Wenn Kind nicht zur Schule darf?!

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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SimoneD.
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Beitrag von SimoneD. »

Es klappt hier gar nichts!!!
Verweigerung pur!!
Mathe geht ja noch so. Da ist er ja auch kognitiv total fit, aber wehe er soll schreiben :evil:
Er soll Wörter hören und dann schreiben. Die Buchstaben können von einer bildtafel abgeschrieben werden.
Er hört die Wörter auch soweit richtig. Wenn er die Buchstaben aber schreiben soll stellt er sich blöd!!! Und das meine ich auch so!!! Er sagt er hat kein Bock und das sieht man an seiner Arbeitsweise. Er macht das extra. Er könnte es!! Er gibt sich aber gar keine Mühe sondern sitzt rum, starrt Löcher in die Luft und macht was anderes. Wenn er dann mal einen Buchstaben schreibt, schreibt er ihn absichtlich "doof". Und jetzt bitte nicht schreiben, der Junge ist überfordert.....NEIN! Das kann ich schon unterscheiden. Er hat hier Ruhe und kann in seinem Tempo arbeiten. Aber er WILL die Aufgaben einfach nicht machen!!
Ich rede jetzt nicht mehr mit Engelszungen auf ihn ein. Habe ihn in sein Zimmer geschickt. Will ihn nicht mehr sehen. Ich bin auch nur ein Mensch...
Liebe Grüße von Mönchen :-)
Sohn (10 Jahre) Asperger Autist

lilli227
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Beitrag von lilli227 »

Hallo Simone,

solche Situationen kenne ich sehr gut, genau so wie du deinen Sohn beschreibst habe ich meinen Sohn auch bei den Hausaufgaben erlebt.
Trotzdem, nimm die Wut raus, die in dir ist. Er provoziert nicht, er kann das tatsächlich nicht. Bei meinem Sohn liegt das ganz klar an der Konzentration. Bei uns kommt das vom ADHS und er kann das nur kontrollieren, wenn er Medikation hat.
Ich verstehe total was du da schreibst und dass er sich blöd anstellt usw. Mein Sohn ist immer vom Stuhl gefallen, jeder Buchstabe war ein echter Kampf er hat sich sofort ablenken lassen usw. Auch in der Schule. Da funktioniert einfach nichts, weil er das einfach nicht hin bringt und mein Sohn ist im HB Bereich, am nicht können liegt das nicht. Allerdings ist er motorisch schon eher schlecht.
Das verhalten wirkt dann sehr herausfordernd und strengt unglaublich an. So wie du deine Gefühle beschreibst hab ich mich auch oft gefühlt und ich war dann einfach völlig genervt. Und die Engelszungen sind dann irgendwann auch vorbei gewesen.
Jetzt läuft Hausi hier und auch die Mitarbeit in der Schule mit Medikation sehr gut. Wir wissen wann wir Pausen machen müssen. Er weiß auch dass er die Sachen erledigen MUSS. Hier gibt es keinen Nachteilsausglich für die Hausis, auch wenn er den sicherlich bekäme weiß ich, dass er die Übung mit mir nochmals braucht um am Stoff zu bleiben. Ganz selten gibt es noch Schwierigkeiten. Aber nach 1,5 Jahren hat er den Ablauf jetzt intus und weiß was zu tun ist. Glaube mit der Zeit wird es auch zur Routine und kann besser angenommen werden.

LG
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MonikaSi
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Beitrag von MonikaSi »

SimoneD. hat geschrieben:Es klappt hier gar nichts!!!
Verweigerung pur!!
Mathe geht ja noch so. Da ist er ja auch kognitiv total fit, aber wehe er soll schreiben :evil:
Er soll Wörter hören und dann schreiben. Die Buchstaben können von einer bildtafel abgeschrieben werden.
Er hört die Wörter auch soweit richtig. Wenn er die Buchstaben aber schreiben soll stellt er sich blöd!!! Und das meine ich auch so!!! Er sagt er hat kein Bock und das sieht man an seiner Arbeitsweise. Er macht das extra. Er könnte es!! Er gibt sich aber gar keine Mühe sondern sitzt rum, starrt Löcher in die Luft und macht was anderes. Wenn er dann mal einen Buchstaben schreibt, schreibt er ihn absichtlich "doof". Und jetzt bitte nicht schreiben, der Junge ist überfordert.....NEIN! Das kann ich schon unterscheiden. Er hat hier Ruhe und kann in seinem Tempo arbeiten. Aber er WILL die Aufgaben einfach nicht machen!!
Ich rede jetzt nicht mehr mit Engelszungen auf ihn ein. Habe ihn in sein Zimmer geschickt. Will ihn nicht mehr sehen. Ich bin auch nur ein Mensch...

Hallo Simone,

auch mein Aspie macht ein riesen Drama bei den Hausaufgaben. Ich bin nun schon im 3. Jahr dabei und manchmal geht es besser und oft eben auch ganz schlecht. Es gibt viele Tränen bei meinem Sohn. Er kann kaum anfangen, ganz schlecht dabei bleiben, kann aber auch auf keinen Fall akzeptieren, wenn ich sage, dass er dann ohne Hausaufgaben geht.
Es ist ein Krampf. Mittlerweile versuche ich ruhig zu bleiben und verlasse das Schlachtfeld, wenn ich merke, dass in mir die Wut hochsteigt, denn auch ich möchte nicht dauernd angeschrieen werden.
Dann kümmere ich mich um meine Tochter und schaue nach ihren Hausaufgaben oder spiele mit dem Kleinen.
In der Zwischenzeit kann sich mein Großer wieder runterregulieren und wir machen weiter.

Und sei mir nicht böse, aber die Schreiberei ist eine Riesenanstrengung für unsere Aspies.
Jeder Buchstabe ist extrem schwierig. Dein Sohn kann sich noch soviel Mühe geben, wahrscheinlich wird das Ergebnis immer schlecht aussehen. Wir sind schon froh, wenn die Texte lesbar sind.

Stell Dir vor, Du wärest Sisyphos und müsstest einen Felsen einen Berg hochrollen, immer wieder, Tag für Tag. Das dürfte so ungefähr das sein, was unsere Söhne beim Schreiben erleben. Sie können sich noch so sehr Mühe geben, es wird niemals gut. Selbst Zusatzübungen führen nicht zu einem schönen Schriftbild, sondern allenfals zu einem "lesbaren".

Also tief durchatmen und dann mit neuem Elan bei Deinem Sohn durchstarten. Vielleicht kannst du ihn mit einer kleinen Belohnung motivieren, doch etwas zu schreiben.

LG
Kind 1: ASS, ADHS, Migräne, Neurodermitis
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RikeK.
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Beitrag von RikeK. »

Vielleicht sehen die selbst geschriebenen Buchstaben nicht richtig aus? Oder er sieht in der Aufgabe keinen Sinn?

Kann er die Wörter nicht einfach buchstabieren? Am PC schreiben? Etwas zu seinem Interesse schreiben?

Schreiben ist nun mal eine große Herausforderung - macht es Euch da zu Hause erstmal einfach und packt in der angespannten Situation ein einfacheres Thema an. Etwas, was ihm liegt oder woran Du Spaß hast, das macht es einfacher.

Ein 4 Personen Rezept auf 2 Personen runterrechnen, einen Einkaufszettel notieren (Schreiben, malen, aufkleben), einkaufen und dann Kochen ist auch eine Form des Unterrichts.

Und wenn die Wut oder Verzweiflung hoch kommt, schließe ich mich den Vorrednerinnen an: geh raus, such Abstand, komm runter bevor ihr weiter macht.

Viel Erfolg!
Viele Grüße, Rike

Bücherwurm Jg 71
Sohn M. Jg 2000
Sohn T. Jg 2006, Asperger Autismus, ADHS (GdB 80 H, B - PS 1)
Hund, Jg 2015, Assistenzhund in Ausbildung

luna.tic
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Beitrag von luna.tic »

Bei uns hilft mittlerweile folgender Text aus dem Buch "die vielen Farben des Autismus" von Thomas Girsberger, warum Hausübungen gemacht werden müssen. Dieser hängt auf Augenhöhe bei seinem Arbeitsplatz und ich erinnere ihn, falls nötig an diesen Text. (und "erspare" mir das herumärgern).

"Warum muss ich Hausaufgaben machen?

Alle Schulkinder müssen Hausaufgaben machen.
Hausaufgaben sind wichtig. So übe ich, was ich in der Schule gelernt habe.
Ich vergesse den Schulstoff nicht wieder.
Ich mache die Hausaufgaben gleich nach dem Mittagessen/der Schule. Dann habe ich nachher frei und Zeit zum Spielen.
Ich mache die Hausaufgaben immer am gleichen Ort. Der Platz ist aufgeräumt. Nichts lenkt mich ab.
Ich lege alles bereit, was ich brauche: Heft, Stift, Gummi, Spitzer, …
Ich versuche, die Hausaufgaben alleine zu machen.
Wenn ich nicht weiterkomme, frage ich meine Eltern.

Wenn ich fertig bin, räume ich den Platz wieder auf. Alles was ich brauche, packe ich wieder in den Schulrucksack.
Wenn ich meine Hausaufgaben gut erledigt habe, bekomme ich dafür ..... Superpunkte.
Für x Superpunkte bekomme ich ....(was für ihn ganz toll ist)
Das klappt unerwartet gut, kaum mehr Geschrei & Gezicke.
Liebe Grüße von
Luna

SimoneD.
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Beitrag von SimoneD. »

Ok. Ersteinmal beruhigend, das es nicht nur mir so geht.
Ich kann das auch nicht recht beschreiben. Er bleibt am Tisch sitzen, das schon, aber man kann ihn ganz schlecht motivieren Buchstaben (Zahlen gehen etwas besser) zu schreiben. Er blockt meist sofort schon ab und sagt er habe kein Bock. Und mit dieser Einstellung geht er dann lustlos die Sache an. Daher bin ich der Meinung, wenn wollte könnte er.
Es fällt ihm schwer das ja, Aber wenn er sich Mühe gibt kann er tolle Buchstaben schreiben. Auch wenn es grössenunterschiede gibt und machne weit auseinander geschrieben sind.
Großbuchstaben fallen ihm leichter. Bei kleinen verweigert er meist sofort oder schreibt nur wenn ich seine Hand mitführe..
Die Wörter müssen am Anfang groß geschrieben werden, wenn ich ihm sage das der nächste Buchstabe klein geschrieben wird, macht er einen ganz kleinen Buchstaben dahin. Dabei meine ich doch die Kleinschrift von dem Großbuchstaben :think:
Dann kommt wieder die Wut....es ist wirklich ein Kampf. Wie die Hefte schon aussehen.... Wenn er die Wut kriegt zerkritzelt er immer alles :roll:

Ob das an einem evt noch nicht diagnostizierten AD(H)S liegt, keine Ahnung?! Wobei das seine SB ja auch angesprochen hat, das sie meint da wäre noch "was anderes", weil er in der Schule ja auch so eine Arbeitseinstellung hat und dort ständig aufsteht und rumläuft. Was er zuhause aber nicht tut..
Aber ihr schreibt ja, das eure Aspies auch damit ihre Probleme haben...
Liebe Grüße von Mönchen :-)
Sohn (10 Jahre) Asperger Autist

RikeK.
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Beitrag von RikeK. »

Du, Simone, das klingt genau wie meiner. Hier sind sich alle sicher, dass das "nur" der Autismus ist. T darf als Nachteilsausgleich ja sowieso am PC schreiben oder eben in Großbuchstaben auf unliniertem Papier. Dennoch schreibt er nur aus seiner Sicht wichtige Sachen auf, oder er malt ein paar Worte in Schnörkelschrift, oder schreibt in Runen.

Schule ist VIEL anstrengender als Zuhause zu lernen. Die Anspannung muss raus, also läuft man rum.
Verweigert Deiner vielleicht auch, weil es ihm entweder zu leicht ist, oder er glaubt, es nicht richtig zu machen? Beides sind bei T gute Gründe nichts zu machen. Dazwischen ist allerdings nur ein minimaler Spielraum...

Außerdem: Deiner ist doch noch ganz am Anfang! Lass ihm doch einfach Zeit!!! Oft kommt das mit der Zeitvon selbst, dann, wenn man den Druck rausnimmt.

LG, Rike
Viele Grüße, Rike

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JasperJaspie
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Beitrag von JasperJaspie »

Hallo Simone,

erstmal: locker bleiben. Erstmal raus aus der Situation und später oder am nächsten Tag wieder neu starten.

Und: bei meinem Sohn war das in der Grundschulzeit mit den Hausaufgaben ebenso!
Stundenlang saßen wir da... bei meinem Sohn war es Mathe (sprachlich ist er hochbegabt)... er
KONNTE es... aber er kam "nicht zu Potte"... dasselbe sagte sein Lehrer von ihm in der Schule im Matheunterricht. Keine Frage, mit können/nicht können hat das nichts zu tun.
Er wollte es immer PERFEKT machen... "das verlangt der Lehrer so", meinte er immer.
Zahlen und auch Texte schrieb er oftmals 3 x über.... damit es perfekt aussieht (wurde natürlich alles immer dicker und unperfekter - aus meiner Sicht). Damit hatte er dann ohnehin schon mal das 3fache getan!
Und da Autisten ja oft motorische Probleme haben, ist es kein Wunder, dass ihnen schreiben (ob Zahlen oder Buchstaben) große Mühe macht und eine große Anstrengung ist.

Mein Sohn hat seine Aggression dann auch an den Heften ausgelassen und so aufgedrückt, dass wir heute noch einiges auf unserem Esstisch lesen können :-)
Er zerkritzelte dann auch einiges vor Wut.

Ich kann da RikeK nur zustimmen: dein Kleiner ist noch am Anfang, er braucht einfach Zeit und oftmals kommt es dann von selbst.

Jetzt ist mein Sohn 15 und jetzt schreibt er sogar gern... jetzt könnte er mit Computer schreiben, aber er schreibt lieber per Hand.

Ann
Ann *1969 mit Tochterkind *1991* sowie mit Sohn Jasper *2001* Asperger-Syndrom (Diagnose Februar 2014)

SimoneD.
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Beitrag von SimoneD. »

Ihr habt ja recht, das er noch ganz am Anfang ist und Zeit braucht. Die gebe ich ihm ja auch. Ich merke aber, das ich sehr an meine Grenzen stoße, wenn er mit diesem herausfordernden Verhalten loslegt und dabei in die Verweigerung geht und sich "blöd stellt".
Und es ist ihm egal, ob es perfekt aussieht. Er kritzelt es hin und ist dann fertig damit :!:
Liebe Grüße von Mönchen :-)
Sohn (10 Jahre) Asperger Autist

Miriel
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Beitrag von Miriel »

Ich kenne das auch so. Glücklicherweise hat sich das nach den ersten drei Wochen oder so gelegt.

Bei Dir lese ich immer noch ganz viel "das tut er mit Absicht", "stellt sich blöd", "gibt sich keine Mühe", "verweigert", .... ich verstehe schon, dass Deine Nerven da dünn sind, aber ich fürchte, mit dieser Einstellung wird die Situation auch nicht besser.
Genau das ist unserem Kind nämlich alles in der ersten Schule vorgeworfen worden. Wörtlich. Sie hätten ja für jedes Kind und seine Eigenschaften Verständnis, ABER sie würden ja sehen, wie gut er könnte, wenn er wollte. Und tatsächlich hat er sich unter Druck dann auch vorübergehend NOCH mehr bemüht. Dass er dann in kürzester Zeit gar nicht mehr konnte und so verhaltensauffällig wurde wie noch nie, kaum mehr erreichbar war und das Arbeiten komplett einstellte statt nur langsam zu sein, das haben sie dann wieder unserer Erziehung zugeschoben...

Mir ist das auch erst jetzt hinterher aufgegangen, dass das, was die erste Schule "massive Verweigerung" nannte, dasselbe ist, was seine Lehrerin jetzt einfach "dann kann er irgendwie nicht mehr" nennt. Das sagte sie von sich aus, bevor wir auch nur über Probleme sprachen. Er sitzt dann auch teilweise ganze Stunden, nimmt zwar Aufforderungen scheinbar an, aber schreibt einfach nicht mehr. Oder nur noch drei Buchstaben. In beiden Fällen ohne Diagnose, nur unterschiedliche Einstellungen zum Kind. Die zweite hat wesentlich mehr Erfolg und es ist in der Schule weiterhin ruhig.

Hier sieht man den Unterschied bei den Hausaufgaben auch gut zwischen uns Eltern, mein Mann neigt auch eher zum genervt sein, ich bin entspannt, bei mir ist er dreimal so schnell fertig und macht viel mehr freiwillig. Ich glaube, der Druck auf das Kind, sich "ordentlich zu bemühen", bringt die wahnsinnig schnell an ihre Grenzen. Auch sich selbst macht unser Kind sehr viel Druck, und auch nur das entfernte Gefühl, dass er es sowieso nicht schafft, lässt ihn sofort meckern und verweigern. Oder der Druck, etwas zu liefern. Sich zu "benehmen". Auch sich Vielleicht jedes Kind. Aber mir scheint, die hier besonders.

Versuche doch einfach mal ein paar Wochen das Gegenteil. Du kannst es ja als Experiment sehen. Jedesmal, wenn der Gedanke hoch kommt, er würde sich absichtlich blöd stellen, absichtlich verweigern, absichtlich in der Schule kaspern, absichtlich herumlaufen dann geh dem sofort innerlich mit einem "nein, vielleicht kann er es (in dem Moment) einfach nicht!" fest entgegen. Geh fest davon aus, dass er DInge nicht tut, um zu verweigern und zu ärgern und sich jemandem entgegen zu setzten, sondern dass er es nicht kann - ganz egal warum, das spielt in dem Moment keine Rolle. Und vielleicht "will" er manchmal wirklich nicht, aber auch da mach Dir klar: wer will schon Dinge immer wieder tun, wenn er seit Monaten erlebt, dass es am Ende nie gut wird, nie genug ist? Er hat ja in der Schule genug erlebt, was ich hier so lese.. Wenn er nichts tut oder nicht so wie Du es für richtig hältst, dann mach nicht mehr Druck, sondern nehme den Druck komplett raus. Wir teilen uns an schlechten Tagen die Hausaufgaben in kleine Blöcke von 5-10 Minuten auf, mit Wecker, damit er sieht, wie lange es bis zur nächsten Pause ist. Wenn es Dich zu sehr nervt, sag nichts, geh raus und trink einen Kaffee, geh dann erst zurück und fangt von vorne an, als wäre nichts gewesen. Erkläre ruhig, warum die Aufgaben notwendig sind, geh auch nicht komplett ab davon, bleibt dran, versuche es immer wieder, aber mit so wenig Druck wie möglich. Und das wirklich mal über ein paar Wochen, in zwei, drei Tagen wird sich nach so viel Stress, den er in Zusammenhang mit Schule und Aufgaben schon hatte, kein Knoten lösen.

Wenn Du das schaffst, über mehrere Wochen diese Ruhe zu erreichen, und sich dann überhaupt rein gar nichts zwischen euch zum positiven ändern sollte, kannst Du immer noch weiter überlegen, was richtig ist. Ein paar Wochen Experiment machen keinen Weltuntergang, finde ich.

Und: das würde ich bei jedem Kind versuchen. Nicht nur bei einem autistischen. Ich kannte auch schon im Umgang mit kleinen Kindern vorher den Satz "Ein Kind benimmt sich nicht schlecht, es geht ihm in diesem Moment schlecht", und mit dieser Einstellung kommt man oft weiter. Es wirkt oft auf wunderbare Weise, wenn ein Kind sieht, dass es nicht immer nur "nicht genug" ist..

Grüße,

Miriel


Kind (09), ADS, V.a. ASS, oder irgendwas ganz anderes..
Kind (11), wild und munter

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