Wenn Asperger (oder andere Autisten) erwachsen werden!

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

Moderator: Moderatorengruppe

Vicki
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 554
Registriert: 25.02.2015, 10:35

Wenn Asperger (oder andere Autisten) erwachsen werden!

Beitragvon Vicki » 24.02.2019, 18:24

Hallo,

was ist dann?
Ich glaube, bis 21 muss noch das Jugendamt zahlen für Therapien etc.

Was ist danach? Wer ist dann zuständig?

Was, wenn die jungen Erwachsenen dann nicht arbeiten können?
Bei unserer Tochter (Asperger Autistin 16,5 Jahre alt) wäre das momentan überhaupt nicht möglich.
Mehr wie 2 bis 3 Std. am Tag würde sie gar nicht schaffen. An manchen Tagen nicht einmal das.

Bekommen die "Kinder" dann Grundsicherung.
Was ist, wenn sie noch bei den Eltern wohnen?

Welches Amt ist nach dem Jugendamt zuständig ab 21?
Gar keines mehr?
Ich meine, wir Eltern werden ja auch immer älter.

Gruss Vicki

Werbung
 
Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 13551
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitragvon Engrid » 24.02.2019, 20:36

Hallo Vicki,

wenn festgestellt ist, dass der/die Erwachsene nicht drei Stunden täglich oder länger dem allgemeinen Arbeitsmarkt zur Verfügung steht, besteht auf Antrag ein Recht auf Grundsicherung.
Haken ist, wenn diese Feststellung behördlicherseits mal am Laufen ist, dann ist sie nicht mehr anzuhalten. Maßnahmen zur Eingliederung ins Arbeitsleben können nach Feststellung der dauerhaften Erwerbsminderung erstmal nicht mehr (bzw. erst nach Aufhebung) beantragt werden.
Zuständig für Grundsicherung ist das Sozialamt. Zuständig für Eingliederung Beruf die Arbeitsagentur.

Wenn sonnenklar ist, dass eine dauerhafte Erwerbsminderung vorliegt (wie bei meinem Sohn), kann ab 18 auch mit Schülerstatus schon diese Feststellung beantragt werden.

So wurde mir das auf einer Infoveranstaltung von einem Fachanwalt erklärt.

https://www.bmas.de/DE/Themen/Soziale-S ... erung.html
https://www.autismus.de/fileadmin/RECHT ... t_2017.pdf

Grundsicherung bekommt sie dann auch, wenn sie noch bei Euch wohnt, und auch ihren Mietanteil bezahlt das Amt auf Antrag.

Eine Aufgabe und Perspektive wird sie aber brauchen, habt Ihr da eine WfMB angedacht? BBW? Ausbildung?
https://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopi ... 58#2144058

Lasst Euch gut beraten. Grade bei Asperger ist es wichtig, sich die Optionen offen zu halten, und alle Möglichkeiten auszuloten.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Vicki
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 554
Registriert: 25.02.2015, 10:35

Beitragvon Vicki » 25.02.2019, 15:47

Hallo Engrid,

vielen Dank für Deine Infos!

Gruss Vicki

GabySP
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 933
Registriert: 12.01.2013, 17:32
Wohnort: NRW

Beitragvon GabySP » 25.02.2019, 16:00

Hallo Vicki,

ich habe von unserem JA die Info erhalten, dass das JA auch weiterhin als Kostenträger für Therapien zuständig ist, bis das „Kind“ das 27.LJ vollendet hat,

LG Gaby
Asperger-Sohn, 01/2000

Vicki
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 554
Registriert: 25.02.2015, 10:35

Beitragvon Vicki » 26.02.2019, 09:42

Hallo Gaby,

das wäre mir neu, vielleicht weis jemand hier was genaueres?

Unser Facharzt hat mal gesagt bis 21.

Gruss Vicki

GabySP
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 933
Registriert: 12.01.2013, 17:32
Wohnort: NRW

Beitragvon GabySP » 26.02.2019, 12:34

Hallo Vicki,

wir hatten das letzte HPG zum 18.Geburtstag unseres Sohnes, weil die für drei Jahre bewilligte Therapie zeitgleich zur Volljährigkeit endete (Zufall). Aus genau diesem Grund habe ich dann gefragt, an wen wir uns zukünftig wenden müssen, wenn wir wieder Hilfe brauchen und bekam dann die Antwort, dass DasJA weiterhin zuständig wäre bis 27.

Die Zuständigkeit des KJP endet mit 21. Danach muss man einen Facharzt für Erwachsene aufsuchen.

LG Gaby
Asperger-Sohn, 01/2000

Michaela44
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 981
Registriert: 15.06.2016, 12:49

Beitragvon Michaela44 » 26.02.2019, 13:40

"SGB 8, § 41 Hilfe für junge Volljährige, Nachbetreuung

(1) Einem jungen Volljährigen soll Hilfe für die Persönlichkeitsentwicklung und zu einer eigenverantwortlichen Lebensführung gewährt werden, wenn und solange die Hilfe auf Grund der individuellen Situation des jungen Menschen notwendig ist. Die Hilfe wird in der Regel nur bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres gewährt; in begründeten Einzelfällen soll sie für einen begrenzten Zeitraum darüber hinaus fortgesetzt werden.

(2) Für die Ausgestaltung der Hilfe gelten § 27 Absatz 3 und 4 sowie die §§ 28 bis 30, 33 bis 36, 39 und 40 entsprechend mit der Maßgabe, dass an die Stelle des Personensorgeberechtigten oder des Kindes oder des Jugendlichen der junge Volljährige tritt.

(3) Der junge Volljährige soll auch nach Beendigung der Hilfe bei der Verselbständigung im notwendigen Umfang beraten und unterstützt werden."


Letztenendes ist es Auslegungssache und Abhängig von dem Grund und der Art der Leistung, wann an das Sozialamt übergeleitet wird. Da die Kostenbeteiligung unterschiedlich ist, ist es unter Umständen sinnvoll, die Begründung anzupassen (ambulante Hilfen sind über das JA kostenfrei, über das Sozialamt einkommensabhängig, bei stationäre Hilfen zahlen Eltern beim JA einen einkommensabhängigen Beitrag, beim Sozialamt und bei erwachsenen Kindern nur ca. 57 € pro Monat). Mit 27 Jahren ist auf jeden Fall Schluss, da man dann nicht mehr zu den "jungen Menschen" gemäß SGB 8 zählt.
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie

Werbung
 
B.Kant
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 728
Registriert: 28.10.2006, 21:42
Wohnort: NRW

Beitragvon B.Kant » 27.02.2019, 00:37

Richtig, die Altersgrenze ist 27 beim KJHG bzw. Eingliederungshilfe nach § 35a. Voraussetzung ist aber, dass der junge Mensch durchgängig Hilfen bekommen hat. Neu beantragen als junger Erwachsener geht leider nicht.

Deswegen bin ich immer leicht gefrustet, dass wir durch verschleppte Gerichtsverfahren nicht weiter betreut wurden und somit auch derzeit keine Hilfen bekommen. Wenn die noch lange warten, ist mein Sohn bald 27 und es ist alles zu spät :-(
Liebe Grüße
Britta

Sohn, volljährig; Diagnose: "frühkindlicher Autismus auf hohem Funktionsniveau"

"Das, was mich behindert,
damit lerne ich zu leben.
Der, der mich behindert,
der lässt mich im Leben leiden."

© Klara Westhoff


Zurück zu „Krankheitsbilder - Autismus“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste