Integrationshelfer beantragen, Fragen des JA

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KerstinAW
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Integrationshelfer beantragen, Fragen des JA

Beitragvon KerstinAW » 09.12.2016, 07:53

Huhu ihr Lieben,


wir sind gerade dabei beim zuständigen JA über den §35a einen Integrationshelfer zu beantragen.
Jetzt habe ich den Fragebogen für die Eltern erhalten und bin entsetzt welche Fragen die beantwortet haben wollen. Da wird z.B. nach meinen Erkrankungen, den Erkrankungen meines Mannes, der restlichen Geschwisterkinder, Krankenhausaufenthalten gefragt. Die wollen wissen, wie lange ich das Kind gestillt habe, ob es zwischen meinem Mann und mir öfters Streit gibt und noch vieles mehr. Fragen, die nichts mit meinem autistischen Kind oder mit einer Integrationshelferin zu tun haben, Fragen, die privat und intim sind und kein Amt etwas angehen. Dazu fordern sie noch ein Seh- und Hörtest, Nachweis einer Krankenversicherung, lückenlos alle Schulzeugnisse etc.

Welche Fragen habt ihr beantworten müssen? Ich habe den Verdacht, hier werden unberechtigt massiv Daten eingesammelt. Ich fühle mich unter Generalverdacht gestellt und frage mich, was die sonst noch mit unseren Daten vorhaben.


liebe Grüße
Kerstin mit J (94), Aspie, A (96) Zöliakie, S (97) Aspie, G (00) Zöliakie, A (01) atypischer Autismus, F (04) LB, M (06) Autismus, PS2, T (12) ASD II, H (14)perinatale Asphyxie, Hemiparese re, hypoton, entwicklungsverzögert, Spina bifida occulta Hydronephrose Grad 2, wahrscheinlich Sehschwäche

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Dorit1979
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Beitragvon Dorit1979 » 09.12.2016, 10:29

Hallo Kerstin,
Ich habe für Jonathan auch vor einigen Monaten eine Integrationshilfe für die Schule beim Jugendamt beantragt.
Dem Antrag beigefügt hatte ich die ganzen Arztbriefe und Gutachten, die schlußendlich zur Diagnose Aspergersyndrom geführt haben.

Das Jugendamt wollte von mir bzw. der Schule dann einen Fragebogen ausgefüllt haben, nämlich den CBCL/4-18 bzw. TRF/6-18.
Dazu noch einen Motorikfragebogen, der so die ganze Entwicklung des Kindes abfragt.

Ich habe mich auch darüber aufgeregt, was das soll. Schließlich ist das Jugendamt keine KJP und soll keine eigenen Diagnosen basteln.
Die Schulleitung bei uns meinte, das machen die, um halt selbst zu sehen, ob es nicht noch alternative Hilfen gäbe. Bei entsprechender Diagnose käme das Jugendamt aber nicht um die Bewilligung der Integrationshilfe herum.

Was soll ich sagen: da das ganze blöde Verfahren, um überhaupt Hilfe zu bekommen, sich so dermaßen in die Länge zieht, hab ich brav alle Angaben gemacht.
Aus dem einzigen Zeugnis, das Jonathan bisher bekommen hat, geht deutlich hervor, daß seine Leitungen an sich super sind, Arbeits- und Sozialverhalten aber, ich sag mal - unterdurchschnittlich sind.

Am 06.12. wollte die Dame vom Jugendamt uns dann einen Hausbesuch abstatten, um uns kennenzulernen. Ich hatte drei Wochen zuvor angerufen, um den Sachstand zu erfragen, weil die Unterlagen auch schon wieder 3 oder 4 Wochen vorlagen.
SIe ist dann kurzfristig erkrankt und konnte nicht kommen. Einen neuen Termin machen wir dann für Januar.

Aber: Nach Aktenlage wird am Montag sowohl die Integrationshilfe als auch unser Antrag auf Autismustherapie bewilligt, das hat sie mir vorab telefonisch zugesichert.
Dorit *1979 - subklinisch autistisch (also entweder NT mit Special Effects oder ASS mit hervorragender Anpassung, konnte nicht festgestellt werden)
Jonathan *11/08 - F82.0, F82.1, F84.5, F98.0, F98.1
Leopold *08/10 - Q55.2, es wird beobachtet...

RikeK.
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Beitragvon RikeK. » 09.12.2016, 14:29

Hallo,

ganz klar gehören solche Informationen nicht zu einem Antrag nach einem Integrationshelfer für die Schule!
Ebenso wenig gehören sie in einen Antrag auf HZE Maßnahmen, nur mal so am Rande.
Auch ein Hausbesuch ist bei einem I-Helfer nicht notwendig!

Stellungnahme der Schule über Notwendigkeit ist hilfreich, ein Muss ist die Stellungnahme eines Facharztes, aus der die (drohende) seelische Behinderung - Abweichung von der Norm seit mindestens 6 Monaten -deutlich wird. Dazu die Diagnose, fertig.
Eine Teilhabebeeinträchtigung kann erwähnt werden, die Fachkraft im Amt ist daran aber nicht gebunden, sondern macht dazu ihre eigene Einschätzung...
Hier wird wahrscheinlich versucht, nach Kosten sparenden Möglichkeiten zu suchen...
Viele Grüße, Rike

Bücherwurm Jg 71
Sohn M. Jg 2000
Sohn T. Jg 2006, Asperger Autismus, ADHS (GdB 80 H, B - PS 1)
Hund, Jg 2015, Assistenzhund in Ausbildung

rena99
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Beitragvon rena99 » 10.12.2016, 18:05

Hallo Kerstin,

schwierig das. Nach §35a SGBVIII müssen 2 Dinge erfüllt sein, damit Hilfe gewährt wird:

1. seelische Erkrankung, die länger as 6 Monate besteht
2. Teilhabebeeinträchtigung

Der erste Punkt muss von einem Facharzt bestätigt werden, das ist ja noch vergleichsweise einfach. Für den zweiten Punkt sind die Jugendämter selbst zuständig und da wird es schwierig, denn für die dann notwendige sozialpädagogische Beurteilung benötigen sie einen Eindruck vom Umfeld des Kindes. Und da kann es dann schnell übergriffig werden. Und jedes Jugendamt handhabt das etwas anders, obwohl es Handreichungen der Bundesländer gibt (eine vergleichsweise umfangreiche Fassung von so etwas findet man hier, s. da auch Kap. 5; https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=8&ved=0ahUKEwiG5ce6iurQAhWDGCwKHQb1C0UQFghEMAc&url=http%3A%2F%2Fwww.soziales.niedersachsen.de%2Fdownload%2F70181%2F_Handreichung_zu_35a_SGB_VIII_.pdf&usg=AFQjCNE6mFQgbccheqn25pecTLja9j78xw&cad=rja )

Im Zweifel würde ich immer nachfragen wollen, inwieweit die Fragen denn der Beurteilung der Grundfage dienen. Leider wird dann da manchmal "fehlende Mitwirkung" draus gemacht. Im Zweifel würde ich das Geld für einen Anwalt ausgeben, der mich berät.

RikeK hat geschrieben:Hier wird wahrscheinlich versucht, nach Kosten sparenden Möglichkeiten zu suchen...

Das ist tatsächlich auch ihre Aufgabe, denn Leistungen nach dem VIII. SGB gibt es nur, wenn sonstige Ansprüche nicht existieren:

SGB VIII §10 (1) hat geschrieben:Verpflichtungen anderer, insbesondere der Träger anderer Sozialleistungen und der Schulen, werden durch dieses Buch nicht berührt.


Ist schon ziemlich blöd alles.

LG
Rena
Rena mit Tochter (V.a. Autismusspektrumsstörung, Zwangsstörung)
"Jeder Zwang ist Gift für die Seele." (Ludwig Börne)

Lija
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Beitragvon Lija » 10.12.2016, 19:55

Also Fragebögen kenne ich auch nicht, man muss wohl Berichte etc. vorlegen und auch ein Hausbesuch wurde gemacht, aber solche Fragen zusätzlich zu beantworten finde ich doch auch etwas fragwürdig...
Mutter eines ganz besonderen Kindes

kati543
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Beitragvon kati543 » 13.12.2016, 12:29

Hallo Kerstin,
also ich versuche es mal anders herum.
So wie ich letztens herausbekommen habe, dient der jährliche Besuch des Gesundheitsamtes in den Schulen (gegen den sich Eltern ja nicht wehren können) unter anderem dazu, die Neugier des Jugendamtes zu befriedigen - zumindest bei unseren Kindern. Die Informationen der Untersuchung werden DIREKT weitergeleitet und zur Entscheidungsfindung genutzt. Dabei kannte noch nicht einmal ich die Ergebnisse der Untersuchung - ich wusste ja auch nicht, wann die Ärztin da war.
Also alle schulischen Dokumente, d.h. Zeugnisse, Förderpläne,... werden auch direkt von der Schule weitergereicht. Bei uns ist es jetzt ganz neu, dass die Sachbearbeiterin auch noch in der Schule einen kompletten Tag hospitiert und mit dem Kind selbst spricht - finde ich aber gut. Die letzte Sachbearbeiterin war so eine Schreibtischtäterin. Sie hat in 3 Jahren das betreffende Kind nicht einmal gesehen und wollte trotzdem ständig Stunden kürzen. Der aktuellen Sachbearbeiterin war nach der Hospitation klar, dass die I-Kraft dringend nötig ist.
Zu Hause war bei uns noch nie jemand vom Jugendamt. Würde auch nichts bringen. Ich brauche keine I-Kraft für die heimische Umgebung, sondern für die Schule.
Die Fragen über die Familienerkrankungen dienen einfach dazu festzustellen, ob vielleicht das Sozialamt zuständig ist.
Die Daten zur Krankenkasse müssen erhoben werden wegen der eventuellen Zuständigkeit der Krankenkasse. Die Eingliederungshilfe leistet immer absolut nachrangig. Daher die ganzen Fragen. Bei mir waren das 7 Seiten. Dummerweise kommen die jedes Jahr wieder.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

NicoleWW
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Beitragvon NicoleWW » 13.12.2016, 16:46

Hallo,

also bei uns wurden solche Fragen nicht gestellt, auch ein Hausbesuch wurde wegen der Beantragung der Schulbegleitung nicht gemacht. Hausbesuch hatten wir nur beim Antrag auf Familienhilfe.

Liebe Grüße
Nicole
Nicole (70, Morbus Bechterew, Asthma) mit

J.M. (92)
J.C. (93)
J.E. (95, ADHS, E80.4)
A.M. (04, F93.3, F98.8, F81,1)
S.F. (04,F84.5, F98.8, J30.3, E80.4, J45.0)
V.L. (07, J45.1, F98.0)
J.K. (07, F84.5, F98.0)

Lara2
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Beitragvon Lara2 » 13.12.2016, 19:50

Ich habe keinerlei solche Fragen beantworten müssen. Es gab eine Begutachtung durch das SPZ und zum Schuleintritt noch einmal von einem KJP und das war alles.

Chaosmarie
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Beitragvon Chaosmarie » 13.12.2016, 20:03

Hallo Kerstin,

für die Beantragung eines Schulbegleiters oder einer anderen 'Hilfe' hatten wir bisher keinen Fragebogen ausfüllen müssen. Allerdings kam für unseren Jüngsten mit der Benachrichtigung zur Schuleingangsuntersuchung ein mehrseitiger Fragebogen mit teils heiklen Themen. Abgefragt wurde u. a. die komplette Krankengeschichte inklusive therapeutischer Maßnahmen wie Logopädie, ob und welche 'Hilfen' wir schon für dieses Kind in Anspruch genommen haben, und indirekt auch Details über die Partnerschaft und das persönliche Umfeld - Nachtigall, ik hör dir trapsen. :shock: Für die Schuleingangsuntersuchung der beiden Großen mussten wir keine Fragebögen ausfüllen.

Nun haben wir schon sooo viel mit dem Jugendamt und angegliederten Organisationen erlebt...ich kann mich gar nicht an alles erinnern... :oops:

lg

Marie
"Scheffin" *2006 gesund und topfit, hochbegabt
"Prinzesschen" *2007 fröhliche und charmante Kannerautistin
"kleiner Bruder" *2011 gesund, quietschfidel, Verdacht auf Hochbegabung.

Was glaubt Ihr, was hier los wäre, wenn noch mehr Leute wüssten, was hier los ist!

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Dorit1979
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Beitragvon Dorit1979 » 15.12.2016, 10:41

Ich habe gestern den Bescheid bekommen, daß die Autismus-Therapie mit 50 Stunden und Schulbegleitung im Rahmen des Stundenplans für ein Jahr bewilligt worden ist.
Ob das Ausfüllen der ganzen Bögen das Verfahren nun beschleunigt hat, weiß ich nicht. Man sagte uns, es sei wohl ziemlich schnell gegangen im Gegensatz zu anderen hier im Umkreis.

@NicoleWW: Wozu habt Ihr Familienhilfe? Inwieweit unterstützt die Euch? Ich würde mir ja auch für zu Hause mal etwas Unterstützung wünschen, weil ich nachmittags ja auch nicht an zwei Orten gleichzeitig sein kann.

Einfach spielen lassen funktioniert hier selten, weil Jonathan regelmäßig das Spiel von Leopold bestimmt, sich von ihm nicht wegschicken läßt, grundsätzlich überhaupt nicht gehorcht und gern mal, wenn ihm was nicht paßt, Regale ausräumt, vmtl. um zu schauen, wie ich reagiere... Allein spielen kann Jonthan überhaupt nicht.
Dorit *1979 - subklinisch autistisch (also entweder NT mit Special Effects oder ASS mit hervorragender Anpassung, konnte nicht festgestellt werden)

Jonathan *11/08 - F82.0, F82.1, F84.5, F98.0, F98.1

Leopold *08/10 - Q55.2, es wird beobachtet...


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