Rat: Weisheitszahn-OP bei schwer mehrfachbehindertem Kind

Hier könnt ihr die Hilfsmittel eurer Kinder vorstellen, z. B. Reha-Buggy, Pflegebett, Stehtrainer, Therapieliege usw. - gerne auch mit Foto.
Ihr könnt hier übrigens auch Fragen bezüglich Technik und Anwendung verschiedener Hilfsmittel stellen.

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kerstinm
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Rat: Weisheitszahn-OP bei schwer mehrfachbehindertem Kind

Beitragvon kerstinm » 24.07.2018, 07:44

Hallo,

ich brauche Rat:

Auch bei unserer dritten Tochter (fast 16 Jahre, blind, Epilepsie, schwer mehrfachbehindert, Minderwuchs, leichte bis mittlere Microcephalie) werden sich in Kürze die Weisheitszähne auf den Weg machen (wie aktuell auch bei ihrer eineiigen Drillingsschwester). Seit mehreren Jahren versuchen schon die 2. Backenzähne durchzubrechen und haben eigentlich keinen Platz. Das quält sie schon häufig sehr. Daher fürchte ich, dass auch bei ihr die Weisheitszähne aus dem Kiefer entfernt werden müssen.

Sie lässt sich zwar von "ihrer" Zahnärztin kurz in den Mund schauen und toleriert auch kurz die Entfernung von Zahnstein, dann ist aber Feierabend. Ein OPG haben wir daher bisher noch nicht.

Wer hat die Weisheitszahn OP schon bei einem schwer mehrfachbehinderten Kind mit Kleinwuchs durchführen lassen? Wie läuft das ab? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Könnt ihr geeignete Zahnkliniken im Rhein-Main-Gebiet empfehlen?

Für Rückmeldungen bin ich dankbar. Bisher sind alle behandelnden Ärzte etwas ratlos. Ich fürchte das Problem wird sich aber nicht von alleine erledigen, sondern schneller als erwartet "durchbrechen".

VG

Kerstin

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Juler
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Beitragvon Juler » 24.07.2018, 08:20

Hey Kerstin,


Ich hab zwar andere Baustellen und bin zwar auch nicht schwer mehrfachbehindert aber ich hatte dieses Jahr meine Weisheitszahnop. Und dachte ich berichte dir kurz. Vorab: ich war erst beim Wald und Wiesen Oralchirurg, der hätte 200 Euro für ne Collnarkose kassiert und die OP gemacht. Dort hab ich mich aber nicht wohlgefühlt. Deshalb hab ich mich dann für eine Zweitmeinung entschieden der Zahn Mund Kieferklinik in Heidelberg. Dort wurde nur unter Lokalanästhesie das gemacht. War aber einigermaßen unangenehm. Meine Zähne haben allerings auch sehr rumgezickt. 2h für 4 Zähne. Sonst so ne Dreiviertel Stunde.
Würde euch in dem Moment also zu ner Vollnarkose raten und entsprechend vorher mit dem anästhesist über die Epi sprechen.
Aber der eigentlich unangenehme Teil wird leider dann erst beginnen. Die schmerzen danach sind echt nicht schön. Ich war quasi dauerabgeschossen mit Höchstdosen novalgin. Aber Schmerzen hatte ich trotzdem. Nahrungsaufnahme mehr als schwierig. Die ersten 4 Tage ging gar nix. Nicht sprechen nicht gescheit essen. Ich hab allerdings auch alle 4 auf einmal machen lassen. Wollte ich aber auch so und würde es wieder so machen, da ich das kein zweites mal ohne viel gejammer gemacht hätte. Ist ne Tortur geht aber nach ner Woche vorbei.

Ganz liebe Grüße, falls du noch Fragen an mich hast sag bescheid :)

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kerstinm
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Beitragvon kerstinm » 24.07.2018, 08:46

Danke.

Das "normale" Prozedere ist uns ja nun schon bekannt. Tochter 1 hat in den Osterferien alle vier Zähne beim Zahnchirugen unter Analog Sedierung entfernen lassen. Nicht schön und es hat fast drei Monate gedauert bis alles geheilt war.

Tochter 2 ist wahrscheinlich in den nächsten drei Wochen dran (mittlerer Minderwuchs). Diesmal Zahnklinik und Vollnarkose und wahrscheinlich erst einmal nur zwei Zähne.

Bei unserem Sorgenkind Nr. 3 bekommen wie wahrscheinlich das OPG schon nicht ohne kurze Vollnarkose hin. Ihr Köpfchen ist wirklich klein und ich gehe davon aus, dass sie solange sie Schmerzen im Mund hat das Trinken und die Nahrungsaufnahme komplett verweigert. Das macht sie schon bei mittleren Halsschmerzen sehr konsequent. Also kann ich mir eigentlich nur einen stationären Aufenthalt vorstellen. (Kinderklinik, da durch die Epilepsie und die geistige Behinderung eine permanente Überwachung nötig ist.)

Tipps dringend erbeten. :?

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Tanja2014
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Beitragvon Tanja2014 » 24.07.2018, 08:49

Hallo Kerstin,

bei mir war es damals ähnlich wie bei Jule. Nur, dass ich ohne Umweg über einen Oralchirurgen direkt in einer Uniklinik gelandet bin, weil meine Weisheitszähne noch so tief im Kiefer lagen (und in die falsche Richtung wuchsen), dass wohl klar war, dass das nur unter Vollnarkose geht. Bei mir wurden auch alle vier auf einmal gemacht und das war auch gut so. Schmerztechnisch waren bei mir nur die ersten zwei Tage richtig schlimm, allerdings konnte ich ungefähr eine Woche oder zehn Tage lang nur Pudding und Suppen essen.

Ist eine Vollnarkose denn problematisch bei Euch (kenne mich mit Epi nicht aus)? Für mich wäre das erstmal die offensichtliche Lösung in Eurer Situation, da ja dann zu Beginn vermutlich ganz problemlos die benötigten Röntgenbilder/Voruntersuchungen gemacht werden könnten und dann direkt im Anschluss die OP. Heute mit der digitalen Bildgebung sind die Bilder ja in wenigen Minuten gemacht.

Meines Wissens haben sowohl die Zahnklinik an der UK Frankfurt als die an der UK Gießen einen ganz guten Ruf. Meine OP wurde in Köln gemacht, die haben ebenfalls (auch heute noch, meine OP ist sicher 25 Jahre her) einen sehr guten Ruf.

Falls die Epi ein großes Problem ist, könntet Ihr vielleicht ein auf Epi spezialisierte KH kontaktieren (ich meine so was wie die Krupp-Klinik in Essen) und dort in der Epi-Klinik nachfragen, ob die eine Möglichkeit sehen, die OP bei denen zu machen mit einem Zahnarzt, der in der Klinik Belegbetten hat. Also dass Ihr dann quasi eine Mischung aus Epi-Spezialisten und Zahnarzt-Team im OP habt. Ob das in der Praxis geht, weiß ich nicht, ist nur so eine Idee und fragen kostet ja nix. ;-)
Viele Grüße
Tanja
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Beitragvon Tanja2014 » 24.07.2018, 09:00

Jetzt haben sich unsere Beiträge überschnitten. Was spricht denn dagegen, Röntgenbilder und OP im selben Eingriff machen zu lassen? Lehnt die Zahnkliik das ab? Gegen die Schmerzen bekommt man ja Schmerzmittel. Da kann man doch vermutlich mit den Ärzten sprechen, dass sie die dann einige Tage länger bekommt als üblich, wenn sie sonst nicht isst/trinkt...
Viele Grüße

Tanja

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Beitragvon Tina&Andi » 24.07.2018, 10:10

Hallo Kerstin,

ich denke dass die Zahn-Op es für deine Tochter einfacher ist. Auch für den Zahnarzt ist es einfach. Auch besteht keine Gefahr durch die OP ihrer Epilepsie ausgelost wird.

Ich denke spricht mit deinen Zahnarzt was er meint.

LG
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Beitragvon Sabine » 27.07.2018, 12:21

Hallo,

wir haben beim Kieferchirurgen sämtliche noch vorhandene Milchzähne in Vollnarkose ziehen lassen - das war letztes Jahr. Ein Anästhesist kam hinzu. Das ganze war eine Sache von einer knappen halben Stunde. Ging sogar im Behandlungsstuhl, weil mehrere Leute drum herum waren und aufgepasst haben.
Um 8 Uhr waren wir in der Praxis, um 11 Uhr wieder zu Hause. Mittags hat Jan-Paul wieder normal gegessen und getrunken, auch die Blutungen hielten sich in Grenzen. Er brauchte hinterher auch keine Schmerzmittel - und das bei sieben gezogenen Zähnen!
Die Ärzte haben das ganz toll gemacht, war ein ein völlig unaufgeregtes Geschehen. Und das bei einem Epi-Kind mit schwerer Mehrfachbehinderung (geistig und körperlich).
Wir haben also gute Erfahrungen gemacht und waren bei den Ärzten in guten Händen.

LG
Sabine
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Jan-Paul (10/01), schwer mehrfachbehindert ohne Diagnose, Tim-Henrik (03/05), Lea-Kristin (01/11)
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Beitragvon lisa08 » 27.07.2018, 13:14

Hallo,

bei mir konnten die Weisheitszähne aufgrund meiner Blutgerinnungsstörung nicht ambulant gezogen werden, das ging nur in der Uniklinik, wo ich mich aber sehr gut betreut gefühlt habe. Ich musste für die Vollnarkose nichts bezahlen und die Schmerzen hielten sich auch zurück (dafür hatte ich Probleme mit Einblutungen aber das ist "normal" bei meinem Faktor VII-Mangel). Ich denke, mit einer speziellen Indikation kann man das auch stationär machen lassen, wie bei mir? Falls das eine Option für euch wäre.

LG,
Lisa
Selbstbetroffen: Faktor VII-Mangel, heterozygote Faktor V-Leiden-Mutation, von-Willebrand-Syndrom (Typ 1), strukturelle Epilepsie, Autismus, SBA 80 GdB

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Beitragvon Silvia & Iris » 27.07.2018, 19:29

Liebe Sabine,

tja, die Milchzähne kommen jetzt auch raus...

bei mir - allerdings normal entwickelt - kamen auch alle 4 Weisheitszähen gleichzeitig raus - ich habe auch gleich innen wie außen gekühlt, daraufhin war eigentlich bereits nach 3 Tagen nichts mehr zu sehen von der Schwellung...

Ja, die erste Zeit habe ich das Eiswasser mit Strohhalm zugeführt... - ich war örtlich betäubt...

Was nun bei meiner Tochter alles anstehen wird - ich bin auch schon etwas... nervös...

Ich hoffe, dass es ziemlich problemlos wird - was alles gemacht wird, das wird dann vor Ort entschieden...

LG
Silvia
Liebe Grüße
Silvia
Tochter *03/2003, PCH, HG-versorgt, ein Sonnenschein
Sohn *03/2006 AVWS + was so dazu gehört

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Beitragvon Sandra B. » 05.08.2018, 13:22

Hallo Kerstin,

wir kommen aus Idstein, wohnen also um die Ecke! Ich kann dir die MKG-Chirugie in Wiesbaden empfehlen!
http://www.mkg-rhein-main.de/team.php

Die haben mit so etwas Erfahrung. Nina ist ja ebenfalls schwerst-mehrfach behindert und alles ist super gelaufen. Bei der Vorbesprechung musste ich sie noch nicht einmal mitbringen, der Chirurg sagte, er würde sich dann alles unter Narkose anschauen!
Die MKG hat einen separaten OP in der HSK, dort waren wir dann auch nachoperativ noch 2 Tage, wurden aber auch auf Station von Ärzten der MKG betreut. Versorgt wurden die Wunden mit selbstauflösendem Nahtmaterial, sodass wir hinterher noch nicht einmal Fäden ziehen mussten.

Wir waren bei Dr. Lukas!

Übrigens durfte ich sogar so lange mit in den OP, bis Nina wirklich schlief!

Wenn Du weitere Fragen hast - sehr gerne!

Liebe Grüße
Sandra
Sandra (47) und Max (48) mit Nina, 17, geistig und körperlich schwer behindert nach Frühgeburt. 25.SSW, 530g, sehr starke Sehbehinderung, keine Sprache, autistische Züge, infektabhängige Anfälle und vieles mehr
& Lukas, geb. 19.06.2008 (ADHS)


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