Fütterstörung?

Hier könnt ihr Fragen rund ums Thema Ernährung stellen. Usern, deren Kinder über eine Sonde ernährt werden, möchten wir hier ebenfalls eine kleine Austauschplattform bieten.

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Lisa85
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Fütterstörung?

Beitragvon Lisa85 » 20.12.2018, 21:13

Hallo Ihr Lieben,

mein Sohn (13 Monate) hat bis er 7 Monate alt war ganz normal gegessen (Brei aber auch Kartoffeln und Bananen). Dann folgte der Krankenhausaufenthalt (Diagnostik Tuberöse Sklerose). Seitdem wurde es immer schlimmer mit dem Essen. Er bekommt jetzt Sabril gegen die Epilepsie und 2 Medikamente gegen Bluthochdruck.
Er hat 0 Interesse an essen. Das einzige was er wirklich gerne hat ist seine Flasche mit Milch. Er knabbert an nichts und füttern ist nur manchmal mit viel Ablenkung möglich. Er ist sonst bisher normal entwickelt.
Welche Fachrichtung hilft denn bei Fütterstörungen? Wohin kann man sich wenden? Eher Logopädie oder Physiotherapie oder Psychotherapie?
Die behandelnden Ärzte sind bisher alle so „ach, das wird schon“ aber ich finde da muss etwas passieren.
Vielleicht hat hier ja jemand einen guten Tip?!

Danke & liebe Grüße
Lisa mit 2 Söhnen: E. (6/2015, gesund) und A. (11/2017, tuberöse Sklerose, Zystenniere --> "The TSC2/PKD1 contiguous gene Syndrome".

Sabinä1984
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Beitragvon Sabinä1984 » 20.12.2018, 21:20

Hallo Lisa,
Kann es eine Nebenwirkung von dem Sabril sein? Epilepsie Medikamente machen gerne mal Appetitlosigkeit. Ansonsten würd ich wahrscheinlich zu einer Logopädin gehn.

Glg Sabine

Mimo
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Beitragvon Mimo » 20.12.2018, 22:00

huhu,

meine 2-jährige isst auch nicht gerne, und greift nach wie vor viel lieber zur Milchflasche - davon trinkt sie heute immernoch mehrere pro Tag.
Sie isst zwar alles, aber meist in vergleichsweise kleinen Mengen. (Ein paar Happen vom Brot, eine Hand voll Nudeln usw.)
Brei wollte sie als Baby gar nicht, sie aß ab 7 Monaten in homöopathischen Dosen am Tisch mit.

Ich bin auch der Meinung, dass sich das gibt zur rechten Zeit. Jedes Kind ist anders, und solange die Kinder gut gedeihen, sehe ich es nicht als problematisch an. (Meine Kleine ist für ihr Alter sehr groß und schwer.)

Ich vertraue darauf, dass meine Kleine einen guten Instinkt dafür hat, was sie braucht. Und ich kenne kein Kind, das mit 10 noch ausschließlich die Flasche wollte.

Hier gewaltsam regulierend einzugreifen halte ich persönlich nicht für gut, dadurch entstehen später nur Eßstörungen.
Ich biete einfach immer wieder verschiedene Nahrungsmittel an, welche meine Kleine auch gerne annimmt, sie freut sich auf jede Mahlzeit. Aber isst dann eben doch nur wenig und will dann lieber noch ne Milch zum Nachtisch.

Da dein Sohn noch sehr klein ist, würde ich da auch einfach noch gelassen abwarten.

kati543
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Beitragvon kati543 » 20.12.2018, 22:20

Hallo,
da dein Kind schon einmal für sein Alter normal gegessen hat und auch jetzt nicht in einem typischen Alter für eine Essstörung ist, würde ich ersteinmal die Ursache suchen.
Schau dir mal die Beipackzettel der Medikamente an. Wie Sabine schon geschrieben hat, haben Medikamente nicht selten eine derartige Nebenwirkung - eines meiner Antiepileptika hat diese Nebenwirkung auch, nur als Erwachsener kann ich das beobachten und entsprechend bewusst gegensteuern.
Ansonsten schreibst du, dass dein Kind im Krankenhaus war - was ist dort vorgefallen? Kann das ein Trauma ausgelöst haben?
Hat dein Kind aus irgendeinem bisher unbekannten Grund vielleicht Probleme mit kauen und schlucken, so dass einfach nur flüssige Milch schmerzfrei geht?
Brei kann man ja auch mit Breisauger geben - das schoneinmal versucht?

Ich denke, ihr müsst einfach erstmal herausbekommen, was das Problem ist. Leider werdet ihr dabei ziemlich allein gelassen.

Bei Fütterstörungen können mehrere Fachrichtungen involviert werden. Es kommt auf die Ursache an. Meist ist das eine Mischung aus Logopädie und Psychotherapie.

Falls es dich irgendwie beruhigt, mit 13 Monaten kann und darf man noch ausschließlich von Milch leben. Daher reagieren Ärzte hier nicht panisch. Mein Jüngster war 4 Jahre, als die Krankenkasse letztendlich eine stationäre Esstherapie genehmigt hat wegen der Ess- und Fütterstörung. Er hat bis zu diesem Zeitpunkt ausschließlich Milch getrunken - am Ende waren das 3 Liter am Tag. Mein Sohn hat damals im Krankenhaus eine riesige Mischung aus unglaublich vielen Therapien bekommen.
LG
Katrin
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Lisa85
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Beitragvon Lisa85 » 21.12.2018, 07:27

Hallo Katrin,

und hat die stationäre Therapie geholfen? Hat er danach gegessen?
Als Nebenwirkungen der Medikamente ist dies gänzlich unbekannt, Sabril ist eher appetitsteigernd. Und er hat auch Appetit. Er trinkt abends manchmal über 500ml Milch. Ich mache mir sorgen, weil doch Mundmuskulatur auch wichtig fürs sprechen ist. Er sabbert auch sehr seit einigen Wochen, vielleicht auch, weil er wenig Kaumuskulatur hat?
Brei mit dem Sauger trinkt er.
Sobald man ihm essen hinlegt, schmeißt er es weg. Er erkennt sofort, ob etwas essen oder Spielzeug ist. An Spielzeug kaut er rum, essen fliegt weg.
Im Krankenhaus wurde eben oft Blut abgenommen und viele Untersuchungen (MRT, Sono, EEG, Augen durchleuchtet), ich denke schon, dass das traumatisch war. Daher komme ich auf die Fütterstörung. Davor war er ein so guter Esser.
Lisa mit 2 Söhnen: E. (6/2015, gesund) und A. (11/2017, tuberöse Sklerose, Zystenniere --> "The TSC2/PKD1 contiguous gene Syndrome".

kati543
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Beitragvon kati543 » 21.12.2018, 08:54

Hallo Lisa,
ja, die stationäre Therapie hat letztendlich geholfen, aber sie war echt hart und heftig. Ich wünsche das Keinem und bin echt froh, dass der Kleine sich nicht erinnert. Das läuft mehr oder weniger auf der Basis, dass man einzelne Milchmahlzeiten einfach weglässt und irgendwann kommt eben der Hunger. Gleichzeitig wird natürlich immer kontrolliert, dass der Körper das aushält. Bei behinderten Kindern ist das ja immer so eine Gratwanderung.
Ihr habt Zeit, also lasst euch Zeit. Kinder fangen auch irgendwann an durch ihre angeborene Neugierde alles zu probieren.
Ansonsten würde ich jetzt alles machen, was die Mundmotorik stärkt. Da kannst du schon ganz viel zu Hause machen.
Welchen Löffel nehmt ihr? Kann es sein, dass der Löffel für Brei ihm unangenehm ist?
Vielleicht sind es auch die Zähne, die ihm so arg zu schaffen machen? Die übliche Nebenwirkung sind da sabbern, auf Spielzeug kauen und feste Nahrung teilweise verweigern.
LG
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Mimo
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Beitragvon Mimo » 21.12.2018, 12:06

Hallo Lisa,
ja, die stationäre Therapie hat letztendlich geholfen, aber sie war echt hart und heftig. Ich wünsche das Keinem und bin echt froh, dass der Kleine sich nicht erinnert.
Bist du dir da sicher? Traumatische Erlebnisse bleiben im Gehirn/Unterbewusstsein abgespeichert.
Ein Trauma mit einem weiteren Trauma zu heilen finde ich kontraproduktiv.

Ich würde dem Kind Zeit lassen, keinen Druck machen, irgendwann wird er essen.

Mimo
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Beitragvon Mimo » 21.12.2018, 12:06

Hallo Lisa,
ja, die stationäre Therapie hat letztendlich geholfen, aber sie war echt hart und heftig. Ich wünsche das Keinem und bin echt froh, dass der Kleine sich nicht erinnert.
Bist du dir da sicher? Traumatische Erlebnisse bleiben im Gehirn/Unterbewusstsein abgespeichert.
Ein Trauma mit einem weiteren Trauma zu "kurieren" finde ich kontraproduktiv.

Ich würde dem Kind Zeit lassen, keinen Druck machen, irgendwann wird er essen.

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Beitragvon kati543 » 21.12.2018, 22:41

Hallo Mimo,
dann wäre er jetzt tot. Die Zeit hatten wir leider nicht. Als er mit der Esstherapie angefangen hat, gab es nur 2 Optionen - entweder er spricht sofort darauf an, oder er bekommt einen Button. Die Krankenkasse hat die Kostenübernahme der Therapie so lange herausgezogen, wie es nur irgendwie ging.
Ein Baby kann sich ausschließlich von Milch ernähren, auch ein kleines Kleinkind schafft das noch. Aber spätestens ab dem Kindergartenalter sollte Beikost gegeben werden. Milch enthält nicht Alles, was der Körper braucht. Ein Kind hat zwar Resserven aus der Zeit der Schwangerschaft, aber irgendwann sind die aufgebraucht. Das Blutbild meines Sohnes war längst auffällig, die Blutkörperchen selbst waren schon verformt.

Und ja, ich bin mir sicher. Ich kenne meinen Sohn. Er hatte schon ein Trauma - ich weiß wie das bei ihm aussieht und wie sich das auswirkt. Das war übrigens noch vor der Esstherapie. Die Esstherapie läuft nicht umsonst nur mit Hilfe von Psychologen ab. Ein Kind mit einer Ess- und Fütterstörung wird eben nicht essen. Es ernährt sich nicht normal. Und man darf davon ausgehen, dass diese Kinder durchaus in der vollen Speisekammer verhungern.

LG
Katrin
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HollysAnne
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Beitragvon HollysAnne » 22.12.2018, 01:14

Hallo Lisa85,
Brei mit dem Sauger trinkt er.
Da seid ihr doch schonmal auf der sicheren Seite, was die Versorgung mit Nährstoffen angeht.

Um die Mundmotorik würde ich mir bei einem so kleinen Kind nicht so große Sorgen machen. Er sollte halt nicht die ganze Zeit an der Flasche nuckeln.
Dass er Gegenstände ankaut, ist normal. In dem Alter ist der Mund noch sensibler als die Hände, deshalb erforschen die Kleinen alles mit dem Mund. Da kann auch Sabbern mit dabei sein. Vielleicht kriegt er auch grad einen neuen Zahn? Machen die Medis evtl. erhöhten Speichelfluss?

Was du vom Krankenhaus beschreibst, scheint da für mich nichts von den traumatischen Untersuchungen im direkten Zusammenhang mit dem Essen zu stehen. Da käme ich jetzt nicht drauf, warum er ausgerechnet sein Essverhalten so umdreht. Bei meiner Tochter weiß ich genau, warum sie noch heute keine Milch trinkt. Sie lehnte die Flasche und den Inhalt ab, seit in der Klinik Kräutertee unter die Milch gemischt worden war, ohne es mir zu sagen. Und ich hätte es verhindert, weil ich wiederum wusste, warum sie den Kräutertee ablehnt. Nun stehen wir da. Aber bei deinem Jungen ist es für mich noch unklar. Kannst du dich erinnern, wann genau sich das geändert hat und was da gerade los war?

Ich halte für möglich, dass ihr mit Essen spielen müsst, damit das besser wird. Quasi die Grenze zwischen Spielzeug und Essen einreißen, die ihn jetzt Spielzeug in den Mund nehmen und Essen wegschmeißen lässt. Macht ein bisschen Schweinerei mit Teig, stapelt Brot- und Gemüsestreifen, legt Formen aus Obst...

LG Anne
Anne (*83, Logopädin) mit Holly (*3/2012) Abszess zerstörte 2. HW, heute Dystrophie, beinbetonte Spastik, Skoliose,u.v.m. Fröhliche Rollipilotin und meine größte kleine Heldin, Labertasche und Dramaqueen :)
There are still faint glimmers of civilisation in this barbaric slaughterhouse that was once called humanity.


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