Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

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Sophie-11
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Sophie-11 » 18.06.2019, 17:10

Danke, dann werde ich mich mal darum kümmern!
fünfköpfige, irgendwie ASS-nahe Familie mit dem Großen *12/2007, dem Mittleren *09/2010 mit Diagnose F84.5 und Vd auf ADHS, und der Kleinen *02/2014

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JennyK
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon JennyK » 20.06.2019, 11:00

Wir sind den selben Weg gegangen wie ihr: erst Schulbegleitung beantragt (da hatten wir außer Verdacht auf ADS noch keine Diagnose), parallel neue Diagnostik angefangen. Sonderpädagogischen Förderbedarf hatte er nie. Als dann in der Diagnostik der Verdacht auf Autismus aufkam, haben wir uns direkt beim ATZ angemeldet und das Jugendamt informiert. Dass er eine Begleitung bekommt, war schon beim ersteren klar, mit der Diagnose war die Dringlichkeit nochmal deutlicher. Den Antrag haben wir damals im März gestellt, begonnen hat die Begleitung zum neuen Schuljahr Ende August. Das lag aber nicht am Jugendamt und der Bewilligung, sondern daran, dass es keine geeignete Fachkraft gab. Nach der Dame vom Jugendamt hätte schon nach den Osterferien jemand anfangen können.
Den Ersttermin im ATZ hatten wir gut 14 Monate nach der Anmeldung. Einen ersten Terminvorschlag 10 Monate nach Anmeldung konnten wir nicht annehmen, da wir da gerade in Mutter-Kind-Kur waren. Im Erstgespräch wurde besprochen, ob eine Therapie überhaupt nötig ist, wie es abläuft etc. Wir haben da auch die Antragsformulare für die Kostenübernahme erhalten, mit denen wir dann zum Jugendamt gegangen sind. Das wollte eine fachärztliche Stellungnahme, auch die haben wir sofort bei der diagnostizierenden Praxis angefordert. Parallel mussten wir noch pro Forma einen Antrag an die Krankenkasse stellen, der aber wie erwartet abgelehnt wurde. Die Zusage der Kostenübernahme hat nochmal insgesamt knapp 2 Monate gedauert, seitdem warten wir immer noch auf einen Therapieplatz. Seit Diagnose und erster Antragstellung sind nun genau 2 Jahre vergangen. Seit Zusage der Kostenübernahme sind nun auch schon wieder 10 Monate vergangen...

Was ich euch auch empfehlen kann, wenn ihr es noch nicht gemacht habt: Schwerbehindertenausweis und Pflegegrad beantragen. Wir haben von der Diagnose an, als uns das empfohlen wurde, bis zur Antragstellung fürs Pflegegeld ein knappes Jahr gehadert. Es war aber letztlich eine sehr gute Entscheidung, weil es uns enorm entlastet. Ich konnte Stunden reduzieren, aber genauso wichtig war die Anerkennung, was wir jahrelang an zusätzlicher Arbeit geleistet haben.

Viel Erfolg und gute Nerven auf eurem Weg!
Sohn 1 (06), ADS und Asperger Autismus; PG 3; SBA 50 mit B, G, H
Sohn 2 (13), Asperger Autismus, leicht ausgeprägt

Sophie-11
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Sophie-11 » 20.06.2019, 17:37

Vielen Dank JennyK, Dein Erfahrungsbericht hilft mir sehr weiter!

Pflegegrad und SBA haben wir nicht beantragt und werde ich wohl auch erstmal nicht machen. Da müsste ich nämlich nicht nur Ämter überzeugen, sondern vor allem erstmal meinen Mann. Dazu fehlt mir aktuell die Kraft :icon_pale: .
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JennyK
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon JennyK » 20.06.2019, 23:49

Kann ich verstehen! Es ist ja auch ein Prozess... eins nach dem anderen!
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Bärbel99
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Bärbel99 » 23.06.2019, 08:44

Vielen Dank JennyK, Dein Erfahrungsbericht hilft mir sehr weiter!

Pflegegrad und SBA haben wir nicht beantragt und werde ich wohl auch erstmal nicht machen. Da müsste ich nämlich nicht nur Ämter überzeugen, sondern vor allem erstmal meinen Mann. Dazu fehlt mir aktuell die Kraft :icon_pale: .
Es wird kein anderes Kind durch Pflegegrad oder SBA :D und wenn es deinem Mann peinlich ist, muss er es ja niemandem sagen.
Ich finde es sehr schwer zu verstehen warum man Hilfe ablehnt, die ja vor allem auch dem Kind zu Gute kommt.

Du schreibst du hast keine Kraft mehr, das kann ich gut verstehen, wie geht dein Mann damit um, dass es dir schlecht geht?
Wir haben für beide Kinder PG3, SBA sind beantragt. Das PG und die Verhinderungsleistung nutzen wir um uns Auszeiten zu erkaufen, um Kraft zu tanken, das finde ich so wertvoll!

Wir haben uns jahrelang durchgekämpft, einfach weil unser SPZ bei unserem Sohn eine falsche Diagnose gestellt hat und weil wir nicht wussten, dass PG nicht nur für alte Menschen oder bettlägerige Kinder sind und sind unendlich dankbar für die Hilfe.
Das AO SF Verfahren haben wir durch, das brauchten wir, damit unser Sohn die Schule wechseln kann. Der Antrag auf §35a läuft seit Februar für die Autismusambulanz. Bei uns war die SA auch zu Hause und hat mit unserem Sohn und mit mir gesprochen, ich finde es gut, wenn sie sich ein umfassendes Bild vom Umfeld des Kindes machen.

Ich würde zumindest versuchen deinen Mann vom PG zu überzeugen, damit du Entlastung bekommst. Alles Gute...
VG, Bärbel
(Pflege) Sohn *2011 ASS und ADHS
(Pflege) Tochter*2013 ASS

Sophie-11
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Sophie-11 » 30.06.2019, 01:40

Hallo,

(erstmal ohne auf Deine Antwort einzugehen, Bärbel99) beim nächtlichen Grübeln kamen mir noch ein paar Gedanken. Freitag gab es wohl wieder Schwierigkeiten in der Schule (u.a. einem Jungen im Streit einen Magneten an den Kopf geworfen) und er bekam die Ermahnung, beim nächsten Mal müsse er abgeholt werden. Die Lehrerin fragte dann bei mir auch nochmal nach Neuigkeiten vom JA nach, klar, der Bedarf von ihrer Seite ist groß. Sie meinte auch, sie wolle sich mit der Direktorin kurzschließen, ob es sinvoll sei, von ihrer Seite auch dort nachzuhaken. Wie denkt Ihr darüber?

Und zu meiner Idee: könnte es den Hilfebedarf nicht noch unterstreichen, wenn er tatsächlich öfter mal wegen Fehlverhaltens nach Hause geschickt würde? Wir haben ja nunmal riesiges Glück sowohl mit Schule und Lehrern als auch mit seiner konkreten Klasse gehabt, aber das hat andererseits vermutlich auch dazu geführt, dass viel von seiner Auffälligkeit kompensiert wurde und somit für das JA sich als "nicht so schlimm" darstellt. Und wir werden sowohl die Lehrer als auch die Klasse im nächsten Sommer definitiv verlieren, wenn der Übergang zur weiterführenden Schule ansteht. Denkt Ihr, eine striktere, weniger verständnisvolle Vorgehensweise könnte da noch was helfen? Dann würden wir das in den letzten zwei Wochen vor den Ferien noch machen, ich denke, meinem Sohn könnten wir das auch so kommunizieren, dass er es nachvollziehen kann und nicht als Strafe versteht. - Nicht falsch verstehen, ich will ihn nicht ermutigen, sich absichtlich falsch zu verhalten, um eine Reaktion zu provozieren! Nur eine strengere Auslegung der Regeln, damit der Bedarf nicht durch die Anstrengungen einer ungewöhnlich verständnisvollen Umgebung maskiert wird, bis die Kraft und Geduld der Beteiligten aufgebraucht ist!


Noch kurz zu PG und SBA, das ist noch ein bisschen komplizierter bei meinem Mann als einfach nur "Peinlichkeit". Dafür ist es mir jetzt zu spät (oder früh), ich vertippe mich eh nur noch hier... sorry... :oops:
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon JennyK » 30.06.2019, 10:23

Ich denke nicht, dass das in den letzten beiden Wochen noch Eindruck macht. Das hätte früher passieren müssen, im „Idealfall“ mindestens seit Beantragung der Unterstützung, eher noch früher. Hat die Schule schon ihren Bericht ans Jugendamt weiter gegeben? Wir hatten diese Woche unser letztes HPG, er kommt nun ohne Schulbegleitung zurecht.

Nochmal wegen Pflegegrad und SBA. Kann dein Mann dir gegenüber seine Bedenken formulieren? Das muss man natürlich ernst nehmen. Aber ihr müsstet auch sehen, welche Ressourcen ihr verschenkt, wenn ihr den Antrag nicht stellt, gerade für den Pflegegrad. Wir haben wie gesagt auch lange gezögert, vor allem weil wir nicht wussten, wie das für unseren Sohn ist. Letztlich habe ich es mal angedeutet und er fand es total cool, eben weil es eine große finanzielle Erleichterung für uns ist. Die ganzen Details hat er gar nicht mitbekommen, da musste er auch beim Gespräch nicht dabei sein. Der Gutachterin reichte es, ihn kennen zu lernen und sein Zimmer zu sehen. Lasst euch Zeit mit der Beantragung, bis ihr das guten Gewissens machen könnt. Ich fand es total schwer, den Fokus auf all die Dinge zu legen, die nicht so gut klappen, weil wir sonst immer darauf schauen, was gut/besser klappt.

Ich drücke euch die Daumen, dass es zum Wechsel der Schule mit einer Schulbegleitung klappt!
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Sophie-11 » 03.07.2019, 13:00

Es wird beabsichtig Ihren Antrag bzgl. einer Schulbegleitung zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu bewilligen, Ihrem Sohn N. jedoch eine Therapie zu bewilligen, welche an den Auswirkungen seiner Autismus-Spektrums-störung ansetzten soll.
Das fand ich gerade in einer e-mail an mich - passenderweise, als ich gerade meinen Sohn wegen akuter Probleme in der Schule abgeholt hatte. Zusammen mit Terminvorschlägen für ein Anhörungsgespräch. Welche Möglichkeiten stehen uns jetzt offen?

Habe gerade das Gefühl, dass bestraft wird, wer sich zu sehr bemüht, so viel wie möglich selbst zu schaffen und erst wenn man nicht mehr kann um Hilfe bittet...
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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon KäthemitA. » 03.07.2019, 14:10

Liebe Sophie,

bei uns war es so, dass sowohl die Amtsärztin (bei der Schuleingangsuntersuchung), als auch das Autismuszentrum und die KJP einen Schulbegleiter in Ihren Berichten befürwortet haben. Unser Antrag für die THA ging glücklicherweise relativ glatt durch.
Vielleicht kannst Du bei Eurer diagnostizierenden Stelle anrufen, die Situation schildern und um eine entsprechende Stellungnahme bitten.

Was die Therapie beim ATZ angeht, auf die Warteliste kommt man bei uns erst, wenn die Kostenübernahme durch das JA vorliegt (sowohl für ein Erstgespräch als auch für einen Therapieplatz), von daher würde ich da an Eurer Stelle auf jeden Fall parallel tätig werden.

Viele Grüße und viel Erfolg!
Käthe
Käthe mit A. *06.13 Asperger Autist

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Re: Fragen zu Umgang mit JA bei Antrag nach §35a

Beitragvon Sophie-11 » 03.07.2019, 14:44

Liebe Käthe,

danke für die Antwort. Mit der diagnostizierenden Stelle habe ich mich schon in Verbindung gesetzt, auch mit der Lehrerin. Warte jetzt auf Rückrufe, denn natürlich habe ich niemanden direkt erreicht.

Bei ATZ und einer anderen Einrichtung sind wir inzwischen auf der Warteliste, die Kostenübernahme braucht man erst vorweisen, wenn es aktuell wird. Aber die Wartezeit liegt auch bei über 1 Jahr! Das macht mich u.a. auch so wütend, der Junge braucht jetzt Hilfe, zumindest für das nächste Schuljahr und vor allem nächstes Jahr den Übergang in die weiterführende Schule! Wie stellt sich das JA das vor???
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