Wenn Kind nicht zur Schule darf?!

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

Moderator: Moderatorengruppe

lilli227
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 373
Registriert: 02.02.2015, 09:02
Wohnort: Nürnberg

Beitrag von lilli227 »

Hallo,

ich würde wohl auch die Version wählen, wie Rike und meinen Sohn zu Hause unterrichten. bei uns musste mein Sohn im vergangenen Jahr nur zwei Mal abgeholt werden. einmal nach der 2. und einmal nach der 4. Danach wurde er zu Hause unterrichtet und ich muss sagen, dass es hier auch eher so war, dass er 1:1 mehr lernen konnte als in der Klasse. Klar für ihn ist die Herausforderung ja nicht der Stoff sondern das soziale Umfeld und die Konzentration. Beides funktioniert zu Hause einfacher. Ich finde Heimunterricht für Kinder wie unsere eigentlich eine sehr gute Alternative und würde sie wohl auch wählen wenn erlaubt.
Nochmal der Hinweis auf die Konzentration. Du beschreibst, dass dein Kind sehr gut gearbeitet hatte, toll gebaut hat, viel Lob dafür bekommen hat. Hier kann es sein, dass dein Sohn sich stark konzentrieren musste, was viel Kraft kostet (auch mit dem Hinweis auf ADHS) und danach von den Reaktionen evtl auch überfordert war. Auch positive Bestätigung bringt unseren Sohn manchmal aus der Fassung, das vergisst man leider oft, weil man meint, dass er das ja auch gut finden müßte, aber oft ist es einfach zu viel. Bei uns kommt es an Tagen die er dann besonders gut in der Schule gemacht hat und sich sehr angestrengt hat, danach zu einem Meltdown. Aber da muss man schon sehr sensibel reagieren. Fremde können da fast nix machen.
Noch eins, ich habe meinen Sohn auch mal in der ersten versucht verkürzt in der Schule zu lassen. Das ging völlig nach hinten los, weil mein Sohn das überhaupt nicht akzeptiert hat und fürchterlich geweint und geschrieen hat, als ich ihn abholte. Für ihn war es eine Strafe und nicht erkennbar warum.

Gruß
________________________
Sohn 09 -- Asperger und ADHS
Tochter 13

SimoneD.
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 846
Registriert: 01.02.2016, 17:55

Beitrag von SimoneD. »

Wenn ihr eure Kinder Zuhause unterrichtet. Wie gestaltet ihr das??
Regulär hat N. 4 Unterrichtsstunden.
Ich habe ein paar Seiten im schreiblernbuch mit ihm gemacht. Nach einer Seite immer eine Pause, weil er sonst verweigert hätte..
Es also auch Zuhause schwierig ihn zum lernen zu kriegen. Vorallem weil er weiß er ist ja Zuhause...
Liebe Grüße von Mönchen :-)
Sohn (10 Jahre) Asperger Autist

der kleine kurt
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 456
Registriert: 08.07.2012, 15:06

Beitrag von der kleine kurt »

Hallo!

ich war noch nie in der Situation, aber ich würde das Ganze so angehen:
Mir einen Überblick verschaffen und dann für jedes Hauptfach festlegen, was heute zu machen ist und mit dem Kind durchgehen.

Es geht ja weniger darum 4 Schulstunden abzusitzen, sondern eher darum, bestimmte Aufgaben/Themen zu bearbeiten. Das kann zuhause viel effektiver geschehen als in der Schule (da 1:1) und eben auch ganz anders strukturiert werden.

Hat er einen Wochenplan, an dem du dich orientieren kannst? Kurzfristig könnt ihr doch einfach daran arbeiten, und falls er jetzt wirklich die ganze Woche zuhause seid, würde ich nochmal die Lehrerin kontaktieren, worauf sie den Schwerpunkt setzen würde.

Viele Grüße
Kurtine

SabineUfr
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 67
Registriert: 27.04.2015, 10:21
Wohnort: Unterfranken

Beitrag von SabineUfr »

SimoneD. hat geschrieben:Die Lehrerin hat eben angerufen. Sie ruft heute noch beim Träger an um nach einem I-Helfer mit Autismuserfahrung zu fragen.
Darf ich mal nachfragen, warum du das nicht machst? Ich finde, es wäre doch bei euch ganz dringend an der Zeit, dass sich alle Beteiligten an einem "runden Tisch" zusammensetzen, wo auch festgelegt wird, was die Ziele sind und wie das alles weiterlaufen soll.

Kurzfristig Ersatz zu finden ist immer schwierig. Unser Schulbegleiter war auch mal krank und dann muss Junior einen Tag alleine den Unterricht stemmen. Sobald aber jemand zur Verfügung stand, gab es Vertretung.

Wichtig ist, dass ihr jemanden findet, der sich in euren Sohn einfühlen kann und der es schafft, solche Eskalationen wie du sie immer wieder beschreibst erst garnicht aufkommen zu lassen. Da ist schon eine gute Beobachtungsgabe notwenig. Und auch unqualifizierte Schulbegleiter können entsprechend für die Besonderheiten von autistischen Kindern geschult werden! Das ist Sache des Trägers!
Sabine mit Sohn (*2004), ADHS und Asperger

Vorstellung - klick!

SimoneD.
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 846
Registriert: 01.02.2016, 17:55

Beitrag von SimoneD. »

Ich wollte dort selbst anrufen, aber als die SB sich bei mir meldete meinte sie das sie sowieso dort anrufen muss. Somit bräuchte ich nicht dort anrufen. Dann hatte sich die Lehrerin bei mir gemeldet und sagte, das sie nochmal nach einer geeigneten Vertretung fragt...wird sowie so nichts bei rumkommen...
Liebe Grüße von Mönchen :-)
Sohn (10 Jahre) Asperger Autist

L. Anna
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 190
Registriert: 27.05.2015, 14:00

Beitrag von L. Anna »

Hmm. Also ich seh das Problem eigentlich nur, wenn du berufstätig bist. Das ist nämlich hier das eigentliche Problem, wenn der SB krank ist (kommt recht häufig vor) und mein Kind zuhause bleiben muss.

Aber auch damit habe ich mich jetzt arrangiert, und baue meine Arbeit drum herum auf.

Ein Ersatz-SB würde hier nicht gehen. Wenn der SB länger krank ist, besorge ich Aufgaben aus der Schule und ansonsten gibt es hier bestimmte Arbeitshefte der Schule, in denen sowieso selbständig gearbeitet werden darf. Ist allerdings auch nur Mathe und Deutsch, d.h. da macht er dann in jedem ein paar Seiten. Das ganze zieht sich (dadurch dass er das so nervig findet und ewig braucht) ca. 1,5h. Die restliche Zeit beschäftigt er sich selbst (malen, spielen), denn er weiss ja, dass ich in der Zeit eigentlich auch arbeiten müsste...

Einen kompletten Schultag (4-5h) "nachzustellen" zuhause, macht meiner Meinung nach keinen Sinn...

Nun ist meiner allerdings auch recht fit und würde sowieso nicht hinter dem Stoff herhinken, selbst wenn er gar nichts machen würde...bei schwächeren Schülern bietet sich dann ja auch eher noch gezielte Nachhilfe in einzelnen Fächern an.

RikeK.
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 498
Registriert: 21.06.2015, 13:49
Wohnort: Bremer Umland

Beitrag von RikeK. »

In dem man zu Hause beschult, kann man auch viel besser einschätzen, ob das Kind wirklich hinterherhinkt, oder ob es z.B.nur die Arbeitshefte nicht ausfüllt. Oft sind in denen die Seiten zu voll und zu bunt und die Felder zum Schreiben zu klein.

Dennoch habe ich mich viel an den Arbeitsheften entlang gehangelt, aber Vieles auch mündlich gemacht. T hat die Ergebnisse diktiert.

Da meiner ja sehr große Probleme mit Deutsch hat (trotz oder gerade wegen hohem IQ im Sprachbereicht) habe ich dort die typischen Schulhefte schnell außen vor gelassen. Er hat im Rahmen von Sachkunde, Listen und ähnlichem geschrieben. Natürlich hat er jetzt Lücken, aber da sehe ich auch Schule in der Verantwortung.

Wir haben viel Sachkunde gemacht, weil das für ich am einfachsten war. Aber bei uns ging das ja auch über Monate. Wenn es jetzt ein paar Tage sind, mache ich Mathe und Geschichte mit ihm.

Es gibt auch viele hilfreiche Seiten im Internet, auf die habe ich auch zurückgegriffen. Und zu vielen Lehrwerken gibt es CDs mit Übungen und die kosten nicht die Welt, machen oftmals Spaß und man kann selber etwas schaffen.

Aufpassen muss man nur, dass es nicht in einen Machtkampf ausartet, weil man unbedingt etwas erreichen oder beweisen will. Das geht zu leicht nach hinten los... :wink:

VG, Rike
Viele Grüße, Rike

Bücherwurm Jg 71
Sohn M. Jg 2000
Sohn T. Jg 2006, Asperger Autismus, ADHS (GdB 80 H, B - PS 1)
Hund, Jg 2015, Assistenzhund in Ausbildung

JasperJaspie
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 445
Registriert: 09.11.2013, 01:12
Wohnort: Norddeutschland

Beitrag von JasperJaspie »

Hallo,

wenn man von der Schule keinen Lernstoff bekommt, kann man ja auch z.B. online etwas machen - so wie Scoyo, das ist für jüngere Kinder an sich nicht so schlecht. Wir haben das auch mal eine kurze Zeit gemacht, aber mein Sohn war dem nachher auch anspruchsmäßig entwachsen.

Ann
Ann *1969 mit Tochterkind *1991* sowie mit Sohn Jasper *2001* Asperger-Syndrom (Diagnose Februar 2014)

SimoneD.
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 846
Registriert: 01.02.2016, 17:55

Beitrag von SimoneD. »

Vielen vielen Dank für eure Tipps. Habe die Lehrerin angeschrieben und die Seiten genannt bekommen, die wir bearbeiten können. Habe auch angeboten Arbeitsblätter abzuholen.
N. ist eigentlich auch recht fit. Zumindest theoretisch vom Kopf her. Es aufs Papier zu bringen ist wieder ein anderes Thema :roll:
Mathe liegt ihm etwas mehr als Buchstaben :wink:
Liebe Grüße von Mönchen :-)
Sohn (10 Jahre) Asperger Autist

SabineUfr
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 67
Registriert: 27.04.2015, 10:21
Wohnort: Unterfranken

Beitrag von SabineUfr »

Werde selbst aktiv! Lass dich nicht vertrösten von Schulbegleitung und Lehrerin! Unbedingt immer nachfragen, nachhaken, Interesse zeigen und präsent sein, damit man weiß, dass du dich kümmerst. Und nicht über X Ecken sondern direkt bei der Quelle die Dinge erfragen!

Und: nicht schon von vornherein sagen: da kommt eh nix bei rum! Positive Einstellung ist schon wichtig, auch wenn es nicht einfach ist. Und nicht vergessen: nach einem Gewitter scheint normal immer die Sonne! Es wird immer gute und schlechte Zeiten geben!
Sabine mit Sohn (*2004), ADHS und Asperger

Vorstellung - klick!

Antworten

Zurück zu „Krankheitsbilder - Autismus“