Nachteilsausgleich wird nicht beachtet

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Alexandra1984
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Beitragvon Alexandra1984 » 08.11.2018, 20:33

Ist-Situation:
Kind kommt NICHT klar, Mutter behindert eine ordentliche Kommunikation (auch wenn sie mit Sicherheit nicht nur unrecht hat), Lehrerin sitzt am längeren Hebel, es kann nichts geändert werden, also MUSS eine Schulbegleitung her. Diese ist ein Strukturgeber und auch ein Organisator und ein Sprachrohr. Diese soll dem Kind helfen und nicht den Lehrkörper ersetzen. Auch wenn sicher weitere Eltern unzufrieden sind, gibt es bestimmt auch die Eltern, die dieses Konzept klasse finden.

Bist du dir sicher, dass einfach Zettel wieder aufgeheftet werden? Evtl. haben die Kinder noch einen weiteren Tischordner damit nicht immer alles mitgeschleppt wird, oder dein Kind legt es raus, weil er eine Anweisung missverstanden hat.

Stärke und hilf dem Bub. Auch wenn du „recht“ bekommst, wird es euch nicht mehr helfen...
mit N. (2011) Epilepsie und Asperger

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Michaela44
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Beitragvon Michaela44 » 08.11.2018, 20:55

Hallo Heike,

sie es doch mal so: die Art des Unterrichtes dieser einen Lehrerin macht einigen Schülern zu schaffen und entspricht teilweise nicht dem Lehrplan. Ja, es ist unbefriedigend und erscheint als falsch, eine SB zu beantragen, wenn diese Lehrerin das eigentliche Problem ist. Es ist aber unwahrscheinlich, dass sich die Lehrerin ändern wird oder dass ihr Eltern kurzfristig erreicht, dass sie sich ändern muss. Du kannst jetzt viel Energie dafür aufbringen, an der Situation etwas zu ändern, aber es wird wahrscheinlich nicht (rechtzeitig) geschehen. Von daher ist es wahrscheinlich sinnvoller, das Ziel: die Lehrerin soll es anders machen, nicht weiter zu verfolgen und sich stattdessen zu fragen: was benötigt dein Sohn, um das nächste 3/4 Jahr mit dem Unterricht dieser Lehrerin klarzukommen.

Im Gegensatz zu den anderen Eltern hast du die Möglichkeit, eine SB zu beantragen. Die kannst du nutzen. Dann kann die SB das ausbaden, was die Lehrerin nicht schaft.

Alles Gute,
Michaela
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie

AnnalenaO
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Beitragvon AnnalenaO » 08.11.2018, 21:12

Hallo Michaela!

Danke, das hast du gut formuliert.
Liebe Heike, ich will dir ja gar nicht die Schuld am ganzen Elend geben, die Lehrerin ist einfach nicht geeignet für dein Kind. Und du hast halt auch mit deinem anderen Kind schon viel Mist erlebt und bist vobelastet.
Da kann dein jüngerer Sohn aber nichts dafür. Versuche es bei ihm erneut mit einer SB. Und wenn das auch nicht klappt, dann kann man ja immer noch weitersehen.
Vielleicht wirst du ja aber auch positiv überrascht? Wer weiss. Versuch macht Klug ;)
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
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Beitragvon SabineUfr » 09.11.2018, 11:07

Zum Thema Schulbegleitung: wir haben in gut drei Jahren jetzt die dritte Schulbegleitung. Das lag aber an den Schulbegleitungen und nicht am Sohn. Die aktuelle Kraft (gelernte Erzieherin) hat endlich mal das Kind begriffen und bringt ihn voran. Ohne Schulbegleitung wäre unser Weg weitaus steiniger und schwieriger gewesen. Und vor allem hätte sich Junior nicht so gut weiter entwickelt. Da bin ich fest davon überzeugt, dass da die Schulbegleitung eine große "Mitschuld" hatte.

Leider gehst du ja auf die genannten Vorschläge überhaupt nicht ein. Du verzettelst dich in vielen Details. Dabei vergisst du meiner Meinung nach das "große Ganze". Und es ist so wie schon geschrieben wurde: die Welt wird sich nicht immer deinem Kind anpassen (können). Etwas flexibler zu werden schadet nicht. Und Inklusion bedeutet meiner Meinung nach, dass jeder so sein darf wie er ist und man sich miteinander arrangiert. Da haben aber beide Seiten ihren Anteil daran und müssen an sich arbeiten.

Übrigens solltest du evtl. wirklich mal versuchen, nicht auf alles was deinem Sohn so "passiert" so einzugehen. Mein Sohn neigt auch gerne mal zum Überdramatisieren, beurteilt Situationen nicht richtig (andere Wahrnehmung) oder ist schlichtweg auch mal faul oder neigt gerne zu Vermeidungsstrategien. Manchmal muss man auch einfach mal durch nicht so angenehme Erlebnisse durch (Wandertag).

Nimm doch endlich Hilfe an, nimm dich zurück und gib deinem Sohn die Chance auf ein leichteres Miteinander!

Und im Übrigen lese ich hier nur wohlwollende Beitrage, die dich einfach mal aufrütteln sollen und dich aus deiner Sackgasse rausbringen wollen!
Sabine mit Sohn (*2004), ADHS und Asperger

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HeikeLeo
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Update

Beitragvon HeikeLeo » 19.12.2018, 12:15

So, jetzt sind zum Glück bald wieder Ferien und ich kann ein kleines Update geben.

Der Brief an das Schulamt hat offenbar eine gewisse Wirkung gezeigt. Die Anzahl der Sonderveranstaltungen ist etwas zurückgefahren worden. Seit den Herbstferien gab es jetzt nur 6 (zwischen Sommerferien und Herbstferien waren es 18). Und die Veranstaltungen werden jetzt zu Einzelstunden deklariert - wenn dann die Teilnahme am Sportfest in einer Einzelstunden genau in der Mitte des Unterrichtes platziert wird, dann ist damit trotzdem der ganze Tag verstrubelt. - War jetzt aber bei uns kein Problem, da Sohn seit den Herbstferien ständig Kopfschmerzen hatte. Ich habe ihn an einzelnen Tagen zu Hause gelassen, an einzelnen Tagen hat ihn die Schule abholen lassen (er hat es tatsächlich hingekriegt, es den Lehrerinnen auch vorzujammern. Das gibt Pluspunkte der Sozialkompetenz.) und die letzten zwei Wochen ist er von der Kinderärztin ganz krankgeschrieben. Ich habe ihn auch von der Klassenlehrerin einmal abgeholt. Was sie mit Worten sagt und was sie mit ihrem Gesicht sagt, widerspricht sich sehr stark: Mit Worten hat sie ihm gute Besserung gewünscht und eingesehen, dass man mit Kopfschmerzen nach Hause geschickt werden muss. Mit ihrem Gesicht hat sie gesagt, dass sie Sohn für ein Weichei hält, dass sie die Kopfschmerzen nicht glaubt und dass sie sich Sorgen macht, dass sie wegen des Nachhauseschickens Ärger kriegen könnte.

Die meisten Klassenarbeiten hat Sohn trotzdem mitgeschrieben. Auch den von mir beklagten Aufsatz. Ich stelle meine Kritikpunkte noch einmal zusammen und den Aufsatz als Attachment rein.
-Dass ein Märchen als Aufsatz geschrieben werden sollte, stand schon am Anfang des Schuljahres fest. In welcher Form der Aufsatz geschrieben werden sollte, wurde aber erst zwei Tage vor der Klassenarbeit angesagt, nämlich eine Art Reizwortgeschichte.
-Die Kinder haben im Auftrag der Lehrerin keinen einzigen Übungsaufsatz geschrieben. Üben ist offenbar nur etwas für Streber und die Lehrerin mag keine Streber.
-Die Struktur, die das Märchen haben sollte hat sie in Form von fünf sich widersprechenden Listen drei Wochen vor der Klassenarbeit praktisch gleichzeitig herausgegeben, u.a. waren im Lapbook zwei Listen.
-Davor sollten die Kinder durch Lesen von Märchen selbst die Struktur herausfinden und dann ein Beispielmärchen schreiben. (Gelesen wurde: Froschkönig, Die Sieben Geißlein, Die Bremer Stadtmusikanten - der Lehrerin war ein magischer Gegenstand im Märchen sehr wichtig, wie man an einigen der danach ausgegebenen Strukturierungslisten sehen konnte. Bei den Beispielmärchen gibt es das nicht.)
- Ich bin sehr zufrieden, dass er geschrieben hat, was er geschrieben hat und wie er geschrieben hat. Ich bin auch mit der Note mehr als zufrieden und ich denke, dass die Lehrerin weit über ihren Schatten gesprungen ist. ABER: Sohn sieht, dass der Aufsatz sehr rot geworden ist. Sein Tenor: War nicht gut. Er sieht, dass die Lehrerin seine Schrift schlecht findet (J, b...) und er wägt jetzt für sich ab, das nächste Mal doch wieder lieber nichts hinzuschreiben, denn wer nichts macht, kann auch nichts falsch machen. Für mich bleibt also sehr viel Arbeit.

Liebe Grüße
Heike
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Andreaxxx
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Beitragvon Andreaxxx » 19.12.2018, 13:03

Hallo Heike,

ich weiß jetzt nicht wirklich, was du uns sagen möchtest.

Ist das so eine Art Tagebuch hier oder zu welchem Themas möchtest du ein Feedback?

Ja, ich denke, die Lehrerin ist sehr über ihren Schatten gesprungen!
In einem halben Jahr wird dein Sohn die Schule wechseln und die Lehrerin hat wahrscheinlich keine Lust mehr auf Diskussionen mit dir. So gibt sie deinem Sohn eine gute Note und sie erspart sich einiges.

Die Schrift finde ich allerdings schön.

AnnalenaO
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Beitragvon AnnalenaO » 19.12.2018, 15:10

Hallo Heike!
Ich finde die Entwicklung deines Sohnes bedenklich. Wenn die Lehrerin nicht genau nach seinen Vorstellungen agiert droht er Verweigerung an. Das hat was von Prinzessin auf der Erbse wo wir schon bei Märchen sind. Er hat doch eine 1-2 bekommen, was will er mehr? Als Nachteilsausgleich durchsetzen dass die Lehrerin einen blauen Stift zum korrigieren benutzt? Ich würde da ein ernstes Wort mit meinem Sohn reden. Die Lehrerin ist dafür da Fehler zu korrigieren und Korrekturfarbe ist rot. Das ist einfach eine Gegebenheit mit der er leben muss.. Ich finde nicht dass die Lehrerin überpingelig Buchstaben korrigiert hat. Es würde deinem Sohn gut tun wenn er lernen würde mal Fünfe gerade sein zu lassen ;)
Liebe Grüsse, AnnalenaO
Sohn 5/2009 Asperger Syndrom
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toto35
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Beitragvon toto35 » 19.12.2018, 15:50

AnnalenaO hat geschrieben:Hallo Heike!
Ich finde die Entwicklung deines Sohnes bedenklich. Wenn die Lehrerin nicht genau nach seinen Vorstellungen agiert droht er Verweigerung an. Das hat was von Prinzessin auf der Erbse wo wir schon bei Märchen sind. Er hat doch eine 1-2 bekommen, was will er mehr? Als Nachteilsausgleich durchsetzen dass die Lehrerin einen blauen Stift zum korrigieren benutzt? Ich würde da ein ernstes Wort mit meinem Sohn reden. Die Lehrerin ist dafür da Fehler zu korrigieren und Korrekturfarbe ist rot. Das ist einfach eine Gegebenheit mit der er leben muss.. Ich finde nicht dass die Lehrerin überpingelig Buchstaben korrigiert hat. Es würde deinem Sohn gut tun wenn er lernen würde mal Fünfe gerade sein zu lassen ;)
Liebe Grüsse, AnnalenaO


Hallo,

ich bin da ganz bei Annalena. Auch ich schüttele hier im Thread nur noch den Kopf über Heike. Heike, was willst du? Was bringt es dir hier Anhänge um Anhänge zum downloaden hereinzustellen? Zustimmung für dein Handeln bekommen? Du erreichst das Gegenteil, das mußt du doch schon gemerkt haben.
Vor allem tut mir dein Sohn damit leid - du stellst hier sehr persönliche Dinge herein...

Ich frage mich auch, was du erreichen willst?

So ist der Schulalltag, und Integration und Nachteilsausgleich hin oder her, auch du und dein Sohn müßt euch bewegen.

Auch mein Sohn hat Nachteilsausgleiche und auch ich möchte, daß diese eingehalten werden, und das funktioniert bei Weitem nicht immer. Auch ich bin in Bezug auf meinen Sohn eine "Löwenmama" - bis heute - aber ich versuche IMMER in KONSTRUKTIVEN Gesprächen mit der Schule und den Lehrern zu agieren.
So kommen wir IMMER weiter, ohne daß jemand sich komplett in seiner Haltung und seinem Tun und in seiner Meinung ändern muß - wir finden IMMER einen Kompromiß womit mein Sohn, wir Eltern und auch die Schule gut arbeiten kann.

An der Stelle eurer Schule und eurer Lehrer würde ich euch nicht mehr ernst nehmen, schon lange nicht mehr.

Wie stellst du dir das für die weiterführende Schule vor? In den meisten weiterführenden Schulen ist dein Kind ein Schüler unter vielen - und so wird auch gehandelt. Da gibt es definitiv keine Zeit für deine , ja ich nenne es jetzt mal wirklich so, Spielchen.
Willst du dort dem Lehrer wirklich vorschreiben, daß er die Farbe rot nicht zum Korrigieren nehmen darf?!?
In der weiterführenden Schule meines Sohnes wird jeder Buchstabe, jedes Wort welches nicht sofort lesbar ist als Fehler angestrichen. Da gibt es keine Diskussion. Auch, wenn mein Sohn einen Nachteilsausgleich auf die Schrift hat. Klar, haben wir versucht da einen Kompromiss zu finden - ABER mein Sohn mußte trotzdem lernen, so leserlich zu schreiben, daß die Lehrer es wenigstens lesen können. Unser Kompromiss: Mein Sohn schreibt so, das es wenigstens lesbar ist, dann ist das ok für die Lehrer, und die Lehrer bewerten die Form des Schriftbildes nicht so streng wie bei den anderen Schülern. Und das funktioniert. Man muß einfach nur aufeinander zugehen - und das sehe ich bei dir nicht.
Da wird kurzer Prozess mit dir gemacht werden in der weiterführenden Schule, egal welche es sein wird - und dann auch - leider mit deinem Sohn.

Sorry, wenn ich das jetzt vielleicht so hart schreibe, aber man denkt wirklich , wenn man hier von dir liest, Heike, es darf nicht wahr sein. Du tust deinem Sohn keinen Gefallen. Auch ich kämpfe - bis heute - für meinen Sohn, auch ich mußte und muß lernen loszulassen, aber du machst einfach viel zu viel und in die komplett falsche Richtung. Dein Sohn muß auch negative Erfahrungen machen dürfen (z.b. na gut, meine Lehrerin hat in rot korrigiert und da ist viel rot ABER da sehe ich auch was ich wie besser machen kann und rot ist nun mal die Lehrerfarbe - das MUß ich einfach akzeptieren!) - nur so lernt er - auch für seine Zeit nach der Schule.
LG

____________________________________
Sohn (17 Jahre): ADHS/ADS (Mischform), Fructoseintoleranz, v.a. Migräne, Kiss-Kind (Therapie endlich erfolgreich beendet!)

rena99
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Beitragvon rena99 » 21.12.2018, 12:19

HeikeLeo hat geschrieben:- Ich bin sehr zufrieden, dass er geschrieben hat, was er geschrieben hat und wie er geschrieben hat. Ich bin auch mit der Note mehr als zufrieden und ich denke, dass die Lehrerin weit über ihren Schatten gesprungen ist. ABER: Sohn sieht, dass der Aufsatz sehr rot geworden ist. Sein Tenor: War nicht gut. Er sieht, dass die Lehrerin seine Schrift schlecht findet (J, b...) und er wägt jetzt für sich ab, das nächste Mal doch wieder lieber nichts hinzuschreiben, denn wer nichts macht, kann auch nichts falsch machen. Für mich bleibt also sehr viel Arbeit.


Ich glaube, das ist nicht zu verhindern, wenn man autistische Kinder hat, dass man da viel Arbeit zu erledigen hat. Es ist tatsächlich deine Aufgabe, den "Erklärbär" zu machen und ihm zu erläutern, welche Funktion die rote Tinte einer Lehrerin hat. Und auch, welche Funktion sie nicht hat. Oder es ist die Aufgabe einer entsprechenden Therapeutin (oder eines Therapeuten). Ich kann mich tatsächlich an die rote Tinte und ihre Wirkung bei meiner Tochter sehr sehr gut erinnern. Sie betrachtete das irgendwie auch als Eindringen in ihre Privatsphäre (da "verschandelt" jemand ihre Geschichte...). Ich habe das damals als alleinig meine Aufgabe gesehen, ihr da eine neue Sichtweise zu vermitteln.

Es ist ein notwendiger Lernprozess für deinen Sohn, dass der die Welt versteht (zumindest rational), so wie sie ist. Und es ist Aufgabe des Elternhauses und der Therapeuten, ihm einen Umgang mit den damit verbundenen Emotionen zu ermöglichen.

Ich gehe doch mal davon aus, dass du dir für deinen Sohn später einen Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt wünscht. Wenn das so ist, musst du jetzt daran arbeiten, dass das später auch gelingt.

Natürlich müssen da auch die Schule und die Lehrer dran mitarbeiten. Aber so, wie du das darstellst, ist die Lehrerin ihm ja durchaus entgegengekommen.

Ich wünsche dir da mal Kraft und Durchhaltevermögen, denn die wirst du brauchen. Erklärungen und Erläuterungen braucht auch meine erwachsene Tochter noch. Engird hatte da ja gerade einen spannenden Artikel verlinkt.

Gruß
Rena

P.S. Wenn ich so noch mal über deine Beschreibungen hier nachdenke: es wirkt so, als würdest du "optimalste" (aus deiner Sicht) Bedingungen für deinen Sohn erwarten. Dabei heißt Teilhabe, dass er "normale" Bedingungen haben kann. Es wirkt so, ob es so ist, kannst du nur selbst entscheiden.
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

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HeikeLeo
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Beitragvon HeikeLeo » 21.12.2018, 16:19

Dabei heißt Teilhabe, dass er "normale" Bedingungen haben kann.


Ich würde mir tatsächlich normale Bedingungen wünschen. Mit normalen Bedingungen kämen wir alle gut klar, wir haben auch schon sehr lang geübt.

Aber in dieser Schule sind die Bedingungen nicht mehr normal. Sie sind vollkommen entrückt: Es gibt keinen Stundenplan, es gibt keinen verlässlichen Pausengong, es gibt keine Lernziele, der Unterricht findet nicht mehr primär im Klassenverband statt (mit gemütlichen 17 Kindern pro Klasse) , sondern in der Schule als Ganzes (mit etwa 600 Kindern) und auch örtlich im gesamten Schulgebäude z.B. im Flur - ohne erwachsene Aufsicht versteht sich und ich bin leider öfters Zeugin von Schlägereien geworden bzw. habe diese beendet - wenn ich zum Abholen gerufen wurde. Die Schule gilt nicht als Brennpunktschule!

Das heißt die jetzige Lehrerin liegt sehr auf der Linie der neuen Schulleitung, die vorige Lehrerin hat klassischeren Unterricht gemacht. Mit der klassischeren Variante hatten wir KEINE Probleme. Da war das, was wir als Nachteilsausgleich jetzt mühsam verschriftlicht haben ganz selbstverständlich. Jetzt sind Nachteilsausgleiche verschriftlicht, aber keiner hält sich daran. - Sportunterricht wird z.B. wahllos in den anderen Unterricht eingestreut, Sohn ist vom Sportunterricht befreit - es wird aber nur auf Nachfrage angesagt. Ich habe aber ein Gefühl dafür, wenn es wieder ansteht, deshalb kann ich sehr gezielt nachfragen. Sohn wird aber von der Lehrerin offensichtlich nicht mitgedacht.

Mein großer Sohn war in einer Förderschule für Körperbehinderte und Geistigbehinderte. In der gleichen Klassenstufe ist der Klassenlehrer, ein Sonderpädagoge, auf die glorreiche Idee gekommen, Toilettentraining zu machen - Sohn hat in der Schule im Stehen ins Klo gepinkelt. Er sollte unbedingt sitzen. Daraufhin hat Großsohn wieder angefangen einzunässen und auch der Stuhlgang hat sich verschlechtert bis hin zu 24-stündigem Kotschmieren. Wir mussten also ein fast sauberes Kind wieder mit Windeln versorgen - die er sich nach Lust und Laune dann selbst abgezupft hat. In der Folge von dem ständigen Kotschmieren hat er schwere Harnwegsinfekte entwickelt - mehrere Jahre lang haben umliegende Urologen und auch eine Klinik ihre Kunst ganz ausgeschöpft. Im Rahmen der Harnwegsinfekte hat Sohn sich öfters erbrochen - gerne in Gesellschaft. War für die Geschwister eklig. Wir haben zwölf Jahre gebraucht, um den Fehler des Lehrers wieder halbwegs auszubügeln. Trotz Schulbegleitung! Die Schulbegleitung war so genervt von dem Lehrer, dass sie gekündigt hat. Wir hatten sie davor schon drei Jahre! Aber der Lehrer war damals sehr überzeugt von seinem Tun. Und der Umfang des angerichteten Schadens war uns damals auch nicht so klar wie jetzt. Und ich denke, wir überblicken die ganze Tiefe noch nicht einmal jetzt. - Immerhin haben wir das Korschmieren "wegheilen" können. Sohn pinkelt jetzt zum Glück wieder im Stehen in sein individuelles Klo und nicht mehr im Sitzen in die Hose. Der Umweg über die Harnwegsinfekte war aber sicherlich überflüssig.

Die jetzige Lehrerin ist genau gleich geschnitzt. Mit viel Engagement und Unverstand richtet sie Schaden an, den andere Leute reparieren müssen. Das muss doch nicht sein. Es geht auch nicht um die Farbe rot in dem Aufsatz. Ich habe ja auch schon geschrieben, dass ich mit dem Aufsatz hochzufrieden bin. Es geht vielmehr um die fehlende Anleitung im Vorfeld, um die überflüssige Bemängelung der Schrift - und ehrlich, es hätte auch gereicht, wenn sie Amulett nur einmal richtig darunter geschrieben hätte und die anderen Male mit einem Strich gekennzeichnet hätte. Erfreulicherweise hat Sohn es jedes Mal auf die gleiche Weise falsch geschrieben.

Ich glaube, das ist nicht zu verhindern, wenn man autistische Kinder hat, dass man da viel Arbeit zu erledigen hat. Es ist tatsächlich deine Aufgabe, den "Erklärbär" zu machen und ihm zu erläutern, welche Funktion die rote Tinte einer Lehrerin hat. Und auch, welche Funktion sie nicht hat. Oder es ist die Aufgabe einer entsprechenden Therapeutin (oder eines Therapeuten).

Und ich mache die zusätzliche Arbeit, die Autismus mit sich bringt, ja auch gerne. Aber es ärgert mich doch, wenn ich ÜBERFLÜSSIGE Arbeit auch noch aufgehalst bekomme. Es ist ja nicht nur die kleine Bemerkung im Aufsatz zur Schrift. Sie hat ständig etwas an der Schrift auszusetzen. Und sooo schlimm ist die wirklich nicht. Sie ist lesbar und halbwegs gleichmäßig. Wenn es wie getippt aussehen soll, dann sollen die Kinder bitte auch tippen dürfen.
Wenn man mit ihr darüber spricht, dann bringt sie erst Hämmer wie: Diese Kind muss in die Sonderschule. Und dann rudert sie wieder zurück, wenn sie hört, was sie sagt. Oder: Auf einen Lesetest kann man nicht üben .... wir üben aber in der Klasse. (?)

Bei der Hospitation der Autismusbeauftragten hat sie in einer Korrekturvorlage in der ersten Zeile Nowember stehen lassen. Sohn hat dann artig an seinem Platz sitzend nicht mehr in seine Unterlagen geschrieben. Ein klassischer Fall für eine Schulbegleitung. Die Autismusbeauftragte hat sich als Schulbegleitung betätigt und die Wurzel des Problems gefunden, nämlich das w. Sie hat dann bei der Lehrerin bewirkt, dass es korrigiert wird. An dem Vormittag hat Sohn trotzdem nichts mehr geschrieben. Schon vorbei.
Das hat was von Prinzessin auf der Erbse

Klar, weiß ich, das nennt man heute autistisch. So gesehen ist die Prinzessin auf der Erbse eine im Märchen verewigte Autistin mit Hyperwahrnehmung und mangelnder Alltagstauglichkeit. Aber sie ist eine echte Prinzessin. Es muss sich ja auch nicht jeder Zehen oder Ferse abschneiden, um in Aschenputtels Schuh zu passen, oder?

Ist das so eine Art Tagebuch hier

Joo. So eine Art anonymer Pranger vielleicht. Die Wurfrichtung der Tomaten stimmt nur nicht. An sich sollten Eltern autistischer Kinder wissen, wovon ich schreibe. Aber gerade hier erlebe ich sehr große Ansprüche an Anpassung. Und die Stärken unserer Kinder sieht man auch hier nicht.
Allerdings habe ich auch hilfreichen Zuspruch erfahren.
Und ich gebe meine Erfahrungen gerne weiter. Ich profitiere auch manchmal von Erfahrungen anderer. Man muss ja nicht die gleichen Fehler wiederholen;-)

Ich möchte lieber, dass Sohn seine Stärken zeigen darf und dass er mit Hilfe seiner Stärken die Schwächen dann auch kompensieren darf. Stattdessen wird Anpassung gefordert an diffuse Situationen und wenn er einen auf toten Mann macht, wird er geschimpft.
Mit dem Regellehrplan hätte er keine Probleme. Aber er kann nunmal die Rechtschreibung nicht beim Wandern üben. Da hilft auch eine Schulbegleitung nicht. Aber er soll sich, auch nach einhelliger Meinung hier, an Wanderungen gefälligst anpassen und dann gefälligst orthographisch richtig schreiben können. Und ein b ja nicht wie le aussehen lassen. zur Not verzichtet man dann halt auf die Rechtschreibung. Und das ist aber das einzige, was für ihn erreichbar ist. Sein b wird immer wie le aussehen und die Wanderungen werden ihn immer töten, ob mit oder ohne Schulbegleitung.

Ich wünsche dir da mal Kraft und Durchhaltevermögen, denn die wirst du brauchen. Erklärungen und Erläuterungen braucht auch meine erwachsene Tochter noch. Engird hatte da ja gerade einen spannenden Artikel verlinkt.

Das ist alles vollkommen richtig. Aber es ist auch richtig, dass wir von einem verpflichtenden Schulsystem etwas einfordern dürfen und nicht nur demütig als Gnadenakt unbesehen und mit unendlicher Dankbarkeit empfangen dürfen.

Liebe Grüße
Heike


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