Herausforderndes Verhalten auf Autismus zurückzuführen?

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Sibylleplus5
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Beitrag von Sibylleplus5 »

Liebe Annalena, ich bewundere euer für mich sehr ambitioniert klingendes Programm sehr! In die Richtung habe ich oft gedacht und ansatzweise auch gehandelt. Allerdings gilt für mich das Bonmot, dass das schwierige an der Erziehung ist, sich selbst an die ganzen Regeln zu halten. Ich kann mich tatsächlich selbst nur dauerhaft an Regeln halten, die ich in einem ganz tiefgreifenden Sinne als sinnvoll empfinde. Ich habe Philosophie studiert und so meine Kompetenz, Dinge nach ihrem Sinn hin zu analysieren, ziemlich ausgebaut nach dem Einsteinschen Motto "Nichts ist praktischer als eine gute Theorie". Langer Rede kurzer Sinn (wie oft ich jetzt schon das Wort Sinn verwendet habe...): welche Struktur für meinen Sohn gut ist, habe ich noch nicht vollständig erfasst und muss ja vor allem er selbst erkennen. Es gibt so vieles in der gängigen Lebenspraxis, was mir fragwürdig, überholt, ungerecht da nicht für alle passend, kontingent... erscheint. Zum Beispiel der vielfach unnötig herrschende Zwang zum frühen Aufstehen. Ich hatte Angst, mit meinem widerborstigen Geist dem Schul- und sonstigen Lebenserfolg meines Sohnes im Wege zu stehen, da ich es nicht geschafft habe, ihn zu einem regelmäßigen Schulbesuch zu bringen - wohl auch, weil ich unsere Schullandschaft als ein Reich von Absurditäten empfinde. Das ist auch der Hauptgrund, weshalb er überhaupt ausquartiert wurde.

Ich spüre nun erst richtig die unbändige Freude, dass mein Kind wieder zu Hause ist. Und dass wir nun Ruhe haben, zu gucken, wie sich alles weiterentwickeln kann, ohne Angst vor einem Bußgeldbescheid oder anderen Restriktionen haben zu müssen, weil ich meinen elterlichen Verpflichtungen nicht nachkomme und für die Erfüllung der Schulpflicht meines Sohnes sorge. Dieser Austausch hier hilft mir dabei ungemein! Danke!
Sibylle mit Sohn Jg. 2001 Asperger, Sohn Jg. 2010 neurotypisch Förderschwerpunkt ESE, Sohn Jg. 2013 atypischer Autist, Tochter Jg. 2018 bis jetzt nichts Auffälliges

HeikeLeo
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Beitrag von HeikeLeo »

Liebe Sibylle,

mir gefällt sehr, was Du hier und jetzt schreibst. Dein Sohn ist jetzt 18 und damit ist der äußere Zwang der Schulpflicht vorbei.

Er wird seinen Weg finden. Bei Schwangerschaften sagen Hebammen immer: die Erholung nach der Geburt dauert gleich lang wie die Änderungen bis zur Geburt. Möglicherweise ist das bei Wohngruppen/Schule analog.

Glückwunsch zu Deiner Entscheidung.

Liebe Grüße
Heike

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