Pflegegrad-Höherstufung-Schwierigkeit im Umgang mit Kind

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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Katha71
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Pflegegrad-Höherstufung-Schwierigkeit im Umgang mit Kind

Beitrag von Katha71 »

Hallo Eltern,

ist hätte paar Fragen zu Häherstufung des Pflegegrades. So sei nicht die Schwere der Erkrankung oder Behinderung ein Grund für eine Höherstrufung (hier von 4 auf 5), sondern allein die Schwere der gesundheitlichen Beeinträchtigung der Selbstständigkeit.

Was fälllt nur alles unter Beeinträchtigung der Selbständigkeit?

Mein Problem ist, dass Sophie (in paar Tagen 15..) immer stärker und dadurch schwieriger in Handling (so zu sagen...) wird. Wenn wir vom Spielplatz nach Hause gehen, versuche ich die Route zu vermeiden, die an einem Zeitungsladen mit einer Eistruhe führt. Seit einger Zeit stürmt sie da rein, öffent die Truhe und nimmt sich ein Eis.

Das ginge noch, sie reisst aber das Papier ab, und greift sofort nach einem anderen Eis. Es geht eigentlich nicht um das Essen des Eises, sondern um das Hantieren mit bunten, raschelden Gegenständen.

Dann setzt sie sich auf den Boden des Ladens vor das Plakat mit Eissorten, betrachtet dieses und will nicht aufstehen. Sie schmeisst sich auf den Boden, wenn ich versuche, sie hoch zu heben und aus dem Laden führen. Ich habe schon den Ladenbetreiber bieten müssen, ihr von hinten unter die Arme zu greifen und sie aus dem Laden zu führen.
Ich selbst bin 158cm und wiege 50kg...sie ist kaum kleiner, und wohl nur etwas leichter.

Sind die steigenden Schwierigkeiten im Umgang mit dem Kind, bedingt durch Köperwachstum, ein Grund für Höherstufung beim Pflegegrade? Um es mal direkt auszusprechen, sie war schon immer eigensinnig und dämlich (behindert halt...), aber nicht so stark...

:oops: :(
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Engrid
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Re: Pflegegrad-Höherstufung-Schwierigkeit im Umgang mit Kind

Beitrag von Engrid »

Hallo Katha,
dämlich (behindert halt...)
den Ausdruck finde ich abwertend und total unangebracht.

Geh halt mal einen Pflegegradrechner durch. PG4 ist ja schon ganz schön viel, da steckt schon ganz schön viel Unselbständigkeit drin.


Am Rande: Ich würde sie anderweitig mit raschelnden Sachen versorgen, und evtl das geliebte Plakat abfotografieren, ausdrucken und an die Wand heften (oder mal mit Langnese telefonieren ... :wink: )
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Tina4K
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Re: Pflegegrad-Höherstufung-Schwierigkeit im Umgang mit Kind

Beitrag von Tina4K »

Ich denke auch dass Sie ein eigenes Plakat mir einer kleinen Kiste mit so schönen Verpackungen und Knistertüten braucht.

Unabhängig davon brauchst Du Hilfe im Alltag um solche Situationen zu meistern. Wie weiss ich nicht, kannst Du Dich irgendwo beraten lassen?

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Engrid
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Re: Pflegegrad-Höherstufung-Schwierigkeit im Umgang mit Kind

Beitrag von Engrid »

Übrigens ist grade ein perfekt passendes Buch herausgekommen :wink:
(k)ein Umgang mit herausforderndem Verhalten, von Castañeda/Fröhlich/Waigand
https://www.ukcouch.de
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Sia
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Re: Pflegegrad-Höherstufung-Schwierigkeit im Umgang mit Kind

Beitrag von Sia »

Hallo Katha

Ganz schön heftig, mit welchem Wortschatz du über dein Kind sprichst. Mein Sohn hat auch Jahrgang 04 ...

Mein Sohn war früher genauso ... dafür habe ich überhaupt keinen Pflegegrad bekommen! Weil es nichts mit der Selbständigkeit zu tun hat. Aber - ich weiss natürlich - bei uns in der CH wird vieles anders angeschaut und berechnet.

Aber in der Selbständigkeit beeinträchtigt ist man, wenn man Dinge, die man altersgerecht machen könnte, eben nicht tun kann (wie anziehen, Zähne putzen, Essen/Trinken, auf Toilette gehen etc.). Sachen des Alltages, in denen das Kind alleine nicht klar kommt und Hilfe braucht. Wenn ein Kind etwas tut, das es nicht sollte, gilt das nicht als Beeinträchtigung der Selbständigkeit - im Gegenteil, es ist in diesem Moment eher zu selbständig!

Mein Sohn und ich sind auch gleich gross (1.70 m) und das "handling" wird je älter er wird umso schwieriger. Mein Sohn wiegt 57 Kilo und ich muss ihn heben ... ob ich das schaffe oder nicht interessiert keinen! Das ist - bei uns zumindest - kein Grund für mehr Pflegegeld!
Eine schöne Zeit wünscht
Sia (aus der Schweiz :wink:)
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Re: Pflegegrad-Höherstufung-Schwierigkeit im Umgang mit Kind

Beitrag von kati543 »

Hallo,
mein Jüngster hat ebenfalls PG4.
Also da dein Kind offenbar selbstständig laufen kann, würde ich ganz pauschal sagen, dass es verdammt schwer wird, den PG5 zu schaffen. Leider zählt nicht die geistige oder seelische Entwicklung in dem Bereich, sondern wirklich nur, ob sie rein körperlich in der Lage ist selbstständig zu laufen. Krass gesagt: Es ist vollkommen egal, ob das „sinnvoll“ ist, wie sie läuft, ob sie gegen Wände rennt oder ob sie sich auf der Straße hinsetzt. Hauptsache sie kann laufen. Somit fehlt Dir das komplette Modul 1 - und das sind immerhin 10 von 100 Punkten.
Das schafft man nicht allein mit fehlender Selbstständigkeit. Die fehlende Selbstständigkeit, die du meinst, ist in den Modulen 2 - 4 ein Thema. Um PG4 zu schaffen hat dein Kind schon volle Punktzahl im Modul 2/3 (15 Punkte hier kommt auch die Verweigerung mit rein) und im Modul 4 hat sie auch mindestens 30 Punkte, wenn nicht gar 40 Punkte (volle Punktzahl).
Nun stellt sich nur die Frage, wieviele Therapien und Arztbesuche, sowie Medikamentengaben und Hilfsmittel hier noch mit reinspielen (Modul 5) und im Modul 6 hat sie wieder Höchstpunkte.
Ich sehe es bei meinem Sohn...solange er mobil ist, bekommt er keinen PG5.
Wieso hat deine Tochter eigentlich nicht Merkzeichen H bei PG4?
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

Katha71
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Re: Pflegegrad-Höherstufung-Schwierigkeit im Umgang mit Kind

Beitrag von Katha71 »

Hallo,

danke für die Antworten, vor allem @kati543. Das war eine aussagekräftige, nachvollziehbare Auskunft. Danke nochmal.

Und zu meiner Wortwahl: Sorry, ich habe das Wort "dämlich" hier benutzt, nicht ihr gegenüber. IHR gegenüber sprach ich Sätze wie "Sophie, Süsse, stehe bitte auf, der Herr möchte, dass wir gehen, du woltest doch schaukeln?" . Sie bewegt sich zwar im Internet und schaut sich Bibi und Tina-Filme und Vergleichbares an, sie kann aber nicht lesen und wird es nie können. Somit wird sie die Aussage nie mitbekommen.

Sie ist kognitiv extem behindert. Ihr Verhalten ist nicht nachollziebar, unberechenbar und willkürlich. Ein Beispiel: Sie kann zwar siganlisieren, dass sie trinken möchte. Ich reiche ihr einen Plastikbecher hin, wenn sie den ignoniert bedeutet das fehlenden Durst, wenn sie ihn mit Fingerspitze leicht eintippt, heisst es trinken wollen. So weit so gut.
Wenn sie ihren Durst gestillt hat, und sich noch Flüssigkeit im Becher befindet, dann wird es spannend. Meist stellt sie den Becher hin. Doch in jedem dritten, vierten Fall kippt sie sie auf den Fussboden oder ihn den Teller mit Essen.

Ich kann natürilch bei jeder Mahlzeit, die sie zu sich nimmt, neben ihr stehen und versuchen, ihr Verhalten vorherzusehen. Nun ja.... Ich kann auch einfach aufwischen, was ich tue.

Sie ist unschuldig, ich weiss. Sie ist das Ergebnis einer spontanen Mutation. Da die Schwangerschaft völlig unauffällig war, hatte ich nicht mal die Chance, eine Abtreibung vorzunehmen. Was ich im Verdachtsfall auf jeden Fall täte.

Sie ist mit ihrem Leben glücklich. Ich kümmere mich um sie, pflege sie, sie geht gerne zur Schule bzw. wird hingefahren. Ich kuschele mit ihr, ich streichle sie, sie macht dabei melodische Geräusche, die ich imitiere, als ob wir im Duett sängen.

Und doch weiss ich, dass mein Leben ohne dieses Menschentierchen ein anders, ein reicheres, besseres wäre. Ich ginge gerne ins Kino, Theater. Die nötige Hilfe jetzte zu organisieren ist aufwendig. Der Aufwand, um mir notwendige Hilfe für einen Abend zu organisien, entspricht zeitlich einem Arbeitstag.

Ich bin auch mal frustriert. Und ich erlaube es mir, das dann auszusprechen. So wie ich mit ihr umgehe, komme ich eh garantiert in den Himmel für Atheisten, falls es diesen geben sollte.

So, mal soviel...

WESWEGEN ich überhaupt nach der Pflegestufe fragte, hat folgeden Grund: Bei der letzten Besprechung in der Schule vor den Sommerferien liess eine Sozialarbeiterin fallen, dass mit höhererm Pflegegrad es einfacher sei, eine statinäre Einrichtung für ihr baldiges Erwachessein zu finden. Ich weiss nicht mal, ob das stimmt, doch es kam mir nachvollziehbar vor.

Daher meine Frage.

So, gute Nacht. ;-)
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Re: Pflegegrad-Höherstufung-Schwierigkeit im Umgang mit Kind

Beitrag von *Sally* »

kati543 hat geschrieben: Ich sehe es bei meinem Sohn...solange er mobil ist, bekommt er keinen PG5.

auch fehlende bzw. eingeschränkte Mobilität reicht bei einer vorhandenen geistigen Behinderung nicht unbedingt für PG 5 .
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Re: Pflegegrad-Höherstufung-Schwierigkeit im Umgang mit Kind

Beitrag von Senem »

Hallo Katha,

also ich kann dir sagen, das ein Pflegegrad nichts mit einer Unterbringung in einer stationären Einrichtung zutun hat.

Egal ob man einen Pflegegrad hat oder nicht, man hat einen Anspruch auf ein Platz, wenn man diesen benötigt.

Als ich vor 13 Jahren in eine Einrichtung zog, hatte ich noch kein Pflegegrad.

Und was ich im allgemeinen zum Pflegegrad schreiben wollte.

Du kannst natürlich einen Antrag stellen, letzendlich entscheidet der Gutachter, ob und welcher Pflegegrad euch zustehen würde.

Bei Pflegegrad 5 dachte ich zb bisher, das dies nur Menschen zusteht, die 24h nur auf die Hilfe von Anderen angewiesen sind und zb nicht mal alleine auf Toilette gehen können. Das ist für mich nachvollziebar.

Ich kenne eine menge Menschen, denen dieser Pflegegrad zusteht. Aber Menschen, die alleine auf Toilette gehen können zb oder sich alleine anziehen können, oder alleine ins Bett können, steht so etwas meiner Meinung nach nicht zu!
Katha71 hat geschrieben:


WESWEGEN ich überhaupt nach der Pflegestufe fragte, hat folgeden Grund: Bei der letzten Besprechung in der Schule vor den Sommerferien liess eine Sozialarbeiterin fallen, dass mit höhererm Pflegegrad es einfacher sei, eine statinäre Einrichtung für ihr baldiges Erwachessein zu finden. Ich weiss nicht mal, ob das stimmt, doch es kam mir nachvollziehbar vor.
Gruß

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Re: Pflegegrad-Höherstufung-Schwierigkeit im Umgang mit Kind

Beitrag von *Sally* »

Senem hat geschrieben: letzendlich entscheidet der Gutachter, ob und welcher Pflegegrad euch zustehen würde.

Stimmt nicht ! Der Gutachter gibt eine Empfehlung ab, die Entscheidung trifft die Pflegekasse, dabei orientiert sie sich am Gutachten.
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