Geschwisterkinder

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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Dorit1979
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Geschwisterkinder

Beitragvon Dorit1979 » 09.12.2016, 10:56

Weiß jemand von Euch, inwieweit Geschwisterkinder von Autisten ebenfalls eine Form der Förderung/Therapie erhalten können?
Leopold fängt an, das Verhalten von Jonathan zu imitieren, weil er auch Ergotherapie haben will.
Er fühlt sich fürchterlich zurückgesetzt und beklagt sich, daß immer nur Jonthan schöne Sachen machen dürfe, obwohl er (O-Ton) so ein "Arschlochbruder" sei.

Leopold geht einmal die Woche zum Gitarrenunterricht und einmal in der Woche zum Schwimmtraining. Er möchte aber auch Ergo machen.
Oder zumindest was ähnliches. Bastelkurs oder keine Ahnung. Irgendwas, wo er mal im Mittelpunkt steht...
Wenn Ergo nicht so teuer wäre, würd ich ihn das ja machen lassen.
Ich hab in der Nähe ne Kunsttherapeutin gefunden, die das irgendwie auf Heilpraktikerbasis abrechnet. Wäre sowas möglich? Ich meine, Leopold ist schon reichlich belastet dadurch, daß er immer nachgeben muß, daß Jonathan sämtliche Aufmerksamkeit bindet.
Ich kann den Großen ja nicht in den Keller einsperren, nur damit der Kleine mal in Ruhe spielen kann.
Und bei Spielverabredungen außer Haus fühlt der Kleine sich abgeschoben.
Dorit *1979 - subklinisch autistisch (also entweder NT mit Special Effects oder ASS mit hervorragender Anpassung, konnte nicht festgestellt werden)
Jonathan *11/08 - F82.0, F82.1, F84.5, F98.0, F98.1
Leopold *08/10 - Q55.2, es wird beobachtet...

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Sia
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Beitragvon Sia » 09.12.2016, 12:49

Bei mir ist es der Grosse, der Therapien benötigt. Der Kleine war oft einfach dabei. Er konnte in der Physio sowie in der Ergo mitmachen. Das ging eigentlich immer ganz gut. Irgendwann wollte dann der Kleine nicht mehr dabei sein, weil er begriffen hatte, dass das etwas für Kinder ist, die sich nicht wie er "normal" entwickeln!
Eine schöne Zeit wünscht
Sia (aus der Schweiz :wink:)
Stell' dich täglich dem Wind, dann trotzt du dem Sturm. Geh' lachend durch den Regen und du überwindest die Flut
J. 2004 MPS3a / K. 2005 hochfunktionale ASS / M. 2010 ADHS

lilli227
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Beitragvon lilli227 » 09.12.2016, 13:11

Hallo Dorit,

Bei uns ist es so, dass in der Zeit in der mein Sohn Therapie hat ich ja entweder frei bin und mich ganz allein um meine Tochter kümmere oder jemand anders auf Sie aufpasst (Papa, Oma...). Das findet sie bis jetzt (ist ja noch klein) sehr gut. Aber sie versteht es natürlich noch nicht so.
Ansonsten versuchen wir so gut es geht zu Hause Freiräume für jeden zu schaffen. Damit auch jeder mal jemanden einladen kann und seine Bedrüfnisse gestillt sind. Der andere muss dann zurück stecken. Auch der Bruder muss das manchmal so gut es eben geht. Bei uns funktioniert es zur Zeit so.
Aber eigentlich wundert es mich, dass dein Sohn eine Einzelförderung will. Mein Sohn findet das total doof... Aber es muss halt sein.
LG
________________________
Sohn 09 -- Asperger und ADHS
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Beitragvon MamaMonika0912 » 09.12.2016, 13:17

Das Problem kenne ich. Bei uns ist es nicht ganz so ausgeprägt. Ich vermute das liegt daran dass meine Kinder altersmäßig weiter auseinander sind, verschiedene Geschlechter haben, und meine Tochter noch jünger ist.
Trotzdem: Ich habe für meinen Sohn sehr viele Termine und er selbst hat wöchentlich zwei Therapietermine. Zur Ergotherapie geht meine Tochter immer mit und sieht was er für tolle Sachen machen darf. Natürlich möchte sie das auch machen. Allerdings gibt es auch noch andere Dinge die sie halt noch nicht darf, wie in die Schule gehen. Das ist eben ein Unterschied zwischen Geschwistern. Obwohl sie selbst im Kindergarten beim Musikunterricht dabei ist und zum Ballett geht, gab es zeitweise deshalb schon starkten Neid. Zeitweise hatte mein Sohn solche Probleme sich auf Hausaufgaben einzulassen, dass ich stundenlang damit beschäftigt war ihn dahingehend zu unterstützen. Das spitzte die Situation sehr zu, da ich meine Kleine oft sehr nachdrücklich wegschicken musste, damit ihr Burder sich konzentrieren konnte. Das gab öfter Tränen. Gott sei dank hat sich das wesentlich gebessert und mein Sohn kommt wieder besser klar. In solchen Phasen muss meine Tochter schon sehr zurückstecken.
Da sie auch oft dabei ist, wenn ich Gespräche mit verschiedenen Stellen (Ämter, autkom, Therapeuten, ...) habe, bekommt sie auch viel mit. Irgendwann, ich hattte an dem Tag mit der Pflegekasse telefoniert, meinte meine Tochter zu mir: "Gell Mama der S. ist was besonderes, den muss man pflegen." :shock: Da wurde mir auch erst richtig bewusst wie sehr meine Tochter mit der Situation leidet und wie viel sie davon mitbekommt.
In unserem AutismuskompetenzZentrum gibt es auch Gruppen für Geschwisterkinder. Im Moment ist meine Tochter noch zu klein, aber ab Schulalter werde ich ihr auf jeden Fall die Möglichkeit geben dort andere Geschwister von Autisten zu treffen. Außerdem kann sie das sch noch nicht sprechen und wenn das im Februar immernoch so ist, dann wird sie 5, dann "darf" sie zur Logopädie. Ich glaube das wird ihr sehr gefallen.
Insgesamt versuche ich, den Besonderheiten meines Sohnes nicht mehr so viel Raum zu geben in unserer Familie. Das funktioniert derzeit ganz gut, allerdings bin ich mir sicher dass es wieder ganz andere Phasen geben wird.

MamaMonika0912
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Beitragvon MamaMonika0912 » 09.12.2016, 20:44

[quote][/quote]
Leopold fängt an, das Verhalten von Jonathan zu imitieren

Dazu muss ich aber docch noch was schreiben, weil ich es heute abend wieder so sehr bemerkt habe. Ich könnte manchmal mit den Beiden echt die Wände hochgehen:
Das tut meine Tochter glaube ich auch, mittlerweile immer stärker. Ich bin mir manchmal total unsicher ob sie nicht doch auch ASS hat. Allerdings war sie im Gegensatz zu ihrem Bruder ein ganz normales Baby und Kleinkind. Die autistischen Verhaltensweisen, die sie zeigt, sind sehr ähnlich dem was ihr Bruder zeigt. Dauerndes Dazwischenreden ohne auf warten zu können. Sofort schreien und jammern wenn etwas nicht klappt und nach Mama rufen statt selbst zu kommen. Ohne Punkt und Komma reden und niemanden zu Wort kommen lassen. Unruhig und getrieben wirken. Austicken wenn man nicht sofort reagiert,... und vieles mehr. Im Kindergarten war sie bisher recht unauffällig, wobei ich gespannt bin was im Elterngespräch im Januar angesprochen wird, denn die Erzieherin deutete schon an meine Tochter "sei ja auch nicht ohne" :shock:
Kennt ihr das von den Geschwistern eurer Kinder auch so massiv?
Wie grenzt ihr das von einer eigenen ASS ab?

Lija
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Beitragvon Lija » 10.12.2016, 20:08

Imitieren kenne ich nur teilweise, und zwar was das Essen und gewisse Sozial-Verhalten angeht. Aber eher in "Kleinigkeiten". Natürlich geht das nicht spurlos vorbei an Geschwistern.
Unsere ist jetzt fast sieben und eigentlich ein total selbstständiges, mit beiden Beinen im Leben stehendes kleines Wesen das weiß, was es will. Das um die Beeinträchtigung des Bruders weiß.
Und trotzdem hat sie Phasen wo alles ungerecht ist und der Bruder als bekommt was er will. Ich denke das ist normal. Das sind Momente wo man auch als Eltern ein schlechtes Gewissen bekommt obwohl man versucht alles zu tun,dagegen zu wirken dass sich das NT Kind eben nicht zurück gesetzt fühlt.
Ich meine auch von Geschwister Gruppen gehört zu haben. Bisher nach meiner Einschätzung noch nicht nötig gewesen bisher aber ich
Habe auch immer ein scharfes Auge drauf...
Mutter eines ganz besonderen Kindes

L. Anna
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Beitragvon L. Anna » 11.12.2016, 12:15

Also ich glaube nicht, dass du, selbst wenn du es selbst bezahlen würdest, einfach so für dein gesundes Kind Ergo machen könntest, nur weil er Spass dran hätte...dafür braucht man doch ein ärztliches Rezept. Ich finde es von der Idee her auch etwas daneben, denn mit jeder Stunde würdest du einem Kind, was die Ergo vielleicht dringend braucht, den Platz wegnehmen.

Hier läuft das so wie bei den meisten (und ich habe 3 Kinder, meine beiden gesunden immitieren manchmal auch, aber nicht um "tolle" Termine zu bekommen bzw. fühlen sich auch oft zurückgesetzt). Wenn das autistische Kind Termin hat (momentan haben wir gar keine, aber ich hatte es ja mehrere Jahre), habe ich das kleine Geschwisterkind dabei gehabt und das grosse war zuhause. Für beide Geschwisterkinder wars nicht der Knaller, der Grosse durfte dann zwar mal zuhause Tablet spielen oder so, nur, die Termine haben mit Fahrzeit insgesamt auch mal 2-3h gedauert, und solange mit 6 oder 7 Jahren alleine zuhause ist auch nicht immer spassig.
Für die Kleine wars dann nochmal blöder, die konnte mit 2-3 Jahren nicht ganz verstehen, warum der Bruder jetzt so tolle Sachen (Ergo geht ja noch, aber bei uns war auch Klettern dabei und auch mal Reiten!) machen darf, und sie aber nicht.

Ist eben so. Ich hab mit der Kleinen dann Bücher angeschaut oder bin in der Stadt spazierengegangen, auch mal ins Cafe oder so oder sie durfte im Buchladen ein Pixiebuch kaufen. Also am schlimmsten wars vermutlich für den Grossen.

Ansonsten hat hier jedes Kind mal Exklusivzeit. Übrigens fühlen sich auch Geschwister von "normalen" Kindern oftmals ungerecht behandelt, klar, mit einem besonderen Kind wirds vielleicht mehr, aber ich denke, alle Familien mit mehreren Kindern haben da mal Probleme.

Dafür haben hier der Grosse und die Kleine oft Spielverabredungen und Freunde, und genau das hat ja unser Autist eben nicht. Da fühlt er sich dann oft zurückgesetzt. Ich kann nicht alle gleich behandeln und das muss ich auch nicht.

Du hast ja "nur" zwei Kinder, da bietet sich doch an, mit dem gesunden Kind während der Therapie was schönes zu machen. Vielleicht in die Bücherei gehen und vorlesen, Eisessen, ins Cafe gehen, Einkaufen gehen und er darf sich was schönes aussuchen (Ü-Ei oder Getränk, da nehmen meine natürlich auch immer was für die Geschwister mit, aber alleine, dass sie was entscheiden durften, reicht dann schon).
In der Bücherei kann man zumindest bei uns, auch gut mal ein Gesellschaftsspiel spielen. Gibt doch 1000 Möglichkeiten, wie ihr zu zweit die Therapiezeit schön füreinander nutzen könnt.

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Angela77
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Beitragvon Angela77 » 11.12.2016, 13:32

Hallo ,

nur kurz überflogen: Aber ich weiß, dass Ergotherapie auch zur psychischen Stabilisierung eingesetzt werden kann :idea: Vielleicht kann der KiA euch ja unter dem Aspekt ein Rezept "herausrücken"? Ist schließlich definitiv nicht einfach, ein behindertes Geschwisterkind zu haben!

Ich hatte zwei Therapiekinder, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Sohnemann ist autistisch und nicht sprechend. Tochterkind hatte nur eine starke (benigne) Hypetonie :?  8) :o :lol:
Insofern war die therapeutische Aufmerksamkeit über Jahren hin quasi gerecht verteilt. Seit Mila 5,9 Jahre ist, braucht sie keine Therapien mehr ... und will auch keine mehr :wink:

Ab und zu schicke ich aus Gerechtigkeitsgründen Mila auch mal mit unserer FuD-lerin los. Mila mag das, weil es etwas besonderes ist, auch wenn sie sonst Exklusivzeit mit mir hätte :wink: Ich betreue dann Bene statt dessen extra exklusiv  8)

LG
Angie

LG
Angie
Bene (2008): regressiver Autismus, schwerste expressive Sprachentwicklungsstörung (bei sehr gutem Sprachverständnis!), Bildung von Casiomorphin und Gliadorphin
Vorstellung plus Diäteffekte:
http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic73493.html

Primär nächtliche Epilepsie im motorischen Sprachzentrum (leider erst erkannt im März 2015!!!)


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