GdB und Merkzeichen bei Entwicklungsverzögerung

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

Moderator: Moderatorengruppe

Benutzeravatar
katrinchen
Professional
Professional
Beiträge: 2201
Registriert: 22.02.2006, 19:39
Wohnort: Bremen

GdB und Merkzeichen bei Entwicklungsverzögerung

Beitrag von katrinchen »

Hallo, liebe REHAkids'ler!

Ich hoffe sehr, dass ihr mir weiterhelfen könnt. Ich unterrichte ja an einer Förschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung. Bei mir in der Klasse sind Kinder mit einer diagnostizierten allgemeinen Entwicklungsverzögerung. Die Kinder haben einen Schwerbehindertenausweis, aber nur GdB 60 und komplett ohne Merkzeichen. :? :shock:
Mir kommt das ein bisschen komisch vor... Leider habe ich im Internet keine entsprechenden Hinweise gefunden, die ich den Eltern zur Verfügung stellen könnte.
Meiner Meinung nach müsste den Kindern das "H" und das "B", evtl. sogar das "aG" zustehen und ein höherer Gdb (80- 100). Alle Kinder sind nicht verkehrssicher (überhaupt nicht vergleichbar mit Gleichaltrigen), können Gefahren nicht richtig einschätzen und somit auf Begleitung in ihrem Alltag angewiesen. Sie besuchen unsere Schulform ja auch nicht ohne Grund :wink:
Habt ihr Tipps für mich, was ich den Eltern raten kann? Da es sich ja um das selbe Versorgungsamt handelt, wäre es schon wichtig, dass die Eltern das "wasserdicht" begründen können.

Danke schonmal fürs Lesen :D

LG Katrin
Katrin (*83), Förderschullehrerin an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung

Benutzeravatar
Inga
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 7500
Registriert: 18.03.2005, 20:14
Wohnort: RLP

Beitrag von Inga »

Hallo!

Es könnte sein, dass es an nicht aussagekräftigen Arztbriefen liegt.
Entwicklungsverzögerung ist alles und nichts!

Man ist auch (motorisch) Entwicklungsverzögert, wenn nur die Feinmotorik etwas schlechter ist, oder Allgemein Entwicklungsverzögert um 3 Monate, oder....

Wie genau ist der Entwicklungsstand, ist es wirklich "nur" eine Verzögerung (also Aufholen / eine deutliche Verbesserung noch möglich), oder ist es doch schon eine Entwicklungsstörung (also gesichert und dauerhaft, auch wenn es natürlich fast immer Fortschritte gibt).

Viele Schimpfen auf das Versorgungsamt und falsch ausgestellte SBA´s, aber ich habe erlebt, dass ganz oft die Ärzte dran Schuld sind, weil sie ihre Arztbriefe zu "schwammig" schreiben. :?

Also, Kind anschauen, und wenn ihr der Meinung seid, der SBA ist so falsch, dann schauen, mit welchen Arztbriefen dieser SBA ausgestellt wurde und kontrollieren, ob die Briefe den tatsächlichen Ist-Stand des Kindes treffend beschreiben!

Holt neue Aussagekräftige Arztbriefe und stellt Verschlechterungsanträge (oder noch wo möglich) legt Widerspruch ein!

Viel Erfolg!
Inga
Michelle 02 Apert-Syndrom & Epi
Josephine 05 Albinismus
Emma 07
Nico 09 ADHS,...
Joshua 14 Epi, Hemi, Blind
Joleen 16 Schinzel-Giedion-Syndrom

Betreuer von Danielo '96 und Steven '98

Unsere Vorstellung: http://www.REHAkids.de/phpBB2/ftopic2393.html

Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 14771
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitrag von Engrid »

Hallo Katrin,

das ist die Grundlage, auf der das beurteilt wird:
http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads ... cationFile
Inhaltsverzeichnis auf Seite 15

Zum Beispiel des Merkzeichen H für Kinder, siehe Teil A, Punkt vier und fünf.
Müsste bei geistiger Behinderung und Minderjährigkeit regelhaft anzunehmen sein.

Für das Merkzeichen B (Begleitperson), siehe entsprechend im Teil B, auch häufig bei gB. Dazu Seite 145:
Vers.Med. Grundsätze hat geschrieben:EineBerechtigungfüreineständigeBegleitungistbeischwerbehinder- ten Menschen (bei denen die Voraussetzungen für die Merkzeichen „G“, „Gl“ oder „H“ vorliegen) gegeben, die bei der Benutzung von öffent- lichen Verkehrsmitteln infolge ihrer Behinderung regelmäßig auf frem- de Hilfe angewiesen sind. Dementsprechend ist zu beachten, ob sie bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel regelmäßig auf fremde Hilfe beim Ein- und Aussteigen oder während der Fahrt des Verkehrsmittels angewiesen sind oder ob Hilfen zum Ausgleich von Orientierungsstö- rungen (z. B. bei Sehbehinderung, geistiger Behinderung) erforderlich sind.
Das aG gibt es nur bei sehr erheblicher Mobilitätseinschränkung, dafür reicht eine gB alleine nicht. Aber G hat mein Sohn auch, zurecht, obwohl er physisch topfit ist, weil die Alltagswege mit ihm nur sehr erschwert durchzuführen sind, zb weil weil er an Schildern und Ampeln "hängen" bleibt, teils unkontrolliert reagiert bei Ängsten usw.

Die Eltern müssen das mit Arztbriefen, Aussagen der Schule, u.a. und eigener konkreter Begründung (allgemein reicht nicht!) belegen.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Benutzeravatar
katrinchen
Professional
Professional
Beiträge: 2201
Registriert: 22.02.2006, 19:39
Wohnort: Bremen

Beitrag von katrinchen »

Hallo Engrid,

ich meinte "G" natürlich :roll:

@ Inga: Nein, aufholen im Sinne von "die Behinderung wird sich auswachsen" ist nicht drin. Alle werden die Schule bis zum Ende besuchen und vermutlich danach in einer WfbM- evtl. auch auf einem Außenarbeitsplatz- beschäftigt sein. Also eine schwere Lernbehinderung wird immer bestehen bleiben. Danke für den Tipp mit den Arztbriefen. das werde ich so weiter geben.

@ Engrid: Ich meinte natürlich "G" :roll:
Ja, die Richtlinien habe ich gelesen und meine auch, dass ich die Kinder da wieder finde.

Ich werde den Eltern den Tipp geben, einen Höherstufungsantrag zu stellen mit entsprechend aussagekärftigen Arztbriefen. Für Widerspruch ist es zu spät.

Danke!

LG Katrin
Katrin (*83), Förderschullehrerin an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung

kati543
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 4570
Registriert: 12.05.2009, 17:48

Beitrag von kati543 »

Hallo Katrin,
wann wurde denn das letzte mal begutachtet vom Versorgungsamt? Diese Diagnose für ein Schulkind ist irgendwie einmal nichtssagendend und zum anderen auch einfach "alt". Ein Schulkind sollte schon über eine richtige Diagnose verfügen und nicht noch mit dieser Pseudodiagnose abgespeist werden.
Falls die Begutachtung "neu" war, unbedingt widersprechen und die Stellungnahme des Versorgungsamtsarztes anfordern, der zu diesem Bescheid führte. Dort stehen dann die Begründungen für jeden einzelnen GdB drin (wird allerdings nicht addiert) und dann kann man anhand dieser Grundlage eine Begründung für den Widerspruch aufbauen. Falls es dafür Zuspätkommenden ist, geht der Höherstufungsantrag nach einem halben Jahr.
Eine Lernbehinderung (egal wie schwer) ist immer etwas anderes als eine geistige Behinderung. Das Versorgungsamt trennt das auch ganz klar. Bei einer geistigen Behinderung gibt es einen GdB und je nach Schwere kann es auch Merkzeichen geben. Allerdings wurde das Kind doch garantiert vor Schuleintritt getestet und ist nicht grundlos in die GE-Schule gekommen. Bei einer Lernbehinderung ist ja Lernen zuständig.
Ich habe beim Versorgungsamt prinzipiell die Gutachten des MdK kopiert - ganz besonders das Assessment ist hier aussagekräftig.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

sandra8374
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 1522
Registriert: 09.09.2010, 12:49
Wohnort: Ruhrgebiet

Beitrag von sandra8374 »

Bei uns hat ein Bericht der Schule geholfen, der das Kind mit "gesunden" Regelkindern verglich. Die Zeugnisse sind ja immer sehr positiv geschrieben und das Versorgungsamt liest da auch nur positives und stellt halt nicht in Vergleich bzw. liest zwischen den Zeilen.
LG Sandra

S+F mit PT(*00 FAS, Microdelitation 16p11.2, ADHS, GB, Z.n.Absencen?, Sehfehler, Lordierung LWS, Skoliose 17,8%, Beckenschiefstand, Hüftkontraktur, Korsettversorgung, mit SBA 90 HBG) u. PS (*01 ADS, GB, Sehfehler, Knick-Senk-Füße, Z.n.Epilepsie, mit SBA 60)

Benutzeravatar
katrinchen
Professional
Professional
Beiträge: 2201
Registriert: 22.02.2006, 19:39
Wohnort: Bremen

Beitrag von katrinchen »

Hallo,

die Anträge sind schon länger als ein halbes Jahr her.
Das Problem ist eben, dass es keine Diagnose gibt... Sie sind im SPZ durchgecheckt, es gibt nichts Handfestes. Ist halt dann die Frage, was die Ärzte schreiben sollen. Sie sind eben nicht altersgemäß entwickelt.

Zum Merkzeichen H steht da:
"Bei tief greifenden Entwicklungsstörungen, die für sich allein einen
GdS von mindestens 50 bedingen, und bei anderen gleich schweren,
im Kindesalter beginnenden Verhaltens- und emotionalen Störungen
mit lang andauernden erheblichen Einordnungsschwierigkeiten
ist regelhaft Hilflosigkeit bis zum 18. Lebensjahr anzunehmen."

Dann müsste das doch auf jeden Fall schon gegeben sein? Das wäre ja einfach zu begründen... Oder versteh ich das falsch? Es liegt ein GdB von 60 vor.

Ich glaub allerdings, dass der GdB schon passt oder zumindest könnte. Nur das mit den Merkzeichen kommt mir komisch vor.

Und wenn ich den Satz oben, den ich zitiert habe, richtig verstanden habe, dann müssten sie doch "H" nachbeantragen können. Oder wie läuft das? Eine Verschlimmerung ist es ja nicht :?

Danke für eure Hilfe!

LG Katrin
Katrin (*83), Förderschullehrerin an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung

Benutzeravatar
Engrid
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 14771
Registriert: 24.10.2011, 10:36

Beitrag von Engrid »

Hallo Katrin,

"Tief greifende Entwicklungsstörungen" sind im ICD10 ein paar definierte konkrete F84er Diagnosen (zB Autismus, Rett), ich nehme mal an, die sind da gemeint.
http://www.icd-code.de/icd/code/F84.-.html

Einen zu den Symptomen passenden ICD10-Code sollte man von einem SPZ-Arzt schon erwarten können, also eine Symptombeschreibende Diagnose, wenn es schon keine ursächliche Diagnose gibt.
Dafür stehen sie ja drin im ICD-10.

Zum Nachbeantragen: Ich würde einfach den Antrag stellen, mit dem H. Und den Anlagen.

Grüße
Engrid
mit Sohn vom anderen Stern (frühkindlich autistisch)
"Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, wir sehen sie wie wir sind." (Anais Nin)

Naniol
Stamm-User
Stamm-User
Beiträge: 202
Registriert: 13.08.2014, 22:50
Wohnort: Herne

Beitrag von Naniol »

Hallo
Guck mal unter versorgungsmedizinische-grundsaetze.de dort findet man zu allen Krankheitsbildern den GDB.
Gruß Nicole
Nadja 07/2000 kerngesund phil 04/2011 ARHGEF9 Syndrom fokale
Epilepsie, nonverbal , Entwicklungsretadierung , geistige Behinderung Kleinwuchs..... ) GDB 100% aG B H Pflegegrad 5 ein lachender Sonnenschein

Mellie
REHAkids Urgestein
REHAkids Urgestein
Beiträge: 2115
Registriert: 22.04.2013, 19:04

Beitrag von Mellie »

Hallo Katrin,

das Versorgungsamt unterscheidet zwischen einer Entwicklungsverzögerung und einer Entwicklungsstörung. Es ist ganz wichtig, dass ein Arzt eine Entwicklungsstörung attestiert. Erst dann gibt es meistens die Merkzeichen.
Viele Grüße,
Mellie

Antworten

Zurück zu „Rechtliches (Krankenvers., Pflegegeld etc.)“