Anknurren von Menschen

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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SandraV
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Anknurren von Menschen

Beitrag von SandraV »

Hallo,

Brauche Mal wieder Rat.

Meine Tochter knurrt seit einer Weile fremde Menschen an. Immer dann wenn sie meint das sie angeguckt wird. Aber auch wenn sie angesprochen oder zufällig berührt wird.

Nun ist es leider so das sie dadurch ja nur noch mehr Aufmerksamkeit auf sich lenkt.

Ich versuche sie dann abzulenken oder zu erklären warum z.B. jemand geguckt hat.Das will sie aber gar nicht hören und fühlt sich angegriffen.

Hat jemand von euch eine Idee was ich noch machen könnte?

Zunehmend wird sie auch bei Kleinigkeiten sehr schnell aufbrausend ( vor allem mir gegenüber) und dann gucken die Leute ja noch viel mehr.

LG Sandra

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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo Sandra,

das Problem haben wir auch, bloß dass Junior nicht knurrt, sondern da teilweise ganz unbedarfte Leute angiftet, sie sollen ihn nicht anschauen ... :oops: :roll:

Dass die Leute noch viel mehr gucken (und sich auch tatsächlich eine negative Meinung bilden), wenn man sich so ungut aufführt, geht auch noch nicht rein in den Kopf.

Das Erklären ist schon mal gut, und dauert vielleicht einfach, bis es landet ... Allerdings nicht IN der Situation.

Sonst habe ich leider keinen ultimativen Tipp, ich gehe mal optimistisch davon aus, dass sich das beim Junior mit den Jahren gibt, wenn er allgemein weiterhin Fortschritte macht, seine Selbst-Andere-Wahrnehmung sich verbessert, und auch die Perspektivübernahme besser gelingt (dass er also nicht alles, jeden Blick, jedes Wort, auf sich bezieht).

Es hat übrigens bei uns auch einen Aspekt, sich seiner Begleitung gegenüber herausfordernd zu verhalten, und deshalb sage ich jetzt nichts mehr großartig dazu IN der Situation, sondern lasse stillschweigend eine Konsequenz folgen (i.A. wird eben jene Unternehmung dann fürs nächste mal, oder länger, gestrichen). Denn ich sehe, dass er da durchaus Handlungsspielraum hat, und ich möchte, dass er lernt den SELBER zu nutzen, und nicht mich als Entscheidungsinstanz zu gebrauchen. (Kann das grade nicht besser erklären).
Ob letzteres bei Deiner Kleinen auch passt, weiß ich nicht.
Selber da soweit möglich sich nicht aufzuregen und zu schämen, sondern souverän zu bleiben, hat sich bei uns übrigens sehr bewährt. Wenn es "nur" Knurren wäre, würde ich es einfach ignorieren. Ich signalisiere den betroffenen Passanten durch Achselzucken und ein freundliches Gesicht, dass es nichts ist, was sie persönlich betrifft. Kommt auch offenbar überwiegend an und nimmt viel "bad Vibrations" heraus.

Vielleicht ist es auch gut, sie einfach öfter mal zuhause zulassen, weil es ihr "draußen" zuviel wird.
Vielleicht hilft ihr Abschottung (Kapuze, Sonnenbrille, Kopfhörer mit MP3-Player)?
Vielleicht hilft ihr eine positive Alternative, was sie statt Knurren machen kann (bis dreißig zählen, ...)?

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

SandraV
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Beitrag von SandraV »

Hallo Engrid,

Ist schön zu hören das wir damit nicht alleine sind.

Das mit dem "Knurren" kann ich auch relativ gut wegstecken, das mit dem aufbrausen schon weniger.
Ist halt nicht so einfach.
Sie wird dann auch ziemlich laut und die Wortwahl ist nicht die Beste.

Leider gab ich den Eindruck das es immer schlimmer wird.
Und sie ist ziemlich gross für ihr Alter.
Keine Ahnung wie das weitergeht.

Und gerade jetzt in den Ferien schränkt es schon ziemlich ein. Denn jetzt muss sie z.B. zum Einkaufen mit.

Das mit Kopfhörern etc klappt immer nur kurzfristig, haben da noch nicht das richtige gefunden


LG Sandra

Mamialex
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Beitrag von Mamialex »

Hallo Sandra,

Oh, das kenne ich (leider!) auch! :roll:
Allerdings eher wie bei Engrid's Sohnemann, dass er einfach die Leute anblökt!

Hier ist die Wortwahl (nicht nur mir ggü.) auch oft unterirdisch.
Manchmal ist es besser, ist die Reizschwelle überschritten, wird das eher schlimmer.
Bei uns ist es eigentlich ein Indikator für "alles zu viel".
In der Öffentlichkeit tu ich mir nach wie vor aber auch arg schwer damit :?

In der Situation was zu sagen bringt hier auch nix, eher das Gegenteil, wobei ich das nicht immer gut hinbekomme, nichts dazu zu sagen :oops:

Liebe Grüße
Mamialex

Mama*72 operierte Skoliose
Sohn*08 FG 34+2 SSW, F.84.0 HFA + ADHS
Sternchen im Herz *11.SSW 2008

Ich bin nicht auf die Welt gekommen, um so zu sein, wie andere mich haben wollen!

violaya
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Beitrag von violaya »

Hallo,

ja, das kenne ich auch. Es war ein "Löwenknurren" samt passendem Gesicht, was die Frau, die nur freundlich sein wollte, sehr erschreckte. :-) Es sollte besser niemand zu nah kommen oder ihn ansprechen. Dann kommt es natürlich noch auf den Zustand gerade an. Erklärungen oder Alternativen helfen hier nicht.

Gruß
Viola
Viola (1974, alleinerziehend), Hüftdysplasie, Rosacea
und Sohn (2006), 2010 Diagnose frühkindlicher Autismus "high-functioning", meine Erachtens hyperaktiv, zeitweises Stottern
2015 ASS bestätigt + einfache Aufmerksamkeitsstörung

Angela77
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Beitrag von Angela77 »

Hallo Sandra,

vielleicht knurrt deine Tochter, weil sie sich nicht mit Worten wehren will, von denen sie weiß, dass sie dafür geschimpft wird bzw. die noch ungünstigere Reaktionen auslösen.

(Ich knurre nämlich auch manchmal meine Kinder an - wenn sie mich gerade terminal nerven, ich ein deutliches Signa, aber besser meinem Unmut nicht verbal Ausdruck geben sollte :oops:)

In dem Fall wäre Knurren ja fast schon ein Zeichen guter Sozialkompetenz :wink:

LG
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)

SandraV
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Beitrag von SandraV »

Hallo,

So hab ich das noch nicht gesehen.

Ich bin davon ausgegangen das sie mit dem Knurren klar macht komm mir nicht zu nahe sonst passiert was.

Ist halt nur nicht verständlich für Fremde.
Möchte gar nicht wissen was die sich denken.

Ich mach mir halt Gedanken wie das so weitergehen soll.
Kann man so ein Verhalten irgendwie umlenken ( auf ein sozial verträglicheres)?

Irgendwie muss sie ja auch in der Schule klarkommen, vor allem später auf der weiterführenden.
Es interessiert ja jetzt schon niemanden was ich zu sagen habe, und das wird nicht besser werden.

LG Sandra

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Regina Regenbogen
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Beitrag von Regina Regenbogen »

SandraV hat geschrieben: Ist halt nur nicht verständlich für Fremde.
Möchte gar nicht wissen was die sich denken.
Das ist gut, dass du das nicht möchtest, würde dich auch nur ablenken von den wirklich wichtigen Dingen. :wink:

Wie alt ist deine Tochter jetzt?
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

SandraV
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Beitrag von SandraV »

Hallo,

Da hast du Recht. Wenn ich mir Gedanken machen würde was andere über uns denken würde ich ja zu gar nichts mehr kommen.

Meine Tochter ist jetzt 8. Und so langsam mache ich mir auch Gedanken über die weiterführende Schule.

LG Sandra

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