GdB und Pflegegrad - jetzt doch

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der kleine kurt
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GdB und Pflegegrad - jetzt doch

Beitragvon der kleine kurt » 12.04.2018, 16:37

Hallo zusammen,

mein Sohn (Asperger) ist jetzt 10 und ich habe mich aus verschiedenen Gründen jetzt doch entschlossen, das Thema GdB und Pflegegrad anzugehen.

Vielleicht können mir hier ein paar kurz und schmerzlos weiterhelfen; ich stehe noch ziemlich am Anfang meiner Recherchen.

Zum GdB:
"Bei tief greifenden Entwicklungsstörungen, die für sich allein einen GdS von mindestens 50 bedingen, und bei anderen gleich schweren, im Kindesalter beginnenden Verhaltens- und emotionalen Störungen mit lang andauernden erheblichen Einordnungsschwierigkeiten ist regelhaft Hilflosigkeit bis zum 18. Lebensjahr anzunehmen."

Heißt das, dass man automatisch 50H bekommt, wenn man mit Asperger einen GdB feststellen lassen will? Oder heißt das, dass man bei tiefgreifenden Entwicklungsstörungen auch nur 20 bekommen kann, und nur wenn man über 50 hat gibt es bis 18 automatisch das H dazu?

Zum Pflegegrad: Macht es Sinn, schon vor der Beantragung die ganzen Aufzeichnungen zu beginnen?

Bei meinem Sohn ist das auf den ersten Blick alles halb so wild: Regelkind an inklusiver Regelgrundschule, Autismustherapie ist letztes Jahr ausgelaufen, derzeit Ergo, keine Schulbegleitung, hat Hobbys (Instrument und Sport), läuft nach außen gut mit usw.

Es ist aber leider super anstrengend, die Grundlagen für diesen Status quo immer wieder herzustellen und aufrecht zu erhalten; und gerade auch der Alltag hier zuhause zermürbt einfach. Dieses ständige Anschieben, Ermahnen, anleiten, ermuntern, "zwingen", helfen usw. Ich sehe einfach auch den Unterschied zu seiner 3 Jahre jüngeren Schwester, die jetzt auch zur Schule geht, viel selbstständiger und kooperationswilliger ist - und sie sieht es auch.

Mir geht es noch nicht mal um Leistungen, sondern ich merke, dass ich es für mich brauche, schwarz auf weiß. Und im Hinblick auf evtl. nötige Nachteilsausgleiche oder so an der weiterführenden Schule nä. Jahr kann es ja vielleicht auch nicht schaden.

Aber habe ich unter den Voraussetzungen überhaupt Chancen?
Wird sowas gesehen?

Und was beantragt man besser zuerst? Oder ist das egal?

Viele Grüße
Kurtine

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NicoleWW
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Beitragvon NicoleWW » 12.04.2018, 23:39

Hallo,

ich weiß nicht ob man automatisch einen SBA mit 50 % bekommt wenn man Autismus hat, denn das hängt ja von der Beeinträchtigung ab. Auch das H bekommt man nicht automatisch, wir haben es bei beiden Kindern nicht bekommen, S hat 60 und J hat 80 G und B.

Pflegegrad weiß ich noch nicht 100% wie die Ausfallen ich habe nur die Vorabinfo, dass im MDK-Gutachten bei S Pflegegrad 2 drin steht und bei J Pflegegrad 3 ob dass die KK so übernimmt weiß ich noch nicht. S hat bisher keinen Pflegegrad und J hat im Moment Pflegegrad 2.
Ein Pflegetagebuch habe ich nicht geführt, ich habe die Online-Bögen die unsere KK (DAK) im Internet hat ausgefüllt und dann mit deren Formular beantragt. Die Frau vom MDK kam hat sich ca 45 Minuten mit mir unterhalten und dann kurz das jeweilige Kind angeschaut bzw sich mit diesem unterhalten und bei 3 MDK-Besuchen wollte die Frau nur einmal dass das Kind das Bad im 1.OG zeigt. Das war alles.
Aber das ist halt von Region zu Region anders vermutlich auch von Gutachter zu Gutachter, bei uns waren 2 verschiedene Frauen da aber es war vom Ablauf immer ähnlich.

Liebe Grüße
Nicole
Nicole (70, Morbus Bechterew, Asthma) mit

J.M. (92)
J.C. (93)
J.E. (95, ADHS, E80.4)
A.M. (04, F93.3, F98.8, F81,1)
S.F. (04,F84.5, F98.8, J30.3, E80.4, J45.0)
V.L. (07, J45.1, F98.0)
J.K. (07, F84.5, F98.0)

Petra*3
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Beitragvon Petra*3 » 13.04.2018, 09:09

Bei uns (Avws hgr. "isoliert") war PG 2 sofort klar, die Gutachterin war sehr nett und freundlich, ich musste beantragen wegen internatsunterbrigung Sprachheil. SB hab ich danach beantragt und den dicken Fehler gemacht kein Merkzeichen anzukreuzen, weil ja sich dies (Theorie!!) eigentlich logisch aus dem mitgeschicktem PG-Gutachten ergibt....denkste mein nicht verkehrsicheres daueraufsicht benötigendes orientierungsloses Kind mit 12 ( Anziehen, Körperpflege usw alles "allein" aber mit Dauercoach!!!) bekam 50% ohne Merkzeichen, sind im Wiederspruch....
mfgf Petra

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Regina Regenbogen
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Re: GdB und Pflegegrad - jetzt doch

Beitragvon Regina Regenbogen » 15.04.2018, 12:43

der kleine kurt hat geschrieben:Bei meinem Sohn ist das auf den ersten Blick alles halb so wild: Regelkind an inklusiver Regelgrundschule, Autismustherapie ist letztes Jahr ausgelaufen, derzeit Ergo, keine Schulbegleitung, hat Hobbys (Instrument und Sport), läuft nach außen gut mit usw.


Und damit wird es bei dem Pflegegrad schon schwierig. Das scheint ohnehin so eine Art Glücksspiel zu sein ob und welchen Pflegegrad man bekommt.

Den SBA solltest du baldmöglichst beantragen. Wir haben das damals direkt nach der Diagnose gemacht, als unser Jüngster mit 5 Jahren in seiner "besten" Zeit war. Er hat damals einen GDB von 100 und die Merkzeichen G, H und B erhalten. Mit 10 Jahren (als er ungefähr auf dem Stand deines Sohnes war) hat man ihm das G abgesprochen (kaum noch Selbstgefährdung im Straßenvberkehr) und den GdB auf 70 herunter gesetzt, die Merkzeichen H und B sind geblieben, das ganze befristet bis zu seinem 18. Lebensjahr. Da hatte er aber noch eine Schulbegleitung und die Autismustherapie lief auch noch. Ich bin mir ganz sicher, dass er heute (ohne Schulbegleitung, Autismustherapie beendet, keine Arztbesuche etc. wegen Autismus) keinen derartigen SBA erhalten würde. Auch wenn es für mich immer noch relativ anstrengend ist, den gegenwärtigen Status aufrecht zu erhalten bzw. sogar noch zu verbessern. Pflegestufe haben wir vor 10 Jahren nicht beantragt, wäre vielleicht besser gewesen, aber nun, war eben meine (vielleicht falsche) Entscheidung. Denn schon im Alter von 8/9 Jahren hätte unser Sohn auch diese bestimmt nicht erhalten.

Für die Nachteilsausgleiche bei Autismus ist nicht der SBA und/oder der Pflegegrad entscheidend, sondern allein die Diagnose.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

Michaela44
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Beitragvon Michaela44 » 15.04.2018, 13:37

Der GdB ist abhängig von den sozialen Anpassungsschwierigkeiten, ein GdB von 10 bis 100 ist möglich, siehe hier (VersMedVO):

"3.5.1 Tief greifende Entwicklungsstörungen (insbesondere frühkindlicher Autismus, atypischer Autismus, Asperger-Syndrom)
Bei tief greifenden Entwicklungsstörungen–

ohne soziale Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 10–20,

mit leichten sozialen Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 30–40,

mit mittleren sozialen Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 50–70,

mit schweren sozialen Anpassungsschwierigkeiten beträgt der GdS 80–100.


Soziale Anpassungsschwierigkeiten liegen insbesondere vor, wenn die Integrationsfähigkeit in Lebensbereiche (wie zum Beispiel Regel-Kindergarten, Regel-Schule, allgemeiner Arbeitsmarkt, öffentliches Leben, häusliches Leben) nicht ohne besondere Förderung oder Unterstützung (zum Beispiel durch Eingliederungshilfe) gegeben ist oder wenn die Betroffenen einer über das dem jeweiligen Alter entsprechende Maß hinausgehenden Beaufsichtigung bedürfen. Mittlere soziale Anpassungsschwierigkeiten liegen insbesondere vor, wenn die Integration in Lebensbereiche nicht ohne umfassende Unterstützung (zum Beispiel einen Integrationshelfer als Eingliederungshilfe) möglich ist. Schwere soziale Anpassungsschwierigkeiten liegen insbesondere vor, wenn die Integration in Lebensbereiche auch mit umfassender Unterstützung nicht möglich ist."

Der GdS entspricht dem GdB. Das "H" gibt es automatisch bei einem GdB von 50 aufgrund von Autismus. Manche Versorgungsämter wissen das aber nicht :roll:
Asperger Autistin
mit neurodiverser Familie

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Beitragvon Ronja-und-Mini » 15.04.2018, 16:17

Ich glaube, manchmal ist es je nach Behörde tatsächlich ein Glücksspiel.

Unser kleiner Asperger (zum Zeitpunkt der Besichtigung 4 Jahre) hat PG 2 und Gdb 70 mit G, B, und H.

Während wir eigentlich PG3 nach Punkten hätten haben müssen (hatte aber keine Kraft zu dem Zeitpunkt, dagegen anzukämpfen) haben wir auf der anderen Seite ohne Widerspruch und groß Trara sofort das B, G und H bekommen.

Manchmal bekommen Asperger auch GdB 80. Auch da hatte ich keine "Lust" (weil erschöpft) um den GdB zu kämpfen, weil ich erstmal keine wesentliche Vorteile gesehen habe. Mir war wichtig, dass der Mehraufwand akzeptiert wurde.

PG2 haben wir relativ "leicht" bekommen (vielleicht sogar auch eben deshalb, damit wir nicht auf PG3 beharren) obwohl auch ein NT-Kind gerade in diesem Alter auch einen gewissen Mehraufwand hat. Wir hatten Glück, dass unser Kleiner, der oft unauffällig wirkt, wenn man ihn nur mal 30-60 Minuten zu Gesicht bekommt, an dem Tag einige "Unarten" aufzeigte, z.B. seinen Kopf gegen die Fensterscheibe hauen, weil er raus spielen wollte aber nicht durfte.

Insgesamt war er bei der Untersuchung schon eher unauffällig, aber die Dame glaubte uns, als wir von den täglichen Strapazen erzählten, z.B. das ständige Anleiten, das fehlende Gefahrenverständnis und damit das permanente Überwachen, die fehlende Sauberkeitserziehung usw. Ein Versuch schadet ja nicht! Im Endeffekt kommt es darauf an, ob ihr einen Gutachter bekommt, der sich mit Autismus auskennt und nicht nur strikt seinen Fragenkatalog abarbeitet.
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Beitragvon Engrid » 15.04.2018, 18:41

Hallo Kurtine,

Dieses ständige Anschieben, Ermahnen, anleiten, ermuntern, "zwingen", helfen usw.
Das zählt bei der Begutachtung. Irgendwo hier gibt es einen Kinderpflegegradrechner, der ist ganz gut, da kannst du das mal durchspielen.
Ich würde auf jeden Fall beantragen, du hast nix zu verlieren.

Für den SBA hat dir Michaela schon das Maßgebliche verlinkt.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

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Beitragvon der kleine kurt » 16.04.2018, 09:52

Hallo zusammen,

lieben Dank für eure Einschätzungen.

Ich wollte vor Jahren, als eben noch Eingliederungshilfe lief, er einen Förderplatz im Kiga hatte usw. diese Themen angehen, aber der Vater war leider nicht zu überzeugen.

Auch jetzt wird er dagegen sein, aber mittlerweile denke ich, dass er, einmal vor vollendete Tatsachen gestellt, sich dann geschlagen geben würde.

Mein Sohn hat einfach super Glück gehabt mit seiner Grundschule, die ihn als Regelkind wollten, obwohl er aus dem Förderkindstatus heraus aus dem Kiga kam. Dort ist das ganze Setting seit Jahrzehnten auf Inklusion ausgelegt, so dass sowieso individuell geschaut und gehandelt wird - egal ob Förderkind oder nicht.

Hier zuhause ist das aber ja schon anders. Ihr kennt das ja selbst: Man muss andere Maßstäbe anlegen und ich merke schon, dass ich ihm gegenüber eine "pflegende Haltung" einnehmen muss, weil sonst alles zu seinem Schaden an die Wand gefahren würde. Die Eingliederungshilfe im häuslichen und privaten Leben bin ja ich, seit die Therapie ausgelaufen ist!

Aber wem erzähle ich das.

Natürlich hoffe ich, wie jeder, dass das alles auch gesehen wird.

Viele Grüße
Kurtine

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Beitragvon Regina Regenbogen » 16.04.2018, 10:26

Dann wünsche ich dir viel Erfolg.

der kleine kurt hat geschrieben:Die Eingliederungshilfe im häuslichen und privaten Leben bin ja ich


Ist das nicht jede Mutter bzw. auch jeder Vater, ganz unabhängig von Autismus? :wink: Natürlich ist es mit einem betroffenen Kind ungleich schwerer.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)



Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS

Sohn * 09/2001 - ADS

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Beitragvon der kleine kurt » 16.04.2018, 11:21

Ja aber genau das ist ja der Punkt, oder nicht?

Regina Regenbogen hat geschrieben:Dann wünsche ich dir viel Erfolg.

der kleine kurt hat geschrieben:Die Eingliederungshilfe im häuslichen und privaten Leben bin ja ich


Ist das nicht jede Mutter bzw. auch jeder Vater, ganz unabhängig von Autismus? :wink: Natürlich ist es mit einem betroffenen Kind ungleich schwerer.


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