Asperger Syndrom - abendliches Zubettgehen

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Anjali
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Beitrag von Anjali »

Hallo,

hat deine Tochter denn diffuse oder eher konkrete Ängste?

Was steckt hinter diesen Ängsten?
Ist es vielleicht die Angst vor dem Unvorhersehbaren, Unplanbarem oder stecken hinter der Schulangst vielleicht konkrete (schlechte) Erfahrungen?

Vielleicht müsste man noch woanders ansetzen, und zwar nicht (nur) beim allabendlichen Einschlafprozedere, sondernbei den Ängsten bzw. den
Angstauslösern selbst.

Es geht ja wahrscheinlich nicht nur darum, die Nacht gut zu überstehen, sondern die Anforderungen des nachfolgenden Tages zu meistern.
Oder anders gesagt: die eigentlichen Probleme lösen sich ja nicht über Nacht in Luft auf.
Evtl. müsste/könnte die Schulsituation verbessert werden bzw. im schulischen Umfeld (mehr) Hilfen installiert werden.

Was das Einschlafprozedere selbst betrifft, würde ich nach Mitteln zur Selbsthilfe forschen.
Vielleicht findet sich doch noch etwas, mit dem sich deine Tochter von ihren (angenommenen) Grübeleien und Gedankenspiralen ablenken kann.
Bücherlesen schien ja mal eine Weile lang geholfen zu haben.
Vielleicht lassen sich Alternativen finden.
Manchmal hilft auch der Gedanke, seine Ängste und Sorgen kontrollieren zu können.
Sorgenpüppchen, Traumfänger o.ä. könnten daher vielleicht auch unterstützend wirken.
Ich selbst habe mal den Tipp bekommen, meine größten Sorgen nachts auf ein Blatt Papier zu schreiben und sie dort bis zum nächsten Morgen „ruhen“ zu lassen.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (19 Jahre / Asperger-Autist)

Suza
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Beitrag von Suza »

Vielen Dank für Eure Anregungen.

Die Ängste meiner Tochter sind schon konkret, aber vielfältig. Ihre Einschlafschwierigkeiten könnten sicher mit den Anforderungen am nächsten Tag zu tun haben. Manchmal auch mit den Auswirkungen des vergangenen Tages.

Manchmal klappt es ganz gut, wenn sie ihre Sorgen und Ängste in einen Ballon "packt" und fliegen lässt.

Zähne putzen ist bei uns auch immer Thema, genauso wie die restliche Körperhygiene.
Auch der Hinweis mit altersgerecht ist gut. Da habe ich mich schon vielem verabschiedet was meine Kinder altersgemäß können "müssten".
Vielleicht deswegen auch der Wunsch dass das Einschlafen alleine klappt, abends bin ich eben auch müde und dünnhäutiger.

IlonaN
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Beitrag von IlonaN »

Hallo Suza,
übernachtet dein Kind manchmal beim vater? Wie geht das da mit dem schlafen. Wenn der Vater sich so gegen Medis sträubt würde ich meinen es klappt dort? Oder schläft sie dort garnicht, so das er das garnicht einschätzen kann?
Wenn Sie dort garnicht übernachtet, würde ich eine regelung des Übernachtens dort versuchen zu finden damit er die Problematik erkennt. Sollte er nicht einwilligen wollen könntest du auch vor Gericht gehen.
Ich 1961 Ösophagusatresie
Großfamilie mit leibl.Kindern/Ado-Kind und Pflegekindern mit FASD, ADHS, Autismus, Bindungsstörung mit Enthemmung ,Asthma, Neurodermitis u.v.m.

Suza
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Beitrag von Suza »

Meine Tochter übernachtet schon bei ihrem Vater.
Dort ist es auch problematisch, allerdings weniger da sie nur am Wochenende oder in den Ferien dort ist. Es fällt also schon mal jede Menge Alltagsanforderungen weg.
Er sieht die Problematik nicht oder ist dann schnell genervt. Ich habe eher den Eindruck sie reißt sich dann zusammen um danach zuhause alles rauszulassen.
Gericht hatten wir auch schon wegen einem anderen Thema, Einsicht bringt das leider nicht.

Lisaneu
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Beitrag von Lisaneu »

Suza hat geschrieben: Auch der Hinweis mit altersgerecht ist gut. Da habe ich mich schon vielem verabschiedet was meine Kinder altersgemäß können "müssten".
Vielleicht deswegen auch der Wunsch dass das Einschlafen alleine klappt, abends bin ich eben auch müde und dünnhäutiger.
Das mit abends müde und dünnhäutiger sein trifft bei mir auch zu. Gerade DARUM wäre es mir nicht wert, 2-3 Stunden täglich da noch zusätzlich zum vergangenen Tag zu kämpfen.

Was absolut nicht heißen soll, dass es von MEINER Seite nie abendliche "Auszucker" gibt, weil mir einfach alles zu viel wird und ich eigentlich nur noch schlafen will :oops: . Aber es gehört einfach nicht (mehr) zu meinem fixen Konzept, dass die Kinder alleine einschlafen sollten bzw. müssten.
Suza hat geschrieben: Meine Tochter übernachtet schon bei ihrem Vater.
Dort ist es auch problematisch, allerdings weniger da sie nur am Wochenende oder in den Ferien dort ist. Es fällt also schon mal jede Menge Alltagsanforderungen weg.
Er sieht die Problematik nicht oder ist dann schnell genervt. Ich habe eher den Eindruck sie reißt sich dann zusammen um danach zuhause alles rauszulassen.
Gericht hatten wir auch schon wegen einem anderen Thema, Einsicht bringt das leider nicht.
Das hört sich für mich eher wie ein nicht-wahr-haben-wollen der (autismusbedingten) Behinderung eurer Tochter an. Wie steht er sonst zur Diagnose? Geht er davon aus, dass sie korrekt ist oder ist er diesbezüglich unsicher? Oder ist er der Überzeugung, dass du und irgendwelche Psychologen sich da was zusammengesponnen haben und eure Tochter doch eigentlich ein völlig gesundes, neurotypisches Mädchen ist? Wenn das der Fall wäre erklärt das natürlich sein Verhalten.

Abgesehen davon sollte mMd das "Wer handhabt was wie?" streng getrennt sein. Ihr müsst nicht "an einem Strang ziehen", jeder kann das so handhaben, wie er es für richtig hält. Sprich: dein Mann kann durchaus versuchen, dass eure Tochter bei ihm alleine einschläft und du kannst dich durchaus dazu entscheiden, dir das selbst NICHT anzutun :wink: .

Wenn du das Sorgerecht hast, dann kann dein Ex-Mann bezüglich Schlafritual bei dir zu Hause oder auch Medikation nur seine Meinung dazu kundtun - mehr nicht! Es geht ja nicht darum, das Kind mit Medis vollzupulvern um selbst seine Ruhe zu haben, sondern eventuell eine Möglichkeit zu finden, wie es für dich und deine Tochter etwas entspannter laufen könnte. Und wenn Medis, dann natürlich nur in Absprache mit Spezialisten und mit der Option, diese bei unerwünschten (Neben.-)Wirkungen wieder kontrolliert abzusetzen.

Es geht nicht darum, bei deinem Ex-Mann Einsicht zu bewirken sondern um das HIER und JETZT mit deiner Tochter. Klar werden Entscheidungen, die du eigenmächtig triffst, erst mal zu Konflikten führen, wenn bisher letztendlich du die Hauptarbeit, aber er trotzdem die Entscheidungsgewalt hatte. Daher solltest du Dir in dem Fall durchaus Profis (SPZ, KJP, Schulpsychologe,...) mit ins Boot holen, und dann einfach durchziehen, was DU für richtig hältst. Alles Gute :wink: !
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama ADHS (mit 49 diagnostiziert)

Anjali
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Beitrag von Anjali »

Hallo,

ist ein gemeinsames Zubettgehen überhaupt das, worauf deine Tochter hinausmöchte?
Oder braucht sie vielleicht die abendliche Aiseinadersetzung, um sich und ihre Ängste abzureagieren?
Du schriebst ja, dass es eigentlich egal ist, ob du bei ihr im Zimmer bleibst oder gehst.

Für mich selbst wäre ein gemeinsames Zubettgehen mit meinem Kind auch nicht die ideale Lösung.
Einmal, weil ich abends auch noch eine kleine Verschnaufpause für mich brauche, und andererseits, weil ich
bevorzugt auf Hilfen zur Selbsthilfe setze.
Dein Tochter könnte im besten Fall Strategien entwickeln/lernen, die ihr dabei helfen würden, mit gewissen Ängsten/Sorgen besser umzugehen und ein evtl. Gefühl der Hilflosigkeit mindern könnte.
(Gute Ärzte und Therapeuten könnten hierbei unterstützen.)

Die Perspektive, dass in absehbarer Zeit Hilfen nahen werden und prinzipiell auch auf die konkreten Angstauslöser eingegangen werden wird (z.B. in der Schule selbst), könnte vielleicht auch unterstützend wirken.
Viele Grüße
Anja

Mutter mit Sohn (19 Jahre / Asperger-Autist)

Suza
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Beitrag von Suza »

Lisaneu hat geschrieben: Das hört sich für mich eher wie ein nicht-wahr-haben-wollen der (autismusbedingten) Behinderung eurer Tochter an. Wie steht er sonst zur Diagnose? Geht er davon aus, dass sie korrekt ist oder ist er diesbezüglich unsicher? Oder ist er der Überzeugung, dass du und irgendwelche Psychologen sich da was zusammengesponnen haben und eure Tochter doch eigentlich ein völlig gesundes, neurotypisches Mädchen ist? Wenn das der Fall wäre erklärt das natürlich sein Verhalten.

Abgesehen davon sollte mMd das "Wer handhabt was wie?" streng getrennt sein. Ihr müsst nicht "an einem Strang ziehen", jeder kann das so handhaben, wie er es für richtig hält. Sprich: dein Mann kann durchaus versuchen, dass eure Tochter bei ihm alleine einschläft und du kannst dich durchaus dazu entscheiden, dir das selbst NICHT anzutun :wink: .

Es geht nicht darum, bei deinem Ex-Mann Einsicht zu bewirken sondern um das HIER und JETZT mit deiner Tochter. Klar werden Entscheidungen, die du eigenmächtig triffst, erst mal zu Konflikten führen, wenn bisher letztendlich du die Hauptarbeit, aber er trotzdem die Entscheidungsgewalt hatte. Daher solltest du Dir in dem Fall durchaus Profis (SPZ, KJP, Schulpsychologe,...) mit ins Boot holen, und dann einfach durchziehen, was DU für richtig hältst. Alles Gute :wink: !
Der Vater lehnt die Diagnose komplett ab. Die Diagnostik musste ich per Gericht erwirken. Bis heute hält er dagegen. Ich beeinflusse alle Ärzte und Fachleute...
Diese Konflikte kosten leider sehr viel Energie die ich viel dringender für die Kinder bräuchte.

Ich trenne strikt zwischen Papa und Mama. Ich erkläre das meiner Tochter auch und beiden Kindern hilft das viel mehr als wenn ich Dinge mache hinter denen ich nicht stehe nur weil der Vater es so handhabt.

Danke für Deine aufmunternden Worte!

Suza
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Beitrag von Suza »

Anjali hat geschrieben:Hallo,

ist ein gemeinsames Zubettgehen überhaupt das, worauf deine Tochter hinausmöchte?
Oder braucht sie vielleicht die abendliche Aiseinadersetzung, um sich und ihre Ängste abzureagieren?
Du schriebst ja, dass es eigentlich egal ist, ob du bei ihr im Zimmer bleibst oder gehst.
Ich habe oft den Eindruck, dass sie diese Auseinandersetzung "braucht". Das war schon im Kleinkindalter so. Deswegen bin ich mir auch ziemlich sicher dass sie nicht schlafen würde wenn ich da bleibe bis sie eingeschlafen ist.
Es ist eine verzwickte Situation.

Lisaneu
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Beitrag von Lisaneu »

Suza hat geschrieben:
Anjali hat geschrieben:Hallo,

ist ein gemeinsames Zubettgehen überhaupt das, worauf deine Tochter hinausmöchte?
Oder braucht sie vielleicht die abendliche Aiseinadersetzung, um sich und ihre Ängste abzureagieren?
Du schriebst ja, dass es eigentlich egal ist, ob du bei ihr im Zimmer bleibst oder gehst.
Ich habe oft den Eindruck, dass sie diese Auseinandersetzung "braucht". Das war schon im Kleinkindalter so. Deswegen bin ich mir auch ziemlich sicher dass sie nicht schlafen würde wenn ich da bleibe bis sie eingeschlafen ist.
Es ist eine verzwickte Situation.
Naja, das (ob sie schlafen würde wenn du bis zum einschlafen dabei bleibst) kann man ja ausprobieren. Und du kannst deine Tochter ja auch fragen, wie es für sie passend wäre und danach entscheiden, ob das für dich machbar ist.

So etwas (Totalablehnung der Diagnose durch den Vater) habe ich schon zwischen deinen Zeilen heraus gelesen. Schade, dass den Kindern oft die Unterstützung verweigert bzw. erschwert wird, weil wer die Wirklichkeit nicht sehen will! Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für die passenden Entscheidungen!
Sohn 3/2010 hochfunktionaler Asperger-Autist + ADHS
Sohn 7/2012, gehörlos + kurzsichtig + frühkindlicher Autist
Mama ADHS (mit 49 diagnostiziert)

JanaSnow
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Beitrag von JanaSnow »

Hallo,

vorab: Ich kenne mich mit Autismus nicht aus.

Ich hoffe, es ist dennoch okay, wenn ich ein paar meiner Gedanken aufschreibe. Du kannst sie dann komplett "in die Tonne kicken" oder vielleicht findet sich was, was etwas abgewandelt doch für Euch passen könnte.

Gerade die Pubertät ist ja für alle Kinder nochmals ein großer Meilenstein in der Entwicklung und das kommt nun zu den ohnehin großen Herausforderungen hinzu.

Bei dem Satz "Sie braucht die Auseinandersetzung" hatte ich folgenden Gedanken:
Wäre es eventuell sinnvoll, wenn sie eine Sportart ausüben könnte, bei der sie diese "Auseinandersetzung" auf andere Weise rauslassen könnte? Meine Nichte macht Taek won doo (schreibt man das so?) und Karate. In der Pubertät wo sie oft nicht wusste wohin mit ihren diffusen Gefühlen war das irgendwie hilfreich und hat viel Spannung rausgenommen. Sie war am Abend ausgepowert und irgendwie auch auf Geleistetes stolz, so dass das Einschlafen leichter fiel.
Entspannungstee, sanfte Musik, eine klar definierte Zeit zum Austausch mit Papa (Mama war da nicht so "geduldig" und klar wie der Papa) halfen ihr Abends zur Ruhe zu kommen.

Und Tagebuch führen war ein ganz wesentlicher Aspekt.


Beruhigungsbad am Abend?

Entspannungsmusik und kleine Leuchtsternchen an der Zimmerdecke?

Will sie unbewusst wieder die etwas unbeschwertere Kindheit zurück. Harmonie? Mama liest am Abend vor?.....

Und dann für mich die Frage: Ist da neu ein Problem in der Schule mit Mitschülern, das sie nicht definieren kann oder will? Warum hat es eine Zeitlang mit abendlichem Lesen geklappt und nun nicht mehr? Ist da was vorgefallen, was sie bewusst oder unbewusst zwar nicht mitteilt, sie aber doch immens beschäftigt? Vielleicht darum auch etwas leichter beim Vater, weil da nicht am nächsten Morgen Erlebnisse in der Schule "drohen"?

Alles nur Gedanken. Ich hoffe, es war okay, dass ich sie einfach so notiert habe - auch ganz ohne Ahnung von Autismus.


Herzliche Grüße und viel Kraft
Jana

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