Wohnumfeldverbess. L., AOK, Asperger Autist, Anbau abgelehnt

In dieser Kategorie geht es um rechtliche Dinge, Fragen zur Krankenversicherung, Pflegegeld etc.

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ursulas
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Wohnumfeldverbess. L., AOK, Asperger Autist, Anbau abgelehnt

Beitrag von ursulas »

Hallo,

ich bin neu hier. Unser Sohn 9j ist Asperger Autist und auf der Regelschule. Pflegestufe 2 SBA 70% GBH. Er hat eine kleine Schwester 3j.

Wir haben Ende 2014 einen großen Hausumbau / Anbau angefangen da unser Sohn mit den gegebenheiten hier überhaupt nicht klar kam. Das es wohnumfeldverbessernde Massnahmen gibt wussten wir gar nicht. Als ich vor 5 Wochen mit einer Mitarbeiterin AOK telefonierte ( wegen einer anderen Sache) kam unser Thema auf den Umbau. Sie erzählte mir von der Möglichkeit der wohnumfeldverbessernden Leistung und sagte das wr darauf Anspruch haben. Wir sollen schnellstens einen Antrag dazu einreichen, da die Bauarbeiten ja noch nicht abgeschlossen sind.

das haben wir dann auch getan.................

um es nochmal genau zu beschreiben.... wir haben eine Doppelhaushälfte, unser Schlafzmmer war unten, die beiden Kinderzimmer oben. Das Zimmer unseres Sohnes hatte zwar schöne 18m2 aber beidseitig Dachschrägen so das man keine Schränke oder Verstaumöglichkeiten gescheit hinstellen konnte. Dazu gab es zwischen den Räumen höhenunterschiede.

Unser Sohn war in dem Zimmer komplett orientierungslos und hat es komplett verweigert. wir haben 2 Jahre lang versucht ihm das Zimmer näher zu bringen, ohne Erfolg. Nicht mal schlafen wollte er da, da er ohne uns Angst hat oben zu schlafen.

Er hat jede Nacht bei uns geschlafen n einem 12m2 grossen Raum. einfach unmöglich. Mein Mann und ich haben einfach nur noch Kreuzschmerzen und sind fix und fertig.

Die Pflegesituation war einfach unmöglch und kaum nch zu leisten.

Da es räumlich keinerlei möglichkeiten gab haben wir einen Anbau seitlich aus dem Dach raus an die Hausseite gemacht. Er hat nun ein größeres Zimmer ohne Dachschrägen und wir haben auf der anderen Seite eine Gaube gemacht so das wir unser Schlafzimmer hoch holen konnten. Das Zimmer unseres Sohnes bietet nun sehr viel übersichtlichen Stauraum. Den Arbeitsbereich haben wir ganz aus seinem Zimmer genommen und in den Flur verlegt. Sein Zimmer ist so reizarmer geworden und jetzt schon nutzt er es als Rückzugsort und hält sich gerne dort auf.

Durch den Anbau musste die Statik des Daches komplett geändert werden und ein neues Dach musste auf das Haus. Insgesamt hat uns der ganze Zauber über 100000 Euro gekostet.

nun kam heute die Antwort telefonisch von der AOK. Antrag kmplett abgelehnt. Begründung.......es würde sich um Modernsierung handeln.

ich bin erstmal platt......die sagen mir wir haben ein anrecht auf den zuschuss und nun die Absage :oops:

sicherlich mußten wir auch teil modernisieren, ansonsten hätten wir ja keinen baukredit von der Bank bekommen.

Aber den Anbau hätten wir niemals gemacht wenn unser Sohn ihn wegen seiner Besonderen Bedürfnisse nicht gebraucht hätte.

Meint ihr ein Einspruch macht Sinn?

Frauke Britta
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Beitrag von Frauke Britta »

Hallo Ursula,

weißt Du den Namen noch von der AOK Mitarbeiterin? Vielleicht kanns Du bei ihr noch einmal nachfragen, wie die Bestimmungen sind.

Ansonsten kenne ich es nur so, dass ein Umbau bezahlt wird, wenn z.B. eine behinderten gerechte Wanne oder Dusche eingebaut wird, wenn die Person so besser versorgt werden kann. Lifter für die Badewanne, breiter Türen, so dass Du mit dem Rolli besser durch kommst.

Liebe Grüße
Frauke-Britta
ALLES WIRD GUT

Sohn 11 Jahre Asperger, Rheuma, ADHS, V.a. Autoimmun-Enzephalitis.....
Zwillingsbruder 2003er Motzbeutel sonst unauffällig, Schwester 13 Jahre Asthma, außer der Pupertät eher unauffällig

heidipet
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Beitrag von heidipet »

Hallo Ursulas,
bei den "wohnumfeldverbessernden Massnahmen" geht es ohnehin nur um 2557 € oder 4000€ (je nachdem, ob die Regelung von 2014 oder 2015 greift). Habt ihr denn nicht irgendein Detail in der Preisklasse, dass darunter fällt? Zum Beispiel eine bodengleiche Dusche? Breitere Türen? Rufsystem?

Zweiter Punkt:
Versucht, es bei der Steuer abzusetzen. Ihr habt zwar einen geldwerten Vorteil von der Baumassnahme, aber im Vordergrund steht die Behinderung. Mit dieser Argumentation werden z.B. Aufzüge anerkannt.

Einen Versuch ist es allemal wert, ausserdem gehören Ablehnung und Widerspruch bei vielen Kassen zum ganz normalen Genehmigungsablauf...

Viel Erfolg,
Heidi

AnneJaJoLu
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Beitrag von AnneJaJoLu »

Hallo Heidi,

ist es denn nicht so, dass die wohnumfeldverbessernde Maßnahme behinderungsbedingt eine Pflegeerleichterung darstellen muss?
Da wird es mit einer bodengleichen Dusche etc. bei der Diagnose 'Asperger Autismus' schwierig werden ...

Liebe Grüße,
Anne

P.S.: Bin für jeden Widerspruch - am liebsten mit §-Angabe dankbar :-)

Sinale
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Beitrag von Sinale »

Hallo ursulas,

telefonische Auskünfte sind leider nicht rechtsverbindlich.

Im aktuellen Rundschreiben zur Pflegeversicherung sind zu wohnumfeldverbessernden Maßnahmen ein paar Dinge beschrieben, die auf dein Kind und dich als Pflegeperson zutreffen könnten (ab Seite 5 zu § 40 SGB XI, bzw. ab Seite 209 im Adobe Reader Format):

http://www.sindbad-mds.de/infomed/sindb ... enDocument

Falls du dort Punkte findest, die für eure Situation zutreffend sind, solltest du bei der GKV einen schriftlichen Ablehnungsbescheid anfordern, gegen den du dann mit Hilfe der entsprechenden Inhalte aus dem Rundschreiben Widerspruch einlegen kannst.

Falls du Widerspruch einlegst, achte darauf, dass während der Zeit, bis zur Entscheidung der GKV nicht an den beantragten Dingen weiter gebaut wird.
Viele Grüße
Sinale

Diagnose: Tetraspastik
Rollstuhlnutzerin

MariaKrausert
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Beitrag von MariaKrausert »

Hallo

ich würde auf jeden fall erst einmal Wiederspruch einlgegen...vielleicht könnt ihr euch auch juristisch beraten lassen?

else
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Beitrag von else »

Hallo Ursula,
die Anpassung der Höhenunterschiede und Anpassung der Raumgeometrie klingt schon ziemlich Wohnumfeldverbessernd. Das würde ich hervorheben und vielleicht auch etwas vom Arzt schreiben lassen.
LG
Else

ursulas
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Beitrag von ursulas »

Hallo, danke für eure Antworten :D

leider weiss ich den Namen der AOK Beraterin nicht mehr :x wieder was gelernt, nämlich alles, aber auch alles notieren :shock:

ich bin es ja mittlerweile gewohnt das man für alles kämpfen muss. aber es ist doch traurig das jeder 90 jährige den kompletten Zuschuss einfach so für einen Badumbau bekommt und Kids die viel länger etwas von dem Zuschuss (von dem Umbau) haben kämpfen müssen ohne Ende. so wirklich nachvollziehbar ist das für mich nicht. zumal wir alle hier wohl für so einen Murks keine Zeit übrig haben.

Natürlich geht es bei uns nicht hauptsächlich um barrierefrei. unser Sohn hat ja keinerlei körperliche Beeinträchtigungen.

er hat das Asperger Syndrom, komorbide Aufmerksamkeits- und Aktivitätsstörung, Störung der Impulskontrolle, nicht behandlungsbedürftige Ticstörung und Schlafstörungen sowie Angstzustände.

Er konnte sich nicht in dem Zimmer sortieren, er hatte aber ohne uns Angst oben zu sein. Er hat das Zimmer so abgelehnt das er nur IMMER unten bei uns war. Tags und Nachts. Wer einen Asperger hat oder kennt weiss was das heisst.

Er hat keine Möglichkeit sich zu entwickeln, selbstständig zu werden. Die kleinsten Dinge wie Anziehsachen oder sonstiges konnte er nicht für sich ordnen, da der Schrank ja in seinem Zimmer stand und er komplett unorientiert und planlos war sobald er da war :evil: da hat er komplett abgeschaltet. und das ist nur ein kleines Beispiel von 100 oder mehr.

und nach unserem Nervenkostüm wenn er NUR auf unserer Pelle hockt oder eben auch nach unserer Privatsphäre fragt da keiner

sicher war es für ihn eine individuelle wohnumfeldverbesserung. Er nutzt jetzt das Zimmer zu unserer absoluten Begeisterung. und er weiss sogar wo (fast) alle Sachen in seinem Zimmer sind.

Ich lasse mir jetzt etwas von der Pflegeberaterin schreiben und auch vom diagnostizierenden Kinderpsychologen (Spezialist für Autismus)

wenn ich die Unterlagen habe reiche ich Wiederspruch ein.

Soll doch der MDK einfach mal vorbeikommen und sich vor Ort alles ansehen. Die Mühe haben sie sich ja gar nicht gemacht. Die sehen nur keine körperliche Behinderung und sofort Ablehnung :roll:

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anitaworks
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Beitrag von anitaworks »

Hallo Ursula,
ursulas hat geschrieben:aber es ist doch traurig das jeder 90 jährige den kompletten Zuschuss einfach


heidipet hat geschrieben:bei den "wohnumfeldverbessernden Massnahmen" geht es ohnehin nur um 2557 € oder 4000€ (je nachdem, ob die Regelung von 2014 oder 2015 greift).
die bekommen auch nur diese Summen, mehr nicht. Alles andere ist Eigenleistung und kann im Zweifel nur über die Steuer geltend gemacht werden.

LG Anita
*1996 Sohn F84.5G (2010) HB
*1998 Tochter F84.5G (2013), Knick-Senk-Füße
*2002 Tochter F84.1G(2014), F90G (2011), HB, Hornhautverkrümmung
*2007 Sohn F84.5G, F90G, F83, HB (2012)
Hinzufallen ist keine Schande, liegen bleiben aber schon!!
#NoABA #FragtWarum

ursulas
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Beitrag von ursulas »

Das stimmt ;)
mir ging es darum das unsere Kids von einem Umbau wohl viel länger etwas haben, aber viel länger für kämpfen müssen

LG

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