Habt ihr eure Kinder über Autismus aufgeklärt?

Hier könnt ihr euch rund ums Thema Autismus austauschen.

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mamaJo
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Habt ihr eure Kinder über Autismus aufgeklärt?

Beitrag von mamaJo »

Hallo ihr lieben,

ich möchte mich zu erst noch mal bei all den Eltern bedanken, die uns, also mir und meinem Mann, so viele Tipps zum Thema Schule gegeben haben. Ohne euch wären wir ziemlich aufgeschmissen!

D A N K E ! ! !

Jetzt hoffe ich, dass ihr uns noch mal weiter helfen könnt, habt ihr euren Kindern erklärt, dass sie Asperger haben bzw. andere Formen des Autismus? Wenn ja, wie alt waren sei und was habt ihr ihnen erzählt?

Wir überlegen immer noch hin und her ob wir Till erzählen, dass er Autist ist. Ich denk auch spätestens, wenn er den Schulbegleiter bekommen wird, wird er fragen, warum.

Ich freue mich auf eure Antworten

liebe Grüße Jo
Mann: *1978
ich: *1980
Till: *2007: Asperger-Syndrom
Amelia: *2009
Paul: * 2010: ehem. Frühchen entwicklungsverzögert, hypoton(Tetraparese, beinbetont, )

Bettina C.
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Beitrag von Bettina C. »

Hallo Jo,

jaaa, habe ich :) Er weiß, wozu der SBA dient, wie seine Besonderheit heißt, und was sie bedeutet. Ich gehe ganz offen damit um. Mein Sohn war 9 Jahre alt, als ich mit ihm darüber gesprochen habe. Er kann ohne Schulassistenz gar nicht mehr beschult werden, da liegt es auf der Hand...
Natürlich kommt es auf das Alter und das Kind an, wann man es sagt. Ich denke, dass sie ein Störungsbewußtsein entwickeln können, wenn man es unterlässt.

Gutes Gelingen, so, oder so :)

GLG, Betty
Betty, Asperger - Autistin & B., *2005, HFA F.84.0,Teilleistungsstörung/Koordination, Einschränkung der Visuomotorik, Dysdiadochokinese, stark eingeschränktes Kurzzeitgedächtnis. Und das tollste Kind :-)

Bettina C.
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Beitrag von Bettina C. »

Hallo Jo,

jaaa, habe ich :) Er weiß, wozu der SBA dient, wie seine Besonderheit heißt, und was sie bedeutet. Ich gehe ganz offen damit um. Mein Sohn war 9 Jahre alt, als ich mit ihm darüber gesprochen habe. Er kann ohne Schulassistenz gar nicht mehr beschult werden, da liegt es auf der Hand...
Natürlich kommt es auf das Alter und das Kind an, wann man es sagt. Ich denke, dass sie ein Störungsbewußtsein entwickeln können, wenn man es unterlässt.

Gutes Gelingen, so, oder so :)

GLG, Betty
Betty, Asperger - Autistin & B., *2005, HFA F.84.0,Teilleistungsstörung/Koordination, Einschränkung der Visuomotorik, Dysdiadochokinese, stark eingeschränktes Kurzzeitgedächtnis. Und das tollste Kind :-)

ehemalige Userin

Beitrag von ehemalige Userin »

Hallo Jo,

zu meiner Zeit gab es noch keine Asperger-Diagnose, und so musste ich bis zu meinem 39. Lebenjahr ohne schlüssige Erklärung für mein Anderssein aufwachsen.

Heute würde ich eine frühzeitige Aufklärung der Kinder immer befürworten, weil ich sonst die Gefahr sehe, dass ein Kind die "Schuld" für sein Anderssein/Anecken/Abseitsstehen bei sich selbst sucht und sich mit offenen Fragen quält (Warum bin ich so? Warum kann ich nicht, was andere Kinder können? Warum benehme ich mich so schlimm, obwohl ich es gar nicht will?), auf die es sich selbst keine Antwort geben kann. Dein Sohn ist ja schon 8 Jahre alt, da lässt sich bestimmt eine altersgrechte Erklärung finden. Und ich sehe es wie du: Spätestens, wenn der Schulbegleiter da, lässt es sich sowieso nicht mehr verheimlichen - oder nur mit hahnebüchenen Ausreden, die das Kind sowieso irgendwann durchschaut.

Vielleicht fürchten manche Eltern, eine Offenlegung der Diagnose könnte das Kind erst Recht in eine Außeneiterprosition drängen und - im negativen Sinn - zu etwas Besonderem machen. Ich glaube, da ist es immer die entscheidende Frage, wie man die Probleme (oder besser: Besonderheiten) erklärt und was für Schlussfolgerungen man damit verbindet: Was heißt Asperger bzw. Autismus? Was kann ich nicht so gut, was vielleicht sogar besser als andere Kinder? Wo brauche ich Rücksichtnahme und Verstädnis? Wo darf ich mir Sonderrechte herausnehmen? Und wo muss ich mich an die gleichen Regeln und Pflichten halten wie die Anderen auch?

Wenn man mit solchen Fragen unvoreingenommen und unverkrampft umgeht, sehe ich keinen ernsthaften Grund, der gegen einen offenen Umgang mit der Diagnose spricht.

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Ehlana
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Beitrag von Ehlana »

Hallo,

ich kann mich Dario nur anschließen. Natürlich ist es oft nicht leicht, zu wissen, dass man anders ist, dass man eine Behinderung (oder wenn man will, Besonderheit) hat, die einem einiges schwerer macht. Das sehe ich an meiner Tochter, die öfter mal betont, wie ätzend sie es findet. ADHS zu haben.

Ich bin aber ohne das Wissen um meinen Autismus aufgewachsen und war irgendwann felsenfest überzeugt, einfach nur grundverkehrt zu sein, dass alles an mir schlicht falsch sein müsse - denn sonst wäre ich ja nicht überall so schlecht angekommen und hätte diese Probleme nicht gehabt, die sonst keiner hatte. So was verfolgt einen ziemlich lange. Da ist es meiner Meinung nach viel besser, wenn man Bescheid weiß, auch wenn das einige andere Probleme mit sich bringen kann.

LG,
Ehlana
Ehlana (*1981) ASS, HB
Schwester (*1987) Down-Syndrom
Kind (*2003) ADHS oder ASS, da sind die Fachleute geteilter Meinung...

Stefanie+2
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Beitrag von Stefanie+2 »

Hallo,

ich habe es unserem Kind mit 8 Jahren erzählt, ca. 3Monate nach der Diagnose.
Ich glaube seitdem fühlt er sich besser, denn er hatte schon von allein
festgestellt "anders" zu sein. Jetzt hat er endlich eine Erklärung dafür.
Er geht sehr unbefangen damit um und erzählt uns auch endlich wenn es mal ein Problem gibt oder etwas falsch versteht.

Demnächst werden seine Mitschüler darüber aufgeklärt. Ich muss sagen, dass wir sehr viel Glück mit seiner Klasse haben und er von Anfang an so akzeptiert wurde wie er ist.
Aber die Kinder merken ja schon wenn jemand anders ist und vor allem im Unterricht anders bewertet wird bzw. länger und in einem eigenen Raum Tests schreiben darf etc.
Da könnte schon mal das Gefühl ungerecht behandelt zu werden aufkommen, wenn man
nicht aufklärt.

Wenn dein Sohn mit einem Schulbegleiter zur Schule geht ist es ja dann offensichtlich, dass etwas anders ist und ich denke es ist besser er weiß vorher darüber Bescheid.
Seine Mitschüler werden ihn sicherlich auch darauf ansprechen.

Lg
Ich (V.a.ASS)mit Kind1 (2006 A-typischer Autismus) +Kind2 (noch klein und anscheinend NT)

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Regina Regenbogen
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Re: Habt ihr eure Kinder über Autismus aufgeklärt?

Beitrag von Regina Regenbogen »

mamaJo hat geschrieben: Jetzt hoffe ich, dass ihr uns noch mal weiter helfen könnt, habt ihr euren Kindern erklärt, dass sie Asperger haben bzw. andere Formen des Autismus? Wenn ja, wie alt waren sei und was habt ihr ihnen erzählt?
Selbstverständlich haben wir frühzeitig nach der Diagnose versucht, unserem Sohn das Thema Autismus nahezubringen. Das war etwas schwierig, weil er sich lange Zeit NICHT damit auseinandersetzen wollte (oder konnte). Da wir aber gleichzeitig Aufklärungsarbeit mit seinen Geschwistern betrieben haben mit Hilfe des Buchs "Mein Freund mit Autismus" hat er am Rande genug davon mitbekommen. Innerhalb der Autismustherapie war er dem Thema aufgeschlossener. Heute hat er seinen Frieden mit der Diagnose geschlossen und kann -je nach Vertrauen zu seinem Gesprächspartner- auch offen dazu stehen.

Sehr viel hat ihm aber auch der zweimalige Aufenthalt in einer Ferienfreizeit für Autisten und ADHSler geholfen. Ebenso wie seinem Bruder. Beide gehen seitdem mit ihrem "Handicap" viel selbstbewusster um.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
Sohn * 09/2001 - ADS
Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

SabineUfr
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Beitrag von SabineUfr »

Bei uns ist das ähnlich wie bei Regina Regenbogen.

Die Diagnose bei Junior (10 Jahre) ist ja noch recht frisch. Auch er möchte sich aktuell nicht mit der Problematik auseinandersetzen, wurde teilweise sogar wütend, wenn ich nur das Wort Autismus aussprach. Er mag es nicht, anders zu sein und sieht momentan nur die negativen Seiten.

Erzählt haben wir ihm wo seine Stärken und Schwächen liegen und als Grund angegeben, dass sein Gehirn einfach anders arbeitet und er dadurch Dinge einfach anders wahrnimmt und erlebt. Er hat ja auch ADHS und da sind die Symptome ja teilweise ähnlich.

Wir versuchen durch verschiedene Bücher zum Thema und Aufklärung mithilfe des Psychologen ihn etwas sensibler für das Thema zu machen. Das Buch "Schattenspringer" hat bei uns schon einige Aha-Erlebnisse ausgelöst und wir hoffen, dass er für sich einen guten Umgang mit dem anders sein findet.

Aufklärung generell finde ich sinnvoll. Das Thema wird ihn ja ein ganzes Leben lang begleiten und ich finde ein natürlicher Umgang mit dem anders sein hilft, auch anderen sicherer gegenüber treten zu können und Vorurteile abzubauen.
Sabine mit Sohn (*2004), ADHS und Asperger

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Frauke Britta
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Beitrag von Frauke Britta »

Wir haben die Diagnose, nach langem suchen, bei meinem Sohn mit 10 Jahren bekommen.

Uns war es wichtig, das er "versteht" warum er manchmal anders ist als andere. So sind wir in das Gespräch geganen.

Ich sagte zu ihm: " Du hast schon gemerkt Dinge manchmal anders zu sehen wie die anderen". Er überlegte kurz und sagte: "nö, finde ich nicht".

Er mag das Thema überhaupt nicht und will diese Termine alle 3 Monate in der KJP nicht.
Am liebsten will er nicht drüber reden.

Und wir belassen es dabei. Er geht gerne 2 mal die Woche zum Sozialkompetenz-Training und mag seine Schulbegleitung.

Wenn die Schule jetzt noch danach handeln würde, wäre ich sehr zufrieden.

Letzte Woche hätte er geschwetzt und die Musiklehrerin hat ihn erst zwei Absätze aus dem Buch zur Strafe abschreiben lassen und als Oberhammer sollte er über das abgeschriebene einen Vortrag vor der ganzen Klasse halten :twisted: :twisted:

Dann regt sich die Dame, die sich Lehrerin nennt, über sein Verhalten auf.

"Dann hat sich ihr Sohn benommen....so habe ich ihn noch nie erlebt".

Liebe Grüße

Frauke-Britta
ALLES WIRD GUT

Sohn 11 Jahre Asperger, Rheuma, ADHS, V.a. Autoimmun-Enzephalitis.....
Zwillingsbruder 2003er Motzbeutel sonst unauffällig, Schwester 13 Jahre Asthma, außer der Pupertät eher unauffällig

Jojo111
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Beitrag von Jojo111 »

Bei uns war es so, dass eine Aufklärung in dem Sinne gar nicht nötig war, Sohnemann kam da nämlich mit 5 Jahren ganz alleine drauf. :shock:
Wir haben einen 3 Jahre älteren Jungen in der Nachbarschaft, der ebenfalls autistisch ist (HFA). Mein Sohn hat öfter mal mit ihm gespielt (was übrigens immer super lief). Wir hatten naturgemäß generell viel Kontakt mit der Familie.
Eines Tages hat mich Sohnemann dann gefragt, warum der Junge so oft mit den Armen wedelt und sich so sehr für Uhren interessiert. Ich hab ihm dann erklärt, dass er Autismus hat und eben von Stereotypien, Wahrnehmung, Spezialinteressen usw. erzählt. Während ich noch drüber nachdachte, ob und wie ich den Bogen zu ihm selbst schlagen kann, sagte er ganz locker: "Ach so. Das ist bei mir ja auch so. Dann bin ich auch autistisch. Macht ja nix." :lol:
Tja, damit war das Thema gegessen.
Wir sprechen viel über Autismus, mein Sohn geht da sehr offen mit um. Er weiß, dass er einfach etwas anders denkt und Dinge wahrnimmt, dass er mehr Unterstützung benötigt und auch, warum er einen SBA und eine Schulbegleiterin hat. Das macht ihm nichts aus, er findet sich zum Glück gut so wie er ist. Ärgern tut er sich nur über das ignorante Umfeld. Recht hat er. :wink:
Süß war er auch, als unser Kleiner Symptome zeigte. Da hat er ihm mal gesagt: "Weißt Du, das ist nicht schlimm, Autist zu sein. Und wenn Du nicht reden lernst, dann benutzt Du halt die Hände." :D
Ich hoffe, er bleibt so selbstbewusst.

Grundsätzlich finde ich schon, dass man frühzeitig mit den Kindern über ihre Besonderheiten reden sollte, sofern sie sich auch darauf einlassen möchten.
LG, Jojo
mit dem bezaubernden Trio (Mademoiselle 2006, JIA, sehbehindert, SH rechts mit HG versorgt, ADHS --- Monsieur 2006, Asperger, ADHS, LRS, AVWS --- kleiner Charmeur 2010, HFA, SEV, VED, V.a. Tourette)

"Be who you are. And say what you feel. Because those who mind don't matter. And those who matter don't mind." Dr. Seuss

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