Konsequenzen haben keine Wirkung

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Regina Regenbogen
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Beitrag von Regina Regenbogen »

MartinaM. hat geschrieben:das Strafe-Belohnungs-Zentrum
So was gibt es? :shock:


Mein Sohn reagiert nur sehr verhaltensauffällig und in Folge auch konsequenzresistent, wenn er irgendwo anders Probleme hat, die können durchaus auch älter sein. Bei ihm kocht manches erst viel später hoch.
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

Sohn * 01/2003 - Frühkindlicher Autismus mit komorbider ADHS
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Tochter * 04/1998 - nix
Tochter * 08/1989 - Peronaeusparese

Chantal1986
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Beitrag von Chantal1986 »

Hallo Martina, also bei ihm habe ich lange das Gefühl das Belohnung systeme nicht greifen.

Hatten es mit dem spülen erst bei.jedem Spülen eine Süßigkeit. und dann sollte es bei jedem 2. mal nur noch was geben. aber dann Griff es schon nicht mehr.

Er forderte oft auch diese Belohnung gar nicht ein.
Liebe Grüße

von Chantal und Andreas mit Darius, Mira, Tjara und Marla

Darius *04 (Myoklonische Astatische Epilpesie, Chromosomenanomalie , ADHS,LRS und Asperger Autist) PS 1 80gdb mit H und B.
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MartinaM.
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Beitrag von MartinaM. »

ja, Regina, sowas gibt es, auch in deinem Gehirn, das ja schließlich die Steuerzentrale ist, so ganz ohne Hirn wirds arg schwierig ;)

http://dasgehirn.info/denken/motivation ... ngssystem/
"ach wie gut, dass ich dich gerettet habe, beinahe wärst du ertrunken" sagte der Affe und setzte den Fisch in den Baum.

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MartinaM.
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Beitrag von MartinaM. »

@chantal : bei mir funktioniert das auch nicht. Und auch bei nahezu allen Autisten die ich kenne greift Belohnung vs Strafe nur, wenn sie sich die Ziele selber setzen. Vorgaben von außen werden ignoriert.
"ach wie gut, dass ich dich gerettet habe, beinahe wärst du ertrunken" sagte der Affe und setzte den Fisch in den Baum.

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Regina Regenbogen
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Beitrag von Regina Regenbogen »

MartinaM. hat geschrieben:ja, Regina, sowas gibt es, auch in deinem Gehirn
Dann muss ich zugeben, dass bei mir dieses Belohnungssystem auch nicht sehr ausgeprägt vorhanden ist. :lol:
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft. (Marie von Ebner-Eschenbach)

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Chantal1986
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Beitrag von Chantal1986 »

Martina das ist eine sehr interessante Sicht. Vieles wird mir nun klarer. Dafür liebe ich dieses Forum hier so.
Liebe Grüße

von Chantal und Andreas mit Darius, Mira, Tjara und Marla

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Frau K.
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Beitrag von Frau K. »

Ja, genau, ich vergaß zu schreiben, dass Belohnung bei meinem Sohn auch nichts bringt und er gegebenfalls auch seine Belohnung nicht einfordert.

Ich habe Glück und mein Sohn diskutiert überhaupt nicht, dafür zieht er sich schnell zurück und hört offenbar nur noch "Geräusch" (Buntschatten und Fledermäuse).
Sohn 2002 - Asperger Syndrom (Diagnose 11/2013), V. a. ADS

Steph61
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Beitrag von Steph61 »

Meine Tochter diskutierte ihre ganze Kindheit/Jugend über was das Zeug hielt, diskutiert heute noch viel. Belohnung, Lob, Strafe funktioniert(e) auch nicht, nur ausgiebiges erklären wieso, weshalb, warum. Deshalb stimme ich meinen Vorschreiberinnen voll und ganz zu.

Nun las ich schon öfters, dass in der Autismustherapie mit dem sogenannten Belohnungsprinzip gearbeitet wird, um positive Verstärkung zu erreichen.

Wenn bei Autisten das Belohnungssystem im Gehirn nicht aktiviert ist, WIE kann dann das "Belohnungsprinzip" in der Autismustherapie greifen??? Kapier ich nicht!
Tochter *1995: Asperger Syndrom (2013 diagnostiziert), Laktoseintoleranz, Allergien, Hypothyreose


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Engrid
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Beitrag von Engrid »

Hallo,

Dass pauschal bei Autisten das Belohnungssystem im Gehirn nicht funktioniert, kann ich mir nicht vorstellen. Dass da aber etwas ganz anders läuft (und es hat dann wohl auch mit der Dopamin-Ausschüttung zu tun), kann ich mir gut vorstellen.
Bei meinem Sohn (und noch mehr Autisten, wie wir hier schon festgestellt haben), ist auch irgendwas anders am Belohnungssystem im Gehirn: Lob macht ihn aggressiv. Soziale Belohnung ist problematisch für ihn. Belohnendes - auch im Sinn von Verhalten verstärkendes - gibt es natürlich schon, wohl für alle Autisten.
Wenn mir etwas Spass macht, will ich es wieder tun.
Wenn sich etwas angenehm anfühlt, will ich das Gefühl wieder haben.
Wenn mir etwas schmeckt, will ich es wieder essen.
Wenn ich mit einem Verhalten Erfolg habe, werde ich es wieder tun.

Wenn mir das alles dann vertraut ist, dann wirkt das Spass machende, das Angenehme, das Leckere als Belohnung für mich. Ohne dass jemand eine Bewertung dazupackt. Damit hat mein Sohn dann kein Problem.

Strafe/Sanktion/... Ist wieder ganz was anderes. Mein Sohn braucht sachliche Konsequenzen. Strafen führen nur dazu, dass er sich an dieser Grenze dann abarbeitet, zwanghaft. Wenn ich einer Konsequenz große Emotionen meinerseits dranhänge (wütend, enttäuscht, ...) dann wirkt es ähnlich wie soziale Belohnung: Er kriegt die Wut, muss sich wieder abarbeiten. Wenn ich es dagegen wertfrei rüberbringe, ist er nach einer gewissen Zeit (wenn er sich dran gewöhnt hat) sogar froh drum, klare Grenzen zu haben. (Das ist dann wahrscheinlich vergleichbar damit, dass einige geschrieben haben, bei ihren Kinder hilft nur Erklären, nicht Sanktionieren - für Erklären ist Junior in vielen Fällen kognitiv nicht fit genug)

@Steph: Die Verhaltentherapie allgemein, auch ABA im speziellen, arbeitet deshalb so, dass erstmal rausgefunden werden muss, was denn genau fürs jeweilige Kind etwas Belohnendes hat. Fies wird das, wenn zuerst etwas Wichtiges entzogen wird (Stereotypie), um es dann hinterher als Belohnung einzusetzen.
Sowas würde ich nie tun, aber mein Sohn würde da auch mit Sicherheit sehr aggressiv drauf, weil er es bei aller kognitiven Probleme ganz klar als Übergriff ansähe.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

ehemalige Userin

Beitrag von ehemalige Userin »

Hallo zusammen,

das ist hochinetressante Diskussion hier, zu der ich einige Anmerkungen habe:
MartinaM. hat geschrieben:Im autistischen Gehirn (zumindest bei den normativen 90% nehme ich an) soll angeblich das Strafe-Belohnungs-Zentrum nicht aktiviert sein. Könnte schon sein ...und wäre eine Erklärung für dieses Phänomen, das bei vielen Autisten sichtbar ist.
Kann mich leider nicht erinnern, wo ich das letztens gelesen habe...
Kann sein, dass das bei vielen Autisten so ist, von mir selbst kann ich diese Resistenz gegenüber Strafen/Belohnungen dagegen nicht bestätigen, sonst hätte ich aus meiner Kindheit bestimmt kein so nachhaltiges Straftrauma davon getragen. Oder bin ich da wirklich eine Ausnahme?
Steph61 hat geschrieben:Meine Tochter diskutierte ihre ganze Kindheit/Jugend über was das Zeug hielt, diskutiert heute noch viel. Belohnung, Lob, Strafe funktioniert(e) auch nicht, nur ausgiebiges erklären wieso, weshalb, warum. Deshalb stimme ich meinen Vorschreiberinnen voll und ganz zu.
Hier hätte ich eine Verständnisfrage: Sollte man das nicht immer so machen, dass man Kindern erst auf ruhige und sachliche Weise erklärt, was man von ihnen erwartet, bevor man Konsequenzen androht oder sogar umsetzt?
Engrid hat geschrieben:Strafe/Sanktion/... Ist wieder ganz was anderes. Mein Sohn braucht sachliche Konsequenzen. Strafen führen nur dazu, dass er sich an dieser Grenze dann abarbeitet, zwanghaft.
Auch hierzu eine Frage an Engrid: Was ist für dich der Unterschied zwischen "sachlichen Konsequenzen" und "Strafen"? Sollten Strafen nicht (möglichst) immer sachbezogen sein und mit konkretem Bezug zum Vergehen? Diese Unterscheidung ist mir nicht ganz klar.

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