freiwillig geht. Sei da klar und deutlich. Und innerlich selbst bereit, den Schritt dann zu machen. Du kannst nicht mehr, sie kann nicht mehr, ihr könnt nicht mehr.

Sie muss da nicht freudstrahlend aufschlagen, sie miss nur hingehen, egal ob aggressiv, maulig, verstockt, unsicher, heulend. Ihr könnt auch ein Taxi nehmen, was zum Zeitpunkt X kommt. Da wird sie sich eher zusammenreißen können, das ist dann unvermeidlicher und man kann da nicht mit dem Fahrer diskutieren.

Aber wenn du innerlich nicht bereit bist, auch den letzten Schritt zu gehen (Einweisung), dann merkt deine Tochter das. Erklär ihr, gerade weil du sie sehr liebst, wirst du das tun, denn es ist deine Verantwortung, dass es ihr durch die Behandlung weider gut gehen kann.

Falls es irgendwann dazu kommen sollte: die Unterbringung auf einer geschützten Station ist immer nur eine Notmaßnahme für ganz wenige Tage. Ziel wäre dann, in den Tagen ihre Kooperationsbereitschaft für den Aufenthalt auf einer offenen Station zu bekommen. Das kann dann durchaus klappen. Du musst dir da keinen Daueraufenthalt auf einer geschützten Station vorstellen.

Ich drücke euch die Daumen
Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

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Re: Stationärer Aufenthalt

Beitragvon IlonaN » 06.09.2019, 11:50

Also och brauchte da im vorigem Jahr kein Gerichtsbeschluss für.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

Michaela44
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Re: Stationärer Aufenthalt

Beitragvon Michaela44 » 06.09.2019, 13:31

Also och brauchte da im vorigem Jahr kein Gerichtsbeschluss für.
Für einen Krankentransport, an dem das Kind freiwillig teilnimmt, benötigt man keinen Gerichtsbeschluss. Wenn sich das Kind aber weigert, schon.

Hallo Suza,

falls sie tatsächlich den KH-Aufenthalt verweigert oder es aus Angst nicht schaffst, kannst du bei Gericht einen Antrag auf Zwangsunterbringung stellen. Deine Tochter bekommt dann einen Verfahrensbeistand. Dieser und auch der Richter werden persönlich mit deiner Tochter sprechen, notfalls bei euch zu Hause. Wenn du keine ärztliche Stellungnahme vorlegen kannst, wird das Gericht eine beauftragen. Alles zusammen wird mehrere Wochen dauern (mit Gutachten länger). Das Jugendamt unterstützt dich bei der Einweisung (es wird beim Gerichtsverfahren sowieso hinzugezogen) und zieht bei Bedarf Polizei und Krankentransport hinzu. Je nachdem, wie sehr deine Tochter sich wehrt, wird sie unter Umständen während der Fahrt fixiert. Die Fixierung wird im KH sofort gelöst. Das Problem: auch mit Gerichtsbeschluss ist kein KH verpflichtet, deine Tochter aufzunehmen, zum Beispiel wenn kein Platz frei ist.

Falls gar nichts mehr geht, ihr keine Hilfe bekommt und du partout keine Kraft mehr hast, gibt es noch folgende Option: wenn deine Tochter wieder sehr aggressiv ist, rufst du wegen Fremdgefährdung die Polizei. Wenn sie dann bei Eintreffen der Polizei nicht zu beruhigen ist, kann sie aufgrund der akuten Gefahr direkt zwangseingewiesen werden. Die Polizei holt dann den Krankenwagen und Notarzt dazu. Damit sie nicht am nächsten Tag wieder aus dem KH entlassen wird, ist es notwendig, den Ärzten klar zu machen, wie dramatisch eure Situation ist und wie sehr eure Tochter gefährdet ist.

LG Michaela
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Re: Stationärer Aufenthalt

Beitragvon Suza » 20.09.2019, 10:36

Hier kommt nun das Update:

Meine Tochter ist unter Toben und Tränen zum Vorgespräch mitgekommen. Sie konnte sich danach den Aufenthalt überhaupt nicht vorstellen.
Ich habe mit ihr abgesprochen, dass sie es für einen gewissen Zeitraum versucht. Dass ich sie verstehe, dass ich aber die Verantwortung für ihre Gesundheit habe. Darauf hat sie sich eingelassen.

Am Dienstag habe ich sie in die Klinik gebracht. Es war hart, aber sie kam mit. Am Mittwoch Vormittag hat sie mich weinend angerufen, sie möchte zu mir, nach hause. Ich habe mit der Station gesprochen. Diese sagten mir es sei alles im normalen Rahmen, sie weine auch nicht die ganze Zeit (wie meine Tochter es mir sagte...), sei in der Schule, beteilige sich ein bisschen. Ich war daraufhin beruhigt.
Wenig später bekam ich einen Anruf, ich müsse meine Tochter abholen, sie habe sich ganz klar geäußert, dass sie nicht bleiben will.
Ich lebe getrennt vom Vater, dieser steht nicht zu 100% dahinter. Das hat meine Tochter wohl gespürt, dies sagte mir auch der Psychologe, dass sie schon wisse, bei wem sie die Fäden ziehen muss.

Die Klinik äußert sich klar: sollte meine Tochter in den nächsten Tagen keine Einsicht bekommen, müssten wir eine gerichtliche Verfügung beantragen.
Das möchte nun der Vater nicht, aber offen aussprechen kann er es auch nicht, er eiert nur rum.

Und ich sitze jetzt wieder da mit meiner Tochter, meinem Bewusstsein, dass ich die nötigen Schritte irgendwie durchsetzen muss und meinen, ja auch irgendwie Schuldgefühlen. Ich bin am Ende meiner Kräfte, gleichzeitig habe ich Angst das einzugestehen und vielleicht meine Tochter zu verlieren.
Es ist alles nur zum heulen gerade.

Michaela44
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Re: Stationärer Aufenthalt

Beitragvon Michaela44 » 20.09.2019, 12:10

Ich habe dir eine PN geschrieben
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