SBA schon wieder abgelehnt!

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ehemalige Userin

SBA schon wieder abgelehnt!

Beitrag von ehemalige Userin »

Hallo!

Letztes Jahr im Mai habe ich erstmalig für unseren Sohn den SBA beantragt. Zwei SPZ haben uns unabhängig voneinander dazu geraten. Die sahen da gar keine Probleme!
Nun wurde der SBA letztes Jahr abgelehnt, auch der Widerspruch. Bekommen hat er einen GdB von 30.
Im März habe ich einen Verschlimmerungsantrag gestellt, Heute kam der Bescheid: man könne keine Veränderung feststellen. Wieder kein SBA!

Einerseits frage ich mich, ob ich mich freuen soll, weil die vielleicht Recht haben und es gar nicht "so schlimm" ist, oder ob ich mich ärgern soll, weil man schon wieder abgelehnt hat.

Im SPZ meinte man spontan, wir sollten es dann dabei belassen (???)! Aber warum rät man uns dann erst dazu. Wir ernteten sogar absolutes Unverständnis, als wir anfangs sagten, dass wir erstmal keinen SBA beantragen wollen...

Ich schildere mal "kurz" die Einschränkungen unseres Sohnes, der im Oktober 6 wird:

-Sauerstoffmangel vor der Geburt, NapH 6,88, APGAR 0/4/6, Reanimation, Beatmung, Neugeborenenkrämpfe, Hirnzysten (keine PVL)

-Sprachverzögerung (hauptsächlich expressiv) von ca. 2 Jahren, teilweise noch schwer zu verstehen, wenn er etwas sagt
-Wahrnehmungsstörungen, sensomotorische Integrationsstörung
-sehr umtriebig, Verdacht auf ADHS
-Störung der Feinmotorik (malt nur Krikelkrakel)
-leichte Verzögerung der Grobmotorik (kann nicht klettern, fehlende Bewegungsplanung)
-wenig Gefahrenbewusstsein (man muss IMMER ein Auge auf ihn haben, sonst läuft oder fährt er auf die Straße, steckt sich Dinge in Ohren oder Nase etc.)
-Verdacht auf mentale Retadierung
-er ist noch komplett inkontinent (weil er nicht auf die Toilette will und auch nicht Bescheid sagt)
-leicht hypoton in den Beinen

Er isst aber alleine, kann sich zum Teil allein ausziehen, Schuhe allein anziehen, fährt Laufrad, Trettrecker, Roller, spielt Fußball, versteht auch mehrere Aufforderungen in Folge (z.B. "Hol deine dunkelblauen Schuhe aus der Waschküche, setz dich auf die Treppe und zieh sie an"), fängt an zu zähhlen, klappt halbwegs bis 13.

Wer kennt sich ein bißchen aus und kann etwas beurteilen, ob er Anspruch auf einen SBA hätte.

LG
San

Roy1969
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Beitrag von Roy1969 »

Hallo San,

Behinderung wird lt. SGB IV wiefolgt definiert:
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9/__2.html

" Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist."

Das trifft auf deinen Sohn meiner Meinung nach laut deiner Beschreibung eindeutig zu - an deiner Stelle würde ich Widerspruch einlegen!

Für meinen Sohn bekamen wir im Alter von 4 Jahren den SBA mit 80 %, Merkzeichen H, G, B - Diagnose war Entwicklungsverzögerung, der Autismus war damals noch nicht diagnostiziert.
Gut, Sohnemann kann keine Anordnungen befolgen wie dein Sohn, aber auch bei ihm war kein Gefahrenbewußtsein vorhanden, er war sehr umtriebig und ich muß ihn auch heute noch jede Sekunde im Auge behalten.

Das Versorgungsamt lehnte zuerst das Merkzeichen H ab - ich bekam dann vom SPZ eine ausführliche Stellungnahme warum aus ihrer Sicht das H zusteht.
Eines habe ich im Lauf der Jahre gelernt - die Ämter stellen sich quer bis sie nicht mehr "aus"-können - also bei Vorlage eines ärztlichen Attests geben sie dann endlich die richtige Einstufung.

Wehr dich!

VG
Roy 69, GöGa 74, D. 98, A. 05
D. HB mit ADS (ADS seit Februar 11 lt SPZ nicht mehr), A. seit 12/2010 Diagnose frühkindlicher Autismus
Alle mit Talent zum Glücklichsein :-)

kati543
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Beitrag von kati543 »

Hallo,
ihr braucht mal ein paar DIagnosen. Euer Kind ist 6. Da sollte nun mal klar sein, ob es eine mentale Retardierung ist, oder nicht. Unsere Ärzte haben insbesondere diese Diagnose auch hinausgezögert. Aber mit 4 Jahren hat er die dann bekommen. Dafür wird er ja jährlich getestet und es ist nun mal auffällig, dass die Schere zu den gesunden Kindern immer größer wird, statt kleiner.
Ich nehme an, das Versorgungsamt (es kennt ja euer Kind nicht persönlich) hat nur die Sprachverzögerung bewertet. Verdachtsdiagnosen zählen grundsätzlich nicht und die Motorik spielst du selbst herunter. Das Krikelkrakel hat eher etwas mit dem kognitiven Alter zu tun, aber da fehlt wieder die DIagnose.
Ich denke, geht es mal an, dass ihr ein paar handfeste Diagnosen nach Tests bekommt und nicht nur Verdachtsdiagnosen, dann sieht das Ganze schon ganz anders aus.
LG
Katrin
Katrin (Epilepsie)
O. (Frühk. Autismus (HFA), Sprachentwicklungsstörung, Ptosis, Hypotonie, AVWS, LRS, Vd. Valproatembryopathie)
D. (geistige Behinderung, Frühk. Autismus, Epilepsie, Esstörung, Trigonoceph., Hypertonie, Opticushypoplasie, Amblyopie, Mikrodeletion 3p26.3, Vd. Valproatembryopathie, Z.n. Schädelbasisfraktur)

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Elke07
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Beitrag von Elke07 »

Hallo SanMaria,

ich denke auch, dass ihr den Antrag weiterverfolgen solltet.
Auch wenn Einzel-GdBs nicht einfach addiert werden können, sondern der höchste Einzel-GdB genommen wird, muss ja "angemessen berücksichtigt werden", wenn sich mehrere Behinderungen gegenseitig beeinflussen. Und das sehe ich z.B. bei einer Kombi aus ADHS, mangelndem Gefahrenbewusstsein und mentaler Retardierung als gegeben an.
Formal gesehen braucht ihr keine Diagnosen, sondern die Beschreibungen, wo er vom "Normalzustand" abweicht. Praktisch gesehen ist es aber natürlich von Vorteil, wenn man handfeste Diagnosen hat. Wenn eure Ärzte sich bzgl. der mentalen Retardierung nicht festlegen oder zu einer Diagnose durchringen wollen, sollten sie zumindest die Gründe beschreiben, die sie zu dem Verdacht bringen. Dann müssen diese durchaus berücksichtigt werden.

@ Roy: Dass er behindert ist, haben sie ja auch nicht abgestritten - sonst hätte er keinen GdB von 30 bekommen. Sie bestreiten aber, dass er (im sozialrechtlichen Sinne) schwerbehindert ist (das ist man ab GdB 50).
Ich hab aber auch gebraucht, bis ich den Unterschied geblickt hab...

Viel Erfolg!
LG Elke, die nicht "unter ihrem Autismus leidet", auch wenn er den Alltag oft verkompliziert

Autismus (diagn. 2012), Insomnie/ Schlafstörungen + Tagesmüdigkeit, Depressionen, Hashimoto, Asthma

Link-Tipp: AutismusFAQ - Autisten beantworten Fragen zu Autismus

Arifina
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Beitrag von Arifina »

Ich denke auch, ihr braucht handfeste Diagnosen.Verdacht auf... usw. reicht nicht. Mit 6 Jahren müssten nun endlich handfeste Tests gemacht werden können, so dass ihr dies vorlegen könnt. Ansonsten wird es immer schwierig mit dem SBA. Diese Test wären auch wichtig für die Schule.

Wann kommt das Kind denn zur Schule? Und was für Schule wird das dann sein?

Aus deinen jetziger Beschreibung kann man je wie man es liest verschiedene Schlussfolgerungen ziehen - je nach Einstellung.
Der eine sagt dazu entwicklungsverzögert vielleicht sogar stark behindert und so ein Sonnenscheinchen vom Amt meint halt dazu - naja, ein temperamentvolles, eigensinniges Kind mit überbesorgten Eltern.

Also Diagnosen besorgen! Ohne kannst du den SBA vergessen.
Arifina mit Peppi 1999

ehemalige Userin

Beitrag von ehemalige Userin »

Hallo!

Danke schonmal!

Das Problem ist, dass er aufgrund der Wahrnehmungsstörung nicht mit den gängigen Tests testbar ist. Das funktioniert schlicht nicht, weil er nicht mitmacht! Das haben wir alles hinter uns!

Für den Widerspruch habe ich jetzt ja nur vier Wochen Zeit. Ich werde so schnell keinen Termin im SPZ mehr bekommen, schon gar nicht zur langwierigen Diagnostik.

Für die Fortführung der Integration im Kindergarten, habe ich jedoch ein neues Gutachten von einem niedergelassenen Neurologen. Da stehen die o.a. Diagnosen drin, aber eben keine Stellungnahme inwieweit unseren Sohn das im Alltag beeinträchtigt....

LG
San

PS: so pauschal zu sagen - ohne das Kind zu kennen - dass das Krikelkrakel mit der mentalen Retadierung zusammenhängt, finde ich schwierig. Ein Patient nach einem Apoplex (Schlaganfall) mit feinmotorischer Störung, ist ja auch nicht gleich mental retadiert. Da muss man schon differenzieren! :wink:

Annette Schmidt
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Beitrag von Annette Schmidt »

Hallo!


Ihr habt letztes Mal scheinbar nach dem Widerspruch aufgegeben, das hättet Ihr nicht tun sollen... :?


Angesichts der Einschränkungen, die Du beschreibst, ist GdB 30 ein Hohn...

Wenn ich das in Zusammenhang betrachte, kommt mir zudem sofort der Gedanke an Autismus, perfekte Umschreibung bzw. audflistung der dabnei bestehenden Symptomtik.
Ist mal in der Richtung getestet worden?


Auf jeden Fall Widerspruch einlegen!

Lies dazu bitte mal hier:

http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... et#1604382

Hat Dein Sohn eine Pflegestufe? Wenn nicht, umgehend beantragen. Das hat zwar rechtlich keinen Einfluss auf einen SBA, aber das, was Du beschreibst, würde eine Pflegestufe durchaus rechtfertigen, das ist alles andere als der normale Entwicklungsstand gleichaltriger nicht behinderter Kinder.

http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... fe#1753960

Es geht zwar um Autismus, aber das meiste dürfte passen.

Liebe Grüße

Annette
Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, Polyneuropathie, CFS, Insulinresistenz, EM-Rentnerin mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Syndrom

Bitte keine PN-Anfragen, danke.

Annette Schmidt
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Beitrag von Annette Schmidt »

Hallo!
Für den Widerspruch habe ich jetzt ja nur vier Wochen Zeit.
Pauschaler Widerspruch ohne Begründung reicht zur Fristwahrung, siehe vorstehend.
dass das Krikelkrakel mit der mentalen Retadierung zusammenhängt
Ich kenne es von meinem Sohn, Asperger-Autismus, normale Intelligenz mit Teilhochbegabung im technischen Bereich), der im Alter Deines Sohnes auch noch Krikelkrakel malte. Das hat etwas mit der Wahrnehmung zu tun. Malt er noch Kopffüßler? http://de.wikipedia.org/wiki/Kinderzeic ... C.C3.9Fler

Ich würde anraten, eine Autismusdiagnositk bei Fachleuten durchführen zu lassen, es wäre eine Möglichkeit, die man in Betracht ziehen und abklären sollte. Viele Ärzte sind nicht in der Lage, Autismus zu erkennen und so gibt es halt "Diagnosen, mit denen niemand etwas anfangen kann. Was Du beschreibst, klingt so klassisch, ich habe es in nunmehr 12 Jahren, die ich mich mit dem Thema beschäftige, schon unzählige Male gelesen.

Scah mal hier rein:

http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... en#1729545


http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... en#1654564


ADHS istübrigens auch eine häufige Verdachts- oder Fehldiagnose oder die Kinder haben beides.

http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 163#593163

http://www.REHAkids.de/phpBB2/viewtopic ... 87#1399387


Viel zu lesen, ich weiß :oops: , aber ohne klare Diagnose wird es schwierig, die nötigen Hilfen zu bekommen, z.b. einen Schulbegleiter. Und richtig schwierig wird es in der Regel, wenn das Kind in die Schule kommt, im Kindergarten könne sie sich immer noch irgendwie durchmogeln.


Eine frühzeitige Diagnose halte ich für sehr wichtig, umso eher kann die gezielte Förderung beginnen und umso besser sind die Chancen, dass man die richtige Schule findet. Bei uns war es zu spät, mein Sohn bekam die Diagnose mit 9 (und das ist noch früh), die Folgen waren weitreichend...


Liebe Grüße

Annette
Annette *16.08.67, u.a. chronische Neuroborreliose, Polyneuropathie, CFS, Insulinresistenz, EM-Rentnerin mit Ulrich, *27.07.92, Asperger-Syndrom

Bitte keine PN-Anfragen, danke.

ehemalige Userin

Beitrag von ehemalige Userin »

Hallo Annette!

Vielen, vielen Dank!
Ich werde mich Heute Abend daran machen, alles zu lesen.

Von Autismus war schonmal die Rede. Zwei Ergotherapeutinnen waren es, die es ansprachen. Allerdings sagten sie, dass es schon zuviel wäre, von autistischen Zügen zu reden, von reinem Autismus schonmal gar nicht. Es wären nur Kleinigkeiten.

Im SPZ waren wir dann bei einer Heilpädagogin, die eine zusätzliche Fachausbildung im Bereich Autismus hatte. Sie sagte, keinerlei Anzeichen für Autismus. Die Auffälligkeiten wären durch die Wahrnehmungsstörung verursacht. Das wäre für "Außenstehende" schwer zu unterscheiden.

Ich habe dann auch Kontakt mit einem Autismuszentrum aufgenommen. Die Frau sagte mir das gleiche mit der Wahrnehmungsstörung, und auch, dass sie die Diagnostik nur durchführen könnte, wenn ein hinreichender, ärztlicher Verdacht bestünde. Das SPZ hat es ja wiederum ausgeschlossen.

Was genau empfindest Du als "klassisch autistisch"?
Diese Umtriebigkeit hat unser Sohn z.B. Zuhause und im Kindergarten nicht, quasi nur bei Arztterminen, die in Richtung Neurologie gehen. Beim Augenarzt ist er die Ruhe selbst, macht prima mit. :roll: Ich vermute fast, dass es an mir liegt!

Er wirkt nie abwesend, hat keinerlei Stereotypen, hat selten Wutanfälle (nur wenn er sich sehr weh tut, wird er schonmal sauer, oder wenn etwas partout nicht klappen will).
Er ist total gesellig, imitiert viel, sucht den Kontakt zu seinen Kiga-Kumpels.

Kommen Fremde zu Besuch, wird er eher still und zurückhaltend, bis er aufgetaut ist. Er sagt dann auch nichts, außer auf wenige, konkrete Fragen, z.B. wie er heißt oder wie alt er ist etc.

Mein Neffe (18) ist Asperger Autist und ich habe schon so viel über Autismus allgemein gelesen. So richtig finde ich unseren Sohn da nicht wieder...

ehemalige Userin

Beitrag von ehemalige Userin »

Noch vergessen:
Im SPZ meinte man, dass wir höchstens Pflegestufe 0 bekommen würden. Das ist allerdings zwei Jahre her.

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